Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bissig bis biszchen (Bd. 2, Sp. 48 bis 49)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bissig, was beiszig, mordax, rixosus, amarus: nit umb der bissigen, scharpfen warheit willen leiden. Frank weltb. vorr.; und wenn der rachselig lib begert des nechsten blsts, het er nit den bissigen zan, das zu vollstrecken. Cyrill bl. 39; von einem bissigen, jungen weib. Kirchhof wendunm. 328a; das übergewicht seines widersprechenden, bittern, bissigen humors. Göthe 25, 300; in bissigem gefühl auf und abgehend. Klingers theat. 4, 147; die freude hatte ihn vormittags bissig gemacht. J. Paul Hesp. 1, 49; ein bissiger satiriker. aesth. 1, 157; warum stellte er sich denn eben so bissig an, was fehlte ihm? Arnim schaub. 2, 327. in der Schweiz ist bissig räudig, krätzig. Tobler 54a. Maaler 69c.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bissigkeit, f. der bissigkeit wegen bewohnt jedes von zwei rothkehlchen den halben bezirk einer stube. J. Paul herbstbl. 3, 145; nicht ohne bissigkeit und schnippisches wesen. Fichte staatsl. 41.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bissinger, m. curiositas, lascivia, der vorwitz, die neugierde personificiert: man findt manchen menschen, der senft, still und fridlich ist, alsbald in der bissinger zu dem schawspil füret, wird er frech, ungeschickt und ganz grausam. Petr. 28b. bissinger ist gleichsam die beiszende neugier, oder darf man es anders deuten? etwa der teufel, der böse geist? ahd. war Bissinc, Pisinc ein jetzt dunkler eigenname (Graff 3, 216).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bisten, sibilo vocare, s. DWB pisten, DWB pst rufen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bisthum, n. episcopatus: und sein bisthumb empfahe ein ander. apost. gesch. 1, 20; die kirchspiel oder bisthumb, darin man offentlich handelt die ampt der christenheit, als predigen, gott loben, danken, singen, teufen. Luther 5, 63b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bisweilen, adv. interdum, scheint im 16 jh. aufzukommen und Fischart bietet die ersten belege: biszweiln flucht er darzu, wann er mit der zungen stolpert. Garg. 162b; biszweilen auch zum mittagmal. 163b. früher galt beiweilen (1, 1407); es zeugt aber für den zusammenhang des bis und bei. Olearius hat es oft im pers. rosenth. 1, 12, 15. 16. 4, 3. pers. reiseb. s. 553. 623. Lokm. fab. 29;

denn sie kommen bisweilen herab die erde zu sehen.
Klopst. Mess. 2, 503;

auch in dem irdischen leben
sind bisweilen stunden des himmels. 11, 402.

Rompler setzt bisweil, doch Stieler 2476 bisweilen. vgl. zuweilen, unterweilen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
biswurm, m. oestrus, der bisende wurm. ahd. Graff 3, 216. vocab. 1482 d 8b, bremse, die ihre oier in die haut des rindviehs legt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bisz, praet. von beiszen, statt des mhd. beiʒ, welches auch im 16 jh. oft noch beisz lautet. im pl. bissen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bisz, m. morsus, gen. bisses, pl. bisse, ahd. piʒ, mhd. biʒ.
1) das beiszen: einen bisz thun, Adam that einen bisz in den apfel; einen bisz nehmen, nam ein bisz von einem saftigen apfel. Petr. 15b; der bisz des hundes, der natter; von bissen der feurigen schlangen geheilet. bienenk. 141a; einen bisz versetzen. Simpl. 2, 70; einen bisz aus der faust thun. Perus 280; welchen knirschenden bisz in sein weichstes leben that jetzt ein böser genius. J. Paul Tit. 3, 24;

und der bisz des apfels macht dich unser.
Göthe 14, 49;

noch einen bisz, so ists geschehn. 12, 78;

schlaf immerhin, weil mit geheimen bissen
kein gram den stillen busen nagt.
Gotter 1, 174;

bisse des gewissens.
2) die gebissene wunde: der arzt untersuchte den bisz; man sieht immer noch den bisz auf der wange.

[Bd. 2, Sp. 49]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bisz, n. frenum, gebisz, worin das pferd beiszt (Maaler 69d), engl. horsebit, altn. bitill:

o mter rat, wie soll ich thon,
das ich möcht zäumen recht mein man?
ich fürcht, wölch bisz in reisz und kratz,
er dring darauf mit grimm und tratz.
mutter: kein pessers zäumen ich befind,
dann mit den bissen senft und lind.
merk, den nit zwingt ein süszes bisz,
kein anders hilft, das ist gewis.
Schwarzenberg 122, 1;

wend ir sie also für und für
lon gon ohn alle zeum und bisz.
Wickram pilger M 3.

darnach nimb eberwurz klein geschnitten, thue es in das bisz, welches sol hol sein und löchlin haben. Seuter 9; doch männlich braucht es D. vom Werder in folgender stelle:

er meinte wiederumb sich auf sein pferd zu heben,
aus furcht er aber es doch endlich unterliesz,
indem es ihm nicht war gehorsam auf den bisz. 6, 58.

(che troppo mal quel gli ubbidiva al morso).


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
biszchen, n. offula, buccella:

ach schenkte mir mein lieber gott
nur einst mein liebes biszchen brot.
Lessing 1, 83;

behüte gott, ich musz mir mein biszchen selbst suchen. Göthe 14, 85; ich erwartete immer, sie würden ihn (den heil. Nicaise) noch in tausend kleine biszchen zerstückeln. Thümmels reise 4, 215.
Oft aber, mit vorgesetztem artikel oder possessiv, ohne allen gedanken an bissen, um das wenige oder geringe auszudrücken. das darauf folgende subst. sollte eigentlich im gen. stehn, wird aber, wie zu wenig, in gleichem casus apponiert:

ein schöner helfer wol, mein biszchen durchzubringen.
Göthe 7, 41;

dem und einem von den Meklenburgern hatten die Franzosen ihr biszchen armut geplündert. Niebuhr leben 2, 143; mustest du, der du den menschen arm genug erschufst, ihm auch brüder zugeben, die ihm das biszchen armut, das biszchen vertrauen noch raubten, das er auf dich hat? Göthe 16, 140;

was ist denn nun das biszchen geld? 7, 98;

sie hätt uns doch ihr biszchen geld,
und was sie sonst besasz,
aus löblicher gewohnheit hinterlassen. 11, 124;

so lang die tasche noch
das biszchen geld verwahrt. 11, 136;

sein biszchen zeit noch zu genieszen.
Lessing 1, 70;

gesetzt auch dasz das biszchen ehre dieses oder jenes thoren drauf gegangen wäre. 3, 278; was plaudert der mann? sie werden ihn schon noch einmal lesen müssen, und wenn sie denn nun sein biszchen gedanken weghaben, wollten sie sich nicht getrauen, es mit dem siebenden theile seiner worte eben so stark und schöner vorzutragen? 6, 232; ist es ihr biszchen gesicht, worauf sie so trotzig thut? Schiller 203b;

wo man das biszchen maske
noch allenfalls zu loben fand. 262a;

du fragst umsonst, wie hat das pack
das biszchen streich erfahren?
Bürger 65a;

ei was um das biszchen strafe! Göthe 11, 19; es wird einem sauer gemacht, das biszchen leben und freiheit. Göthe 8, 9. 42, 243; wünschelrutenartig zog sich die hand darnach, mein biszchen vernunft hielt sie zurück. 23, 107; das biszchen, das ihnen von freiheit übrig bleibt. 16, 12; mit ihrem biszchen kraft und talent. 16, 91; die sich auf das biszchen adel einbildet. 16, 95; mit den übermütigen, die sich ihres biszchen kopfes überhöben. 16, 106; wie viel nützt mir nicht mein biszchen studium der natur. 27, 145; das biszchen verstand, das ihm gott schenkte. 42, 37; der glaube, die zuversicht auf das biszchen, was man ist oder sein möchte. 45, 293; mein biszchen asche würde sich im grab umkehren. Claudius 1, 65.
Ebenso häufig steht ein biszchen für ein wenig: geht es ein biszchen schwer. Weise kl. leute 322; um da ein biszchen zu kundschaften. Hermes Soph. reise 1, 653. 673;

doch will er sich ein biszchen unnütz machen.
Göthe 2, 94;

ist man ein biszchen hübsch, gleich steht man jedem an. 7, 51;

ein biszchen bunter wirtschaftete. 7, 119; hätte gern seine häuslichkeit ein biszchen ausgeweitet. 7, 133; wollten sie nicht ein biszchen ruhen. 10, 136; meine tochter ist noch ein biszchen oben aus. 10, 136; die ersten jahre einer verbindung,

[Bd. 2, Sp. 50]


wo manchmal mehr ein biszchen unmut, ein biszchen langeweile uns peinigen, als dasz es wirklich übel wäre. 10, 166; man musz ihr nur recht zureden und das ein biszchen derb. 11, 14; wenn die art und weise ein biszchen wunderlich war. 11, 30; lasz uns nur ein biszchen zur vernunft kommen. 11, 204;

ein biszchen feuerluft, die ich bereiten werde,
hebt uns behend von dieser erde. 12, 102;

wenn eure weine nur ein biszchen besser wären. 12, 112;

ei, ei, mit solchen edlen gästen
wär es ein biszchen viel gewagt. 12, 114;

ich musz ein biszchen revidieren. 12, 137;

ja wenn mans nicht ein biszchen tiefer wüste. 12, 158;

nur mit ein biszchen andern worten. 12, 181;

ein biszchen diebsgelüst, ein biszchen rammelei. 12, 192;

ein biszchen weltlicher bewegt die holden glieder. 41, 330;

amtmann: da ist nun der weg freilich ein biszchen holprig geworden. gräfin: sie nennen das ein wenig holprig. 15, 35; will nicht mehr ein biszchen übel, das uns das schicksal vorlegt, wiederkäuen. 16, 5; ein biszchen leichteres blut. 16, 91; da mir das herz immer ein biszchen aufgeht, wenn ich sie sehe. 16, 104; auch fängt es mir an ein biszchen verworren zu werden. 27, 178; denn schon war ein biszchen werkstatt (un poca di bottegaccia), ziegel auf ziegel, so erbärmlich aufgebaut. 35, 159; der skizzist ist immer ein biszchen übertrieben im ausdruck. 38, 88; wie wird mirs werden, wenn ich euch verlassen soll! Mar. ein biszchen eng, hoff ich. 42, 43; gutmütig und rechtlich, ein biszchen plündern ausgenommen. 45, 261;

ein biszchen ruf, ein wenig ehre,
was macht es euch für noth und pein. 47, 254;

weil die besten menschen ein biszchen misreden und heruntersetzen ihrer brüder immer gern leiden mögen. 49, 166; was will ein biszchen meinen und dichten gegen angeborne eigenheiten, lebenswege und zustände! 60, 289; du hast mich schon einmal ein biszchen ausgelacht. Bettine br. 1, 324. verstärkt, ein klein biszchen, ein klimperkleines biszchen, ein klein biszchen dumm.
Das lebendige und auch der poesie gerechte biszchen musz dennoch im höheren stil dem abstracteren wenig weichen, weshalb auch des amtmanns biszchen von der gräfin gleich in vornehmes wenig umgesetzt wird. aus Eugenias und Johannas munde dürfte jenes nicht erschallen. s. auch DWB biszlein. die schreibung bischen oder gar bisgen ist verwerflich.