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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
freibürger bis freiding (Bd. 4, Sp. 101 bis 103)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) freibürger, m. liberae reipublicae civis.
 
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freibusch, m. gehölz, in dem frei geholzt werden kann.
 
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freidank. treffende, eindringende sprüche werden im mittelalter einem dichter Frîdanc beigelegt, namentlich von Hugo im Renner und von Seifried Helbling. noch im 16 jh. von Joh. Nas, der in der groszen glocke 16 den spruch aus 167, 24 anführt und das 'sagt Freidank' beizufügen nicht unterläszt. nun läge nahe Freidank auf die gedankenfreiheit zu ziehen, wie diesen sprüchen fast lauter wahre, freie gedanken zum grunde liegen.

[Bd. 4, Sp. 102]


in unsrer sprache sind aber dank gratia und gedank cogitatio streng von einander gehalten und selten in den hss. heiszt es Frîgedanc, was sich auch Frîge-dank nehmen liesze, so dasz der name wol freien, schönen dank ausdrücken musz. als eigenname erscheint er seit dem 14. 15 jh. öfter, ahd. nie, bei Förstemann weder 418 noch 1149. auch in den ahd. eigennamen Filudanch, Gotadanch lag die vorstellung gratia.
 
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freide, m. transfuga, apostata, abtrünniger, überläufer, flüchtling, ahd. freideo, freido, N. Bth. 161 ist von einem asyl die rede 'daʒ Romulus ze Romo machota freidên ze gniste', flüchtigen zur rettung. dieser dat. pl. eines adj. freid oder freidi liegt der substantivbildung freideo zum grunde. mhd. vreide flüchtig, nur in éiner stelle:

iedoch was vil vreide
dër küneginne hôher muot. klage Holzm. 3862.

freidi, freid liesze sich auf ein goth. fraaiþis, fraaiþs, eidbrüchig, treulos zurückführen, wie ufaiþis, ufaiþs Neh. 6, 18 ἔνορκος ausdrückt, dieser steht unter dem eid, jener ist davon abgefallen. fra verhielte sich aber wie in fraitan, abessen, fressen, ahd. frëʒʒan und in fraliusan, mhd. vliesen, verlieren. das subst. könnte goth. lauten fraaiþja, ags. frâþa, und dem ahd. gieido = gaaiþja conjurator, consacramentalis gleichen.
dieser noch unsichere deutungsversuch durfte gewagt werden wegen des folgenden freidig und weil das uns erloschene appellativ freide noch in eigennamen fortdauert, fast alle unsere groszen städte, z. b. Berlin und Hamburg haben einen Freide oder Frede aufzuweisen, Lexer 101 bringt Jacob Fraid aus einer urkunde von 1569 bei, der stammvater wird ein flüchtling, verbannter oder ketzer gewesen sein. in vielen ahd. urk. des 8. 9 jh. begegnet Freido, vgl. tr. wizenb. no 112. tr. fuld. no 110. 123. 198. Förstemann 1, 410. wie aber aus recke, ursprünglich exul, extorris sich die vorstellung eines mutigen helden entfaltete, geschah es auch bei freide, s. freidig.
 
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freide, f. transfugium, periculum, audacia, in langobardischen glossen fraida refugium. Haupt 1, 553. 555. mhd. vreide, nhd. ganz fehlend.
1) audacia, vehementia. arge, strenge, swinde freide:

mit strengin vreidin.
Jeroschin 796;

die geslechte beide,
di in argir vreide
kegin in gesament wârn,
begundin dâ einander vârn. 2397;

in argin vreidin. 4421;

in swindin vreidin. 9770.


2) periculum, refugium:

vil maniger gesunder gestuont sîns lîbes an dër freide. Gudr. 495, 4;

ich wæn euch niemer mêr ergê,
daʒ under helden daʒ geschëhe,
daʒ man sô manigen recken sëhe
sîns lîbes in dër freide. Bit. 11376,

wie es sonst heiszt sîns lîbes an der fluht;

wan ër was sô manhaft,
daʒ ër dehein vreide schûhte. krone 1526 (al. keinen grûwen);

nâch manchis sturmis vreidin.
Jeroschin 346.

die abstraction freide leitet sich schwer aus dem persönlichen adj., fluht entspringt nicht aus fluhtîc, sondern umgedreht.
 
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freidenker, m. liberioris judicii, man versteht aber impius, freigeist.
 
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freidenkerei, f. impietas: man weichet allem verdacht der freidenkerei aus, wenn man von der religion überhaupt nur fein enthusiastisch zu schwatzen weisz. Lessing 6, 125.
 
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freidig , profugus, audax. ahd. freidac, freidîc (Graff 3, 793), mhd. freidec, nhd. freidig, in den vocabularen bei Dasypodius 72d, Maaler 142b, freydig, bei Henisch 1215 vermischt mit freudig, frewdig. das wort mangelt den schweizerischen idiotiken, lebt aber in der bairischen, tirolischen, kärntnischen volksprache bis auf heute fort, bei Schmeller 1, 600 fraedig, freidig, bei Schöpf 149 fraidig, froadig, bei Lexer 101 frâdig, sodann schles. freidig bei Weinhold 23a. es galt aber weiter im mittlern Deutschland, namentlich in Thüringen. Luther braucht es oft, belege aus der bibel folgen unter freudig. nd. idiotika liefern kein fredig, woher rührt das dän. freidig?
1) flüchtig: swer fraidigen fuoʒ setzet seinen geltern. Münchner stadtrecht (um 1350) art. 263; ob jener, des das werk ist, seinen geltern fraidigen fuoʒ gesetzet hat. art. 347.
2) wie frech, wild, von thieren:

der bër, der vor frêdig was. Reinhart s. 440;

und swie si (die katze) wære freidic. s. 365;

frêdig also ein lewe.
Joh. Rothe cap. 86;

[Bd. 4, Sp. 103]



siben dinc sol ein kluoger man merken an eime hunde,
daʒ êrste, daʒ ër vreidic ist. MSH. 3, 106b;

stillen sol man fraidigen hund,
das er nit grein z aller stund.
Wolkenstein s. 86;

als ein saw sahe ein schönes ros,
jung, welig, freidig, stark und grosz.
Waldis Es. II, 78;

und was vor futter musz ich geben
mein hengsten und mein besten pferden,
das sie feiszt, glat und freidig werden? III. 94, 276;

frewdige pfawen, pavones exsultantes bei Henisch, eher freidige als freudige. nach Lexer wird frâdig besonders von pferden gebraucht.
3) von menschen, in gutem sinn, kühn, mutig, tapfer:

ob einer gërne vreidic wær,
dën heiʒ wir einen tokzær.
Helbl. 15, 41,

vgl.tokzen 15, 235. 329. 410 und Wh. 398, 13;

der winter sprach, ich bin auch gar ein fraidig man,
und welcher wel, der leg sich da in harnasch an. Germania 5, 286;

lobistu en her si gesunt und starg
und freidig an deme libe,
eʒ mag mit eme wol werdin arg
wel her vele unfur tribe.
lobistu danne sin ritin und stechin
und sin freidigis torniren.
Joh. Rothe ritterspiegel 2029—34;

der frêdiger, starker Hercules. Joh. Rothe chronik cap. 29; Friedrich der freidige, mit der gebissenen wange;

mancher der will gar freidig sin,
wagt sich an löwen, beren, schwin.
Brant 74, 19;

der gtar allein wol vier bestan
und usz der fläschen freidig sin. 87, 16;

(viele haben gedacht) es were nie kein schedlicher lere auf erden komen (als die lutherische) und würde nimermehr so freidig sein, das sie für dem keiser und reich sich türste darstellen und lassen ansehen. Luther 5, 202b; Christus sterke euch mit seinem freidigen geist. 5, 264b; der mit seinem freidigen geiste dem antinomo Eisleben und andern widersprochen. Joh. Wigand die neuen Wittenberger 16b; gott nam inen bald das freidig herz. Frank chronik 218b und oft; Alexander bezwang als ein junger und freidiger held mit wenig volks fast alle reich auf erden. Mathesius 85a; wo sein nu eure kriegsleute? seid ihr freidig, so thut es noch. Stenzel script. rer. siles. 4, 51. man könnte leicht an unser heutiges freudig laetus denken, wie man ein freudiges herz, ein freudiger held sagt, da aber weder ahd. aus frouwida ein frouwedîc, noch mhd. aus fröude ein fröudec gebildet wird, so scheint umgekehrt freudig aus freidig entstellt, wie denn auch die folgende üble bedeutung nicht recht mit der vorstellung von froh und freude besteht, wenn schon ein trotzig herz vorkommt. mehr noch unter DWB freudig.
4) für trotzig, frech, unverschämt:

sîn volc ist gar ze freidic. tr. kr. 24740;

sît daʒ got unde dër künec nu gescheiden sint,
sô wil dër sëlbe künec dën tiuvel ûʒ dër helle twingen,
dâ hebt sich ein gemürde von, daʒ ist niht ein wint,
sô sint si beide freidig, hërre, wëm sol dâ gelingen? MS. 2, 93b;

vreidic sam die Beier
sî wir mit gevræʒe.
Helbl. 14, 40;

und secht, wie freidig ist der man,
als da der Berner Ecken erschlug. mörin 19b;

und werden so stolze freidige geister draus, die niemand weichen, noch einen meister leiden, auch gott selbs nicht. Luther 6, 44b; freidig und framstreck (in der sp. 59 angezognen stelle Franks); fraidig im maul (maulfrech). loszbuch ed. Zingerle no 374; fraidiges (schnippisches) mädchen.
es hat nun freilich sein bedenken, dies adj. aus der unter freide dargelegten vorstellung herzuleiten, doch gibt die unter 1 enthaltne bedeutung den übergang. schwieriger wäre das goth. freidjan parcere, friþôn reconciliare und fridu pax, oder das altn. frîðr heranzuziehen, welches zwar fortis, aber auch formosus ausdrückt. die begriffe der abtrünnigkeit und des trotzes bleiben von diesen wörtern unberührt, man müste sie denn durch frei vermitteln, das auszer liber auch formosus bedeutet.
 
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freidigkeit, f. audacia, temeritas, alacritas: circumcelliones ist ein geschlecht der menschen, einer unmenschlichen kühnheit und freidigkeit. Frank chronik 363b. Maaler 142b.
 
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freidiglich, adv. audacter, truculente: wen die hund fraidicleichen anlaufent, vellt er auf die erd, so wirt ir zorn gesänftigt. Megenberg 125, 14. vgl. freidig 2.
 
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freiding, n. judicium liberum, oft für femgericht, freigericht. Möser patr. ph. 3, 140.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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