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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bleiblatt bis bleichanstalt (Bd. 2, Sp. 95 bis 97)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bleiblatt, n. blei in dünnen blättern.
 
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bleiblech, n. zu blech ausgewalztes blei.
 
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bleiblich, durans, firmus, bleibend, dauerhaft:

kein bliblich stat ist hie uf erd. fastn. sp. 1053, 16;

dar umb ist nützt undötlich mer
und bliblich bi uns dann die ler.
Brant narr. 100;

gedenken soll man wol do bi,
das hie kein bliblich wesen si. 152;

und lert auch mit guten sachen
bleiblich schätz z himel machen.
Schwarzenb. 145, 1;

und wünscht sölch wort in stain und plei
gegraben, das es bleiblich sei. 152, 2;

[Bd. 2, Sp. 96]


bliblich. Keisersb. bilg. 66c; bleiblich wesen, domicilium; kein bleiblich ort. reichsabsch. von 1530 §. 75; dasz unser kammergericht zu Speier bleiblich sein. §. 83; dan die natur nit ein bleiblich wesen, sunder ein herberg hie hat. Frank chron. 111b; das ie nichts bleiblichs, beständig, werliches auf erden sei. lob des thor. worts 155; wie nichts bestendiges oder bleiblichs auf erden sei. sprichw. klugr. 351b; ehr und unehr, lob und schmach, sollen sie bleiblich und in der warheit sein. Petr. 129b; der bleiblich nam seines stammens. Garg. 67a; niemand ist empfindlich, dann der zergenklich ist und nit bleiblich. Paracelsus 1, 198a; als ein mercurius, der ganz unbleiblich ist, mit seinem wasser bleiblich und unflüchtig wird. 1, 821b; spanische cypressen hat grüne und bleibliche blätter. Hohberg 1, 654a. 692b. heute auszer gebrauch.
 
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bleiblichkeit, f. stabilitas: das heiszen gedenk, so du mit dinen gedenken von einem uf das ander ferst, das du denn dort an, denn hier an gedenkst on inheftung oder bliblichkeit diner gedenk. Keisersb. bilg. 66c; bleiblichkeit der ansätze und deren widerverschwindunge. Thurneisser prob. der harne 89.
 
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bleiblick, m. verflüchtigung des zugesetzten bleis, vermittelst eines blickes, wenn der könig nicht mehr raucht.
 
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bleiblume, m. flos Saturni.
 
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bleibüchse, f. alte benennung des feuerrohrs. Frisch 1, 109a.
 
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bleibung, f. duratio, stabilitas: wie der leib kein bleibung hat auf erden. Paracelsus 2, 417c; argheit wird bei dir weder han bleibunge noch verwandelunge. Melissus B 4a; die ewige bleibung. H 6b; uf bleibung, in perpetuum.
 
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bleibutter, f. butyrum Saturni.
 
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bleich, pallidus, fuscus, ein goth. blaiks mangelt, ahd. pleih, mhd. bleich, ags. blâc, engl. bleak, alts. blêc, nnl. bleek, altn. bleikr, schw. blek, dän. bleg. pleih ist gebildet von plîchan splendere, wie weih, ags. vâc, engl. weak mollis, nachgibig von wîchan cedere, der ablaut bleich drückt nachlassenden, geschwächten glanz aus, die sonne ist glänzend, leuchtend, der mond bleich, also ist bleich minder leuchtend, matt, wie es schon übertritt ins fahle, graue. Adelungs erste ausg. erklärte bleich für gemein, blasz für edel, welche ganz grundlose annahme doch die zweite ausg. tilgte. gerade bleich war in unsrer älteren sprache verbreitet und edel. doch heute scheint uns blasz vorübergehender, bleich dauernder: sie ward blasz und wieder roth, aber der todte liegt ganz bleich; man redet von blässe der wangen, aber von bleichsucht; es heiszt blaszroth, blaszgrün, nicht bleichroth, bleichgrün, obschon ahd. eben pleichcruoni vorkommt (Graff 4, 300). zuweilen werden beide gehäuft: er ward blasz und bleich vor schrecken;

o Fabi, wie so bleich und gelber!
H. Sachs III. 3, 36d;

o goldflusz, bleich und reich.
Weckherlin 710,

von hochblondem haar. die dinte heiszt bleich oder blasz. alts. von den drei königen, sie sahen

berht bôcan godes blêc an himile
stillo gistandan, the sterro liohto skên. Hel. 20, 7,

was das matte sternenlicht ausdrückt; das lockere gewölke schwamm um den mond herum, und liesz sein bleiches silber aus den schlacken blicken. J. Paul Hesp. 1, 115;

seht, hier am daumen trag ich diesen ring.
'der ist ja bleich (trüb) wie erde'.
Uhlands Ludw. 68;

steig wieder, sonne, die gesunken war,
hinab musz Ludwigs bleicher stern. 132;

sparte nicht gold und silber, noch erz und bleiches metall nicht.
Göthe 40, 344;

und seit mein kühnrer mund um spätes mitleid bat,
reift nun zum andernmal der felder bleiche saat.
Uz 2, 72;

er kam in einen bleichen wald voll abgeschälter maienbäume. J. Paul Tit. 2, 107;

weint ihren schönen busen nasz
und ihre wangen bleich.
Hölty 18;

vorzugsweise machen furcht und schrecken bleich, die lat. sprache stellt Pallor et Pavor personificiert nebeneinander, die gr. Δεῖμος, Φόβος. das homerische

μάλα γὰρ χλωρὸν δέος αἱρεῖ. Il. 17, 67,

ς φάτο>, >τοὺς δ' ἄρα πάντας ὑπὸ χλωρὸν δέος εἷλεν. Od. 22, 43,

ς φάτο>, >τοὺς δ' ἄρα πάντας ὑπὸ χλωρὸν δέος ρει. 24, 450,

verdeutscht Voss:

faszte sie bleiches entsetzen,

[Bd. 2, Sp. 97]


und χλωρός entspricht unserm blasz, bleich. Δεῖμος gehört zu δειμός timor, und δεινός furchtbar, δειλός feige ist von δείδω, wir erkannten 1, 579 in ἀργός zugleich den weiszen, bleichen und feigen, und, wo nicht alles triegt, musz, da Δεῖμος durch Pallor übersetzt wurde, δείδω mit δαίω, wie palleo mit sl. paliti, bleich mit blîchen in berührung stehn, vgl. mythol. 188. ich bin der mann der bleichen furcht nicht. Schiller 135b; da fieng der mund an bleich zu werden. Keisersb. s. d. m. 24a;

scherzt nicht, o herr, mit diesen armen leuten!
ihr seht sie bleich und zitternd stehn.
Schiller 537a;

ich gewinn es mit langen spieszen,
mach ihnen die nasen bleich.
Soltau 408;

es schneiete und regnete mit feindsvolk, da begunte man erst bleich umb die nasen auszusehen! Philand. lugd. 3, 80; so dasz der abt schier anfieng etwas bleich umb die nasen zu werden. 167. in der edda ist neffölr, pallens nasum (Sœm. 249a), wie der nasenzipfel zuerst erfriert, an sterbenden zuerst bleich wird. seine flüchtige und nun abscheidende bleiche (erblichene, verblichene) seele. Opitz 1, 5a;

noch eins, um euch gelehrten schwebt
ein dämon böser art,
er schleicht zum bleichen fleisz, bei später lampen schein,
sich langsam und verstolen ein.
Uz 2, 193;

so stehn um den sterbenden christen, mit bleichen gedanken
und mit halber freude, die gern sich freute, die haufen
niedriger spötter.
Klopstock Mess. 6, 420;

die familie blühte noch, wenn gleich diese beziehungen bleicher und unwirksamer mochten geworden sein. Göthe 48, 73; wie aus einer tiefen dämmerung trat ein tröstendes, bleiches gefühl endlich in ihre brust. Tieck ges. nov. 4, 289; der schmerz und das ziel des bleichen lebens. J. Paul Tit. 2, 225; dasz deine besonnenheit zu bleich und klein dagegen ist. uns. loge 3, 33. s. bleichen und blicken.
 
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bleichanstalt, f. locus linteis insolandis.