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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fräulchen bis fraungebild (Bd. 4, Sp. 88 bis 90)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fräulchen, n. virgo nobilis: zunächst geht ein fräulchen von acht bis zehen jahren an der mutter seite, so schmuck und zierlich als bei dem anständigsten feste. Göthe 39, 151.
 
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fräule, n. f. dasselbe: fräule tochter. Abele 2, 254; das dierndel, nemlich die fräule tochter. 3, 61;

Mops, der zu der fräule kam.
Günther 470;

und krönt ehmals dein kind,
die fräul Eleonor, der wenig gleiche sind. 723;

vgl. Celendris, der kaiserin kammerfräule;

kleid eine säule,
sie sieht wie eine fräule.
Göthe 2, 242;

ziehen junker auch und fräulen
zu der wallfahrt stillem frieden,
wie erhabne riesensäulen
wachsen unsre pyramiden. 47, 227.

unter dem volk häufig fräule, fräle für fräulein. doch Megenberg 116, 7. 9 hat fräwel und mändel im natürlichen sinn von weibchen und männchen.
 
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fräulein, n. und f., das genus in adj. und pron. schwankend, doch so dasz allmälich f. überwiegt. mhd. freuwelîn, fröuwelîn, das diminutivum zu frouwe, daher auch,
1) wie dieses die herrin bezeichnet, ein vornehmes, edles mädchen, edelfräulein, fürstentochter. von Obilôt,

dô lobt ër dëm freuwelîn,
ër wolte durch sie wâpen tragen. Parz. 370, 22;

geleit ie ritter nôt
durch ein sus wênec (so kleines, junges) frouwelîn,
dâ solt ich durch iuch inne sîn. 368, 29.

[Bd. 4, Sp. 89]


in den Nib. aber blosz magedîn, daʒ edel megetîn, nie frouwelîn. nhd. hieszen ehmals die töchter der könige und fürsten, gleich denen des adels, fräulein, noch nicht prinzessin, z. b. die töchter des herzogs von Liegnitz. Schweinichen 1, 289. 290; ein groszfürstliches fräulein geboren. pers. reiseb. 1, 9; es folgete die groszfürstinne mit den jungen prinzen und fräulein. 1, 12, wo der fürstensohn schon prinz erhält. der churfürst Carl Ludwig von der Pfalz, welcher einen liebeshandel mit einem edelfräulein seiner gemahlin hatte, sagt zu dieser: mein schatz weisz ja wol, dasz das degenfeldische fräulein von jugend auf der lateinischen sprach sich beflissen, derowegen habe ich sie wollen prüfen, ob sie gnungsam bastant seie mir auf zugeschicktes lateinisches brieflein in gemeldeter sprach zu antworten, welches sie dann scherzweis geleistet, und das soll ein solch strenges verbrechen sein, welches das gute fräulein mit ihrem blut solte bezahlen? Em. Webers schrift s. 12; keiser Carl der grosze hatte unter vielen kindern auch ein fräulein Emma genennet. Hofmannswaldau heldenbr. 1; die ungedult seiner flammen zwang ihn bei der fräulein ... gnade zu bitten. 2; er nahm ein armes fräulein, welche von gutem adel war. Rabener 3, 325; vormittags, fieng der landedelmann an, soll das fräulein als ein mann, und nachmittags als eine frau erzogen werden. Gellert 4, 191; ich war ein armes fräulein, wie konnte ich also auf die gedanken kommen einen grafen zu fesseln? 194; inwärts auf dem kasten musz der fräulein verzogner name stehen. Lessing 1, 533;

Lisette war vergnügt in ihrer fräulein zimmer.
Zachariä schnupftuch 2, 227;

ein schnupftuch, das ich jüngst der fräulein weggenommen,
wozu ihr holder blick mir selbst erlaubnis gab. 4, 250;

zur unzeit stellen sich die bürgermädchen spröde,
kein fräulein ziert sich so. 5, 66;

die liebe der tochter gegen die mutter ist eine recht gute lobenswürdige sache, aber der ausdruck 'liebe mama' in dem munde einer fräulein ist etwas unverzeihliches. Kretschmans fam. Eichenkron 12;

es war einmal ein reicher mann,
der hielt um eine fräulein an,
die schönheit gab ihr selbst den preis.
Weisze kom. op. 2, 129;

freilich war ich vormals fräulein Malchen und itzt Lindfords frau. 3, 176; ein brief der fräulein Julie von Feldhausen. kinderfr. 1, 158; jammer und schade, dasz die natur ihre bestimmung so verkannt und sie zu einer fräulein gemacht hat. 1, 160; sie errathen gewis, liebste fräulein. 1, 171.

Faust. mein schönes fräulein, darf ich wagen,
meinen arm und geleit 'ihr' anzutragen?
Marg. bin weder fräulein, weder schön,
kann ungeleitet nach hause gehn.
Göthe 12, 133;

eine magd, die ... alle manieren einer sich empfindsam zierenden deutschen fräulein hat. 16, 255; als meine fräulein B. herein trat. 16, 104; sie werden sich erinnern, dasz sie mich mit ihrer fräulein tochter vorhin allein gelassen haben. Schiller 655b. da es sich mit der zeit auch auf unedle ausdehnte und heute allgemein geworden ist, so fügte der adel ein 'gnädig' hinzu und was sonst fräulein allein musz nun gnädiges fräulein heiszen:

gut, dachte bei des vaters sittenlehre
die gnädge fräulein Dorilis,
auch ich bin stolz auf ruhm und ehre.
Wagner conf. erz. 26.


2) frau empfing die bedeutung femina, weib, folglich fräulein die von weiblein, jungfrau, mädchen. Walther 49, 25 redet seine geliebte niederen standes an 'hërzeliebeʒ frowelîn' und der arme Heinrich 1094 'fröuwelîn'; im Augsb. stadtbuch steht neben dem beckerknecht das (brotverkaufende) 'frewelin', wie heute mamsell; nhd.

es hat sich z mir gesellet
ein feines frewelein,
wie wol sie mir gefellet,
ihr diener wolt ich sein.
ich dient ir ganz mit trewen
demselben frewelein,
ich dient ir in allen reien
bis auf das ende mein.
Uhland 83;

und schuf sie ein menlin und frewlin. 1 Mos. 1, 27; aber von anfang der creatur hat sie gott geschaffen ein menlin und frewlin (goth. gumein jah qinein). Marc. 10, 6;

schau dorten kompt der arzt herein
mit seinem schönen fräuelein.
Ayrer 160c;

das keusche fräuwlein (Pallas) auch will ihm gar nicht willfahren.
Weckherlin 741;

kein fräwlein oder weib. 742.

[Bd. 4, Sp. 90]


in diesem sinn läszt auch Opitz 1, 163 die fräulein (Antigone) den sandhaufen auf die leiche tragen, oder dachte er sich mehr die königstochter als das weib? in folgenden stellen bei Gryphius hat fräulein nur die bedeutung von mädchen: wo ist die fräulin? welche fräulin? 1, 886; dasz wir ihm seine fräulein entführet. 1, 887; die ehre von einer armen fräulin verletzen. 1, 924. aber die vorstellung fahrendes fräulein, mulier vaga (3, 1258) liegt nicht fern.
3) Luther setzt menlin und frewlin auch vom männchen und weibchen der thiere; da der mensch die meisten thiere an grösze überragt, gönnt er ihren geschlechtern nur das diminutiv, wie auch mâle = masle, masculus und femelle, femella diminuieren: und du solt in den kasten thun allerlei thier von allem fleisch, je ein par, menlin und frewlin, das sie lebendig bleiben bei dir. 1 Mos. 6, 19; aus allerlei reinem vieh nim zu dir, je sieben und sieben, das menlin und sein frewlin. 7, 2. 9, 16. vorhin sahen wir mändel und fräwel bei Megenberg gebraucht, welches letztere eine glosse in Mones anz. 8, 495 fröwlin schreibt. sogar die laus hiesz 'fräulein' oder thierchen, pediculus: das kraut vertreibt die milben oder freuwlin aus dem har und die harwürm. Thurneisser infl. wirk. 115.
4) groszmutter, wie fräuchen sp. 76. Schm. 1, 599.
s. bergfräulein, burgfräulein, holzfräulein, landfräulein, meerfräulein, stadtfräulein, wasserfräulein.
 
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fräuleinen, fräulein nennen: Fritz redte Lowise Hawermann mit 'fräulein Hawermann' an, un as hei noch mal wedder mit sin 'fräulein' tau platz kam, lachte sei em hell in de ogen: ich bin ja kein fräulein, ich bin ja Louise Hawermann ... hei let sik also nicht verblüffen und vertellte sine ganzen ballbegebenheiten ... un dorbi fräuleinte hei ok de beiden lütten Druwäppel ümmer rechtsch un linksch. olle kamellen 3, 169.
 
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fräuleinsteuer, f. bei vermählung einer fürstentochter dem volk auferlegt, heute prinzessinsteuer.
 
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fräuleinstift, n.
 
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fräulen, n. kürzung von fräulein: freulen von Rathsamshausen. br. der Liselotte s. 21. 173;

dort steht der doctor und mein fräulen,
herr pfarrer, lassen sie uns eilen.
Göthe 13, 15.

auch nd. frölen für fröken.
 
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fräulich, fraulich, femineus, virgineus, mhd. frowelich, fröulich, bei Wolfram auch frouwenlîch:

frowelîcher gange si vergaʒ. Rother 2092;

mit vrowelîchen siten. Lanz. 9161.

nhd. frewlich schlosz der geburt, vulva (oben sp. 43). Eichman voc. pred. x 9a; fraulicher oder weibischer (man). voc. 1482 i 2a; es hat ekfg. geschriben der herzog aus Preuszen fur die gute frau Basilien Axt, wie Ernst von Schönfeld ir bruder mutwilliglich ir furhält ir tochterliche oder freuliche gebur (gebühr, erbtheil). Luthers br. 5, 290; fräulich geschlecht, lehen;

denn er thut heftig in mich dringen,
mich umb mein frewlich ehr zu bringen.
Waldis Esop 4, 81;

dasz die natur gleichsam ihren fräulichen schmuck, diamanten und perlen in eure schosz ausschütten konte. Lohenst. Arm. 2, 963; nase und augen ungewöhnlich grosz, doch war etwas fräuliches in beiden. Hippel 4, 51; alles was fräulich ist. 5, 258. fräulich und weiblich, wie sich frau und weib mischen, fallen vielfach zusammen, doch steht jungfräulich geschieden.
 
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fraumutter, f. aneinander gerückt:

in allen dingen wir gehorsam sind,
dfrawmutter gehe vor uns hin.
Gilhusius 42;

ach herze fraumutter, wie bin ich erschrocken. Weise com. probe 323.
 
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fraumuttersprache, f. lingua materna, muttersprache: ich hatte meine fraumuttersprache in der frembde ganz verreden gelernet. Schelmufsky 2, 2; wie ihm das französche reden nicht wol flieszen wolte, so fieng er teutsch an zu reden und wollte gerne fremde (vornehm, hochdeutsch) schwatzen, allein die liebe fraumuttersprache verrieth ihn immer. 2, 52; unsere kunst wird in der fraumuttersprache müssen gethan sein. Weise comöd. probe 250, welches letzte sich freilich in der frau mutter sprache auflösen liesze.
 
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fraungebild, n. wollautend für frauengebild:

ein göttergleiches fraungebild.
Göthe 41, 251.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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