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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
blatte bis blatterflechte (Bd. 2, Sp. 76 bis 78)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) blatte, f.
1) lanx, patina, catinus, s. DWB blatt 9. zwo groszer blatten voll. Keisersb. bilg. 211c; ein weltlicher her, dem man krebs für stelt oder visch in einer blatten, der nimpt etwan ein krebs der eier hat und legt das für sich. s. d. m. 84b; ein hübsches knäblin, das greif in die blatten, wie denn

[Bd. 2, Sp. 77]


die kinder thund aus einfeltigkeit und asz daraus. sch. und ernst cap. 22 (ed. 1522 cap. 257); die blatten raumen (schüssel leeren): der gut mann hett sein herzliche freud damit, wann er also gutherzig sah die blatten raumen und die becher schaumen. Garg. 82a. man sagt auch, raum die blatten, putz die blatten! apage!
2) calvitium, kahle stelle: die blatten scheren. in beiden bedeutungen zieht man heute vor zu schreiben platte.
 
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blatten, blätten,
1) auf dem blatt pfeifen, einem rehbock blätten, die stimme der ricke nachahmend, mhd.

ze blaten er begunde,
do si wâren in dem walde,
eʒ kam gevarn ûf sie ein rêch.
Ulr. Trist. 551.

die zeit des rehblattens ist jetzt vorhanden. Carl August an Knebel, 24 juli 1786.
2) folia decerpere: die geisz blattet den strauch; den kohl blatten, abblatten; weinstöcke schneiden, binden, blaten. Schuppius 98;

dorte stehen feiste rinder
in der weide bis an bauch,
hier sind ziegen, so nichts minder
blaten ümm den fetten strauch.
Fleming 420 (416);

bei freudigem gesang wird dort ein winzer blatten.
J. E. Schlegel 4, 154;

sie blattet eben ein maulbeerlaub. Musaeus kinderkl. 26.
 
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blatter, f. pustula, papula, eigentlich bulla, blase, ahd. plâtara (Graff 3, 235), mhd. blâter (Ben. 1, 203a), ags. blædre vesica, und mit gekürztem vocal bläddre, wie engl. bladder, altn. blaðra, bleðra, schw. blädra, dän. bläre, nnl. blaar. wurzel blâhen, blâvan, flare. gilt uns heute nicht mehr für wasser- oder luftblase, nur für die hautblase, hitzblatter: es ist mir eine blatter im gesicht ausgefahren; zumal aber steht der pl. blattern, kindsblattern für variolae: das kind hat die blattern, bekommt die blattern, die blattern zeigen sich, brechen aus, stecken an, werden geimpft, stehen gut, sind gutartig, heilen ab; die blattern wüten im dorf; das kind starb an den blattern;

der doctor sieht es ganz genau
dasz sich die blattern offenbaren.
Gellert 1, 130.

schwarze blattern, pestblattern: da furen auf böse schwarze blattern, beide an menschen und an vieh. 2 Mos. 9, 10; Keisersberg predigte im j. 1505 von den sünden des munds, die er als 25 geistliche blattern abhandelt und vielseitig bespricht.

geh blatter dieses hofs!
Gryphius 1, 406;

so will ich ein christ werden. 'die kirche bedankt sich für die blattern des heidenthums.' Schiller 176b. Im 16 jh. steht blatter noch oft für vesica: kame si gewis nicht heim, si hette dann achterlei weine getrunken und verscht, und zum minsten zwen gt grosz krüg des besten ein in die blater, den andern in die hand gefasset. Wirsung Cal. H 2a; wann man ein wildes schwein fangt, das den harn noch nit gelassen, so nimb die blatter sampt dem harn, henk sie auf einen trucknen ort. Seuter 262; calciniere und lege den weinstein in eine rinds oder säuplater. Sebiz 395; das setzt sich in regionibus vesicae an, zwischen nieren und der blateren. Paracelsus 1, 304b; sie (die fische) haben lungen, nieren, blatern, hoden. Forer 86b; an die seil heften sie viel aufgeblasener geiszheut als blatern. 88b; er hab blattern (blasen) an den füszen gangen. Frey garteng. 85; der sagitarius tröwet ihnen (den pilgern) blatern an den fersen (Rabelais: les menace des mules aux talons, frostbeulen) und wölf zwischen den beinen. Fischart groszm. 95; als er (der götze im ofen) anfieng brinnen, gab er wüest grosz blattern, namlich die ölfarben. Plater 37;

jo, thäts dir in der blatter wee,
so wölt ich tanzen dester mee.
Kolrosz A 4.

in Baiern und Schwaben bedeutet blatter fortwährend auch blase, vesica (Schm. 1, 240); indem mir mein lebtage keine harte arbeit meine hände mit blattern (blasen) beschweret. Pierot 2, 185. s. DWB bloter.
 
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blatteransatz, m. epiphysis papulae.
 
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blätteransatz, m. epiphysis, incrementum foliorum.
 
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blatterbech, n. gestoszen grüenspon, blatterbech, alaun. Seuter 246.
 
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blatterbletzig, papulis notatus: mit den blaterbletzigen, aussetzigen, weiszschupigen, im holzsequester ligenden und erfaulenden Iobsmärtlern. Garg. 61a. vgl. DWB blatterholz.
 
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blätterchen, n. papula: sie entdeckte unter ihrem linken auge ein kleines fast unmerkliehes blätterchen. Rabener 5, 83;

kein blätterchen fuhr auf, die musche must es decken.
Zachariä.

[Bd. 2, Sp. 78]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) blättererde, f. blätteriges, essigsaures mittelsalz.
 
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blättererz, n. minera argenti foliacea.
 
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blatterflechte, f. lichen pustulatus, schwarzgesprengte flechte.