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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fräuleinstift bis frechheit (Bd. 4, Sp. 90 bis 93)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fräuleinstift, n.
 
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fräulen, n. kürzung von fräulein: freulen von Rathsamshausen. br. der Liselotte s. 21. 173;

dort steht der doctor und mein fräulen,
herr pfarrer, lassen sie uns eilen.
Göthe 13, 15.

auch nd. frölen für fröken.
 
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fräulich, fraulich, femineus, virgineus, mhd. frowelich, fröulich, bei Wolfram auch frouwenlîch:

frowelîcher gange si vergaʒ. Rother 2092;

mit vrowelîchen siten. Lanz. 9161.

nhd. frewlich schlosz der geburt, vulva (oben sp. 43). Eichman voc. pred. x 9a; fraulicher oder weibischer (man). voc. 1482 i 2a; es hat ekfg. geschriben der herzog aus Preuszen fur die gute frau Basilien Axt, wie Ernst von Schönfeld ir bruder mutwilliglich ir furhält ir tochterliche oder freuliche gebur (gebühr, erbtheil). Luthers br. 5, 290; fräulich geschlecht, lehen;

denn er thut heftig in mich dringen,
mich umb mein frewlich ehr zu bringen.
Waldis Esop 4, 81;

dasz die natur gleichsam ihren fräulichen schmuck, diamanten und perlen in eure schosz ausschütten konte. Lohenst. Arm. 2, 963; nase und augen ungewöhnlich grosz, doch war etwas fräuliches in beiden. Hippel 4, 51; alles was fräulich ist. 5, 258. fräulich und weiblich, wie sich frau und weib mischen, fallen vielfach zusammen, doch steht jungfräulich geschieden.
 
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fraumutter, f. aneinander gerückt:

in allen dingen wir gehorsam sind,
dfrawmutter gehe vor uns hin.
Gilhusius 42;

ach herze fraumutter, wie bin ich erschrocken. Weise com. probe 323.
 
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fraumuttersprache, f. lingua materna, muttersprache: ich hatte meine fraumuttersprache in der frembde ganz verreden gelernet. Schelmufsky 2, 2; wie ihm das französche reden nicht wol flieszen wolte, so fieng er teutsch an zu reden und wollte gerne fremde (vornehm, hochdeutsch) schwatzen, allein die liebe fraumuttersprache verrieth ihn immer. 2, 52; unsere kunst wird in der fraumuttersprache müssen gethan sein. Weise comöd. probe 250, welches letzte sich freilich in der frau mutter sprache auflösen liesze.
 
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fraungebild, n. wollautend für frauengebild:

ein göttergleiches fraungebild.
Göthe 41, 251.


 
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frech , audax, procax, goth. friks, ahd. frëh, frëch (Graff 3, 793), mhd. vrëch, nl. vrek, ags. frëc, altn. frëkr, schw. fräck,

[Bd. 4, Sp. 91]


dän. fräk. hängt in form und bedeutung zusammen mit frei, frank, frevel und erläutert die namen Frigg, Fricke, Frecke neben Freyja und frouwe, der kehlauslaut stimmt geradezu mit dem in den thrakischen volksnamen Βρίξ und Φρύξ (s. frei). der Franke (sp. 57) ist ein Friks, wie der Thrax, Θρξ ein θρασύς, lit. drsus, drausus, lett. drohśch. eine wurzel frikan frak (wie brikan brak) ist verschollen, vielleicht war daneben frakan frôk entsprossen, wodurch sich das alts. fruokni, altn. frœkinn, sodann das ags. fracod anschlieszen. urverwandt liegen lat. precari und procare, von welchen sich procus und procax ableiten, das letzte gebildet wie von ferre, vorare, audere ferax, vorax, audax. ferox fällt aber zu fera und ferus, it. feroce, sp. feroz, fr. farouche, deren bedeutung, nicht form unserm frech begegnet. in jenem frikan mögen die begriffe petere, appetere, begehren, gierig sein gelegen haben. da wir nun zu precari auch unser fregen und fragen halten durften (sp. 49) und darin gleichfalls die vorstellung petere fanden, so öfnet sich verwandtschaft zwischen frech, frei und fragen, wobei noch vieles verdeckt liegt, dasz freier procus und frager aneinander reichen, that sich schon sp. 50 hervor. vergleichenswerth sind it. brigare urgere, fr. briguer dringend bitten, sp. bregar, und die subst. brigante aufwiegler, brigand räuber.
1) goth. friks erscheint nur in faihufriks, geldgierig, avarus, avidus von avere. auch ahd. frëh avarus, daneben cupidus, arrogans. mhd. nhd. der sinn von avarus erloschen.
2) ags. frëc audax, temerarius, altn. frëkr nimius, urgens d. i. verwegen, keck, üppig, kühn. der gierige, kühne wolf heiszt ags. frëca, altn. frëkr, in der edda sind Frëki und Gëri namen des wolfs, aber auch auf helden anwendbar, weil das alterthum kühnheit unter allen tugenden voran stellte. ahd. sind die eigennamen Frecholf, Fricolf, Girolf, Kërolf gleich verbreitet. es lassen sich für frech zwei mhd. bedeutungen sondern, eine günstige, gute, auf mut und kühnheit, eine ungünstige, üble, auf übermut und gewalt gehende, gerade wie sich in frei derselbe doppelsinn entfaltet. er ist auch schon für das goth. friks vorauszusetzen, dessen verhalt uns nur unvollständig überliefert wurde.
a) frech, kühn, mutig, tapfer, dreist, oft noch von thieren: mhd.

der kiusche und dër vrëche
Gahmurët dër wîgant. Parz. 5, 22;

dô was dër ander (lewe) hantgerëch,
wan in dër hunger tëte frëch. Lanz. 1964;

dô hieʒ dër künic Priamus
dën wirt die wârheit sprëchen
und machte in alsô vrëchen. tr. kr. 5258;

daʒ man niht anders jæhe,
wan daʒ man nie gesæhe
sô vrëchen noch sô vrîen helt. 6709;

sîner vrëchen hende sturm. 8217;

die zwêne pfarren alzehant,
die wâren michel unde vrëch,
ûʒ in bran swëbel unde bëch. 9668;

dër an dëm lîbe was ein helt,
und alsô vrëch an sîner art. 14757;

sëht, hërre, disiu tohter mîn,
diu gar ein vrëchiu maget ist. 15163;

lieʒ ich daʒ ungerochen stân,
sô wære ich niht ein frëcher. Helmbr. 1165;

swër gërne redet über daʒ maʒ
und siht, so ër trinket, über dën bëcher,
dër ist dâ von niht dëster vrëcher. jüngling 588.

in den Nibelungen, im Iwein steht das wort nicht. nhd. weisen fast nur noch ältere schriften diesen edlen sinn auf: ein löwe frechs und sehr groszen leibs. Kirchhof wendunm. 202a; als der ries in so mutig gegen im ziehen sahe, sagt er, ich verwunder mich, halber mann, wie du deines tods so frech warten darfst. Amadis 125;

mein herz mach stark und freche.
Vogther bei Ringwald geistl. lieder 135;

auch den soldaten, der sein blut
zu frech verlieren will.
Weckherlin 365;

wolt ich Olympien ihm gleich von herzen geben,
bald wagt er sich zu frech und bringt sich um sein leben.
Gryphius 1, 195;

noch frech wagen,
noch weich zagen
hat jemals gar viel nutz getragen.
Logau 1, 92, 86;

drauf hat ein kühner traum mich gänzlich angezündet,
der dich mir allzu frech und lieblich fürgestellt.
Hofmannswaldau heldenbr. 10;

du traust auf schonung, die dich nur zu sehr
im frechen laufe deines glücks verzog.
Göthe 9, 157;

alle meine kühnsten träume sind in erfüllung gegangen, meine frechsten wünsche stehn jetzt vor mir. Tieck 14, 152.

[Bd. 4, Sp. 92]



b) frech, insolens, nimius, procax, mhd.

hie vor berte man die jungen,
die dâ pflâgen frëcher zungen.
Walther 24, 10;

ouch sô bîn ich sô vrëch niht. krone 26057.

nhd. überwiegt die üble bedeutung: ein frech volk, das nicht ansihet die person des alten. 5 Mos. 28, 50; was macht dich so frech also zu reden? Hiob 16, 3; falscher zeuge der frech lügen redet. spr. Sal. 6, 19; wer lügen frech redet, der wird nicht entrinnen. 19, 5; wer aber frech ist, der ist feindselig. prediger 8, 1; denn es sind eitel ehebrecher und ein frecher haufe. Jer. 9, 2; denn ich habe gesehen deine ehebrecherei, deine geilheit, dein freche hurerei. 13, 27; und alle freche menner. 43, 3; ist deine tochter nicht schamhaftig, so halt sie hart, wenn du merkest, das sie frech umb sich sihet, so sihe wol darauf. Sir. 26, 14; denn es treib in gottes zorn, das er so frech geredt hatte. 2 Macc. 9, 4; denn es sind vil freche und unnütze schwetzer (goth. sind auk managai ungahvairbai, lausavairdai). Tit. 1, 10;

sie waren frech und frei
und triben kurzweil mancherlei.
Kellers erz. 478;

der freche ketzerhaufen.
Soltau 465;

er hats gethan aus frecher jugend,
hat noch nit glernet zucht und tugent.
Ayrer 202b;

die selben herrn stolz, frech und wild
sein euerm orden ein ebenbild.
Opel und
Cohn 18;

was warf das böse meer für freche wellen auf?
Fleming 70;

frech zu frevlen thaten.
Logau 2, 49, 77;

ob dein gemüte bös und frech von lastern ist,
erdulde ich es doch, die weil du schöne bist. pers. rosenth. 6, 2;

ein bösewicht, der wenig glaubte,
und seinem frechen götterhasz
die gröszte frevelthat erlaubte.
Hagedorn 2, 9;

ein freches weib verletzt die wiederholten schwüre.
Rost vorspiel 11;

itzt schlägt, itzt droht sie mit dem fächer,
sie scherzt mit ihrer nachbarin.
die miene wird auf einmal frecher,
sie flieht, Kaliste, halt wohin? im taschenb. für dichter 6, 117;

die frechen und das feld verengenden behauptungen des materialismus. Kant 3, 291; die frechste zweifelsucht. 6, 125; ein frecher dieb, lügner; gegen das frauenzimmer ist er frech; wie frech sie daher strotzte. Möser 3, 20. 22;

es war ein knabe frech genung,
war erst aus Frankreich kommen,
der hat ein armes mädel jung
gar oft in arm genommen.
Göthe 1, 181;

was hält mich ab, dasz ich mit dieser faust,
mit diesem degen, frecher, dich nicht strafe? 10, 225;

seid doch nicht so frech, epigramme! 'warum nicht? wir sind nur
überschriften, die welt hat die kapitel des buchs'. 1, 364;

frech wol bin ich geworden, es ist kein wunder. ihr götter
wiszt, und wiszt nicht allein, dasz ich auch fromm bin und treu. 1, 368;

wer bescheiden ist, musz dulden,
und wer frech ist, der musz leiden. 2, 300;

so das jenes freche spätere wort 'wenn ich dich liebe, was gehts dich an?' mir recht aus dem herzen gesprochen ist. 26, 292. das freie, kühne, kecke artet aus in tollkühnheit, hohn und übermut, die freie rede und gebärde wird zur frechen, der ungezwungne, schöne anzug erscheint frech und unzüchtig.
3) bei Frisius 137b, Maaler 140a stehn fräch und fräfen, audax, temerarius als gleichbedeutend zusammen, bei Dasyp. 330c frech und geil, ferox. Stalder 1, 395 hat frech als sinnliches frisch und gesund, ein freches mensch, ein mädchen von ansehnlichem wuchs und frischem aussehen (s. ebenso keck); freche thiere, vögel, die in der brunst, begattungszeit stehen. Schmeller 1, 600 gibt freche mahlerei, frische, lebhafte. dies frech von wuchs wird auch sonst vom üppigen wachsthum der erde, von geilem, fettem erdboden gebraucht: das erdreich ist so frech und feiszt, das die ausgeworfen samen alda hundertfeltig wiederkummen. Frank weltb. 14b;

eins abends nach eim maienregen
het ich spacierens mich verwegen,
des maien wunne anzuschawen,
in felden, wälden, berg und awen
fand ich es alles frech und grön,
wolschmecket, lieblich, zart und schön.
wie wol hat gott all ding ordniert,
dacht ich, also ich umb refiert.
H. Sachs I, 349a;

dieweil (im lenz) das frech erdreich seinen rachen wider der sonnen gegenschein wird aufreiszen. Fischart groszm. 28; wie

[Bd. 4, Sp. 93]


ichs auch gerne darfür halten wolte, das ein jeder frecher und guter magnet, des kraft durch demanten und knoblochsaft nit verhindert an einer seiten das eisen an sich ziehe, an der andern dasselbige von sich blase oder wegtreibe, so er gegen schwebenden nadeln oder negeln gehalten wird. Mathesius 79a; ob der grund fruchtbar, so man an den feldern, sonderlich aber an den bäumen sihet, wann sie hoch und frech auch auf den bergen aufzuwachsen pflegen. Hohberg 1, 9; dasz man die schwachen weinreben, die nicht viel holz haben, im wachsenden, die trächtigen und frechen aber im alten monden beschneide. 1, 103a; freche, schöne, grosze weinstöcke. 1, 337b; wann der stamm (des weinstocks) allzu frech treibt. 1, 338a. schweiz. ein frecher baum, ein freches gewächs. Stalder 1, 395.

die wiesen grün, die saat ist frech. geistl. lied des 17 jh. bei
Ditfurth fränk. volksl. 1, 142a.


 
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frech, n. insolentia, gebildet wie 'das frei':

unbedacht ist bei gewalt. wer gewalt hat pflegt zu denken,
nachwelt musz ihm alles frech gar vergessen oder schenken.
Logau 2, 224, 87.


 
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freche, f. audacia, temeritas, ahd. frëchî, was goth. frikeins wäre. der vogel ist in der freche (brunst). Schmeller 1, 600. vgl. DWB gemsenfreche.
 
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frechen, audacem reddere, kühn, dreist machen. im gedicht von dem pfenninge heiszt es:

ër süenet und entsüenet,
ër frëchet unde küenet.

s. DWB erfrechen 3, 806.
 
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frechheit, f. protervia, audacia: denn wer on furcht feret, der gefelt got nicht, und seine frecheit wird in stürzen. Sir. 1, 27; man musz, so sehr man auch der frechheit der meinungen abgeneigt ist, eine geschichte der natur wagen. Kant 10, 44;

willst du mit reinem gefühl der liebe freuden genieszen,
o so lasz frechheit und ernst ferne von herzen dir sein.
díe will Amorn verjagen, und dér gedenkt ihn zu fesseln,
beiden das gegentheil lächelt der schelmische gott.
Göthe 1, 370;

wo sittlichkeit regiert, regieren sie,
und wo die frechheit herscht, da sind sie nichts. 9, 143;

wenn aber ein solches handwerk gar manche vortheile genieszt, so läszt es doch gar oft willkür und frechheit des geschmacks vorwalten. 35, 351; ja sie giengen in ihrer frechheit so weit, die hülfe der gerichtsdiener dabei zu verlangen. Schiller ...; da er freiheit, einheit, sogar frechheit des geistes weit über sieches frömmeln setzte. J. P. Tit. 4, 37; er wird nicht die frechheit haben das alles einzugestehen.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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