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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bezahlen bis bezähnen (Bd. 1, Sp. 1792 bis 1795)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bezahlen , solvere numerata pecunia, mit aufgezähltem geld, mhd. bezaln, nnl. betalen, schw. betala, dän. betale, goth. sagte man usgiban, ahd. argepan und geltan, wie auch noch mhd. gelten öfter als bezaln vorkommt, nhd. aber vergelten pendere, rependere ausdrückt.
1) den werth oder preis der gekauften, beschädigten, veruntreuten sache bezahlen: baar bezahlen, bei heller und pfenning, auf dem bret, aus seinem beutel bezahlen; theuer bezahlen; ich kanns bezahlen, es ist mir nicht zu theuer; die sache ist nicht mit gelde, golde zu bezahlen; einen theil des preises auf abschlag, das übrige in bestimmten fristen bezahlen; ich habe das erkaufte pferd, haus, feld, korn sogleich bezahlt; so wir deins wassers trinken, wir und unser vieh, so wollen wirs bezahlen. 4 Mos. 20, 29; was die thier zurissen, bracht ich dir nicht, ich must es bezalen. 1 Mos. 31, 39; stilets (das vieh) im aber ein dieb, so sol ers seinem herrn bezalen. 2 Mos. 22, 12; wer aber ein vieh erschlegt, der sols bezalen leib umb leib. 3 Mos. 24, 18; dazu sol er das schaf vierfeltig bezalen. 2 Sam. 12, 6; unser eigen wasser müssen wir umb gelt trinken, unser holz musz man bezalet bringen lassen. klagel. Jer. 5, 4; du wirst nicht von dannen heraus komen bis du auch den letzten heller bezalest. Matth. 5, 26; und so du was mer wirst darthun, wil ich dirs bezalen, wenn ich wider kome. Luc. 10, 35; der her wolt ein nagel mit dem andern uszschlagen

[Bd. 1, Sp. 1793]


und in mit der münz bezalen, die er von im entpfangen het. Keisersb. s. d. m. 41b.
2) vorzugsweise musz das geliehene geld, die schuld bezahlt werden: der mann konnte nicht bezahlen und muste ins gefängnis wandern; die schuld musz bis auf den letzten heller bezahlt werden; als wan man dir ist schuldig ein gülden und du bist einem andern auch ein gülden schuldig, den hast du verheiszen zu geben uf die zeit, da man dich zu bezalen auch hat verheiszen. nun dein schuldner falt dir hinder sich, leugt dir, so kanstu dan auch nit bezalen und wirst z einem lügner gegen dem, der dir gelihen hat. Keisersb. s. d. m. 66a; seine schuld pünctlich und auf den tag bezahlen. es heiszt biblisch in den busen, εἰς τὸν κόλπον, bezahlen, dem gläubiger das geld in den schosz schütten: ja ich wil sie in iren bosam bezalen. Es. 65, 6; und vergilt unsern nachbarn sibenfeltig in irem bosem. ps. 79, 12; der du vergiltest die missetat der veter in den bosem irer kinder nach inen. Jer. 32, 18.
3) geleisteten dienst bezahlen: den barbier, den kutscher bezahlen; das er nit mocht selig werden, er hett dan dem schifman den frlon bezalt. Keisersb. s. d. m. 65b; dem knecht seinen lohn, dem diener seinen sold bezahlen; sehet euch mit heiraten wol für und laszt euch feder und dinten wol bezahlen. Schuppius 115;

wir aber stehn in des kaisers pflicht,
und wer uns bezahlt, das ist der kaiser.
Schiller 328b.


4) wer bezahlung in güte nicht erlangen kann, sucht sie sich auf anderm wege zu verschaffen, das nennt man sich selbst bezahlt machen; es ist mir nicht bang, ich weisz mich schon bezahlt zu machen; sie geruhen mir entweder zu dem meinen widerum fürderlich zu verhelfen oder mich nit zu verdenken, dasz ich uf alle vorständige wege mich selbsten bezalt mache. Reinhard werth. schrift gegen Würzburg 2, 183.
5) häufig wird bezahlen, wie vergelten und pendere, rependere auf andern ersatz, als der in geld geleistet werden kann, angewandt: er hat die schuld der natur mit dem leben, dem vaterlande seine schuld mit dem blute bezahlt; da der edelmann mit seiner figur, mit seiner person, es sei bei hofe oder bei der armee, bezahlen musz, so hat er ursache etwas auf sie zu halten. Göthe 19, 151;

und keinen schönern tag erlebst du, mir
die schule zu bezahlen.
Schiller 385a;

herr Boreas, stört nicht den klang
von unsern warmen pokalen,
und nicht den lautern lobgesang,
den wir dem herbst, aus altem hang
zu reichen weinlesen, bezahlen.
Gökingk 3, 132.

mhd. mit Terramêres kinde
wart lîhte ein schimphen dâ bezalt. Wh. 100, 15.

zumal aber in übelm sinn: er muste mit seiner haut, mit seinem rücken bezahlen, schläge davon tragen;

dasz dus nicht müssest auf ein zeit
bezalen mit der groben heut.
Scheit grob. M 2a;

ich main wir haben sie bar bezalt
z Pavia im tiergarten.
Soltau 293;

also kamen die rüter und hoflüt z Ulenspiegel und legten mit im an solich anschleg, ... das der doctor bezalt würd seiner weisheit. Eulensp. cap. 15; also wer do ein lestert oder schmecht, der musz warten sin, das er mit der münz wider bezalt werde, mit der er verkauft hat. Keisersb. s. d. m. 38a; also bezalten sie einander beidenthalb mit worten und gestifter liebe (mit heuchelei). Steinhöwel Esop 46b; warlich, man hat uns bezalt, wann man uns disen tag solt braten, würden wir bei dem fewr nicht bald brennen. Garg. 134b; aber die frau mutter hat sie bezahlet (abgeführt), sie wird nicht wieder kommen. Weise comöd. 242; betrug mit betrug bezahlen. pol. stockf. 346; er sollte mir theuer für alles dies bezahlen. Wieland 4, 218; das gedicht auf den baron, welches der arme pedant so theuer hatte bezahlen müssen. Göthe 18, 314;

was soll das sein! wart, ihr bezahlt es theuer! 12, 116;

er ist schön dafür bezahlt worden; du wirst die zeche bezahlen! es ausbaden.
 
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bezahler, m. ein guter oder schlechter bezahler.
 
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bezahlerin, f. von der frühlingszeit Weckherlin 762:

du bist der erden mahlerin
und der begird bezahlerin.


 
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bezahlherr, m. ein fürst oder bezahlherr (in dessen sold die geworbnen kriegsknechte stehn). Kirchhof disc. mil. 57.

[Bd. 1, Sp. 1794]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bezahlung, f. denn auch des menschen sohn ist nicht kommen, das er im dienen lasse, sondern das er diene und gebe sein leben zur bezalung für viele. Marc. 10, 45; kreuz und leiden geben sie gott an bezalung (an zahlungsstatt). bienenk. 106b;

die bezalung ward in ganz recht gegeben,
das seind sie worden innen.
Soltau 417 (a. 1554).


 
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bezähmbar, domabilis.
 
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bezähmen , domare, nnl. betemmen, in der wildheit bändigen.
1) domare belluas: sie besteigt auf mannsweise das pferd, weisz es zu bezähmen und anzutreiben. Göthe 6, 194;

wolthätig ist des feuers macht,
wenn sie der mensch bezähmt, bewacht.
Schiller 78b,

denn das feuer gilt für ein lebendiges, wildes thier.
2) es kann aber auch als element bewältigt werden, gleich der flut:

und wer ists, der den ocean
bezähmet, dasz er nicht aus seinen ufern gleiten
und uns die sündflut wieder bringen kann?
Gotter 1, 401.


3) wuchernde pflanzen zurückdrängen:

dort bezähm einengender ranken geile verdumpfung.
Voss.


4) sich, die leidenschaften, die zunge bezähmen:

bezähme der zunge verwegenes toben!
Schiller 511a;

o kaum bezwingen wir das eigne herz,
wie soll die rasche jugend sich bezähmen. 522a.


5) einen bezähmen lassen, gewähren lassen, gehn lassen: laszt in bezemen, das er fluche, denn der herr hats in geheiszen. 2 Sam. 16, 11, wo die LXX ἄφετε αὐτὸν καταρᾶσθαι, die vulg. dimittite eum ut maledicat; aber den löseschlüssel kennet er (der heil. geist) nicht, da leszt er den bapst allein mit bezemen (fertig werden). Luther 5, 222b;

als ein alter mann lang hett gelebt,
dem tod, wie er kund, widerstrebt,
zuletst der tod rauscht her behend,
der alles dinges ist ein end,
und wolt denselben alten nemen,
er sprach, lasz mich ein weil bezemen,
das ich mein testament mög machen.
Waldis Es. 3, 25;

leg deine eier her
in meinen schosz, in meinen gern,
wenn all vögel dein feinde wern,
so solten sie dirs hie nit nemen,
bei mir lassens dir (l. dich) wol bezemen. 2, 26;

lat mi betemen, ik wilt wol maken. verl. sohn 528;

Stieler führt an 2594: wir wollen ihn bezämen lassen, indulgeat cupiditatibus suis, satisfaciat voluntati suae, offenbar, wir wollen ihn in ruhe lassen, mache er was er will. man sagt in Ostpreuszen etwas bezähmen lassen, gestatten, zulassen, ich lasse es dabei bezähmen, bewenden; in niederdeutschen und thüringischen gegenden: er bezähmet sich nicht ein glas wein zu trinken, getraut sich nicht, läszt sich nicht die ruhe, die zeit dazu; er bezähmet sich das nicht, wendet das nicht an sich. nd. laat mi betämen, lasz mich zufrieden, in ruhe, ik tame mi dat nig, ich scheue mich die kosten daran zu wenden, he tämet sik een good glas wien, er erlaubt sich ein gut glas wein, he het sik en nij kleed tamet, sich ein neues kleid zugelegt. brem. wb. 5, 17. 18; lat mi betemen, lasz mir freie hand. Schütze holst. id. 1, 96;

Buköken vun Bremen,
lat min Hanne betemen!

kobold, lasz meine Hanne ungestört. Klaus Groth quickborn s. 238; bischof Schadebant zu Hildesheim, als er sah, dasz er immer krieg führen muste: gaf he dat bischopdom up unde toch weder na Rome, und leit se mit den roven unde krige betemen (liesz sie rauben und kriegen, so viel sie wollten). script. rer. brunsv. 3, 382; da der markgraf sah, dasz Magdeburg wol versehen war: do brach he up unde leit den bischop mit öne betemen (liesz den bischof mit den bürgern gewähren, selbst fertig werden). Es leuchtet ein, dasz hier überall nicht das transitive bezähmen, domare, sondern sein stamm, das intransitive bezemen (mhd. zëmen) obwalte, was unserm ziemen, geziemen nahe kommt. betemen laten, beziemen lassen will sagen thun lassen, was einem ansteht (gefällt), ziemt, wozu er selbst lust hat, und schade ist, dasz wir dieses gefügen ausdrucks heute entrathen.
 
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bezähmer, m. domitor.
 
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bezähmerin, f. domitrix: bezähmerin der herzen;

die bezähmerin wilder sitten.
Schiller 55a.

[Bd. 1, Sp. 1795]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bezähmung, f. domitio, bändigung:

zwölf sind säugende stuten und lastbare füllen der mäuler
ungezähmt. gern holt ich mir eines davon zur bezähmung.
Voss Od. 4, 637;

diese (die bastille) zur bezähmung der hauptstadt benutzte festung. Beckers weltg. 12, 132.
 
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bezähnen, dentare, mit zähnen ausstatten:

keine wölf, so stark bezähnet,
dir sie (die schäflein) werden reiszen weg.
Spee trutzn. 331 (301).

 

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