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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
freihartsknabe bis freiheitlich (Bd. 4, Sp. 111 bis 113)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) freihartsknabe, m. sieh freiheitsknabe.
 
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freihartsknecht, m. ein freiertsknecht gieng uf einmal fur ein wechsel (einen wechsler) anhin, da lagen vil haufen guldin da. sch. u. ernst ..., 97.
 
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freihartspruch, m. darnach verbringet man das mal mit spilleuten, hofierern, schalksnarren und jaufkind oder freihartsprüchen. Frank weltb. 28a.
 
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freihaus, n. domus immunis, ein mit mancherlei gerechtigkeiten ausgestattetes haus, z. b. ein schützendes asyl, ein freies brauhaus (frei bierhaus. Neumanns Magdeb. weisth. 101. 102).
 
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freihäusler, m. bewohner, eigner eines freihauses.
 
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freiheit, f. libertas, ἐλευθερία. der älteste und schönste ausdruck für diesen begrif war der sinnliche freihals, collum liberum, ein hals, der kein joch auf sich trägt, goth. freihals, ahd. frîhals, fries. frihals, und durch ausfall des h verdunkelt ags. freols, altn. frials, schw. fräls, dän. frels. in den friesischen gesetzen auch gesondert fria hals, fria halsar, wie sich in lat. schriften liberum collum verwendet findet, z. b. in Bertholds annalen (Pertz script. 5, 278) von den Sachsen und Thüringen: quod ipsi jugum subactionis grave nimis, imo potius omnino durissimum pensantes, illud jam utpote impar et importabile cervicibus suis, non posse prorsus libero suo collo longius trahere, querula satis proclamatione detrectabant. mhd., geschweige nhd., hört diese benennung auf. für die abstraction musten freithum und freiheit taugender scheinen. jenes hat sich im ags. freodôm, engl. freedom befestigt, auch ahd. und mhd. begegnen frituom, vrîtuom, sind aber nhd. ungebräuchlich. freiheit ist uns nun der technische ausdruck geworden, ahd. friheit, mhd. vrîheit, nnl. vrijheid, dän. frihed, und selbst ins isl. frîheit n. privilegium übergegangen.
die bedeutungen von freiheit folgen denen des adj. frei.
1) freiheit im gegensatz zu knechtschaft und unterwürfigkeit, was früher freihals hiesz: leibeigen magd, die nicht erlöset ist, noch freiheit erlanget hat. 3 Mos. 19, 20; denn der herr ist der geist, wo aber der geist des herrn ist, da ist freiheit (þarei ahma fraujins, þaruh freihals ist). 2 Cor. 3, 17; zu verkundschaffen unser freiheit, die wir haben in Christo (biniuhsjan freihals unsarana). Gal. 2, 4; so bestehet nu in der freiheit (standeiþ nu), damit uns Christus befreiet hat, und lasset euch nicht widerumb in das knechtische joch fangen (ni aftra skalkinassaus jukuzja usþulaiþ). 5, 1; ir aber, lieben brüder seid zur freiheit berufen, allein sehet zu, das ir durch die freiheit dem fleisch nicht raum gebet (jus auk du freihalsa laþôdai sijuþ, brôþrjus, þatainei ibai þana freihals du lêva leikis taujaiþ). 5, 13; der tag der freiheit, ἐλεύθερον ἦμαρ:

blinder, alter vater,
du kannst den tag der freiheit nicht mehr schauen,
du sollst ihn hören.
Schiller 524b;

knechtschaft wollt ihr ihm bereiten!
die freiheit wollt ihr aus dem letzten schlosz,
das ihr noch auf der erde blieb, verjagen. 533b;

die freiheit ist aus dem lande gewichen, ist wieder bei uns eingekehrt. die freiheit schützen, schirmen, vertheidigen; für die freiheit bluten, sterben. aus dieser alten ἐλευθερία ist die vorstellung von freiheit und gleichheit aller menschen geflossen:

als man hörte vom rechte der menschen, das allen gemein sei,
von der begeisternden freiheit und von der löblichen gleichheit.
Göthe 40, 289;

im ersten
feuer der hohen gedanken nach edler freiheit zu streben. 40, 298.

man gibt sich alle erdenkliche mühe mich für die sache der freiheit und gleichheit zu gewinnen. 14, 265; die milch der freiheit und gleichheit. 14, 289;

[Bd. 4, Sp. 112]


freiheit und gleichheit hört man schallen,
der ruhge bürger greift zur wehr,
die straszen füllen sich, die hallen,
und würgerbanden ziehn umher.
Schiller 80a.


2) freiheit gegenüber dem kerker, dem käfich: der gefangne ist wieder in freiheit; die gefangnen sind in freiheit gesetzt; im langen gefängnis schmachtet er nach freiheit; jedes thier sucht die freiheit;

rëht als dër vrîe vogel tuot,
dër durch die vrîheit, die ër hât
ûf daʒ gelîmde zwî gestât. Trist. 23, 6;

gefangen! er! sein athem ist die freiheit,
er kann nicht leben in dem hauch der grüfte.
Schiller 542a.


3) freiheit vom band der liebe und ehe, freier, lediger stand: mhd.

sô wil der senedære
ze sîner vrîheite wider. Trist. 23, 25;

nhd. ich kann ein neues lied, das auf die liebe schilt,
und nur die freiheit lobt.wenn du es hören wilt,
so sing ich dir dies lied.
Gellert 3, 326;

empfängt man einen strausz, so bildet ihr euch ein,
ihr hättet schon ein recht von uns geliebt zu sein.
mir ist die freiheit lieb, drum lasz ich mich nicht binden,
behalt die veilchen nur, ich kann sie selber finden.
Dusch verm. werke 470;

dich, der die freiheit mir gestolen,
dich, Amor, mag der henker holen.
Gleim lieder 75.


4) freiheit, ein ort, eine stätte, immunitas. ein schutzort, asyl hiesz freiheit (s. freiort):

in den geräumgen hallen,
wo Junos freiheit ist.
Schiller 37a.

theile einer stadt, einzelne räume, ganze flecken führen den namen freiheit, so wurde in Cassel neben der altstadt eine freiheit erbaut und bildete eine gesonderte gemeinde, zu Friedberg in der Wetterau heiszt der breite platz vor der burg die freiheit. in Naumburg der domplatz die domfreiheit, vgl. schloszfreiheit, burgfreiheit.
5) freiheit wurde von vaganten und spielleuten gesagt und scheint aus freihart entstellt. doch begegnet ein Jacob Friheit von Seven ritter. weisth. 2, 215. 487. die alt comedi war bei den alten gleich ein rgbch, das die kinder und jungen gesellen mit groszer freiheit durch alle gassen der stat hofierten, einem ieden sein tadel und felh anzeigten, auch mit namen nanten. welches (wovon) noch ein stück übrig ist bei den lotterbben und freiheiten. auch bei den holhippern, die mit dem éinen fusz im schaf stehen und eim das wappen visieren, mit namen nennen, mit fingern auf in zeigen, bis man sie mit dreck beschütt. Frank buch von der torheit A 2b; wie man bben und freiheit sol halten. summa Johannis in teutsch gemacht durch bruder Berchtold. Augsb. 1478. 180b.
6) aus dieser sogar persönlich gefaszten bedeutung, aber schon daher, dasz die wörter frei und frech oft in einander aufgehen, erklärt sich auch freiheit = frechheit, kühnheit: er nahm sich heraus, die freiheit heraus; in Winklers edelmann s. 60 ist die rede von einem 'der so unverschämte freiheit spielete, dasz er mir es auf brüderschaft zubrachte'. die freiheit artet aus in dreistigkeit.
7) gewöhnlicher ist aber freiheit die erbetene oder eingeräumte erlaubnis, vergünstigung, licentia in gutem sinn: er hätte ein lied im kopfe, doch wüste er nicht, ob er es singen dürfte. nach gegebener freiheit liesz er sich also hören. Weise kl. leute 362;

Corylas: wenn mich dein herz nicht liebt, mein kind, so haszt es mich.
Daphne: wer ist denn gleich dein kind?du kannst mich Daphne nennen.
Corylas: willst du mir nicht einmal die kleine freiheit gönnen?
Dusch verm. werke 472;

ich wollte sicher gehen und erlaubte (dem bräutigam) durchaus keine freiheit, als welche ebenfalls die ganze welt hätte wissen dürfen. Göthe 19, 288; ein freundlicher mann, der mich sehr gefällig aufnahm, wenn ich mir die freiheit ausbat ihn zu besuchen. 25, 64. es wird zum bloszen ausdruck der höflichkeit.
8) freiheit, ein zustehendes oder ertheiltes recht, ἐξουσία, privilegium: die volle freiheit; dise ewer trewe wollen wir vergelten und euch vil bürden erlassen und mehr freiheit und gnaden thun. 1 Macc. 10, 28; auch sollen sie freiheit haben, in alle meinem königreich ir sabbath, newmond und ander bestimte fest zu halten. 10, 34; Jonathas bat auch den könig, das er ganzem Judaea den schosz erlassen wolt und erbot sich umb diese freiheit zu geben drei hundert centner golds. 11, 28; sehet aber zu, das diese ewre freiheit nicht gerate

[Bd. 4, Sp. 113]


zu einem anstosz der schwachen. 1 Cor. 8, 9; auf das ich nicht meiner freiheit misbrauche am evangelio. 9, 18; und gebrauchte sich seiner zu solchem geschenke habenden freiheit. pers. rosenthal 1, 42; unsere rechte und freiheiten. Göthe 8, 199; von unsern freiheiten, von unsern privilegien. 8, 203; kette und zeichen geben dem der sie trägt die edelsten freiheiten. 8, 235; die götter haben sich diesmal sehr ihrer poetischen freiheit bedient. 14, 9;

meister rührt sich und geselle
in der freiheit heilgem schutz,
jeder freut sich seiner stelle,
bietet dem verächter trutz.
Schiller 79b.


9) freiheit, anmut, ungezwungenheit: wenn sie durch freiheit des betragens, anmuth im tanze, sich vor allen auszeichnet. Göthe 17, 17; annehmlichkeit und geschmackloses wesen, freiheit und aufpassen, treuherzige schalkheit und erlogene wahrheit. 19, 177. s. frei 8. freiheit = schönheit. schon mhd.

für zucker möhten in diu wîp
dur sîne frîheit nieʒen. turnei v. Nantheiʒ 189, 3.


10) philosophische erklärungen der freiheit sprechen wenig an: freiheit im practischen verstande ist die unabhängigkeit der willkür von der nöthigung durch antriebe der sinnlichkeit. Kant 2, 417; da ich freiheit als das vermögen eine begebenheit von selbst anzufangen erklärte. 3, 269; freiheit würde diejenige eigenschaft der causalität des willens sein, da sie unabhängig von fremden sie bestimmenden ursachen wirkend sein kann. 4, 73; freiheit im strengsten verstande heiszt unabhängigkeit des willens von dem naturgesetz der erscheinungen, nemlich dem gesetze der causalität aufeinander. 4, 128.
 
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freiheitathmend, libertatem spirans.
 
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freiheiter, m. der in einer freiheit, immunität wohnhafte. zu Cassel gibt es eine freiheitergemeinde.
 
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freiheiter, frei und heiter, wie in frei die vorstellung der heiterkeit liegt: einem gewissen freiheitern, um nicht zu sagen geistreichen gespräche. Göthe 22, 153.
 
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freiheitler, m. ein wahrhaftiglich freier mann, von dem freiheitler himmelweit verschieden. Claudius 6, 41.
 
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freiheitlich, libertati proprius: abgestorben für jede freiheitliche regung. Dahlmann fr. rev. 65.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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