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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bleibutter bis bleicherei (Bd. 2, Sp. 96 bis 98)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bleibutter, f. butyrum Saturni.
 
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bleich, pallidus, fuscus, ein goth. blaiks mangelt, ahd. pleih, mhd. bleich, ags. blâc, engl. bleak, alts. blêc, nnl. bleek, altn. bleikr, schw. blek, dän. bleg. pleih ist gebildet von plîchan splendere, wie weih, ags. vâc, engl. weak mollis, nachgibig von wîchan cedere, der ablaut bleich drückt nachlassenden, geschwächten glanz aus, die sonne ist glänzend, leuchtend, der mond bleich, also ist bleich minder leuchtend, matt, wie es schon übertritt ins fahle, graue. Adelungs erste ausg. erklärte bleich für gemein, blasz für edel, welche ganz grundlose annahme doch die zweite ausg. tilgte. gerade bleich war in unsrer älteren sprache verbreitet und edel. doch heute scheint uns blasz vorübergehender, bleich dauernder: sie ward blasz und wieder roth, aber der todte liegt ganz bleich; man redet von blässe der wangen, aber von bleichsucht; es heiszt blaszroth, blaszgrün, nicht bleichroth, bleichgrün, obschon ahd. eben pleichcruoni vorkommt (Graff 4, 300). zuweilen werden beide gehäuft: er ward blasz und bleich vor schrecken;

o Fabi, wie so bleich und gelber!
H. Sachs III. 3, 36d;

o goldflusz, bleich und reich.
Weckherlin 710,

von hochblondem haar. die dinte heiszt bleich oder blasz. alts. von den drei königen, sie sahen

berht bôcan godes blêc an himile
stillo gistandan, the sterro liohto skên. Hel. 20, 7,

was das matte sternenlicht ausdrückt; das lockere gewölke schwamm um den mond herum, und liesz sein bleiches silber aus den schlacken blicken. J. Paul Hesp. 1, 115;

seht, hier am daumen trag ich diesen ring.
'der ist ja bleich (trüb) wie erde'.
Uhlands Ludw. 68;

steig wieder, sonne, die gesunken war,
hinab musz Ludwigs bleicher stern. 132;

sparte nicht gold und silber, noch erz und bleiches metall nicht.
Göthe 40, 344;

und seit mein kühnrer mund um spätes mitleid bat,
reift nun zum andernmal der felder bleiche saat.
Uz 2, 72;

er kam in einen bleichen wald voll abgeschälter maienbäume. J. Paul Tit. 2, 107;

weint ihren schönen busen nasz
und ihre wangen bleich.
Hölty 18;

vorzugsweise machen furcht und schrecken bleich, die lat. sprache stellt Pallor et Pavor personificiert nebeneinander, die gr. Δεῖμος, Φόβος. das homerische

μάλα γὰρ χλωρὸν δέος αἱρεῖ. Il. 17, 67,

ς φάτο>, >τοὺς δ' ἄρα πάντας ὑπὸ χλωρὸν δέος εἷλεν. Od. 22, 43,

ς φάτο>, >τοὺς δ' ἄρα πάντας ὑπὸ χλωρὸν δέος ρει. 24, 450,

verdeutscht Voss:

faszte sie bleiches entsetzen,

[Bd. 2, Sp. 97]


und χλωρός entspricht unserm blasz, bleich. Δεῖμος gehört zu δειμός timor, und δεινός furchtbar, δειλός feige ist von δείδω, wir erkannten 1, 579 in ἀργός zugleich den weiszen, bleichen und feigen, und, wo nicht alles triegt, musz, da Δεῖμος durch Pallor übersetzt wurde, δείδω mit δαίω, wie palleo mit sl. paliti, bleich mit blîchen in berührung stehn, vgl. mythol. 188. ich bin der mann der bleichen furcht nicht. Schiller 135b; da fieng der mund an bleich zu werden. Keisersb. s. d. m. 24a;

scherzt nicht, o herr, mit diesen armen leuten!
ihr seht sie bleich und zitternd stehn.
Schiller 537a;

ich gewinn es mit langen spieszen,
mach ihnen die nasen bleich.
Soltau 408;

es schneiete und regnete mit feindsvolk, da begunte man erst bleich umb die nasen auszusehen! Philand. lugd. 3, 80; so dasz der abt schier anfieng etwas bleich umb die nasen zu werden. 167. in der edda ist neffölr, pallens nasum (Sœm. 249a), wie der nasenzipfel zuerst erfriert, an sterbenden zuerst bleich wird. seine flüchtige und nun abscheidende bleiche (erblichene, verblichene) seele. Opitz 1, 5a;

noch eins, um euch gelehrten schwebt
ein dämon böser art,
er schleicht zum bleichen fleisz, bei später lampen schein,
sich langsam und verstolen ein.
Uz 2, 193;

so stehn um den sterbenden christen, mit bleichen gedanken
und mit halber freude, die gern sich freute, die haufen
niedriger spötter.
Klopstock Mess. 6, 420;

die familie blühte noch, wenn gleich diese beziehungen bleicher und unwirksamer mochten geworden sein. Göthe 48, 73; wie aus einer tiefen dämmerung trat ein tröstendes, bleiches gefühl endlich in ihre brust. Tieck ges. nov. 4, 289; der schmerz und das ziel des bleichen lebens. J. Paul Tit. 2, 225; dasz deine besonnenheit zu bleich und klein dagegen ist. uns. loge 3, 33. s. bleichen und blicken.
 
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bleichanstalt, f. locus linteis insolandis.
 
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bleichart, bleichert, m. vinum albi coloris, wein von blasser farbe, franz. clairet, paillet. Garg. 58a;

lag freilich muskateller,
nicht solcher bleichert, damals noch
in dieses hauses keller.
Gökingk 3, 134.


 
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bleichbraun, blaszbraun. Alb. M. weiberg. 82.
 
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bleichbuch, n. liber artem insolandi docens: Gülichs vollständiges färbe- und bleichbuch. Göthe 54, 247.
 
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bleiche, f.
1) pallor: die bleiche seiner wangen verkündigte den nahenden tod; bleiche und magere. Schuppius 704.
2) insolatio, die kunst zu bleichen. Maaler 71b schreibt bleicke fullonica, wies noch zu Zürich heiszt, unterschieden von bleiche pallor. s. DWB garnbleiche, linnenbleiche, DWB wachsbleiche.
3) locus ad insolandum aptus, bleichplatz, bleichrasen. man sagt von wein, der mit wasser versetzt wurde, er kommt von der bleiche; aber diser ist auf der bleich gewesen, der teufel hol den bleicher. Garg. 101b. auch von einem schwarzen: er war auf des teufels bleiche; und diser da, ist von der bleich gelaufen, darumb ist er so schwarz gebliben. Garg. 253b, hat das ende der bleiche nicht abgewartet.

als ich auf meiner bleiche
ein stückchen garn begosz.
Chr. F. Weisze.


4) linteum, ein stück leinwand, wie es auf der bleiche liegt.
5) bleiche heiszt auch eine mit lehm ausgekleibte wand, scheint aber anderer abkunft. s. DWB bleichwand.
 
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bleichen, splendere, fulgere, micare, praet. blich pl. blichen, part. geblichen, wie streichen strich gestrichen, weichen wich gewichen; doch das einfache verbum kommt nicht mehr vor, blosz die zusammensetzungen erbleichen erblich, verbleichen verblich, beide mit dem sinn von pallescere. ebenso gewähren die erhaltnen ahd. denkmäler nur arplîchan und farplîchan, kein plîchan, alts. aber, ags. und altn. erscheint auch blîcan:

gisâhun blîcan thena sterron. Hel. 18, 11;

gisah blîcan thena burges wal. 113, 2;

hvät se beám bude, þe he blîcan geseah. Cœdm. 250, 12;

gesâvon brimclifu blîcan. Beov. 442;

skildir bliko þeirra við en skarða mâna. Sœm. 134b,

ihre schilde glänzten gegen den geschnittnen mond. der sg. praet. musz ahd. pleih, alts. blêk, ags. blâc, altn. bleik gelautete haben, wie sich schon aus dem daher entnommnen adj. pleih, blêk, blâc, bleikr ergibt, welches pallidus ausdrückt, da geglänzt haben überläuft in die vorstellung von wenig oder nicht mehr glänzen, pallescere. allein das mhd. verbum blîchen darf nicht, wie bei Ben. 1, 205, erklärt werden pallescere,

[Bd. 2, Sp. 98]


sondern umgedreht fulgere, was es in allen angeführten stellen bedeutet:

bleichen unde blîchen
begunde ir varwe und ir lîp. Trist. 360, 4,

ihre farbe erblaszte und erröthete wechselsweise, vgl. bleichen und rôten. troj. kr. 22769;

sô sin eteswenne sach
under ougen alsô blîchen. 486, 1,

wenn sie ihn erröthen sah;

ei sunne, lâʒ dir swînen
dîn trüeben und dîn blîchen. Ls. 2, 712,

hör auf dunkel zu werden und zu scheinen,

vrowe, ich sihe iuch blîchen.
Helbl. 1, 1310,

ich sehe euch roth werden.
Diese erörterung der älteren gestalt des einfachen verbums macht seinen untergang begreiflich. als mhd. î und ei in nhd. ei zusammen fielen, hörte mhd. blîchen und bleichen auf sich zu unterscheiden und unser bleichen bekam immer die bedeutung des letztern; nur in erbleichen und verbleichen dauerte das mhd. blîchen. dagegen erhielt sich das schwache blicken, was m. s.
Aus den urverwandten sprachen vergleicht sich zu blîchen lat. fulgere und flagrare, gr. φλέγειν, vielleicht mit ausstosz der liq. φέγγειν, skr. bhrâdsch (bhrâǵ), welches zugleich an goth. bairhts, ahd. peraht gemahnt. aber auch palleo und pallidus hätten anspruch auf bleich, und die abweichenden anlaute pallere und fulgere können sich verhalten wie in pario und fero (1, 1051), vgl. auch brennen und blicken, blitz, blinken, blank.
 
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bleichen, praet. bleichte,
1) intrans. pallere, ahd. pleichên, pleichêta (Graff 3, 245), mhd. bleichen (Ben. 1, 205b): nist akar hiar in rîche, nub er zi thiu nu bleichê. O. II. 14, 106 = gelb, fahl werde;

und wär es auch der beste wein,
der an der Mosel bleichet.
Uz 1, 103, vgl. bleichart;

da bleichten die rosichten wangen zu schnee.
Bürger 61a;

wenn des tages heller schimmer
bleichet, stürzt der kühne schwimmer
in des Pontus finstre flut.
Schiller 59b;

spült zuletzt
mein bleichendes gebein dem ufer zu.
Göthe 9, 372;

hier auf dem rasen bleicht das linnen gut; das garn ist noch nicht fertig gebleicht; sein haar bleichte früh.
2) transitiv, candefacere, dealbare, blîchen machen, wäre ahd. pleichan pleihta, altn. bleikja bleikti, mhd. Ben. 1, 205b:

minne kan rœten unde bleichen. Ls. 2, 256

(wie intr. rôten unde blîchen); nhd. kummer und sorge haben sein haar vor der zeit gebleicht; da du mich zu mehr malen gesehen hast das haar an der sonnen bleichen. Bocc. 2, 43a, vgl. Snorra edda cap. 74: Brynhildr ok Guðrûn gengu til vats at bleikja hadda sîna; garn, leinwand, wachs bleichen;

ein mädchen, dem kein harm,
kein liebesdurst die wangen bleichen.
Gökingk 1, 202;

keine furcht, kein unglückbringend zeichen
soll der fürstin antlitz bleichen.
Schiller 221a;

am frühen morgen berief er die mäkler der stadt und gab ihnen commission auf gebleicht wachs. Musaeus 452.
 
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bleicher, m. bei Maaler 71b bleicker. 1) qui lintea candefacit: unter den mauern sangen die chöre der bleicher. Arnim kronenw. 1, 303. 2) qui aquam vino admiscet: diser wein ist auf der bleich gewesen, der teufel hol den bleicher. Garg. 101b. 3) vinum ex rubro pallens, vgl. DWB bleichart.
 
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bleicherei, f. insolatio, locus insolationis.