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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
frei bis freibauer (Bd. 4, Sp. 99 bis 101)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) frei, adv. libere, solute. kein goth. frijaba erscheint, sondern wird durch andere wörter wie balþaba, svikunþaba, andaugiba ausgedrückt; ebensowenig ein ahd. frîo, mhd. vrîe, sondern dafür frîlîcho, vrîlîche. nhd. aber begegnet das adv. frei genug, nur ist es oft nicht leicht von dem adj. zu unterscheiden. das älteste mir bekannte beispiel findet sich weisth. 4, 144. 156 in dem spruch 'der soll fri sitzen', wo es sich aber libere und liber deuten läszt.
1) offen, zwanglos, ungehemmt, ohne rückhalt: ich athme wieder frei; du kannst freier athmen, thörichtes herz. Göthe 8, 148;

zerrissen ist der bange schleier,
der unsern bund der welt entzog,
und deine Lyda, Heinrich, athmet freier.
Gotter 1, 287.

etwas frei sagen, äuszern, gestehn, bekennen, frei und kühn heraus sagen: lasz mich frei reden;

dem heilgen Job nit widerstreb,
spricht frei, das sein erlöser lebt.
Schwarzenberg 152, 1;

wer warhaftig ist, der saget frei was recht ist, aber ein falscher zeuge betreugt. spr. Sal. 12, 17; bekenne das recht frei. Sir. 4, 28; da sprach Matathias frei eraus. 1 Macc. 2, 19; recket er die zunge frei heraus und strecket die hende dar und sprach getrost. 2 Macc. 7, 10; und er redet das wort frei offenbar (jah svikunþaba þata vaurd rôdida). Marc. 8, 32; niemand aber redet frei von im, umb der furcht willen fur den Jüden (nih þan ainshun svêþauh balþaba rôdida bi ina

[Bd. 4, Sp. 100]


in agisis Iudaiê). Joh. 7, 13; und sihe zu, er redet frei (jah sai, andaugiba rôdeiþ). 7, 26; bistu Christ, so sage es uns frei heraus (qiþ unsis andaugiba). 10, 24; es kompt aber die zeit, das ich nicht mer durch sprichwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem vater (ak anaugiba bi attan gateiha izvis). 16, 25; denn wen gott treibt zu reden, der hebt frei offentlich an. Luther 3, 59b; dieweil sie im frei gleuben. 3, 292a; nun laszt unsern herren frei kommen rechnung zu hören, wan er wil. bienenk. 148a; und begab sich frei auf alle wollust und begirlichkeit des fleisches (überliesz sich ohne scheu allen wollüsten). 220a;

Filudor, sag mir doch frei,
liebst du mich mit wahrer trew?
Weckherlin 410;

Johannes weiste frei,
dasz er das gotteslamb für unsre sünde sei.
Fleming 5;

vergnügen und verdrusz darf mancher frei bekennen,
ihm frei den gegenwurf geheimster wünsche nennen.
Hagedorn 1, 53.

geschmack und witz, es frei zu sagen,
war bei den alten allgemein.
Lessing 1, 52.

man sagt sich frei umsehen, rings herum blicken: war ihr ein altes vertracktes weib zur hofmeisterin vorgesetzt, vor welcher dieses schöne bild sich nicht einmal frei umsehen, geschweige denn mit jemanden reden durfte. irrg. der liebe 303.
2) frei hat nicht selten die unbestimmtere bedeutung von frisch, tapfer, tüchtig, schön, wozu man die achte des adj. halte:

wer ist der uns dies liedlein sang?
so frei ist es gesungen.
Uhland 302;

hab ich mein hab und gt verthan
mit blen, prassen, spilen frei,
auch pawen, schmucken, reuterei.
Schwarzenberg 144, 1;

thu dasselbige frei umsonst. 1 Cor. 9, 18; die böswichter sind frei verzagt wie die hunde. Luther 3, 133a; so hat der geist abermal frei und schon gewonnen. 3, 484a; so wil ich dasselbige deinem willen frei zu dienste thun. 3, 330a; wenn einer das abc frei (hübsch) hinder sich und für sich auswendig kan. Frey garteng. 84; und sie protestierende stend würden frei die letzten nit sein, sondern villeicht mehr thun dann andere. staatsp. Karl 5. 259; spannete er die ziehketten des pferds allenthalben los, hieb mit der geiszel frei (tüchtig) darauf und rennet davon. Kirchhof mil. disc. 219; wiewol etlich gemeldet haben, dasz dem durst nichts also zuwider sei (als frischen wein zu trinken), ich glaub es frei auch, contraria contrariis curantur. Fischart groszm. 52;

auf das man am nest erkenne frei,
was für ein vogel drinnen sei. bienenk. 143a;

der pfarherr sprach, ja nimm sie hin,
dasz sie dir zu dem handel dien,
dann sie den brauch weisz leiden frei (s. leiden)
und ist gewesen oft darbei. Eulenspiegel reimweis 38b;

der kerl meint frei, ich werd liegen.
Ayrer 71b;

sie redten von euch auch und lachten euch frei (schön) aus,
di voi ridendo insieme e motteggiando.
Werders Ariost 2, 17;

wenn auch die sonne leszt viel minder ihre stralen
an diesem ort, als nicht in andre gegend fallen,
so gleub ich, dasz es frei alleine drumb gescheh,
auf dasz sie dieses volks vermessenheit nicht seh. 5, 5,

frei alleine drumb, blosz darum, im orig. mal volentieri, ungern; frei lassen, decere, schön, artig, hübsch stehen:

es liesz dir auch recht frei. die nymphe küste mich,
die schäfer murmelten, mir war es lächerlich.
Rost schäferged. 62;

ich eilte zu den jungen fürsten, die mich sehr frei (artig) und freundlich empfiengen. Göthe 26, 319. man kann aber über einzelne bedeutungen rechten. in der oberdeutschen volksprache zeigt sich dies frei viel deutlicher als blosz hervorhebend und bekräftigend oder auch als ausfüllendes flickwort: frei nix, gar nichts, halt nichts; er hat das glas frei fallen lassen; sie hat mir den brief frei aus der hand gerissen. Schm. 1, 606; schreib frei oft. Lexer 102; frei viel, sehr viel. Stald. 1, 396; frei, derb auslachen, ausgreinen. Schöpf 152;

de bisch frei scheen, du alder specht.
Arnold pfingstmontag s. 158,

du bist gewaltig schön. vgl. fein und feindlich 3, 1457. 1461.
 
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frei, n. libertas, nur bei Logau (wie frech sp. 93):

es hat durch unser land sich alles umgekehret,
drum wundert mich der brauch, dasz der so lange wehret,
dasz dinstags noch und nicht man freitags hochzeit macht,
und mehr als göldnes frei das schwere dienen macht (? acht). 1, 36, 31;

seither ist unser frei in dienstbarkeit verkehret,
die haut ist abgestreift, das mark ist ausgezehret. 1, 41, 57;

[Bd. 4, Sp. 101]



welt und ihren lüsten dienen ist die gröszte schlaverei,
deinem willen, gott, gehorchen ist das allersüszte frei. 2, 199, 21.

wenn Tieck 10, 363 schreibt:

heraus dein sehnen dich trieb ans frei,
sonst saszest verschlossen in dir,

so steht das für ans freie. im mittelalter war 'daʒ vrî' benennung eines gefreiten guts, z. b. in Erfurt, man sehe in Höfers deutschen urk. s. 40. 41. 42 (a. 1289): man sal ime sin vri vrönin, stet daʒ vri jar und tac in der vröne u. s. w. aus dieser bedeutung kann die abgezogne entsprungen sein.
 
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freiacker, m. ager immunis.
 
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freialtar, m. an dem zu jeder zeit todtenmessen gelesen werden.
 
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freiamt, n. in mehrern gegenden bezeichnung eines bezirks, welcher nicht der gewöhnlichen gerichtsbarkeit unterworfen ist.
 
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freiarche, f. freie wasserrinne, s. DWB arche.
 
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freiartig, von einem freibestellten ackerland, vgl. DWB artbar, DWB arthaft.
 
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freiball, m. saltatio solemnis libera: und nun lasset uns sämtlich ins buch hinein tanzen, in diesen freiball der welt. J. P. Tit. 1, 72.
 
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freibank, f.
1) bewegliche bank, in welche bildhauer das bild einspannen.
2) mensa carnaria concessa.
 
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freibau, m. bergmännisch, eine grube, die ohne weitere zubusze gebaut werden kann.
 
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freibauer, m. rusticus a servitio immunis.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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