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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
freien bis freiersgedanken (Bd. 4, Sp. 105 bis 108)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) freien , matrimonium inire. es ist nicht leicht, dies verbum von dem vorhergehenden, mit welchem es höher aufwärts verwandt sein musz, gehörig abzusondern. das goth. frijôn ist φιλεῖν, ἀγαπᾶν, wozu ags. freogan Beov. 1889. 6346. freon Cœdm. 136, 15, alts. friehan Hel. 43, 17 nicht genau stimmt. das part. praes. frijônds bedeutet amicus, ags. freond, alts. friund, ahd. friunt, welches letztere ein volleres frîônti, also den inf. frîôn = frigôn voraussetzt. frijôn, freogan, frigôn, mahnend an frei und frech, berühren sich zugleich mit fraihnan, frëgnan (sp. 49), wie lat. precari mit rogare und procus, der freier procans ist ein precans, nuptiarum petitor, ahd. pital, altn. biðill, folglich kann frijôn als appetere, begehren gefaszt werden. frijôn frijôda, amare, nubere würde, wie schon vorhin angedeutet ist, abstehen von frijan frijaida liberare, aber freis frijis grenzt unmittelbar an frijôn, wie līber an lĭbet, lŭbet und unser lieben. skr. prî amare.
freien, in bezug auf heirat und brautwerbung, scheint gleichwol unhochdeutsch und klingt noch heute der oberdeutschen volksprache unheimisch (Schm. 1, 610), die Zürcher bibel setzt an die stelle des lutherschen freien: zu der ee nemen, zu der ee greifen, gerade wie die ahd. version bei Tatian quënûn halôn, leitan, nëman. kein mhd. vrîen in diesem sinn ist aus der reinen sprache aufzuweisen, es stöszt zuerst im passional 27, 36 K. auf:

wiʒʒe, daʒ Lucîen
ein ander nu wil vrîen,
ein brûtegoum dër ist rîch
und dir an êren ungelîch,
den wil sie zu vriedele haben.

im Kartmeinet hätte der häufige reim auf Galîen ein solches vrîen herbeiführen sollen, es ist uns offenbar aus dem nd. oder nl. zugebracht worden. Herbort 12796 hat Diomedis frîe (oder frîge : amîge) für die liebe zu Diomedes. nnl. wird vrijen heiraten von vrijden liberare gesondert. nhd. ist im 16 jh. schon vor und seit Luther freien in gebrauch, sowol von der frau für nubere, als von dem mann für uxorem ducere: lasz sie (die töchter Zelaphehad) freien, wie es inen gefelt, allein das sie

[Bd. 4, Sp. 106]


freien unter dem geschlecht des stams irs vaters. 4 Mos. 36, 6; und alle töchter die erbteil besitzen unter den stemmen der kinder Israel sollen freien einen von dem geschlecht des stams irs vaters. 36, 8; Mahela, Thirza, Hagla, Milca und Noa freieten den kindern irer vettern. 36, 11; auch liesz er ausrufen, das die heubtleute und weibel, so heuser baweten oder freieten oder weinberge pflanzeten, wider heim ziehen möchten. 1 Macc. 3, 56; da Antiochus dahin kam zur göttin Diana, als wolt er sie freien. 2 Macc. 1, 14; wer ein abgescheidete freiet, der bricht die ehe (saei afsatida liugaiþ, horinôþ). Matth. 5, 32 (ahd. thie thar thie furlâʒanûn halôt). Luc. 16, 18; wer sich von seinem weibe scheidet und freiet eine andere. Matth. 19, 19 (ahd. inti andera leitit); so einer stirbt und hat nicht kinder, so sol sein bruder sein weib freien und seinem bruder samen erwecken. nu sind bei uns gewesen sieben brüder, der erste freiet und starb, und dieweil er nicht samen hatte, liesz er sein weib seinem bruder (ahd. thaʒ nëmê sîn bruoder sîna quënûn). Matth. 22, 24. 25; umb Herodias willen, seines bruders Philippus weib, denn er hatte sie gefreiet (untê þô galiugaida). Marc. 6, 17; so sie aber sich nicht enthalten, so lasz sie freien, es ist besser freien, denn brunst leiden (iþ jabai ni gahabaina sik, liugandau, batizô ist auk liugan þau intundnan). 1 Cor. 7, 9; der jungen widwen aber entschlahe dich, denn wenn sie geil worden sind wider Christum, so wollen sie freien. 1 Tim. 5, 11; so wil ich nu, das die jungen widwen freien, kinder zeugen (viljau nu juggôs liugan, barna bairan). 5, 14; es ist besser freien denn brennen. Luther 3, 523b; früe aufstehen und jung freien, sol niemand gereuen. tischr. 307a; D. Martinus redet von seinem freien. 309a; mich verloben und selbs freien, stehet bei meinen eltern, sagt die jungfraw. 316b; es ist ein gemein sprichwort, freien gehet für mieten, und herrn und frawen müssen zufrieden sein, wenn ir gesinde freiet und zu ehren greifet. Glaser gesindteufel D 2b; eine vornehme tochter, deren wolte Bobowitz mit gewalt leid gethan haben, wurde aber von uns mit harten worten abgehalten, oder er solte sie freien. 'der ist des teufels, der eine freit, wer wolte sich die lust so enge spannen?' Philander 2, 681;

es ist ein liebes paar gewesen vor der zeit,
das eine freite selbst, das ander ward gefreit.
Opitz poeterei 40;

freie, was vor nicht gefreit,
was vor hat gefreiet, freie!
Fleming 355;

freien und gefreiet sein,
lieb und gegenliebes schein
haben euch also verbunden. 387;

wann jungfern wollen frein und ändern ihren titel,
ist ihre meiste sorg um ihres buhlers mittel.
Logau 2, 71, 62;

wann die warheit sonst nur wolte, künte Pseudo sie wol freien,
weil sie ihm ist zugesippet gar mit keinen stammesreien. 3, 111, 59;

Nisus buhlte stark um Nisam, dieses gab ihr viel beschwerden,
wolt ihn nicht, sie freit ihn aber, seiner also los zu werden. 3, 229, 59;

junge töchter sollen freien, sonsten kümt das jungfernfieber,
oder gehn beim jungfernschlosse auf das freie feld für über. 3, 246, 155;

seht, wie bei höchster noth der himmel trost ertheilt,
die fromme witwe traurt, freit wieder, wird geheilt.
Hagedorn 2, 108;

sie freit und wagt beim schmaus vom mann sich weg zu stehlen,
sucht jüngre buhler auf, mit denen sie entschleicht. 3, 26;

(mox juniores quaerit adulteros
inter mariti vina);
und unsre jungfern freiten später,
sie reizten nicht der mütter neid. 3, 72;

ich werde mit vergnügen sterben,
versprich mir nur nicht noch einmal zu frein.
Gellert 1, 92;

was henker, was soll dieses sein?
für eine todte frau ein brautkleid auszusuchen!
gesetzt ich wollte wieder frein,
so müst ich ja ein neues machen lassen. ebenda;

Elmire war zur witwe worden
und nahm sich vor nicht mehr zu frein. 1, 183;

der liebe mann! die frau schwört stein und bein,
ihr lebelang nicht mehr zu frein. 1, 184;

mein kind kann wirklich noch nicht frein,
sie ist zu jung, sie ist erst vierzehn jahre. 1, 202;

der vater schämte sich und liesz die tochter frein. das.;

zum hängen und zum frein
musz niemand rath verleihn.
Lessing 1, 19;

die Türken haben schöne töchter,
wer will, kann mehr als eine frein. 1, 46;

[Bd. 4, Sp. 107]



ein feiges herz freit keine schöne frau.
Wieland 10, 185;

o wie manche der bräute
hat gefreiet der tod, der greis.
Rückert 318.

man sagt: in ein reiches geschlecht freien; das mädchen hat ins ausland gefreit, über den Rhein gefreit. ein so geläufiges wort erklärt Adelung für gemein und unedel gegenüber dem unbeholfnen heiraten, welche zusammensetzung das ältere einfache heien, mhd. hîwen vertrat.
In den angezognen stellen geht freien auf die schon heiratenden. es ist aber nicht zu übersehen, dasz es oft das vorläufige werben um die braut ausdrückt und sowol von dem für sich werbenden gilt, als von dem freier oder freiwerber für einen andern.
1) freien vom liebhaber selbst, deutlich die ursprüngliche bedeutung von frijôn, amare: do nun die prüder der frawen gute meinung vernamen und Friderichen einen redlichen man erkanten, wol er arm was, und als der frawen wille was, den iren auch darz gaben und si Friderich mit allem irem reichtum z der götlichen ee gaben, und er, der die frawen also lange zeit gefreit und liebe gehabt hette (e cui egli cotanto amata avea), iezund sein eliche frawe sahe, fröer und pasz ze mte dann man auf erden nie ward. Steinhöwel dec. 369, 4;

er freiet des königs tochter,
er freiet sie lenger denn siben jar.
Uhland 231;

die ich eins pflag zu freien,
die hat begeben mich. Ambr. lb. 204;

die letzte kirms gestund ich ihr,
ich wollte sie mir frein,
'gib mir die hand!'sie gab sie mir,
'willst du?' sie sprach nicht nein.
Weisze kom. opern 3, 196.

statt des acc. stehen auch praepositionen: er hat lange jahre um sie gefreit; um ein reiches mädchen freien; da war ein andrer fuchs vor der thür, der wollte die frau füchsin frein. kinderm. no 38;

kan ich nit wol verbergen
das heimlich freien zu dir. 205;

wer nach einem engel freit, trift oft einen teufel an.
Logau 2, 62, 47;

der aber bleibet dein, der itzund nach dir freihet.
Canitz 204;

er freit um sie, die ihm nicht versagt wird. Göthe 24, 217.
2) freien, werben für andere: dieser Dieterich, von dem die Deutschen lieder singen ... hat allen seinen fürsten auch weiber gefreiet des deutschen bluts. Agricola spr. 667; er leszt sie freien, läszt um sie werben. Kirchhof wendunm. 192;

frein wir doch nicht für uns.für andere frein ist bedenklich.
Göthe 40, 297;

ich flehe dich um drei tage zeit,
bis ich die schwester dem gatten gefreit (angetraut).
Schiller 62a.

s. befreien, erfreien, verfreien.
 
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freienszeit, f. nubendi tempus:

o der süszen freienszeit,
voller lust und frölichkeit.
Rist parn. 383.


 
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freier, m. procus, petitor, μνηστήρ, minner, nnl. vrijer, dän. frier, böhm. frejir, bei Diefenbach unter procus viele belege aus 15 jh., der werbende, bulende, nicht schon der bräutigam und heiratende, sowol mit dem gen. als praepositionen:

weil französisch, wie man saget, ist, latein, dein hurenkind,
wie dann, dasz um sie bei Deutschen so viel tolle freier sind?
Logau 3, 83, 43,

um sie, um die französische sprache, tochter der lateinischen; es wird ihr an stattlichen freiern nicht mangeln. 'ja wol, sie müssen sich sehr umb mich reiszen, wie um das saure bier'. Weise erzn. 135;

im anfang scheint es schön, wanns mädchen aufgeputzt,
wie eine puppe vor des freiers augen stutzt. eine frau ein nothwendig übel s. 143;

ein freier kam, man wies ihm Philippinen.
Gellert 1, 135;

ein freier bat einst einen freund,
ihm doch ein mädchen vorzuschlagen. 1, 206;

verlangt dein kind ein freier.
Lessing 1, 18;

nu, einen freier hat er ihnen doch wol nicht gebracht? obgleich jetziger zeit die freier auch zu einer art von geldborgern geworden sind. 2, 391; ein so alter soldat und ein so hitziger freier! 7, 203; als ehemaliger verehrer der mutter, als jetziger freier der tochter. Göthe 31, 213;

hast du nicht schon mutige freier?
ich komme zur hochzeit, nicht wahr?
doch Dorchen, ist dieses nicht heuer,
so ists aufs künftige jahr.
Weisze kom. op. 1, 189;

[Bd. 4, Sp. 108]



des königs töchterlein war schön
und auch schon flück geworden,
drum lieszen itzt sich freier sehn
von ost, süd, west und norden.
Blumauer Aen. 3, 21;

frau füchsin sind sie da?
'ach ja, mein kätzchen ja'.
es ist ein freier draus.
'mein kind, wie sieht er aus?' Km. no 38;

jetzo fand sie die freier, die üppigen, die an des hauses
doppelter pfort ihr herz mit steineschieben erfreuten,
hin auf häute der rinder gestreckt, die sie selber geschlachtet. Od. 1, 106.

sprichwort: wo viel freier sind, da sind wenig nehmer. Simrock 2680; sie hat freier aber keinen nehmer. in der Wetterau nennt man die von der zimmerdecke niederhangenden spinnefäden, an welche sich staub ansetzt, freier. bedeuten sie spinnenden mädchen freier vor?
 
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freierchen, n. nnl. vrijertje.
 
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freierdings, sponte, von freien stücken, wie allerdings, für freier dinge, aller dinge:

ob dich nicht sonst ein argwohn treibt, mir dieses
erbieten freierdings zu thun.
Lessing 2, 282;

so wären sie es werth, dasz man ihnen nachsagte, dasz sie, bei eigener einschauung der handschrift, sich freierdings der nemlichen oscitanz schuldig gemacht, die ich an Gottscheden bewundere. 10, 332.
 
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freierei, f. procatio:

der freierei wir gar gnug han,
ein anders mals bleib wir zu haus.
Ayrer 348a;

aber seine freierei ist nichts als politik. Lessing 7, 203; siehst du, das hast du von deinem plaudern. hätten wir nu nicht von unserer freierei (unserm liebeshandel) sprechen können? Weisze kom. op. 3, 25; mich so auf die freierei zu führen! Fr. Müller 2, 174.
 
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freierin, f. proca: pulerin, kupplerin, sponsirerin. voc. 1482 i 3a, also die selbst bulende und geworbene, wie die für andre werbende. nnl. vrijster.
 
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freierisch, amatorius, bulerisch:

wo die freierischen westen (westwinde)
buhlen mit den schwanken ästen,
und wehn einen hall darein,
als es solten küsse sein.
Fleming 442.


 
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freierschaffen, libere creatus:

dies that auch die natur, die hier mit starker hand
den abscheu und die lust mit eurem thun verband.
dadurch bewog sie euch, ihr feierschafnen seelen,
das böse selbst zu fliehn, das gute selbst zu wählen.
Lichtwer 169.


 
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freiersfüsze, pl. proci pedes: auf freiers füszen gehn, freiers gedanken haben;

ein bettler gieng auf freiersfüszen.
Lessing 1, 13;

steht ihre erbschaft auf freiersfüszen? 2, 394; ein herlich sinnbild, Simsons nackter schädel, für einen der auf freiersfüszen geht wie ich. Fr. Müller 178.
 
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freiersgedanken, pl., dän. friertanke.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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