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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
blähig bis blan (Bd. 2, Sp. 62 bis 64)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) blähig, inflationem faciens: ein köstlicher trank wider das blähige seitenstechen. Hohberg 3, 275a.
 
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blähschaf, n. von einem dummen menschen.
 
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blähung, f. inflatio, flatus: hülsenfrüchte machen leicht blähungen; an blähungen leiden; aber himmel, ists nicht genug, dasz ein paar fürstliche lungenflügel sich staaten als flughäute ansetzen und dasz ihr athem wie moussons die völker bewegt, müssen noch vollends die kranken blähungen des zufalls dazu kommen als wirbelwinde der armen staatsschiffe? J. Paul dämm. 57.
 
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bläken, balare, s. DWB blöken.
 
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blaken, nd. und nnl., und in keinem hochd. wörterbuch, wo man blachen zu erwarten hätte (vgl. DWB black), sowol intr. ardere, uri, glühen, als tr. urere, amburere, nach der lautverschiebung φλέγειν, φλογίζειν, davon
 
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blaker, m. candelabrum, gespiegelter wandleuchter, plaker. Frisch 1, 103b:

längs der belasteten tafel von zwölf wachskerzen erleuchtet,
einer kristallenen kron und zwanzig spiegelnden blakern.
Voss 2, 215.


 
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blakerig, ignem, ustionem redolens, brandig, dampfig: die suppe schmeckt blakerig, der rauch hat hinein geschlagen. φλογερός liegt ganz nahe.
 
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blakern, urere, nnl. blakeren, vgl. DWB flackern.
 
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blamensier, m. nach dem franz. blanc manger, mhd. Ben. 196b: will du machen einen blamensier. von guter spise s. 2; einen gestocketen blamenser machen. s. 24.
 
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blan, interj., euge, age, eine nur in der ersten hälfte des 16 jh., und bisjetzt nur im Elsasz und auf der linken seite des Oberrheins gefundne wortform, die bei Keisersberg noch voller belan lautet und unserm wolan entspricht. für wola galt schon ahd. wela (Graff 1, 831—34) und wela, wola nu, wela nu drückten euge, age aus, man braucht also belan nicht nothwendig vom nnl. wel aan zu leiten, sondern darf es als nebenform von wolan betrachten, E fällt aus wie in blangen für belangen. der wechsel des W und B ist wie in wis und

[Bd. 2, Sp. 63]


bis (vorhin sp. 41), in wase base, Verona Bern u. a. m. (1, 1054). Maaler führt diesen ausruf nicht an, sondern 503b nur wolan, wolan dran, wolan hui, hei, wolan nun, nun wolan; doch Dasypodius 305c hat blan, hercle! belan liefert Keisersbers bilger in folgenden stellen: belan, du würst verclagt vor dem konig. 23b; belan, min richtum, gt, ere, silber, gelt, acker und matten, win und korn und alles das ich hab, ich rf dich an, kum mir zu hilf in minen nöten! 23c; belan, ich wil ouch recht gon mesz horen. 24a; belan, nit verzag an got! 24b; belan, so louf uszer! 54a; belan, nun lob aber got! 86d; wenn dir einer etwas lidens zfügt, belan, sprichstu, ich wil es liden, ich wil schwigen. 88a; belan, du hest mit dinen sünden verdient, das du soltest driszig im fegfüer sin und tolle halten. 105b; nun belan, du bist das kind. 166c. daneben erscheint nun in demselben buch noch öfter wolan: wolan, darnoch ist es fast, so dienen sie aber got. 41a; wolan, die barfszer, sie dunkt ir landstrosz der regel z steinecht und z hert sin. 120a; wolan, nit anhin! 120c; wolan du bist uf dem weg gottes. 129d; wolan, buck dich! 130b; wolan du bist in einem geistlichen stot. 130c; wolan, incurvare, buck dich! 130d; wolan, du thst eins. 131b; wolan min obrer hat doch mit mir dispensiert. 131b; wolan, bistu ein spiler. 131c; wol an, du wilt die zit und stund kürzen. 133b; wolan min gesell, stand uf, es ist zit, wolan mach dich uf die fart, die wil es kl und früge ist, rum das bett! 134b; wolan, sprichestu, du seist mir. 140b; wolan, rüschberen üch! so wil ich es vols uszmachen. 144c; wolan wiltu in uber ein strofen und brennen. 145c; wenn ein junger mensch stirbet, so spricht man, wolan, das mensch ist noch so jung gewesen. 148d; wolan, du vohest an got z dienen. 156a; wolan, du hest dich zu got gekert. 158a; wolan, du vohest an und vastest. 159b; wolan, du wilt mit crützen gon uf diser erden. 161c; wolan, wo bist du? 168a; wolan, bist du nun in dem ellend, in einem fremden land. 168b; wolan sele, wol uf, bis frölich! 168b; wolan, singen uns ouch! 169a; wolan, losz sehen, ich wil dir glouben. 176a; nun wolan, sprach er, gib mir dinen bösen mantel. 176b. Dasz belan und wolan einerlei sind, liegt nach diesen stellen am tage; gehören aber beide Keisersberg selbst an und kam ihm bald eine, bald die andere in den mund? oder hat der herausgebende Other (im j. 1511), oder ein wechselnder setzer sei es belan, sei es wolan eingeschwärzt? in Keisersbergs übrigen werken hat sich bisher nur wolan, kein belan gezeigt. es erscheint auch weder bei Brant noch Murner. später aber gilt nur verkürztes blan, während wolan nie zu wlan wird. Dasypodius setzt blan, also 1536 oder 1535. in dem frischen combist (compost, kohl) vom bapst, o. j. u. o, vielleicht noch aus den zwanziger jahren, heiszt es

wer er nit entlaufen,
blan, will ich ihm ein kappen kaufen. B 3a;

sih, er ist schon da ein gütig man,
ich will ihn blan selbst sprechen an. C 4b;

beidemal drückt es weniger wolan als fürwahr aus. vielleicht rührt dies kleine gedicht von Jacob Cammerlander aus Mainz her, über welchen so eben Zarncke in seiner ausgabe des Brant s. cxxxviii ff. gesprochen hat; er braucht die partikel blan mit zum beweis, dasz mehrere kleine und namenlose, oder M. J. C. L. V. M. F. S unterschriebne dichtungen diesen 'magister Jacob Cammerlander von Mainz, formschneider' zum verfasser haben. so findet sich im alten und neuen bruder Nolhard:

blan, widerrf, es ist noch zeit;
blan, wir wölns wider von im hören;
blan, ich bekenn und ist mir leid;

in der alten und neuen schelmenzunft (einer dramatischen umarbeitung des murnerschen werks):

blan auf, und mach dich uf die ban;
blan, du bist der erst in dem danz;

im neuen, deutschen Bileamsesel:

blan, wil sein allzeit wartn wol;
blan, wir müssen den esel trenken;
blan, sie seind villeicht nit mer lang;
blan, bring ir auch den habern her;

im hurenwirt:

blan, so wol uf, die pferd seint schon gesattelt;
blan, wider dran macht gute ros müd;

in der neuen badefart von bäpstlicher mess:

ich hett, blan, schier ein eid geschworen;

[Bd. 2, Sp. 64]


im alten und neuen narrenschif (einer umarbeitung des brantischen):

blan, ir herren, seind fridsam und still;

in den alten Römern, sittlichen historien und zuchtgleichnissen:

blan, ich wil morgen zm bild tretten;
blan, sprach das weib, wilt du das man dir helfe;
blan, ich hab ein mitleiden mit euch;
blan, ich wil selbst gen hof gehen;

im dialogus vom todten schiflein: blan, lege auch hinweg dein lügen; blan, schifman, wir wöllen jetzt farn; in der übersetzung des Corn. Nepos und Salustius: blan, wir wöllen gan ins capitolium; blan, welcher die rechte hand vom feind bringt, der sol si haben; blan, sie thuent stets was sie gelust. Wurden auch alle diese kleinen schriften von Cammerlander, etwan in den zwanziger bis vierziger jahren des 16 jh. verfaszt, und war blan sein lieblingswort; so können gleichwol andere vor ihm (wie Keisersberg) und nach ihm sich desselben bedient haben. im büchlein 'ein new wundarznei M. Johans von Parisiis.' Frankf. 1549. 4 heiszt es in der vorrede: was darf es des, ists doch kein rechtschaffen buch? blan, es mag ein stück hierinn groszes golts wert sein, darumb wird die kunst den meister loben. in Scheits grobianus, Worms 1551 G 4b:

also wirstu den herren stillen,
dasz er gleich wol darz msz sehen
und sprechen, plan, es ist geschehen.

ohne die form belan, die allen zweifel löst, würde man ans folgende blan geschwollen oder an plan eben denken. wie auffallend aber, dasz eine von 1500—1550 am Oberrhein so gangbare partikel nachher verschwindet, und dasz selbst Fischart, der dort gerade zu haus war, sie nie verwendet. einigemal scheint für blan fälschlich blau gedruckt, s. DWB blau 1.
 
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blan, turgidus, tumidus, aufgedunsen, geschwollen, steht für blahen, ahd. plâhan (Graff 3, 235), part. praet. von blâhan turgere. auch schreibt Tobler 60a richtig blohn, en blohna chopf, ein aufgedunsner kopf, Stalder 1, 180. 2, 497 setzt blan, blon: das kind hat einen blanen kopf, heute in schwacher form gebläht, aufgebläht.