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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
beziehbarkeit bis beziemen (Bd. 1, Sp. 1799 bis 1801)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) beziehbarkeit, f. die möglichkeit überhaupt, dasz bezogen und verglichen werden könne. Fichte philos. journ. 3, 272.
 
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beziehen , circumducere, umziehen, überziehen, goth. bitiuhan, ahd. piziohan (Graff 5, 609), mhd. beziehen bezôch.
1) ein instrument beziehen, mit saiten beziehen, die geige, harfe, laute, cither; darnach bezoch er ein laut an den zähen die waden hinauf. Garg. 231a; der harfenspieler bezog es sogleich. Göthe 18, 235; die geige war noch nicht vollständig bezogen;

wenns wahr ist, dasz die schaffende natur
.. unsrer seelen zartes saitenspiel
am morgen unsres lebens gleich bezog.
Schiller 245b;

die grundsätze werden desto gefährlicher bei einem wie er, der mit hochgespannten saiten der unähnlichsten kräfte bezogen leicht den ton eines jeden angab. J. Paul Hesp. 2, 191. gehört hierher ein mhd. beziehen im sinne von umspannen?

diu (mûre) was sô schœne und so hôch,
daʒ ir hœhe wol bezôch
zwelf klâftern mitalle. krone 14276,

sie befaszte den raum von zwölf klaftern.
2) das bett beziehen, mit frischem linnen (woher bettzieche); den tisch beziehen, mit tuch; das buch, mit leder, papier; den knopf, ball, mit seide, zwirn; das kleid, mit futter, mhd. Wigal. 805. 10517; staatswagen, mit sammt obenher und inwendig bezogen. Göthe 24, 304; in trauerfällen wird die thürklinke mit flor bezogen;

das blutgerüst, das, ob es schwarz bezogen,
noch nicht so schwarz als die, die prinz und gott gelogen.
Gryphius 1, 326.

einen beziehen heiszt im pass. K. 15, 7 ihm die augen verbinden, caput obnubere, bei hinrichtungen.
3) den alten thurm mit epheu, die laube mit weinlaub beziehen lassen; ranken beziehen das geländer; fischer beziehen die flut und die fische mit netzen;

drei fischer sich zusammen gesellten,
und ire garn an einander stellten,
und zohens durch ein grosze flut,
wie man denselben netzen thut,
dest mehr (fische) gedachten zu beziehen,
das in auch keiner mocht entfliehen.
Waldis 3, 52.


4) der himmel ist bezogen, mit wolken; das gras bezogen, überzogen mit thau; wegen des bezogenen himmels keine sonne sehen. Kant 1, 186;

ich bin kein gott, der gras läszt blühen,
und heiszt das land mit thau zu seiner zeit beziehen.
Gryphius 1, 552;

das gewitter bezieht, überzieht uns, ereilt, holt uns ein;

uns hât bezogen ein donreslac. krone 1823;

Stalder 2, 472 beziehen, im laufen einholen, wetter und regen ziehen hinter den fliehenden her und ereilen sie schnell. gerade so im pass. K. 228, 86. 256, 79 vom heranrückenden drachen und wurm, dasz er die leute beziehe, überziehe:

der tôt wil uns bezien (einholen). 257, 40;

die steigende flut: sie vil nâch bezôch. 665, 35, hätte sie bald ereilt, war ihr auf dem fusz. im gegensatz verziehen: das wetter, das gewässer verzieht sich, zieht weg.
5) ebenso überzieht, bezieht der feind, das heer:

ob si (die feinde) dich bezien. pass. K. 443, 65;

[Bd. 1, Sp. 1800]



die Phryger zu beziehn und ihre macht zu schlagen.
Opitz;

mit krieg hab ich bezogen
die ganze schöne welt.
Gleim;

(heereszug) so geht es kühn
zur welt hinein,
was wir beziehn (an uns ziehen, erbeuten)
wird unser sein.
Göthe 13, 274;

Iros, der arme Iros wird bald beziehen (al. herziehen) sein unglück
ἦ τάχα ρος Ἄιρος ἐπίσπαστον κακὸν ἕξει.
Voss Od. 18, 73,

was sich auch umdrehen liesze:

Iros, den armen Iros wird bald beziehen sein unglück.

ahd. bizôh se, ereilte sie, holte sie ein. O. III. 8, 21.
6) röthe bezog ihre wangen, zog schnell über ihr gesicht;

ein schrecklich blasz beziehet
ihr jugendlich gesicht.
C. F. Weisze.

die röthe, die blässe verzieht sich wieder.
7) das heer bezieht ein lager, hat schon die winterquartiere bezogen; soldaten beziehen die wache; wir haben jetzt in der armee ein weib, das bezieht schon die ganze compagnie zweimal. Lessing 2, 556; kaufleute beziehen die messe, spielleute den markt. so goth. bitiuhan: bitauh Jêsus baurgs allôs jah haimôs, περιῆγεν ὁ Ἰησοῦς τὰς πόλεις πάσας καὶ τὰς κώμας. Matth. 9, 35; bitauh veihsa bisunjanê. Marc. 6, 6.
8) die grenze beziehen, circumducere; die wohnung, das haus, zimmer beziehen, darein ziehen.
9) waaren beziehen, kommen lassen; der Burgunder, von Braunschweig bezogen, war ganz vortreflich. Göthe 31, 237; seinen gehalt, seine pension beziehen, einziehen; wechsel beziehen; die einkünfte bezieht schon seit geraumen jahren ein weltlicher fürst. Göthe 21, 19; er bezieht die gerichtsfälle;

die sold beziehn, um nichts zu thun.
Pfeffel 2, 139;

lebensmittel aus dem nachbarlande beziehen; ein erb beziehen, cernere hereditatem. Maaler 68b.
10) sie hat die ehe bezogen, adepta est connubium. Maaler l. c., vielleicht, ist ins ehebett geschritten.
11) abstract, swaʒ mich leides bezie. pass. K. 142, 12; diu botschaft bezôch in (kam ihm plötzlich zu). 195, 76;

die zouberere ouch wol bezôch
alda ein kreftic ungemach. 209, 80, kam über sie;

swaʒ mich bezie. 299, 60, was mir widerfahre, vgl. 4.

beziehen referre: du must nicht alles auf dich beziehen.
12) einen beziehen = beschmieren, anschmieren, betriegen:

du bist ein teufelskerl, so manchen armen tropf
prellt und beziehet schon dein canaljöser zopf.
Zachariä 1, 11.

s. das folgende.
13) sich beziehen, der himmel bezieht sich, umwölkt sich; er hat sich bezogen, besudelt; wo mans kan haben, soll er (der schauspieler bei der darstellung) sich schendlich bezogen (beschmiert) haben. Ayrer fastn. 9c.
14) weidmännisch, die hündin beziebt sich, hat sich bezogen, wird trächtig.
15) abstractes sich beziehen, pertinere, referri, referre se ad aliquid, heute unter allen bedeutungen die geläufigste: ich beziehe mich hiermit an einen andern richter (appelliere, s. ziehen). Lohenst. Arm. 2, 165; weil gott mehrers nicht begehret, als ein zerknirschtes herze, so trage ich herzliche reu und beziehe mich von seiner gerechtigkeit an seine grosze barmherzigkeit. Butschky Patm. 81; er bezog sich dabei auf zeugen; ich beziehe mich auf dich, auf meine vorige bemerkung; worauf beziehen sich diese worte; beide sätze beziehen sich aufeinander; mit einem worte, diese furcht ist das auf uns selbst bezogene mitleid. Lessing 7, 336; (beide kinder) gutartig durchaus und liebenswürdig, und nur hassend, ja bösartig, indem sie sich aufeinander bezogen. Göthe 17, 232; die beiden gemählde, auf die sich Hamlet in der scene mit seiner mutter so heftig bezieht. 19, 190; Natalie bezog sich auf den arzt, der weiter mit ihm über die sache sprechen würde. 20, 156; dahin bezogen sich ihre gespräche. 28, 279; im anfange hieng die literatur blosz an den universitäten. theologie war ihr erster umdrehungspunct. alles bezog sich dahin. Gökingks leben Nicolais 47. das part. ohne sich: ein verstand, in welchem aller dinge beschaffenheit beziehend entworfen werde. Kant 8, 228; das übrige himmelsheer wird auf eben diesen plan beziehend (bezüglich) gesehen werden. 8, 252; die ursache, welche die örter der fixsterne auf eine gemeinschaftliche fläche beziehend gemacht hat. 8, 252; die schöpfung ist allenthalben systematisch und aufeinander beziehend. 8, 259.

[Bd. 1, Sp. 1801]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) beziehlich, relativus, bezüglich: vielleicht wäre der ausdruck deutsches chaos besser weggeblieben. es gibt aber überhaupt nur ein beziehliches, ein geschaffenes wäre ein widerspruch. J. Paul nachdämm. 71. man hört auch beziehentlich.
 
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beziehung, f. in verschiednem sinne des beziehens, z. b. die beziehung der harfe, des hauses, lagers, der grenze: ohrfeigen, welche man der jugend bei beziehung der grenzen zu geben pflegte. Möser verm. schr. 1, 331. am häufigsten für respectus, conditio: in dieser beziehung, mit beziehung darauf; die beziehung und bestimmung der einzelnen theile. Göthe 55, 314; wer glaubt in dieser humanität und aufgeklärtheit der zeiten noch an die hohen beziehungen des staates? Schelling meth. des akad. stud. 110; ich stehe in keiner beziehung, habe keine beziehung zu ihm.
 
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beziehungsfläche, f. eine fläche, worauf sich eine anzahl linien, körper in ihren richtungen und bewegungen beziehen. Kant 8, 234.
 
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beziehungsgrund, m.: der beziehungsgrund zwischen thun und leiden im wechsel. Fichte grundl. der wiss. lehre 86.
 
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beziehungslos.
 
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beziehungsreich.
 
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beziehungswort, n. Lessing 11, 750.
 
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bezielen , in doppelter bedeutung,
1) terminare, ein ziel setzen, terminis conscribere, concludere. Stieler 2618. so mhd. beziln, im pass. häufig, die stellen bei Köpke 704a, z. b. den kric beziln, dem krieg ein ende machen.
2) intendere, zum ziel setzen, auf etwas zielen:

aber bald bezielt er auch sie mit den todesgeschossen.
Bürger 186a;

ohne zu bedenken, dasz das wol des ganzen dadurch bezielt sei. Göthe 45, 47; der zeitpunct kam, den ihm die mutter bezielt hatte. Hippel 4, 235; sie können sie (die 50 thl.) länger als sie die zahlungszeit bezielen (abstecken), behalten. 14, 307; das ganze lese- und schreibwesen ist blosze unschuld, die nichts bezielt. Klinger 12, 113; es müste denn die idee gerade das höchste wol bezielen. J. Paul dämm. 47. vgl. erzielen.
 
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beziemen, decere: es beziemet sich nit, non decet. Henisch 365, heute es ziemt, geziemt sich nicht. vgl. DWB bezähmen 5.

 

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41) zweiglein
 ... die spitzen an der buch und zweiglein an der tann D. v. d. Werder ras. Roland
 
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