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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
frechmut bis frei (Bd. 4, Sp. 93 bis 100)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) frechmut, m. temeritas:

und zwar wers (das sacrament) nieszet unbereit,
ich sags mit wahren worten,
vom frech und hochmut wird verleit
zum tod und schwarzen porten.
Spee trutzn. 337 (307).


 
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frechmutig, ferox: frechmutige, leichte, hurtige pferde. Uffenbach 2, 1.
 
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fredel, n. mustela furo. s. DWB frett, DWB frettel.
 
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freen , um zweier stellen in Franks sprichwörtern willen hier aufgeführt.
1) er sagt 1, 107b: so ist nu gewis, wann mich was freet, so msz mich sein gegenteil gräen. falls beide verba reimen, wäre aus gräen auch auf fräen zu schlieszen. gräen, graen, gräten ist soviel als kümmern, verdrieszen (Schm. 2, 97 und 124) und sein gegensatz würde vergnügen, freuen ausdrücken. doch läszt sich freen kaum für frewen, freuen nehmen, da auf derselben seite frewen, frewt, freude geschrieben steht. wie gräen, gräten wäre etwan freen freten fräten, reiben, kitzeln, in angenehmer empfindung.
2) 1, 114b heiszt es mit bezug auf 1 Cor. 7, 39: im herrn sollen wir freen, im herrn uns frewen, im herrn reden, wirken, sonst ists alles sünd. die bibelstelle besagt von der witwe cui vult nubat, tantum in domino. dies freen ist also freien nubere, und ich weisz gar nicht, warum Frank anstand nahm zu schreiben frein. mit dem vorhergehenden ersten freen, das ihm doch erinnerlich sein muste, hat es nichts zu schaffen.

[Bd. 4, Sp. 94]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) frefel, s. frevel.
 
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fregelbirn, f. sonst auch bregelbirn, regelbirn, eine art pfundbirn, königsbirn, bratbirne 2, 353. Henisch 1199, 4.
 
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fregeln, torrere, für bregeln, brägeln 2, 291. 353.
 
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fregen, für fragen (sp. 49):

wenn man ursach ir red solt fregen,
so wer es von her Dielmans wegen.
Zarnkes narrensch. 22a;

auch thust den pawren kisten fegen,
dem besten wirth thustu nachfregen.
H. Sachs II. 4, 2c;

man musz mich aber auch drumb fregen : wegen. II. 4, 14a;

nun darf je niemand weiter fregen : gelegen. V, 36d,

und öfter, wechselnd mit fragen.
 
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frei , liber, goth. freis gen. frijis, ahd. frî gen. friges und frîes, mhd. vrî vrîes, alts. fehlend, doch in frî, femina ingenua wirksam, mnl. vrî vries, nnl. vrij vrijes, friesisch frî, fries, ags. frî und freo, pl. frige, engl. free. altn. kein frîr aufzuweisen, frî selten, schw. dän. fri. das lett. brihws frei, erlaubt, ledig scheint von uns entnommen. dies ganze wort reicht in hohes alter und hat groszen zusammenhang.
a) frei entspricht zunächst dem lat. prîvus (für prigvus?), welches singulus, suus, sl. svoi, gr. ἴδιος ausdrückt. der freie ist sein selbes eigen, sui juris, keines andern eigen. selbständige, unbesiegte völker heiszen freie, Frijai, Frigê, Franken, was bedeutsam an die thrakischen Βρίγες (bei Strabo), Βρύγοι (bei Herodot), so wie an die Φρύγες mahnt. der Βρίξ, Φρύξ steht zu friks, frech, i und u schwanken, das b zu f, gleicht dem in βάλλειν, fällen. dem begriffe nach sind die sui Suevi, sl. svobodnyi, folglich hat unser Franke und Schwab gleichen sinn. wie uralt klingen beide namen!
b) nach dem besiegten pflegt der freie seinen knecht zu nennen (GDS. 771), sein gut ist freies eigen, freies alod, franc aleu, svês, suâs, proprium. seine verwandten sind svêsai, domestici, familiares, privati, gehören zum haus und geschlecht. die freie frau ist alts. frî, ags. freo.
c) frijôn ist lieben, gleichsam sich aneignen, freien ist heiraten, brautwerben. den Slaven war Prije Aphrodite (mater verb. 3a), den Deutschen Fria, Frea, Frija, deren tag Frîatac, Freitag, dies Veneris. hier greifen Freyja und frowâ, fraujô ein, von andrer seite Frieg, Fricke, Frecke, weil auch friks, frech, frei, mutig, anmutig. unser lieben und lieb, goth. liubs, sl. ljubiti gleicht dem lat. lîber und lubere.
d) freien, frei machen wird negativ zu privare, orbare, solvere, lösen, der orbus ist seiner kinder ledig beraubt. der privus, privatus, weil domesticus. familiaris ist auch mansuetus, zahm, fr. apprivoisé, poln. swojski und frei nähert sich dem begriffe des milden, schönen.
e) es musz sich also auch berühren mit froh, freuen und frauja herr, wie Fricke und Freyja aneinander reichen. in betracht kommt das mnl. vraei, nnl. fraai venustus, laetus = froh. den übergang von frei zu frô, freo macht der wechsel zwischen vierter und fünfter ablautsreihe begreiflich und soll unter den betreffenden wörtern beleuchtet werden.
f) aus weiterer ferne klingen an die partikeln fra, fri, fram und was daher alles entspringt.
an den bedeutungen des adj. wird sich das aus den wortformen geschlossene mehr entfalten.
1) dem stande nach ist frei wer bleiben kann wo, gehen wohin er will, ἐλεύθερος von ἐλεύθειν, den frei gelassenen heiszt der herr gehen wohin er wolle. ein knecht musz beim herrn verharren. ich bin ein freier mann, frei geboren, von freien eltern;

nu ist si frî als ich dâ bin. a. Heinr. 1497;

ër was von frîen liden komen. klage 697.

nhd. wenn ein man bei einem weibe liegt, die eine leibeigen magd ist, das soll gestraft werden, aber sie sollen nicht sterben, denn sie ist nicht frei gewesen. 3 Mos. 19, 20; bistu ein knecht berufen, sorge dir nicht, doch kanst du frei werden, so brauche des viel lieber (skalks galaþôþs vast, ni karôs, akei þauhjabai magt freis vairþan, mais brukei). 1 Cor. 7, 21; bin ich nicht frei? οὐκ εἰμὶ ἐλεύθερος; ni im freis? 9, 1; denn wiewol ich frei bin von jederman, hab ich doch mich selbs jederman zum knechte gemacht. 9, 19; denn der magd son sol nicht erben mit dem son der freien (untê ni nimiþ arbi sunus þiujôs miþ sunau frijaizôs). Gal. 4, 30; und wenn man umb die güeter richten sol, so mögen die husgenoszen einen freien darsetzen ze richten. es sol auch ein vogt bei dem freien sitzen ze gericht. weisth. 4, 370;

wir sind frei und sind niemands knecht,
das ist unser altväter recht. froschm. Bb 3a;

[Bd. 4, Sp. 95]



denn mit dem knechte zugleich bemüht sich der thätige freie.
Göthe 40, 328;

nun bist du los der allzulästgen schwere,
bist frei und frank, nun frisch zu deiner sphäre! 41, 49;

ich will nicht, dasz der bauer häuser baue
auf seine eigne hand und also frei
hinleb, als ob er herr wär in dem lande.
Schiller 519a;

o lerne fühlen, welches stamms du bist,
das haupt zu heiszen eines freien volks. 526a;

der mann ist wacker, doch nicht freien stands. 528b;

denn dieses ist der freien einzge pflicht,
das reich zu schirmen, das sie selbst beschirmt. 529b;

wir wollen frei sein, wie die väter waren. 531b;

so reich ich diesem jüngling meine rechte,
die freie Schweizerin dem freien mann. 552b.

der herr entläszt den knecht aus seiner hand und gewalt, manumittit, läszt, macht, gibt, sagt, spricht ihn frei: da sind beide klein und grosz, knecht und der von seinem herrn frei gelassen ist. Hiob 3, 19; das ein iglicher seinen knecht und ein iglicher seine magd solte frei geben. Jer. 34, 9; und ire magd Abra machet sie frei. Judith 16, 28, mhd. bei Diemer 180, 22

dô lie si ir Abram vrîe;

knecht aber, welche die Walchen sclavos nennen, seind mit leib, weib, kind und gt irs herren und alles das si gewinnen, so lang er in nit frei sagt und mit freiheit begabt. Frank chron. 241a;

und frei erklär ich alle meine knechte.
Schiller 552b.

freie menschen bilden freie, unabhängige völker, freie staaten, und in königreichen sind noch freie städte, freie dörfer, freie hafen gelegen.
2) frei, ungefangen; er liegt gefangen, ist nicht mehr frei; er ist wieder frei geworden, der gefangenschaft ledig; alle im krieg gemachten gefangnen sollen nach dem friedensschlusz frei gelassen, auf freien fusz gestellt werden; und Simon machet frieden mit inen und liesz sie frei abziehen. 1 Macc. 11, 66; die thiere laufen frei im walde; der vogel entfliegt aus seinem käfich frei in die lüfte; ich bin so fri und ledig und ungebunden. Keisersberg bilger 67d;

ich kann und mag nicht wieder frei (werden, entrinnen).
Günther 252.

Schmidt von Werneuchen an seinen vogel (gedichte 26):

denn du warst ein freier sänger
in der freien weiten welt,
wustest nicht, wies dem gefällt,
den auf lebenslang ein enger
vogelthurm gefangen hält.


3) eine vom band der liebe und ehe ungefesselte frau heiszt frei oder ledig, vielleicht gieng das alts. frî n. ursprünglich auf die unvermählte, vgl. Hel. 13, 14. 16. frauen banden sich haar und haupt, mädchen blieben ungebunden, unberingt. heute ist die vorstellung fast nur abgezogen und von herz und liebesverhältnis zu verstehn: das mädchen ist nicht mehr frei, non amplius libera est, sie ist verlobt, vergeben; Hilariens herz ist nicht mehr frei. Göthe 22, 33; unter einigen allgemeinen gesprächen fragte ihn Therese: sind sie frei? 20, 46.
4) frei, solutus, vom ungeschornen, frei wachsenden, vom ungeflochtnen, frei fliegenden haar der männer oder frauen: so lange die zeit solchs seines gelübds weret, sol kein schermesser uber sein heubt faren und sol das har auf seinem heubt lassen frei wachsen. 4 Mos. 6, 5; ir heubt sollen sie nicht bescheren und sollen auch nicht die har frei wachsen lassen, sondern sollen die har umbher frei verschneiten. Ez. 44, 20. im alterthum trug der freie mann und das ledige freie mädchen locken; ihr haar flog frei, wie es sich von selbst ringelte;

Agathon, aus dessen schwarzen augen
männer freundschaft, mädchen liebe saugen,
mit dem freien dunkelbraunen haar.
Gotter 1, 84.


5) frei, offen, apertus, patens,
a) von hals und brust, 'freie brüste', ofner busen:

ein schnee ist mir bekannt, der mehr als feuer hitzt,
wann Nivula entblöszt mit freien brüsten sitzt.
Logau 1, 181, 63;

euer brust die ist ein fenster, euer brüste, die sind scheiben,
die ihr jungfern so mit fleisze pfleget an den tag zu treiben. 3, 63, 32, 'freie brüste';

von ihrem freien hals hangt eine perlenschnur.
Zachariä 1, 23.


b) von brunnen und wasser: zu der zeit wird das haus David und die bürger zu Jerusalem einen frei offenen born haben wider die sünde und unreinigkeit (vulg. in die illa erit fons patens domui David). Zachar. 13, 1; sich im freien flusz baden; das baden im freien wasser, unter offenem himmel. Göthe 48, 96.

[Bd. 4, Sp. 96]



c) von himmel, luft, feld und strasze, was auch durch das blosze adj. mit ausgelasznem subst. ausgedrückt zu werden pflegt: im freien, sub divo, unter freiem himmel; ins freie gehen, prodire in apertum;

sie durfte frei im freien sich ergehen.
Schiller 503a;

wenn in der ersten frühlingszeit
die mädchen sich ins freie trauen.
Uhlands ged. 17;

hoch soll michs erfreuen,
wenn unter den reihen
der sylphen und feien
du schön dich im freien
verlustiget hast.
Kl. Schmidt poet. br. 64;

er wollte das freie suchen, fand sich aber gefangen. Göthe 21, 158; bis dieser schatz zuletzt ganz ins freie fiel (offen lag). 30, 42; drauszen im freien stiegen nebel auf; der vogel ist wieder im freien; hat der adler die hasen nur erst aufs freie, so entlaufen sie ihm nicht. Döbel 1, 73b. ebenso oft geleiten substantiva: freier himmel, freie luft, vacuum, liberum; in der freien luft sich umtreiben;

die eule sasz in einer holen kluft,
in welcher sie mit klugem auge wachte,
und hörte da, wie in der freien luft
auf einem baum die elster sie verlachte.
Drollinger 140;

ich sah ihn in der freien luft sich bilden. Göthe 20, 115; das freie feld, campus patens; und lasse den lebendigen vogel ins frei feld fliegen. 3 Mos. 14, 7; ich bin aufgewachsen wie ein schöner olebaum auf freiem felde. Sir. 14, 19; freier raum, platz, freie bühne, freie aussicht, prospectus apertus; der mord geschah auf freiem markte;

zu Babel wurden schöne töchter auf freiem markte feil gestellt.
Logau 3, 117, 92;

freier weg, freie strasze; die unzüchtigen würden auf freier gasse ihre lust ausüben. Ettners hebamme 229; die freie strasze sperren; der weg steht dir frei; jetzt fort, geschwind, da der weg noch frei ist! Schiller 655b; auf freier strasze, en pleine rue; auf der freien strasze ermordet. irrg. der liebe 364;

ich schleiche nicht, ich wandle nur für mich,
wies mir gefällt, auf freier, breiter strasze.
Göthe 10, 238;

ihr thut nicht wol, dasz ihr um diese stunde
allein auf freien straszen wandelt. 10, 239;

er hatte in den angesehensten häusern freien zutritt; der flusz hat seinen freien lauf durch das flache land.
d) anwendungen: seinen worten, empfindungen freien lauf lassen; sie liesz nunmehr ihren lange zurückgehaltnen vorwürfen freisten lauf; seinen thränen freien lauf lassen; ein freies, ofnes auge; ein freier blick; sie wechselten zum ersten mal entschiedne freie küsse. Göthe 17, 359; die brust, der athem ist wieder frei.
6) frei, ungehindert, in freier wahl und willkür stehend. freie hand haben, ad arbitrium agere; er hat nicht mehr freie hand, seine hand ist nicht mehr frei; es steht in meiner hand, es steht mir frei zu thun oder zu lassen; ich will ihm seine hände frei machen, lösen; um also dem kaiser gegen die Böhmen geschwind freie hände zu machen, stellte es (das französische ministerium) sich zwischen die union und ligue als mittelsperson dar. Schiller 903b. das haus soll aus freier hand verkauft werden, inter privatos, sua ipsius auctoritate; das guot sol der vogt ziehen mit einer freien hand. weisth. 4, 245; etwas mit freier hand schreiben, entwerfen, zeichnen, vgl. lat. proprio Marte. ich thue es aus freien stücken, sponte; umarmete und küssete sie ihn von freien stücken. irrg. der liebe 347.
7) frei, ungebunden, losgebunden, unsittlich, frech. der freigelassene wird ausgelassen, libertinus, libertin, leichtfertiger bube, s. DWB freihart. eine freie dirne, nach dem späteren ausdruck, eine freie schöne, ist eine zuchtlose, ausschweifende, die namen dirne, bube selbst tragen übeln sinn an sich (2, 1188. 460). die Jüden meinen sie sei eine freie dirne. Luther 6, 106b; das der Türken ehe fast gleich sihet dem züchtigen leben, so kriegsknecht füren mit iren freien dirnen. vom krieg wider die Türken. Wittenb. 1529 D 3; es ist kein mensch so arg er hat etwas guts an sich, es hat zuweilen ein frei weib solche gute art an sich, als sonst kaum zehen ehrliche matronen haben. D 4. in Reuters kriegsordn. s. 70 hebt des profoszen anklage an: herr schultheisz, der profosz stehet allhier vor recht und klaget von regiments wegen uber diese gegenwertige weibsperson N von N wegen ihrer missethat, so sie bei nacht und nebel begangen, das sie als ein heillose, trew und ehr vergessene hur vormals ins läger unter disz regiment kommen und ires freien lebens mit jedermann gepfleget;

[Bd. 4, Sp. 97]


ein freies leben führen wir,
ein leben voller wonne.
Schiller 133a.

dein freies maul ist so bekannt.
Günther 220;

freie, freche worte, reden fielen unter dem erhitzten volk; nichts gefährlicher als ein allzufreies gespräch, das einen strafbaren oder halbstrafbaren zustand als einen gewöhnlichen, gemeinen, ja löblichen behandelt. Göthe 17, 113.
8) im gegensatz neigt frei in die vorstellung des anmutigen, schönen, heiteren, frohen, frischen. sp. 56 sahen wir das verwandte frank unmittelbar zu froh und fröhlich gesellt, frank und frei verhalten sich wie frank und froh, für frech bestand die edle bedeutung von kühn und mutig, gerade so ist auch in frei das frohe, freudige, frische gelegen:

vrî sî dër, swër eine reine lieplîch mac umbevân. MSH. 2, 395b;

Ludewîc dër frîe sîne bürge sach. Gudr. 956, 1;

frî (al. vrô) und sêre fröudehaft. Trist. 16, 28;

vrî unde vrœlîch. 396, 20;

nhd. er hats gar wol gesungen
aus frischem freien mut.
Hildebrand 159;

ei wer uns dieses liedlein sang?
ein freier reiter ist ers genant. lb. 1582, 138;

wer ist nun der das liedlein sang,
ein freier landsknecht ist ers genant,
er hats so frei gesungen.
Soltau 359.

mutige und freie herzen verbindet Luther 3, 27b. seid ir nit freies lebens? Steinhöwel dec. 528, 37, wo spätere ausg. setzen freies mutes, und der text hat se non vi dà il cuore d'esser ben sicuro; Freiesleben ist ein bekannter eigenname, der also einen freien, frischen mann bedeutet; bei Walther 11, 21 war frîeʒ lëben das unknechtische. Göthe redet 60, 141 von höhen, abhängen, flächen, die mit weide, wiese, fruchtbau, wald immerfort abwechselnd, einen freien, frohen blick gewähren; 20, 115 von einem knaben, der durch felder und wälder laufend, neben einer freien und heiteren begleiterin sich bildet. der sorgenfreie mensch sieht heiter aus, der traurige niedergeschlagen. 'du siehst nicht ganz frei, was fehlt dir?' 8, 44. 42, 56. 279; 'willkommen Oranien. ihr scheint mir nicht ganz frei'. 8, 217; desto heitrer, freier werde ich zu dir zurückkehren. 42, 317. in den br. an frau von Stein 2, 326 geht aber 'wie hast du geruht? ist dein kopf frei?' auf abwesenheit des kopfschmerzes. jenes frei scheint nahe das nl. fraai, welchem sich buchstäblich unser froh vergleichen darf:

lasz die freien jauchzer klingen!
Günther 912.

menschen wie bäumen wird ein freier, schlanker wuchs beigelegt, gerade wie sich frech auf den frischen wuchs bezog (sp. 92). dies frei ist also schön und heiter:

o wie frei, wie schön ist sie.
Lessing 1, 72.

die natur ist überall schön und frei. der sprachgebrauch macht hiervon manche anwendungen. freie künste, arts libéraux und schöne künste, beaux arts grenzen an einander. der freien kunst, den freien künsten sind handwerk und strenge künste entgegengestellt, die freien künstler den handwerkern. Göthe 23, 159. 161. das grosze, freie talent, die dreiste hand des künstlers, 22, 141, der freie pinsel des mahlers unterscheiden sich von der beschränkten, gebundnen, zunftmäszigen hand. die freie übersetzung oder bearbeitung ist entgegengesetzt der knechtischen, strengen. es gibt zweierlei arten von schönheit, sagt Kant 7, 51 und 74: freie schönheit und blosz anhängende, blumen sind freie naturschönheiten. das wolgefallen des geschmacks am schönen ist ein freies. nach allem diesem ist in der schönen natur freiheit und heiterkeit gelegen, wie auch in den wortbedeutungen erscheint.
9) der mensch hat freien willen, ist freies mutes, seine gedanken, entschlüsse, handlungen sind frei, seine sitten und zustände, seine rede und sein betragen bilden sich frei aus. freies mutes, sua sponte. Steinhöwel dec. 118, 7; aus freiem willen. Esra 1, 4; freies lob, freier tadel, freie wahrheit, freies zeugnis und bekenntnis. wie er Ottilien in absicht eines freieren betragens, einer bequemeren mittheilung sehr zu ihrem vortheil verändert finde. Göthe 17, 288;

sohn, mehr wünschest du nicht die braut in die kammer zu führen,
dasz dir werde die nacht zur schönen hälfte des lebens,
und die arbeit des tags dir freier und eigener werde,
als der vater es wünscht und die mutter. 40, 273;

sein tagebuch das er mit der aufrichtigkeit der freiesten seele für seinen vater machte. J. P. Hesp. 2, 27; auch ihm war freie wahrheit der offene helm des seelenadels. Tit. 3, 16.

[Bd. 4, Sp. 98]



10) frei auf sachen, zustände, vorgänge bezogen: ein körper in freier bewegung. Kant 8, 32; freie schwingungen des pendels; freie, ungebundne wärme; der freie handel, freie umlauf des geldes; das freie geld, das überall gültige: sie sein komen in guter fruntschaft und haben aldo umb ir frei geld getrunken. Neumanns Magdeburger weisth. s. 34 (a. 1452). ein freier tag, dem die arbeit erlassen ist, eine freie nacht, die gesellschaftlich im wirtshaus zugebracht werden darf; freie stunden, denen das gewöhnliche geschäft entnommen wurde; freie, erübrigte musze, in welchem worte an sich schon diese vorstellung enthalten ist, ahd. muoʒa, otium; ich habe keine freie zeit, meine zeit ist nicht mehr frei; ich hasche nach freien augenblicken. freie kost, freie speise heiszt es vom empfang des sacraments im abendmahl; freie wohnung ist gefängnis oder sarg: so sehr das volk auch abendmahl, wie testament, für eine selbstverschreibung an den tod ansieht, so konnte seine zerronnene frau ihn doch nicht in dieser freien wohnung liegen sehen, ohne ihn zu freier kost zu bereden. J. P. Fibel 73 (51).
11) frei bindet sich zum subst. im gen. oder durch praepositionen. des gen. bediente sich die alte sprache viel häufiger:

nëve, ich pin dës mærs noch vrî (weisz noch nicht),
wër diu clâre fünfte frouwe sî. Parz. 672, 23;

nû sprëchent ir doch, ir sît vrî
valscher rede, wie schînet daʒ? Iw. 2510;

Ortrûn was alles arges gegen ir tugende frî. Gudr. 983, 1;

dô was ër dës gedingen gar in hërzen vrî. Nib. 679, 2;

daʒ si vor iu sî spotes frî.
Lichtenst. 618, 19.

nhd. thue es in einen hafen, der innen verglast sei, daran pistu der farbe frei (er kann farbe haben, welche er will). Haupt 9, 372;

pflag den leuten die schuhe zu flicken,
mit holz und henfen drat zu sticken,
jedoch war er seins mutes (in seinem mute) frei,
sang und war stäts frölich darbei.
Waldis 4, 32;

das ich nur wer des todes frei. froschm. Aa 3b;

daher dan solcher müh und ruhm sie beede frei.
Weckherlin 611;

grunzt ein so hoher gott, als wenn er sinnen frei?
Gryphius 1, 711;

der lebte wol vergnügt und aller sorgen frei.
Canitz 91;

mach uns aller sünden frei.
Klopstock 7, 185;

dann mag die todtenglocke schallen,
dann bist du deines dienstes frei.
Göthe 12, 86;

und ich fühlte frei mich aller banden.
Körner 1, 264;

komm und in stiller pflege
werd eitler arbeit frei.
Rückert 265.

solchen gen. kann die praep. von oder vor ersetzen: mhd.

von dëm mær was ër dër frîe. Parz. 478, 29;

nhd. vom bart der alten welt und von der alten treu
ist unser glattes kinn und unsre seele frei.
Hagedorn 1, 41;

der wald ist frei
von eis und reifgehänge.
Göthe 1, 232;

denn nu ir frei worden seid von der sünde. Röm. 6, 18; denn da ir der sünde knechte waret, da waret ir frei von der gerechtigkeit. 6, 22; er fühlt sich frei von vorurtheil, leidenschaft; ich bin frei von allem leid, von schmerz; das land ist frei geblieben von der seuche; frei von schuld, von klage, von vorwurf = schuldfrei, klagfrei, vorwurfsfrei;

dein brief, dein brief allein kann meine ruhe stiften,
die liebe spricht mich auch von andrer arbeit frei.
Rost schäferg. 66.

mhd. mache unsich vor dën heiden frî. Rol. 268, 19;

ër wëste wol daʒ Keiî
in niemer gelieʒe vrî
vor spotte und vor leide. Iw. 1532;

si ist worden vrî vor leide. MS. 2, 53a;

vor zagheit dër vrîe. Parz. 27, 26;

kint vor missewende vrî. 87, 18. 234, 27;

vor valscheit diu vrîe. 413, 2;

alrêst bin ich nu worden vrî
vor vreuden. Wh. 172, 2;

manec hôchgemüetic lîp
und doch niht vor jâmer vrî. 370, 7;

von und vor schwanken auch, z. b. Nib. 419, 8. nhd. das sie unter euch frei seien fur dem blutrecher. Jos. 20, 3;

der wolf nimmt was ihm kümmt, ist feind für wild und vieh,
was mensch und menschlich ist, ist frei für menschen nie.
Logau 1, 108, 53.

auch kann mit auf frei folgen:

wer redlich ist im herzen und mit dem munde frei,
der wisse dasz bei hofe behäglich er nicht sei. 3, 11, 33;

[Bd. 4, Sp. 99]



weil ich gerne gebe zu und bin frei mit schenken,
wird man dasz die wahr gar schlecht leichtlich wollen denken. 3, 192, 2.


12) frei neben dem verbum erscheint
a) im nom. frei sein, werden, bleiben, wie oben unter 1:

frei sein ist der götter art.
Günther 913;

allein sein herz blieb frei.
Gellert 1, 135;

frei sein, unverpflichtet, ungehalten sein. 5 Mos. 24, 5. heute oft in der höfischen formel: ich bin so frei, so kühn, erlaube mir, nehme mir die freiheit zu fragen; darf ich so frei sein, sie zu bemühen? frei liegen oder stehen: das haus liegt frei auf einem hügel; es steht mir frei, ist mir gestattet. frei stehn, licere, ad arbitrium agere posse:

seht weg, seht hin, es steht euch alles frei.
Rost schäfererz. 46;

dem rauch steht frei zur thür oder durch die dachklinsen hinaus zu schleichen. Berlepsch Alpen 370. ähnlich ist, es frei haben: wenn die katzen nicht zu hause sind, haben die mäuse frei tanzen. Kretschman hauskabale 34, wo sich tanzen auch substantivisch fassen läszt. frei ausgehn, oft im sinn von unbestraft bleiben oder nicht haften, nicht bezahlen: er ist schon wieder frei ausgegangen, ohne strafe; wer den gröszten wunsch hervor bringe, der solle frei ausgehen an der zeche. Hebel hausfr. 67. frei daher schreiten, zurück treten, zurückstehen:

um diese ehr mag Schwitz mit Uri streiten,
wir Unterwaldner stehen frei zurück.
Schiller 528b.


b) im acc. frei lassen, geben, machen, sprechen, erklären, bitten, der heutige schreibgebrauch rückt die wörter zusammen:

ër sprach, sun sô wil ich dich
mîner zühte lâʒen frî. Helmbr. 425.

ich bitt ihn frei.
Gellert 1, 200;

die schule frei bitten; frei gehen, laufen lassen: wer hat das wild so frei lassen gehen? Hiob 39, 5; aber du lessest sie frei gehen wie schafe, das sie geschlacht werden. Jer. 12, 3; und das wir das siebende jar aller beschwerung frei lassen wollen. Neh. 10, 31;

mach ich so gut ich kann mich dieser gäste frei.
Canitz 109,

mich davon los; einen lehrling frei sprechen; sie, herr Melina, haben mich noch nicht bezahlt, und ich spreche sie von dieser forderung hiemit völlig frei. Göthe 19, 52; wenn mich das reinste bewustsein nicht frei spräche. 19, 51;

gib die gewissen frei in deinen reichen.
Schiller 307a.

einem frei lassen, frei geben bedeutet erlauben, gestatten, zugeben: falsch, dasz auf diesem concilio zu Tours dem Berengarius frei gegeben worden, seine meinung zu vertheidigen. Lessing 8, 397. aus dem passiven ausdruck folgt der active. frei wehen, spirando liberare:

du freudenbringer, schöner mai,
erquicker mit dem blütenkranze,
du wehest brust und athem frei.
Seume gedichte s. 241.


13) in folgender stelle steht frei für freiherr (baro):

der edelman bgert zu sein ein frei,
der graf wünscht das er gfürstet sei.
Thurneisser archidoxa 39.


 
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frei, adv. libere, solute. kein goth. frijaba erscheint, sondern wird durch andere wörter wie balþaba, svikunþaba, andaugiba ausgedrückt; ebensowenig ein ahd. frîo, mhd. vrîe, sondern dafür frîlîcho, vrîlîche. nhd. aber begegnet das adv. frei genug, nur ist es oft nicht leicht von dem adj. zu unterscheiden. das älteste mir bekannte beispiel findet sich weisth. 4, 144. 156 in dem spruch 'der soll fri sitzen', wo es sich aber libere und liber deuten läszt.
1) offen, zwanglos, ungehemmt, ohne rückhalt: ich athme wieder frei; du kannst freier athmen, thörichtes herz. Göthe 8, 148;

zerrissen ist der bange schleier,
der unsern bund der welt entzog,
und deine Lyda, Heinrich, athmet freier.
Gotter 1, 287.

etwas frei sagen, äuszern, gestehn, bekennen, frei und kühn heraus sagen: lasz mich frei reden;

dem heilgen Job nit widerstreb,
spricht frei, das sein erlöser lebt.
Schwarzenberg 152, 1;

wer warhaftig ist, der saget frei was recht ist, aber ein falscher zeuge betreugt. spr. Sal. 12, 17; bekenne das recht frei. Sir. 4, 28; da sprach Matathias frei eraus. 1 Macc. 2, 19; recket er die zunge frei heraus und strecket die hende dar und sprach getrost. 2 Macc. 7, 10; und er redet das wort frei offenbar (jah svikunþaba þata vaurd rôdida). Marc. 8, 32; niemand aber redet frei von im, umb der furcht willen fur den Jüden (nih þan ainshun svêþauh balþaba rôdida bi ina

[Bd. 4, Sp. 100]


in agisis Iudaiê). Joh. 7, 13; und sihe zu, er redet frei (jah sai, andaugiba rôdeiþ). 7, 26; bistu Christ, so sage es uns frei heraus (qiþ unsis andaugiba). 10, 24; es kompt aber die zeit, das ich nicht mer durch sprichwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem vater (ak anaugiba bi attan gateiha izvis). 16, 25; denn wen gott treibt zu reden, der hebt frei offentlich an. Luther 3, 59b; dieweil sie im frei gleuben. 3, 292a; nun laszt unsern herren frei kommen rechnung zu hören, wan er wil. bienenk. 148a; und begab sich frei auf alle wollust und begirlichkeit des fleisches (überliesz sich ohne scheu allen wollüsten). 220a;

Filudor, sag mir doch frei,
liebst du mich mit wahrer trew?
Weckherlin 410;

Johannes weiste frei,
dasz er das gotteslamb für unsre sünde sei.
Fleming 5;

vergnügen und verdrusz darf mancher frei bekennen,
ihm frei den gegenwurf geheimster wünsche nennen.
Hagedorn 1, 53.

geschmack und witz, es frei zu sagen,
war bei den alten allgemein.
Lessing 1, 52.

man sagt sich frei umsehen, rings herum blicken: war ihr ein altes vertracktes weib zur hofmeisterin vorgesetzt, vor welcher dieses schöne bild sich nicht einmal frei umsehen, geschweige denn mit jemanden reden durfte. irrg. der liebe 303.
2) frei hat nicht selten die unbestimmtere bedeutung von frisch, tapfer, tüchtig, schön, wozu man die achte des adj. halte:

wer ist der uns dies liedlein sang?
so frei ist es gesungen.
Uhland 302;

hab ich mein hab und gt verthan
mit blen, prassen, spilen frei,
auch pawen, schmucken, reuterei.
Schwarzenberg 144, 1;

thu dasselbige frei umsonst. 1 Cor. 9, 18; die böswichter sind frei verzagt wie die hunde. Luther 3, 133a; so hat der geist abermal frei und schon gewonnen. 3, 484a; so wil ich dasselbige deinem willen frei zu dienste thun. 3, 330a; wenn einer das abc frei (hübsch) hinder sich und für sich auswendig kan. Frey garteng. 84; und sie protestierende stend würden frei die letzten nit sein, sondern villeicht mehr thun dann andere. staatsp. Karl 5. 259; spannete er die ziehketten des pferds allenthalben los, hieb mit der geiszel frei (tüchtig) darauf und rennet davon. Kirchhof mil. disc. 219; wiewol etlich gemeldet haben, dasz dem durst nichts also zuwider sei (als frischen wein zu trinken), ich glaub es frei auch, contraria contrariis curantur. Fischart groszm. 52;

auf das man am nest erkenne frei,
was für ein vogel drinnen sei. bienenk. 143a;

der pfarherr sprach, ja nimm sie hin,
dasz sie dir zu dem handel dien,
dann sie den brauch weisz leiden frei (s. leiden)
und ist gewesen oft darbei. Eulenspiegel reimweis 38b;

der kerl meint frei, ich werd liegen.
Ayrer 71b;

sie redten von euch auch und lachten euch frei (schön) aus,
di voi ridendo insieme e motteggiando.
Werders Ariost 2, 17;

wenn auch die sonne leszt viel minder ihre stralen
an diesem ort, als nicht in andre gegend fallen,
so gleub ich, dasz es frei alleine drumb gescheh,
auf dasz sie dieses volks vermessenheit nicht seh. 5, 5,

frei alleine drumb, blosz darum, im orig. mal volentieri, ungern; frei lassen, decere, schön, artig, hübsch stehen:

es liesz dir auch recht frei. die nymphe küste mich,
die schäfer murmelten, mir war es lächerlich.
Rost schäferged. 62;

ich eilte zu den jungen fürsten, die mich sehr frei (artig) und freundlich empfiengen. Göthe 26, 319. man kann aber über einzelne bedeutungen rechten. in der oberdeutschen volksprache zeigt sich dies frei viel deutlicher als blosz hervorhebend und bekräftigend oder auch als ausfüllendes flickwort: frei nix, gar nichts, halt nichts; er hat das glas frei fallen lassen; sie hat mir den brief frei aus der hand gerissen. Schm. 1, 606; schreib frei oft. Lexer 102; frei viel, sehr viel. Stald. 1, 396; frei, derb auslachen, ausgreinen. Schöpf 152;

de bisch frei scheen, du alder specht.
Arnold pfingstmontag s. 158,

du bist gewaltig schön. vgl. fein und feindlich 3, 1457. 1461.
 
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frei, n. libertas, nur bei Logau (wie frech sp. 93):

es hat durch unser land sich alles umgekehret,
drum wundert mich der brauch, dasz der so lange wehret,
dasz dinstags noch und nicht man freitags hochzeit macht,
und mehr als göldnes frei das schwere dienen macht (? acht). 1, 36, 31;

seither ist unser frei in dienstbarkeit verkehret,
die haut ist abgestreift, das mark ist ausgezehret. 1, 41, 57;

[Bd. 4, Sp. 101]



welt und ihren lüsten dienen ist die gröszte schlaverei,
deinem willen, gott, gehorchen ist das allersüszte frei. 2, 199, 21.

wenn Tieck 10, 363 schreibt:

heraus dein sehnen dich trieb ans frei,
sonst saszest verschlossen in dir,

so steht das für ans freie. im mittelalter war 'daʒ vrî' benennung eines gefreiten guts, z. b. in Erfurt, man sehe in Höfers deutschen urk. s. 40. 41. 42 (a. 1289): man sal ime sin vri vrönin, stet daʒ vri jar und tac in der vröne u. s. w. aus dieser bedeutung kann die abgezogne entsprungen sein.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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