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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
beweben bis bewegig (Bd. 1, Sp. 1768 bis 1773)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) beweben, circumtexere, umweben: die spinne hat die thür bewebet. Stieler 1450, sie ist eine spinnerin und weberin, altn. köngulvofa;

wie bin ich so manigmal
hie das schlosz hinauf gegangen,
trawrig war es überall
und von spinnen ganz bewebt.
Sim. Dach S 4,

wo der reim auf behangen leitet. schöner als beweben bewebte wäre beweben bewob, mhd. bewap.
 
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bewecken, excitare, oder für bewegen, commovere, schw. beveka: jetzt so stehnd sie auch auf und fallen herein mit ihrem paroxysmo, also auch der zorn disz beweckt. Paracelsus 1, 525c; also sollen wir auch wissen mit den lebendigen abergöttern, dasz in sie dermaszen ein seufzer vom gemeinen mann erheben mag, dasz der gemein mann sich darin so grosz beweckt und sein glauben in die sterki bringt. 2, 251a. die zweite stelle unklar und verderbt.
 
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bewedeln, flabello frigus ventilare.
 
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bewegbar, mobilis, beweglich.
 
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bewegbarkeit, f. mobilitas, beweglichkeit.
 
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bewegen, bewog, bewogen, ein schweres wort, bei dem vorsicht noth thut. von dem einfachen verbum wird unter wiegen gehandelt; da schon das goth. vigan und vagjan in der bedeutung zusammentreffen, ist kein wunder, dasz bewegen bewog und bewegen bewegte in einander greifen. ähnliche mischungen zeigten sich bei abwägen und abwiegen, bei aufwägen und aufwiegen, bei auswägen und auswiegen, wo doch das ie in wiegen (analog dem in liegen) einen halt gab, bewiegen für bewegen wird aber heute gar nicht geschrieben, früher kommt es mitunter vor (s. bewiegen). mhd. schied sich bewëgen pendere, perpendere, bewiget perpendit, praet. bewac, part. bewëgen rein ab von bewegen movere, beweget movet, praet. bewegte, part. beweget, bewëgen reimt auf dëgen, pflëgen, rëgen pluvia, bewegen auf legen, regen, movere. nhd. sollte das starke bewegen lauten wie regen pluvia, das schwache wie regen movere, legen ponere, man pflegt aber auch dieses mit ë auszusprechen, wofür wir ä in erwägen schreiben. im ablaut wurde die reinheit der vocale bald aufrecht erhalten (bewag bewagen bewegen, wie lag lagen gelegen), bald getrübt (bewog bewogen bewogen, wie wog wogen gewogen, wob woben gewoben), endlich das i in bewigst bewigt allmälich zu e geschwächt (bewegst bewegt, wie erwägst erwägt). solche formstörungen müssen auch die bedeutung beeinträchtigen, oder umgekehrt aus der schwankenden bedeutung hervorgegangen sein.
1) der sinnlichen bedeutungen von vigan, wëgan sind manche, als ursprünglichste mag aufgestellt werden movere, vibrare, unserm alterthum lag zumal die vom schwingen der wage und wiege nah und bewegen war pendere, ponderare. sie crscheint aber nhd. nur selten:

darnach weil gold gold an sich zög,
ein silber das ander bewög (aufwöge). froschm. I. 2, 18 (O 8a);

ein stimm, recht deutlich und bewogen.
Ringwald evang. J 6a,

will doch wol sagen rein abgewogen, gleichgewichtig? s. DWB bewägen sp. 1762.
2) abgezogner ist bewogen benevolus, favens, wofür wir heute gewogen sagen, doch schw. bevgen, dän. bevaagen, die von uns entlehnt wurden: das die brüder ir bewogen gezeugnis halten. Luther 3, 133; mit genade bewogen sein. Schweinichen 2, 20; und sie mir sonsten mit allen gnaden bewogen war. 2, 305;

seit ihr ein junkher und habt gelt,
möcht ich euch basz bewogen sein.
Ayrer fastn. sp. 115b;

wem Mars bewogen ist, liegt oben durch den krieg.
Opitz 2, 12;

den göttern, die ihm wol
und gut bewogen sind, mit furcht entgegen laufen. 1, 218;

[Bd. 1, Sp. 1769]


welchen sie mit mütterlicher treu bewogen war. Arg. 2, 167;

nach dem groszen sündenflusse
setzte gott den gnadenbogen,
wann auf strafe folget busze,
ist er uns wie vor bewogen.
Logau 1, 7, 74.

kann es meinen die wagschale neigt sich günstig? oder ist es, ohne bezug auf die wage, zugeneigt? mehr noch unter DWB gewogen.
3) ahd. mir wigit moveor, molestum mihi est (Graff 1, 656), luzil piwigit parvi pendit (1, 658), mhd. mich wiget hôhe, magni facio, mich wiget ringe, parvi pendo (gramm. 4, 238). ebenso noch bei Luther: ob aber jemand der unsern vieleicht bewegt, wie es möglich sei. 8, 71b; mit herzog Georgen sachen haben die unsern fast unvorsichtiglich gehandelt, dasz michs hoch bewogen hat. br. 4, 683, ita, ut moleste feram; das euch bewegt, ob geldschuld auch ein kreuz sei. 1, 427. für dies unpersönliche nhd. mich bewigt hoch, gering musz es noch mehr belege geben.
4) häufiger zeigt sich die abstraction bewegen, perpendere, erwägen: Maria aber behielt alle diese wort und beweget sie in ihrem herzen, συμβάλλουσα, vulg. conferens, goth. þagkjandei. Luc. 2, 19, richtiger stände hier bewog, erwog, wie in der hernach folgenden stelle Ayrers bewogen; da sagt ich, e. hochw. wölle das wort betrachten und fleiszig bewegen. Luther 1, 119a; s. Petrus zeucht es (das urtheil gottes) auch an und bewigt es hoch, magni pendit. 4, 51; das nu jemand möcht bewegen (in betracht ziehen), wie Jacob so untrewlich mit seinem bruder gehandlet habe. 4, 152b; das e. k. gn. gnediglich wollten bewegen sein armut und elende. 5, 265b; denn ich habe alle zeit meine wort also gesetzt und zuvor bewogen. 6, 6b; so wir nu dieses stück nach vermögen, das gott verliehen hat, bewogen und behandelt haben. 6, 394a; so doch für handen sind gelerte juristen, die solchs wol zuvor könden hören und bewegen. 8, 41a; wie grosz solch gab sei, kann niemand genugsam bewegen. br. 2, 162; e. f. gn. wollen sie (die sprüche) lesen und bewegen. 3, 508; und ist das mein bewegen. 4, 201; wir haben ewre schriften empfangen und mit fleisz gelesen und bewogen. 4, 358. 480; in der bibel verwendet Luther den ausdruck nicht. andere schriftsteller reichen folgende beispiele dar: so bevelhen wir dir, du wöllest die sachen gruntlichen und nach notturft bewegen und ratschlagen, wie sollichs anzufahen sei. Reuchlin augensp. 3a; sie hon es gelernt, nit das sie dem nachvolgten, sunder das si es kündten bewegen und widerfechten (non ut sequantur sed ut judicent atque convincant). 9a; Innocentius hat dise materi durch vil hochgelerter bischofen lassen ermessen und bewegen. 12b; so bedenken wir auch, dasz die sache noch nicht genugsam bewogen, wie die nothwendigkeit erheischt. Melanchthon 1, 512; achten wir uns für unvermöglich oder können und wollen nichts thun, so es vorfällt, der zeit halben oder von wegen andrer umstände, das lassen wir die herren bewegen (überlegen). 3, 690; ist auch dieselbige schrift durch viel praedicanten dieser land besehen und bewogen, die sie als recht und christlich approbieren. 7, 820; die alle artikel fleiszig bewogen haben. vorr. zum corp. doctr. chr. p. ii; disz soll hie zugleich wol bedacht und fleiszig bewogen werden. p. 968; in dem spruch ist kein dunkelheit, wenn man die sach recht bewigt. Melanchth. hauptart. verdeutscht bl. 75; das hatten sie nie bewogen oder bedacht. Rihel Liv. 489;

man weisz, das mancher schlafen ligt,
und traumend künftig ding bewigt.
Schwarzenberg 152, 1;

der arzt schawt auf und wol bewag.
H. Sachs I, 157d;

mit vernunft ich bewag. I, 278b;

das soll billich werden bewogen.
Ayrer 404b;

wer keines wil bewegen,
der wird sich letzlich legen
ins bette, wo die flammen
gehn über ihn zusammen.
Logau 3, 10, 21;

die sache etwas fleisziger bewegen als zuvor. Schweinichen 3, 136; item es ist zu bewegen, dasz in den kriegsleuften nit alle ding zu bedenken, wie ich sie jetzt beschreiben mag. Fronsperg 1, 126a; und seine mutter hat alles, was sie gehört, das von diesem kindlein gesagt wird, fleiszig in ihr herz bewogen. Ayrer proc. 2, 10; so wollet ihr es mit aufmerksamen und wolbewegenden herzen lesen. Schuppius 469. heute gitt dafür überall erwägen.

[Bd. 1, Sp. 1770]



5) sich eines bewegen hatte mhd. den privativen sinn sich einer sache begeben, abthun, entschlagen, zur seite wenden:

Kriemhilt in ir muote sich minne gar bewac. Nib. 18, 1;

vil der varnden diete ruowe sich bewac. 39, 2;

sie heten sich der ruowe mit arbeite bewegen. 1304, 2;

nune welle got von himele, sprach Gunther der degen,
daʒ ir iuch genâden sült an uns bewegen. 2114, 2;

des bewag er sich ze hant. a. Heinr. 1257;

der antlitzes sich bewac
nâch menschen antlitze. Parz. 119, 20;

man sol und muoʒ sich sîn bewegen. Trist. 44, 29;

sô muget ir iuch (nicht ouch) mîn wol bewegen. 188, 31;

und welcher friunde ich sol phlegen
unde der ander mich bewegen. Barl. 120, 24;

dur die er vreuden sich bewac. 189, 38;

mac sich waʒʒer unde mer
ruowe niht gein in bewegen. 235, 5;

und valscher lêre sich bewegent. 271, 14.

wie diese bedeutung aus einer positiven entspringen konnte, scheinen die stellen zu lehren, die keinen gen. enthalten, aber einen abhängigen satz mit verneinung folgen lassen:

do bewâgen sî sich schiere,
sine væhten niemer wider in,
ern tæte sînen lewen in. Iw. 6710;

wan si hâte sich bewegen,
si enwolte niemer gepflegen
keiner fröuden über al. Flore 5781;

sie entschlossen sich nicht zu fechten, sie hatte sich entschlossen keiner freude zu pflegen, und ebenwol hätte mögen gesagt sein: sie bewâgen sich des strîtes, si hâte fröuden sich bewegen, wie umgedreht jenes: minne sich bewac aufzulösen wäre in: si bewac sich, sine wolde minnen. solchergestalt zu fassen ist auch privatives beteilen.
nhd. gieng auch dieses sich bewegen über in sich erwegen oder verwegen: etliche aber fielen dahin, das sie sich des lebens erwegeten (f. erwogen). weish. Sal. 17, 15; hatten sich ires lebens erwegen (al. erwogen). stücke in Esther 7, 9; also das wir uns auch des lebens erwegeten (goth. svasvê skamadêdeima uns jah liban). 2 Cor. 1, 8. sich verwegen sagt H. Sachs:

des ich mich doch gar tet verwegen. III. 2, 39d;

ich musz mich sein gleich gar verwegen. III. 2, 116a,

sich irs lebens verwagen els. III. 2, 246b;

erst musz ich mich dein ganz verwegen. III. 2, 253a;

auch hier empfängt, wo der gen. abgeht, verwegen positive kraft:

verwegen het ich mich zu sterben. III. 2, 221b.

heute sind erwegen und verwegen in solcher bedeutung auszer gebrauch.
6) das starke und schwache verbum, seit bewigst und bewigt verwischt sind, vermögen wir heute am praesens gar nicht mehr, nur am praet. zu unterscheiden. ich bewog heiszt impuli, adduxi, brachte dazu; ich bewegte agitavi, commovi; ich bin, werde bewogen, dahin gebracht, adducor, inducor; ich bin, werde bewegt, agitor, commoveor. bewog drückt bloszen trieb, antrieb, bewegte stärkere einwirkung, erschütterung aus. ich bewog ihn zu handeln, du bewogst mich zu diesem schritt; ich bin bewogen nachzugeben und das haus zu verkaufen; deine worte bewogen mich zum nachdenken, zur überlegung; bin derhalb darauf bewogen, euch dies kleine brieflein zu schreiben. Luthers br. 4, 535; in allen diesen beispielen würde nicht gut bewegte und bewegt gesagt. dagegen heiszt es, dieser anblick bewegte mich zu thränen, zum weinen, zum lachen; ich fühle mich heftig bewegt; die ganze stadt ist bewegt davon, wo bewog und bewogen unzulässig wären, bewegt kann (wie erregt, erschüttert, aufgebracht) absolut stehn, niemals bewogen impulsus. man dürfte zusammen stellen: dein hartes schicksal bewegte mich, es bewog mich dir die hand zu bieten. doch laufen die grenzen in einander über, und beide, bewogen und bewegt, scheinen in der bedeutung von gerührt, angeregt u. a. m. statthaft. so schrieb schon Mich. Neander menschensp. 32: die worte bewogen mich, d. i. rührten, bewegten; als er disz sahe, ward er gegen ihn mit so innerlicher erbarmung bewogen. pers. baumg. 9, 9; mir träumete, ich hätte dich hören predigen mit einer so lieblichen stimme, dasz du aller deiner zuhörer gemüter bewogen und auf deine seite gezogen hättest.

[Bd. 1, Sp. 1771]


pers. rosenth. 4, 12; wann ich zur ungedult bewogen (getrieben) würde. Schuppius 791;

war heftiglich bewogen (erregt) wider die christen.
Ringwald evang. G 8a;

Durus hört manch spitzig wort, wird dadurch doch nicht bewogen,
hat den ohren, wie man meint, einen harnisch angezogen.
Logau 3, 5, 84;

hierdurch zum mitleid bewogen.
E. von Kleist 2, 32;

da ich mit treuen seufzern
des besten mädchens herz bewog.
Hippel 7, 310.

man würde heute immer bewegte vorziehen.
7) am meisten fällt uns auf, wenn frühere schriftsteller bewog für sinnliches bewegte setzen:

grosz augen als die kesenepf,
aus welchen, wenn sie die bewogn,
viel hundert tausend funken flogn.
Ringwald tr. Eck. K (1590 J 5b);

so wird das meer auch immer vom winde bewogen und schwüllet dadurch auf. Praetorius storchs winterq. 304;

der hat im tanze nicht die beine recht bewogen (gerührt)
Rachel 128;

vergnüglichkeit und sanfte stille,
die weder mut noch leid bewog.
Haller 172 (164).

auch nnl. liest man: geen blad aan de boomen bewog zich, statt des üblicheren bewegde zich. dies bewog schiene wol geeignet sanftere bewegung auszudrücken: der wind bewog, rührte, trieb die blätter, wo auch mhd. bewac oder wac denkbar wäre, und diu bleter, löuber sint bewëgen statt beweget. das praes. entscheidet nicht:

still ist luft und lüftchen stille,
was bewegt mir das gezweige?
Göthe 3, 38,

früher würde bewigt keinen zweifel gelassen haben.
 
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bewegen, bewegte, bewegt, mhd. bewegen, bewegete und beweite, beweget, nnl. bewegen, schw. beveka (mit tenuis, neben jenem bevgen), dän. beväge, beide von uns erborgt. die bedeutung ist agitare, commovere, concutere, heftiger als das vorausgehende bewëgen bewog.
1) sinnliches bewegen.
a) die erde bebete und ward bewegt. 2 Sam. 22, 8; der du die erde bewegt und zurissen hast. ps. 60, 4; darumb wil ich den himel bewegen, das die erde beben sol von irer stet. Es. 13, 13; den ich bin der herr dein gott, der das meer bewegt, das seine wellen wüten. 51, 15; der das meer bewegt, das seine wellen brausen. Jer. 31, 35; da aber gewässer kam, da reisz der strom zu dem hause zu und mochts nit bewegen (goth. ni mahta gavagjan ita). Luc. 6, 48; woltet ir ein ror sehen, das vom winde beweget wird (raus fram vinda vagid). Luc. 7, 14; denn ein engel fuhr herab und beweget das wasser. Joh. 5, 4; gleichwie ein feigenbaum seine feigen abwirft, wenn er von groszem winde beweget wird. offenb. Joh. 6, 13; der wind bewegt die fahnen auf dem dach. bemerkenswerth das goth. vagid von vagjan Luc. 7, 14, wie raus fram vinda vagidata, σαλευόμενον Matth. 11, 7; ahd. rôra fon winte giwegita; aber mitads gavigana, von vigan, μέτρον σεσαλευμένον, mensura coagitata, bei Luther ein gerüttelt masz, Luc. 6, 38, was mhd. bewëgen, gewëgen maʒ ausdrücken würde. der wind bewegt das rohr, der scheffel wird gerüttelt.
b) und wil den fusz Israel nicht mehr bewegen lassen vom lande, das ich iren vetern gegeben habe. 2 kön. 21, 8; laszt in ligen, niemand bewege seine gebeine. 23, 18; er kann seine hand, seinen fusz nicht mehr bewegen; das haupt bewegen, schütteln; alsbald er den rücken kert, so rümpfest du die nas, die bewegst du mit geberden und schlechst im also den muf nach. Keisersb. s. d. m. 43b; und bewegt die zung so schnell. 48a;

die ellenbogen freier zu bewegen.
Göthe 11, 327;

unbewegt und stolz will keiner dem andern sich nähern,
keiner zum guten worte, dem ersten, die zunge bewegen. 40, 275.


c) da ward alles hausgesind über den esel bewegt mit stangen, stecken und steinen. Steinhöwels Esop 33; der frühling bewegte seine auen und seine blumen unter dem schleier von schnee. J. Paul Hesp. 3, 88.
d) der pendel bewegt die räder der uhr; das pferd, der dampf bewegt den wagen.
e) einen wohin bewegen, amovere, semovere: man suchte den schreier in ein nebenzimmer zu bewegen; dasz durch der singekunst lieblichkeit sie den himmel selbst mit seinem

[Bd. 1, Sp. 1772]


gestirn aus seinem ort bewegeten. Schuppius 779; mit drohen und schimpfen wollte er seinen gegner ins nächste gäszchen bewegen, um die sache daselbst auszumachen. Göthe 30, 185.
2) abstractes bewegen, commovere, concutere, dessen schwankender unterschied von bewëgen, bewog vorhin behandelt wurde.
a) einen bewegen, geneigt machen, flectere, mhd.

vrou Minne muoʒ si mir bewegen (: legen). Iw. 1637;

nhd. und sie dadurch bewegt gegen im wirt, unkeuscheit halb. Keisersb. s. d. m. 32a; nicht leicht durch widerwärtigkeit zu bewegen. pers. baumg. 7, 30; ich würfe mich vor ihm nieder und flehte ihn an ... aber nein, ich bewegte ihn nicht. Klopstock 9, 330.
b) einen bewegen, excitare, concitare: aber die jüden bewegten (vulg. concitaverunt) die andächtigen und erbarn weiber. apost. gesch. 13, 50; wiewol den fürsten diese händel übel bewegeten. Kirchhof wendunm. 283b; damit der zorn gottes nicht bewegt oder gemehrt werde. Schuppius 752; ich bin an meinem ganzen leibe beweget, dasz ich ihn nur sehe. pers. baumg. 4, 4; der könig von Navarra ward am hofe mit einer geringschätzung behandelt, die jedermann, nur die Guisen nicht, bewegte. Schiller 1103;

auch die liebe beweget das leben,
dasz sich die graulichen farben erheben. 497a.


c) einen bewegen, reizen, einnehmen:

was man frei und täglich schauet, pfleget minder zu bewegen.
Logau 2, 6, 79;

jeden ohne unterschied reizt der nahe gewinn, aber nur grosze seelen wird das entfernte gute bewegen. Schiller 893;

und wen des rosses wiehern, das gebelle
der kuppelhunde nur bewegt.
Gotter 1, 97.


d) einem herz und mut, einen im herzen bewegen, rühren, mhd.

daʒ beweget im den muot. Iw. 4859;

nhd. das bewegt mir das herz, bewegt mich im herzen;

doch im das buch sein herz und mut
also genzlich und gar beweget.
H. Sachs II. 2, 88d;

das thut im herzen mich bewegen. III. 2, 187b;

denn viel lassen sich mit golde stechen (= bestechen, oben sp. 1663) und bewegt auch wol der könige herz. Sir. 8, 3;

und tief bewegten gesänge
des herzens innigsten grund.
Göthe 1, 104.


e) einen in zorn, mitleid bewegen: wer weisz, wie er in zorn bewegt ist gewesen. Keisersb. s. d. m. 15b; wurden sie in zorn bewegt. Aimon i; durch solche klag wurden die männer in erbarmung beweget. buch der liebe 87, 1; es beweget mir mein herz in ein solches mitleiden. 88, 1. auch auf und an: wie können wir uns denn auf ewre meinung bewegen lassen. Luther 4, 376b; was beweget die zwei richter an der thorheit, welche sie mit Susannen verüben wollten? Schuppius 516.
f) einen zu etwas bewegen: wan der bauch von wein girret, so wirt er leichtlich z unkeuscheit bewegt. Keisersb. s. d. m. 5a;

das selbig sie beweget
zu solchem groszen neid und hasz.
H. Sachs III. 2, 204a;

es bewegt ihr ehestand
hagestolze selbst zum neide.
Gotter 1, 51;

was bewegte herrn Eberhard zu einer solchen seltsamen verwickelung? Kant 3, 339; das bewegt mich zu thränen, zum lachen. häufig bewegt, wie sonst bewogen, impulsus, mit folgendem infinitiv: sihe zu, das dich nicht vielleicht zorn bewegt habe jemand zu plagen. Hiob 36, 18; lasz deine seele nicht bewegt werden in zu tödten. spr. Sal. 19, 18; so wirt der bös geist bewegt z antwurten. Keisersb. s. d. m. 24a; denn es ist uneerlich, da einer die leut ze lachen bewegt, und acht nit, ob es im wol anstand oder ubel. 53a; ich bin bewegt worden aus christlicher liebe und sorge an euch diese schrift zu thun. Luther 3, 100b; ich bin newlich gefallen on geferde (ungefähr) in die geschichte des concilii zu Constenz, bin daraus bewegt, diese sprüche dawider zu setzen. 6, 318b; könig Floreis hörte so viel lobs von der gesellschaft der tafelrunde sagen, dasz er dardurch bewegt ward, solches in eigener person zu erfahren. buch der liebe 382, 1;

aber du wirst uns mit bewegen,
unser hend auch an dich zu legen.
H. Sachs III. 2, 78b;

[Bd. 1, Sp. 1773]


diese (stanzen) zogen mich an und nöthigten mich vor- und rückwärts zu gehen, wodurch ich denn gar bald bewegt ward vom anfange anzufangen. Göthe 45, 223.
g) etwas bewegen, erschüttern: sihe auch noch nicht, das meine gründe daselbs gelegt, recht sind angegriffen oder bewegt. Luther 3, 285.
h) etwas bewegen, berühren: hier kommt gar vieles zur sprache, das zwar schon mehrmals bewegt worden ist, aber nie genug ausgesprochen werden kann. Göthe 45, 10.
3) sich bewegen, moveri, commoveri, sich rühren: da er sahe Mardachai im thor des königes, das er nicht aufstund, noch sich fur im beweget. Esth. 5, 9; und die krefte der himmel werden sich bewegen (goth. jah mahteis þôs in himinam gavagjanda). Marc. 13, 25; die warteten, wenn sich das wasser bewegete. Joh. 5, 3; und da sie gebetet hatten, beweget sich die stätte, da sie versammelt waren. apost. gesch. 4, 31; schnell aber ward ein groszes erdbeben, also das sich bewegten die grundfeste des gefängnis. 16, 26; denn die natur beweget sich in ihm, wie er auch sein natürlicher vatter war. buch der liebe 19, 1;

all mein kreft thun sich bewegen.
H. Sachs III. 2, 42a;

o meine seele, du bist ja würdig verbrennet zu werden, warumb solstu dich dann über ein wenig asche bewegen (erzürnen)? pers. baumg. 4, 3; bewege dich nicht über die reden dieses geplagten und ganz verfährten (erschrocknen) mannes. 4, 11;

ziehet, ziehet, hebt!
sie bewegt sich, schwebt!
Schiller 80b;

wer mit der ehrenbinde
bewegt sich stolz voraus?
Göthe 1, 129;

da erklingt es wie von flügeln,
da bewegt sichs wie gesang. 23, 6;

dem die ewigen melodieen
durch die glieder sich bewegen. 41, 230;

so bewegte sich auch in dem täglichen zusammenleben unserer freunde fast alles wieder in dem alten gleise. 17, 396; man gestand sichs nicht ausdrücklich, aber man verleugnete es nicht, dasz man sich unter geistes- und gefühlsverwandten bewege. 26, 26; Schöpflin, der sich in der höhern sphäre des staatsrechts zeitlebens bewegt hatte. 26, 49; unsere geschäftsmänner und diplomaten bewegten sich nun nach Dresden. 31, 52; ein weites hüglichtes thal bewegt (erstreckt) sich zwischen zwei ansteigenden hügeln gegen den Hundsrück. 43, 252.
 
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bewegen, n. motus:

tausend fleiszge hände regen,
helfen sich in muntrem bund,
und in feurigem bewegen
werden alle kräfte kund.
Schiller 79b.

da wird
ein augenblicklich brausen und bewegen,
der markt belebt sich.
Schiller 366a.


 
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beweger, m. motor: was sich reget, das platzen wir an, den beweger aber lassen wir hin. kriegsb. des friedens 158; die geheimen beweger der ganzen maschinerie, wodurch Julia zu grunde gerichtet wurde. Wieland 24, 375; die drei groszen beweger des menschlichen gemütes, glaube, liebe und hofnung. 27, 339;

aber der krieg auch hat seine ehre,
der beweger des menschengeschicks.
Schiller 497a;

gestern noch der belebende geist, der grosze und einzige beweger seiner schöpfung. 967; aber dazu sucht eben das erstaunte volk einen leiter, beweger. Klinger 12, 302.
 
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beweggrund, m. causa, ratio, grund, antrieb. Klinger 11, 249. 257. s. bewegungsgrund.
 
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bewegig, mobilis, leicht zu bewegen:

ob solche herschaft wird unwillig
der unterthan, und nicht unbillig,
und wird bewegig zu aufruhr.
H. Sachs IV. 2, 70c.

 

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