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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
blecken bis bleianflug (Bd. 2, Sp. 88 bis 89)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) blecken, balare, auch bläggen schreiben einige für blöken, andere blöken für blecken, als wenn das schreien und brüllen eins wäre mit dem weisen der zähne, da doch blöken vielmehr zu blähen gehört: warum bleibst du zwischen den hürten zu hören das blecken der herde? richt. 5, 16; und die küe giengen und blöcketen. 1 Sam. 6, 12; was ist denn das für ein blecken der schafe in meinen ohren und ein brüllen der rinder, die ich höre? 15, 14; das wild schreiet nicht, wenn es gras hat, der ochse blöcket nicht, wenn er sein futter hat. Hiob 6, 5; es begab sich aber, das sie eine junge ziegen heimbrachte, und da sie ir mann Tobias höret blöcken, sprach er, sehet zu, das nichts gestolen sei. Tob. 2, 21; nicht das man blecken und murmeln soll, sondern beten. Luthers tischr. 187a; als wenns eine kuhe geblecket hette. 232a. s. DWB blöken.
 
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blecker, m. siehe das folgende.
 
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bleckezahn, m. ringens dentes, nudans dentes, eine treffende benennung des todes, den man sich als grinsendes skelet dachte, wie schon im flandrischen Reinardus 3, 2162 ein dominus Blicero genannt wird:

nur dasz dich der bleckezahn
todt ins leben wiedergebe.
Fleming 429;

du lebensdieb, du bleckezahn! Weise erzn. 314. Stieler 196 führt blecker und bleckezahn an. Klinger sagt im theat. 4, 242: ich werf mich der infantin um den hals, sie schreit, als blekte der tod aus mir.
 
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blege, n. limbus, fimbria, Maaler 71b, Henisch 411, scheint andrer bedeutung als blahe, blaue f., und ist kein grobes tuch, sondern ein angenähter saum, instita, fascia, quae matronali vesti assuitur, zerhawen bleg lacinia, lange blege an weiberkleidern. Henisch scheint es für beleg, umblege, was umgelegt wird, zu nehmen und so heiszt es auch bei beschreibung einer pflanze: ein breiter, runder, gedoppelter samen, der hat gerings herumb ein umblege oder blege, und ist anzusehen wie ein schilt. Tabernaemont. s. 383. vgl. DWB belege 1, 1441, und bleige.
 
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blegsticker, m. limbolarius. Maaler 71b, bei Henisch 411 belegsticker.
 
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blehen, s. DWB blähen.
 
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blei, n. plumbum, gen. bleies, ahd. pliu pliuwes, plio pliowes, und mit übergang aus der fünften ablautreihe in die vierte (wie heurat und heirat) plî plîwes (Graff 3, 259), mhd. blî blîwes und auch blîges (MS. 2, 176b), spur von blie bliewes ist in blienîn plumbeus. myst. 78, 16; altn. blŷ, was zu pliu stimmt, schw. dän. bly, woher finn. lyijy für blyijy, lapp. laigjo; lat. plumbum, walach. plumbu, alban. pljoumi, pljoumbi, welsch plwm, armor. ploum, it. piombo, sp. plombo, port. chumbo, franz. plomb; poln. ołow, böhm. olowo, wolowo, serb. olovo; gr. μόλιβος Il. 11, 237, in prosa μόλυβδος. dies merkwürdige wort liefert ein erwünschtes beispiel für die durchsichtigkeit unserer sprache, und nichts ist verkehrter als das deutsche wort aus dem lat. herzuleiten. leider gebricht die goth. form, sie könnte bliggv gelautet haben, und sich wie bliggvan zu ahd. pliuwan verhalten. befremdlich auf den ersten blick ist, dasz für blei nnl. nur lood, wie fries. lâd, ags. leád, engl. lead, ir. luaighe, gal. luaidhe gesagt wird, was unserm loth entspricht. doch kannte die mnl. sprache noch bli:

daer dedi bli in over gout.
Maerl. 1, 414,

darein that er blei für gold, wie auch Kilian blij und blye plumbum anführt. nun aber begegnet ein alts. bli color, ags. blio, bleo, bleov, bleoh color, altengl. blee, die doch unverkennbar zusammenhängen mit blôvan bleov florere sowol als ahd. pliuwan plou caedere, d. i. braun und blau schlagen. pliu ist folglich das lividum, das blaue, bläuliche metall, wie silber das weisze, gold das gelbe, glänzende; will man den nebensinn von weich, biegbar, schlagbar gelten lassen, so stünde nichts entgegen. plumbum verhält sich im anlaut zu pliu wie parere zu përan, πύργος zu puruc, πίω zu pior; das M vor B ist wie in ambo ἄμφω, skr. ubha, in cumbo = cubo, lambo = lapan, laffan, in umbilicus = napalo, nabel. das lapp. laigjo = blaigjo grenzt ans ir. luaighe, das den übergang in luaidhe, leád, lood vermittelt. vielleicht berühren

[Bd. 2, Sp. 89]


sich leád und μόλυβδος, dessen Δ an χαλυβδικός für χαλυβικός von χάλυψ stahl erinnert, offenbar laufen die beiden metalle χάλυβος und μόλυβος einander parallel. μόλυβος, μόλιβος aber läszt sich einigen mit einem vermutlichen πόλυβος, βόλυβος, das sich dem plumbum näherte und vom sl. olovo, volovo unfern läge. den Russen ist ólovo zinn, lett. alva, während russ. svinetz, litt. szwinnas, lett, świns buchstäblich stannum, unser zinn die bedeutung von blei hat. keine sprache läszt aber dem ausdruck so auf den grund schauen, wie unsere.
1) da das blei nach dem gold das schwerste metall und weit verbreiteter als dieses ist, so wird die vorstellung des schweren oft durch blei ausgedrückt: schwer wie blei, bleischwer; was ist schwerer denn blei? Sir. 22, 7; sunken unter wie blei im mechtigen wasser. 2 Mos. 15, 10; es liegt mir wie blei in allen gliedern; wie blei liegt der schlaf in uns. Schiller 134a; schmerz und antheil lagen betäubend wie blei auf ihr. Göthe 16, 176. er verkauft blei für gold. ein klotz blei, klötzlin bleig. Haupt 3, 251.
2) mit blei wird gelöthet (s. DWB loth) und ausgegossen, explere plumbo, cera, vgl. DWB fensterblei. figürlich, sein anstand gosz alle ihre glieder mit blei aus. J. Paul uns. loge 1, 181. s. ausgieszen. blei gieszen am Silvesterabend.
3) blei steht oft für die bleierne kugel: pulver und blei = kraut und loth; der verurtheilte ist heute morgen mit pulver und blei hingerichtet worden; ein unheilvolles blei traf sein herz;

verwundernd sich ab solchem wunder,
dasz ganz von blei ein hagel kom.
Weckherlin 346;

die troszknechte machten sich den spasz, nach den grenzsteinen zu schieszen, so dasz dem neugierigen wandrer das abprallende blei um den kopf sauste. Göthe 24, 155. es war ein alter fluch, da schlage blei zu! da fahre wilde bleischlacke ins silber! antwort ich und sagt, da schlag blei zu! Luthers tischr. 217a; da schlage blei zu! ist das nicht ein seltzames wesen? Philand. 1, 370. s. bleisack.
4) blei heiszen auch das senkblei, richtblei, bleistift u. s. w. zirkel, blei und winkelwage. Göthe 47, 152.
5) gebrannt blei, plumbum ustum, ein pulver aus zwei theilen blei, einem theil schwefel.
6) bergmännisch, im pl. die bleie, bleier für blei.
 
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bleiader, f. plumbi vena, bleihaltige ader.
 
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bleiafter, n. gehaltlose erdtheile, die beim pochen vom bleierz abgesondert werden.
 
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bleianbruch. m. delibatio plumbi, dünner, bleiiger schaum, wie ein hauch auf dem gestein sitzend.
 
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bleianflug, m. bleischaum, angeflognes blei.