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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bezeichnen bis bezetteln (Bd. 1, Sp. 1796 bis 1797)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bezeichnen , notare, insignire, designare, ahd. pizeichanan, nnl. betekenen.
1) sinnlich, das lamm mit einem rothen strich, den hut mit einer nummer, den hügel mit einem kreuz bezeichnen:

am abgrund geht der weg, und viele kreuze
bezeichnen ihn, errichtet zum gedächtnis
der wanderer, die die lawine begraben.
Schiller 552a;

der untere theil von Italien erzeuget menschen von prächtigen und stark bezeichneten formen, welche gleichsam für die bildhauerei erschaffen zu sein scheinen. Winkelmann 3, 52; ihre streng geschlossenen und wenig bezeichneten lippen thaten stumm einen ernst kund. J. Paul Tit. 2, 6.
2) abstract, derhalben die sacrament nit allein die heiligung bezeichenen, sonder machen auch heilig für sich selber. bienenk. 102b; ein neues hindernis bezeichnet jede stelle (auf jeder findet man n. h.). Gotter 1, 167; zweckmäszige schritte sollten künftig seine bahn bezeichnen. Göthe 19, 63; man bezeichnet ihn allgemein als den mörder;

der graf von Luxemburg
ist von den mehrsten stimmen schon bezeichnet.
Schiller 549b.


3) einem etwas bezeichnen: ich kann dirs nicht deutlicher bezeichnen;

den weg des siegs bezeichne du dem heer,
die fahne trag uns vor in reiner hand.
Schiller 463b.


 
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bezeichnung, f. notatio: eine sorgfältige, genaue bezeichnung;

sage mir, ob ich vielleicht ihn erkenn in solcher bezeichnung.
Voss Od. 14, 118.


 
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bezeigen, declarare, monstrare, indicare, anzeigen, erzeigen, mhd.

der rinc was bezeiget, dâ soldeʒ spil geschehen. Nib. 412, 1;

meige ist bezeiget in dem grüenen walde. MS. 1, 13b,

laub und blumen zeigen ihn an, weisen ihn; nhd. bezeigen (erweisen) sie mir diese erste gefälligkeit Lessing 2, 419; Heinrich bezeigte (erwies) sich ungemein willig ihm zu dienen. 6, 163; um dem oberhaupte des reiches die gehörige verehrung zu bezeigen. Göthe 24, 302; ich überreichte ihm den risz, über den er grosze freude bezeigte (zu erkennen gab) 26, 19; er bezeigte wenig lust, die stelle anzunehmen; er bezeigte für die empfangne wolthat die gröszte dankbarkeit; bezeigte mit allem seine zufriedenheit. da declarare oft auch ein testificari sein kann, so rühren bezeigen und bezeugen aneinander, wie schon die einfachen zeigen und zeugen, zeihen und ziehen, dicere und ducere, wo mehr gesagt werden soll.
 
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bezeigen, n. agendi, se gerendi ratio, benehmen, betragen: Floramene empfieng das betrügliche trauergedicht, welches sie vor weinen und jämerlichen bezeugen nicht ansehen kunte. pol. stockf. 313; es ist nicht zu beschreiben, was des herrn mag. Schmelzers religieuse anordnung und selbsteigenes andächtiges bezeigen beim altar und auf der canzel vor ganz auszerordentlichen eindruck in aller gegenwärtigen herzen that. Felsenb. 2, 169; ihr freundliches und dienstfertiges bezeigen machte sie bei jedermann beliebt. Rabener 1, 191;

mit was lieblichem bezeigen
gab sie sich mir ganz zu eigen!
Canitz 172;

[Bd. 1, Sp. 1797]



um dem zu weibischen bezeigen.
in zukunft bestens vorzubeugen.
Hagedorn 2, 106;

wie wenig jahr und stand mir dies bezeigen rathen.
J. E. Schlegel 1, 435;

es ist wahr, ich habe mich über ihr bezeigen einigermaszen selbst gewundert. Lessing 2, 364; sollte ich einen liebhaber oder einen stutzer reden lassen, so ruft ich mir das bezeigen des Barons oder des Beauburgs ins gedächtnis zurück. 3, 21; er nennet sie mit namen, die der papst uneingedenk seines reuigen bezeigens zu Vercelli, auf anliegen des Humbertus, zu Rom wiederum reordinierte. 8, 378; der contrast seines finstern bezeigens mit der allgemeinen fröhlichkeit. Wieland 2, 309; er war lang, von majestätscher gestalt und von so einnehmendem bezeigen, dasz er in kurzer zeit alle herzen gewann. 6, 100; einnehmend in seinem bezeigen. 6, 153; ist es nicht, dasz sie etwas in meinem äuszerlichen bezeigen fanden, dasz sie zurückhielt? Sophie Laroche bei Merck 1, 33; ich gieng nicht eher in mein heimliches artiges stübchen, als bis ich hoffen durfte, den widrigen eindruck meines unfreundlichen bezeigens gut gemacht zu haben. Thümmels reise 2, 55; alle castilianische grosze ... schienen ihren verjährten groll gegen den flämischen adel ausgezogen zu haben und beeiferten sich in die wette, ihn durch ein angenehmes bezeigen zu gewinnen. Schiller 812b; von dem gange, von der haltung des körpers und der stellung, von dem ganzen bezeigen eines menschen, in sofern es in seiner gewalt ist. 1114b.
 
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bezeigung, f. declaratio, erweisung: er hat seiner frommen stiefmutter exemplarische sorgfalt und getreue bezeigungen in seinem gedächtnis wurzeln lassen. Brandts Taubmann 11; mich eines kleinen briefleins zur bezeigung noch währender freundschaft zu bewürdigen. Butschky kanzl. 57.
 
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bezeihen, coarguere, beschuldigen, ahd. pizîhan (Graff 5, 587), ags. beteon, mhd. bezîhen (pass. K. 324, 55), mnd. betien:

dat en ander unschuldich, we he ok si,
unde nicht betegen werde umme mi. Reinke 1970;

dat ik ju betêch mit unrechten dingen. 2523;

nhd. Haltaus 157; also wird auch s. Jacob bezigen, er hab die mesz geordnet. Frank chron. 257b; viele, denen gott die gesundheit nimpt, die will er also krank haben, und wil doch nit, dasz sie ihn solchs bezeihen sollen. Paracelsus 1, 230c; es war eben dazumal ein kriegsknecht gefangen, den bezieg er der verräterei. Kirchhof wendunm. 464b; der bzeicht ins wuchers. Thurneisser archid. 130; der herr bezeihe mich keines betrugs. Simpl. 1, 602;

eh müss er seine brüder,
so gern er sonst von ihnen nur das beste
bereit zu glauben sei, des falschen spiels
bezeihen.
Lessing 2, 279.


 
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bezeihung, f. criminatio, beschuldigung: an der bezeihung, schmach und injuri dem klager unrecht beschech. Chmel Max. s. 389.
 
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bezeite, adv. mature, mhd. bezîte (pass. K. 6, 49. 241, 56), engl. betimes: bezeite junker und spate knecht. Mich. Neander ethice vetus s. 268; zu langsam oder zu bezeit. Agricola spr. 197a; beisorge schöpfete, als möchten sich villeicht e. gn. was ubel fülen und uns armen untersassen von gott dem allmechtigen allzu bezeiten weg genommen werden. Ringwald tr. Eck. vorrede. s. DWB beizeit, DWB beizeiten sp. 1410.
 
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bezemen, s. DWB bezähmen 5.
 
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bezeptern, sceptro instruere:

ein bezepterter könig, den Zeus mit ruhme verherlicht.
Voss Il. 1, 278;

nimmer hinfort sei gütig und sanft und freundliches herzens
ein bezepterter könig, noch recht und billigkeit achtend. Od. 2, 232.

dich in der blüte der jugend erschlug die bezepterte memme.
Platen 141.


 
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bezetteln, aspergere, bestreuen: uf den abent kouft Ulenspiegel ein hüpschen apfel, den hüllecht er inwendig usz und stiesz den vol fliegen oder mücken und briet den apfel müeszlichen (langsam) und schelet den apfel und bezettelt den mit imber. Eulensp. cap. 86, wo die neueren ausgaben: bestecket ihn auswendig mit zucker und ingwer. dies bezetteln gehört zu zetten, ausstreuen, verzetten, verzetteln, verstreuen, so wie zettel am geweb der ausgesprengte faden ist und anzetteln anweben, gleichsam ansprengen, anwerfen.

 

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