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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
frauenweise bis frauenzimmer (Bd. 4, Sp. 83)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) frauenweise, f. ebenso wichtig ist es, dasz sie (Maani) unterwegs mit den sämmtlichen frauen in berührung kommt, und ihr gatte daher von den männern gut aufgenommen, bewirtet und unterhalten wird, indem sie sich auf frauenweise mit den gattinnen zu bethun und zu beschäftigen weisz. Göthe 6, 194. s. mannsweise.
 
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frauenwelt, f. wie nun diese richtung seines geistes, unterstützt von einer edlen erscheinung und freien sitten, ihn in der frauenwelt ungemein empfahl, so unterschied er sich von fast allen seinen zeitgenossen durch die zartheit mit welcher er dieses verhältnis behandelte. Dahlmann fr. rev. 28.
 
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frauenwerk, n. consuetudo feminarum carnalis: dasz sich e. gn. ein jahr lang oder doch den sommer und winter hinaus enthalte vor frawenwerken. Paracelsus 1, 688c.
 
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frauenwirt, m. leno:

er sol des frauenwirts diener sein. fastn. 158, 22;

ich wil werden ein frauenwirt
und ein padknecht, der leszt und schirt. 659, 11.


 
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frauenwirtin, f. lena:

hielt bei den frawenwirtin haus,
mit gmeinen weibern lebt im haus.
H. Sachs II. 3, 109a.


 
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frauenwort, n. asseveratio mulieris:

ach wer hat euch der sinn beraubt,
das ir den frawenworten glaubt?
H. Sachs I, 115a.


 
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frauenwürde, f. dignitas feminae, würde der frauen. Schiller 80b; ein Jupiter mit einem donnerkeil im schosz, eine Juno, die auf ihrer majestät und frauenwürde ruht. Göthe 38, 39;

allein auch reiz der anmut währt nicht immer,
doch ewig wird auf deiner stirne glänzen
das reine diadem der frauenwürde.
Gries ged. 1, 198.


 
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frauenwut, f. furor muliebris:

schuldlos sank Orpheus einst durch frauenwuth ins grab.
Gotter 3, 394.


 
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frauenziefer, n. frauenvolk. Schm. 1, 597: betrachte diese alte narren dort, welche damit sie in allem, insonderheit bei dem urtheilfälligen frawenziffer, einem jungen mann gleich geachtet würden, ihre haare und bärte mit schwarzer farbe und bleiinen strählen büffen. Philander 1, 65;

dort wo der spitzge latz, da grünt der sommergarten,
da hat man immer fort riechbüsche zu gewarten,
das frawenziefer all steckt sträuszgen forne für,
als wenn am selben ort sie schenkten stetig bier. jungfernanatomie 118.

kaum umdeutung von frauenzimmer. s. geziefer, ungeziefer.
 
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frauenzierde, f. mundus muliebris. Serranus synon. 71d, frauenschmuck, frauengeräth, schon ahd. wîpzierida (Graff 5, 702), im teutonista vrouwen tzirait (zierat) an arm und bein.
 
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frauenzimmer, n. das uralte goth. timr, timbr, ahd. zimpar bedeutete holz, bauholz, den aufgeführten bau, die wohnung, das gemach.

[Bd. 4, Sp. 84]



1) frauenzimmer ist also frauengemach, frauenkammer, frauenstube, wo sich frauen oder weiber aufhalten, wo sie unterhalten werden, auch wo sie arbeiten, frauengaden war ein mhd. wërcgadem, was wir heute fabrik nennen. seit dem 15 jh., vielleicht vorher schon wird gynaeceum verdeutscht frauenzimmer. in Tetzels Romital (nach 1467) heiszt es s. 146: mein herr markgraf liesz im im frauen zimmer tenz machen. den ausdruck hat Joa. Altensteig in seinem 1516 gedruckten, schon 1508 fertigen vocabularius, woher ihn dann Dasypodius 90b. 330c. entnahm, Frisius 615b, Maaler 140d; weitläuftiger erklärt Serranus syn. 72a: frauenzimmer, nobilium et honestarum feminarum, virginum et mulierum coetus sive congregatio. der üble sinn, den frauenhaus und auch gynaeceum hat, blieb ihm fern, es gilt für den aufenthalt sittsamer oder doch vornehmer frauen, hoffrauen: und der könig bestelte schawer in allen landen seines reichs, das sie allerlei junge, schöne jungfrawen zusamen bringen solten gen schlosz Susan ins frawenzimmer. Esther 2, 3; und er thet die dirne an den besten ort im frawenzimmer. 2, 9; und Mardachai wandelte alle tage fur dem hofe am frawenzimmer. 2, 11; sendbrief an die drei hofjungfrauen, die aus dem frauenzimmer zu Freiberg umb des evangelii willen vertrieben sind. Luther 2, 274a; der churfürst hat erstlich sein gemahel, darnach etliche fürstin im frauenzimmer, danach viel edle jungfrauen. tischr. 312a; wenn man sagt, Salomon hat viel frawen gehabt, so wil man sagen, Salomon hat ein grosz frauenzimmer gehabt. ebenda. eine herzogin schreibt im j. 1574: herzliebe schwester, ich kann e. l. auch freundlichen nicht verhalten, das wir itziger zeit zwei frawenzimmer haben, die alte herzogin und ich mit den dreien jungfern sein hunten in unserm gemach, so musz mein armes kind der andern deckmantel sein und leszt sie denn mein herre holen in seinen gemach, und gehet der Kitlitzin dochter mit sambt der mutter mit, und sein dan den ganzen tag bei meinem herrn. zeitschr. des schles. vereins 4, 163; weisz aber nicht, was die ursachen sein gewesen, das ich von herzog Heinrich nicht ablassen kunte, ob die jungfern im frauenzimmer zu schön waren, oder was es mochte für eine gelegenheit haben. Schweinichen 1, 86; bin ich wieder nach hause geritten, zuvor aber mit den schönen jungfrauen im frauenzimmer erlustiget. 1, 87; waren ifg. vom hern bischof ins alte frauenzimmer erfordert. 2, 62; wenn denn ifg. dem alten Simon Hanewald seinem sohne mit einer jungfrau, so unter ifg. verwaiset und in derselbigen frauenzimmer war, hochzeit machen sollte. 2, 283;

mit den (frauen) bin ich gezogen fer
in vil königreichen hin und her
zu manchem schönen frawenzimmer.
H. Sachs I, 284a;

ihr zarten jungfraun grosz und klein,
kompt mit uns ins fraunzimmer rein.
Ayrer 134c;

Phronesis aufseherin über das kaiserliche frauenzimmer. Gryphius 1, 6; das frauenzimmer (frauengemach). pers. rosenth. 7, 20; eine von den mädgen in seinem frauenzimmer. 5, 18; als er sich bei ihro im frauenzimmer verspätet. Zinkgref apophth. 13, 5;

in der tugend frauenzimmer, da ists gut die bräute wehlen.
Logau 3, 85, 48;

eh ich und der Paulin einander angetroffen,
zu meinem glücke stund das frauenzimmer offen,
da trat er ganz bestürzt heraus.
Günther 971;

der persische frauenname Zebdelcaton bedeutet 'blume des frauenzimmers' d. i. flos gynaecei. 1001 viertelstunde Lp. 1738 1, 10; das fräulein blieb indessen im frauenzimmer der königin. Wieland 18, 269. einem herrnzimmer steht das frauenzimmer entgegen.
2) frauenzimmer bezeichnete nun collectiv die in ihm wohnenden frauen, die weibliche dienerschaft, das gefolge der fürstin, wie der hof die hofleute, das dorf die bauern. noch keine beispiele aufgenommen aus Schwarzenberg, Steinhöwel, Wile, Keisersberg, Brant, später fehlen sie nicht:

das frawen zimer den held lobt. Teuerdank 20, 123;

was die künigin auch gefaren
mit irem frawenzimer schon
z zesehen dem tewern man. 101, 13;

der keiser mit seim frawenzimmer.
Uhland 472;

das er das frawen und kebsweiber zimer von im thet. Münster 1119; sampt graf Gebharts gemahl und irem frawenzimmer. Luther 8, 387a; kaiser Heinrich liesz dazu nach Magdeburg alle fürsten, grafen und vom adel sampt ihren frawen und jungfrawen einladen und liesz einen jeden seine tapferkeit in beisein des hochansehnlichen frawenzimmers beweisen.

[Bd. 4, Sp. 85]


Micrälius 2, 177; die herzogin mit sampt irem frawenzimmer und Fridrichen auf einen hohen thurm giengen. Galmy 85; es war auch dem ganzen frawenzimmer verbotten nicht zu der herzogin zu gehen. 287; da die herzogin und das frauenzimmer auch mit naus fuhr. Schweinichen 1, 95; die musik war lieblich, der wein gut, das frauenzimmer schön. 1, 95;

der Kriechen vil zu grunde giengen,
auch (die feinde) vil des frawenzimmers fiengen.
H. Sachs I, 147d;

die weil das frawenzimmer schleft,
wir ausrichten des weidwerks gscheft. II. 3, 16a;

die (kirch) war zu klein und vil zu eng,
das nicht jederman hinein kund,
das frauenzimmer auch da stund
in irer allerschönsten wat.
Ayrer 140a,

wo irer sich auf den in frauenzimmer steckenden gen. pl. frauen bezieht; es folgte die groszfürstinne mit den jungen prinzen und freulein in einem groszen wagen, nach diesem folgete das zaarische frauenzimmer in 22 wagen. pers. reiseb. 1, 12; zog der könig auf die jagd und zwar mit seinem frauenzimmer. 4, 44; er fragte nach unserer beschlieszerin, die sich eben damals beim frauenzimmer befand, dabei sie die jungfer hatte rufen lassen. Simpl. K. 2, 27; das frauenzimmer stund auf und verfügte sich in sein gemach. 2, 26; bestellete sie ihm ein ganzes frawenzimmer (weibliche dienerschaft), die seiner statt der kindermägt pflegen und auswarten solten. Spee g. tugendb. 148; die königin mit ihrem vornehmsten frauenzimmer. Felsenb. 1, 494; vielleicht finden sie bei meinem frauenzimmer zerstreuung? Schiller 148a.
3) nahe lag, dasz dieser collectivbegrif auf frauen übertragen wurde, die nicht in besonderm gemach zusammen wohnten, man belegte damit frauen insgemein, in der regel vornehme, wolgesittete: das löbliche frauenzimmer, sexus muliebris inclytus, ordo laude dignus matronarum. Stieler 2351; der herren gnad und gunst und des frawenzimmers favor zu erlangen. Messerschmidt narrenspital. Straszb. 1618, 141; das ohrenzart frawenzimmer. Garg. 7;

des frawenzimmers jugend
wird sonder sorgen grosz.
Opitz;

vertraue dich der see, dem frawenzimmer nicht. derselbe;

denn sie (die poeten) auch das frawenzimmer zu lesen und ofte in gold zu binden pfleget. poeterei 73; Lucidor an das frawenzimmer, Venus an das frawenzimmer, überschriften bei Weckherlin 837. 838; Heinrich Frauenlob mit vielen getichten, so er zu liebe des frauenzimmers aufgesetzt, zu wege gebracht, dasz solches seine leiche bis in die kirche getragen. Hofmannswaldau heldenbr. vorr.; man musz sich so nit förchten, wenn man zum frauenzimmer geht. Simpl. K. 550; weil ich bei solchen gelegenheiten mit dem frauenzimmer in kundschaft kam. 483; da bei sich viel andere grosze herren und ansehnlich frauenzimmer befand. 2, 142; nichts desto weniger habe ich den titel gleichgültig und unempfindlich bei dem meisten frauenzimmer allhier erworben. Canitz ged. 210 (1676); das frauenzimmer hatte über den ernsthaftigen reden wenig ergetzlichkeit, drum suchte es mit manier von dem tische zu kommen. Weise kl. leute 376; es sei zwar viel frauenzimmer gebeten. erzn. 129;

und ich entsinne mich, mit was für buhlerliedern
er ehmals in Athen, wo ich mit ihm studiert,
dem frauenzimmer oft die letzte gunst entführt.
Günther 1011;

wenn nur auf diesem Cap noch mehr so schönes frauenzimmer anzutreffen wäre. Felsenb. 1, 37; ich werde in kurzem ein kochbuch schreiben, und wollte das frauenzimmer über mein kochbuch spotten, so u. s. w. Rabener 2, 221; das frauenzimmer (sexus) war mir auch sonst nicht allzu gleichgültig. Lessing 1, 347; dieser streich ist unter den schlimmen streichen, die mir das frauenzimmer gespielt hat, der kleinste nicht. 1, 385;

ihr, die ihr, ganz von neid entzündet,
des frauenzimmers wert verhöhnt,
sagt, ob man was von gaben findet,
das nicht die seligste bekrönt.
Drollinger 264;

mit dem sämtlichen frauenzimmer von Abdera an ihrer spitze. Wieland 19, 119; alles frauenzimmer. Kant 5, 147; das frauenzimmer (die frauen im gegensatz zu den männern). 7, 405;

ich kam hieher und fand das frauenzimmer
ein biszchen, ja man sagts nicht gern, wie immer.
Göthe 56, 57;

Civitella blieb ganz weg, weil er bei dem frauenzimmer in Venedig in zu übelm rufe stand. Schiller 745a; entehrten das frauenzimmer selbst an heiliger stätte. 925a. ausnahmsweise

[Bd. 4, Sp. 86]


auch von übeln frauen: etliche suchten mich (Courage) wie das frauenzimmer im bordell. Simpl. 2, 218.
4) kühner war, dasz zuletzt aus dem collectivum wieder die vorstellung des individuums hervor trat, in der weise wie wir es bei den wörtern bursch und camerad wahrgenommen. das frauenzimmer erst ein ort, dann eine mehrheit von hoffrauen, hernach von frauen überhaupt geltend, ist endlich eine einzelne und zwar eine feine, gebildete frauensperson, etwas mehr als dies letzte wort besagt, worunter auch eine gemeine, gewöhnliche frau gedacht werden kann. die frühste stelle für diesen gebrauch findet sich bei Opitz (2, 257. Amst. 1645) in der bereits 1622 geschriebenen schäferei: wie nun ein mensch in einem bilde die kunst und nicht das bild, in einer pflanze die frucht und nicht die pflanze liebet, also müssen wir in einem schönen frawenzimmer nicht die gestalt, sondern die schönheit des gemütes erheben und hochhalten. das 'einem' entscheidet, stände in dem schönen frauenzimmer, so liesze sich das schöne geschlecht verstehn. doch scheint die individuelle bedeutung nicht sogleich in die sprache eingedrungen, wenigstens sind mir von 1622—1730 keine weiteren belege zur hand, Stieler hat sie noch nicht vermerkt, zwischen 1730 und 50 tauchen sie auf: ich gelangete an eine halb offen stehende kleine gartenthür, trat hinein und sahe ein gewis recht schön und wolgekleidetes frauenzimmer nach dem klange einer kleinen trommel recht zierlich tanzen. Felsenburg 1, 35 (zuerst 1731); und also empfinde ich auch weder liebe noch begierde zu einem frauenzimmer bei mir, sie mag auch noch so schöne sein. irrg. der liebe (zuerst 1740); mitten in diesen ängstlichen sorgen kam jemand von meinen leuten und sagte mir, dasz mich ein frauenzimmer höchlich bitten liesze ihr zu vergönnen, dasz sie auf einige augenblicke mit mir sprechen dürfte. ehe eines mannes (1735) s. 261; frauenzimmer, eine vornehme weibsperson. Frisch 1, 289a (1741); ich wuste, ehe ich meinen sohn auf reisen schickte, dasz er ein gewisses frauenzimmer von bürgerlichem stande liebte. Gellert 4, 201 (schwed. gräfin, zuerst 1747); und dieses ist eben das frauenzimmer, das sie itzt gesehen und nach der gemeinen rede für eine witwe gehalten haben. das.; als wenn ein frauenzimmer nicht für alle wolgemachte mannspersonen einerlei neigung hätte. Lessing 2, 368 (1747); du wirst es ja wol noch an meinem beispiele wissen, wie es einem frauenzimmer ist, wenn man ihr das erstemal dergleichen vorsagt. 2, 388 (1748). Frischens einschränkung auf vornehme ist nach den gellertschen ausdehnungen auf bürgerliche zu eng. in der zweiten hälfte des 18 jh. greift der ausdruck allgemein um sich: unmöglich kann ein frauenzimmer von vierhundert wochen so richtig und so fein schreiben. Rabener an Charitas (1757); er ist es auch in der that schon werth, dasz ein frauenzimmer um ihn seufzet. Lessing 1, 380; bin ich denn nicht frauenzimmers genug, um einer kurzen unterhaltung werth zu sein? 1, 319; ich entschuldige jedes frauenzimmer, das ohne merkliche fehler nicht hat aufwachsen können. 1, 433; sie ist zu wenig frauenzimmer, als dasz ich sie als ein frauenzimmer lieben könnte. 1, 434;

was für ein held ich bin!
ich kann mit frauenzimmern spielen.
Burmann fabeln 37;

und scheint den frauenzimmern
sich schlecht um sie zu kümmern.
Bürger 22a;

sie werden ein schönes frauenzimmer kennen lernen. Göthe 16, 25; ich forderte éin frauenzimmer nach dem andern auf und just die unleidlichsten konnten nicht dazu kommen, einem die hand zu reichen. 16, 31; 'mein chapeau walzt schlecht und dankt mir, wenn ich ihm die arbeit erlasse. ihr frauenzimmer kanns auch nicht'. 16, 32; man betrachte ein frauenzimmer als liebende, als braut, als frau, hausfrau und mutter. 17, 281; er kündigte ihr die ankunft eines frauenzimmers an, die hier herein ziehen sollte. 17, 385; als ich im fenster ein frauenzimmer sitzen sah, das mir unter einem spitzenhäubchen gar jung und hübsch und unter einer seidnen mantille sehr wolgebaut schien. 24, 282; mein freund eilte die frauenzimmer aufzusuchen. 25, 341; und ich wuste bei solcher gelegenheit etwas zum lobe der wirtin, oder eines frauenzimmers, die sich am artigsten gegen mich erwiesen hatte, vorzubringen. 26, 14. diese stellen ergeben, dasz wie nach weib oder weibchen auch nach frauenzimmer, auszer dem neutralen ebenwol ein weibliches pronomen folgen darf. vor dem häufigen gebrauch der individuellen bedeutung hat in der späteren sprache sich die örtliche und collective fast verloren. so seltsam und ungelenk der ausdruck aussieht, hatte er sich doch unentbehrlich

[Bd. 4, Sp. 87]


gemacht, weil er die vorstellungen jungfrau, ehfrau und matrone zugleich befaszt, das einfache frau uns wie ehfrau oder herrin klingt, das fr. dame ist gefüger. frauenzimmer, wie wir sahen, schlieszt den bürgerstand nicht aus und bezeichnet etwas feines, gebildetes, einer rohen bäuerin kann er nicht zustehen, wie sie unter frauensperson, weibsperson, weibsbild mit einbegriffen wird. der pl. die frauen lautet edler als das collectivum das frauenzimmer, es heiszt aber auch im pl. die frauenzimmer = die frauen, z. b. die frauenzimmer kamen zurück. Göthe 17, 339; so wohnten die frauenzimmer mit dem kinde nun oben. 17, 314; nichts kann dem ursprünglichen begriffe mehr widerstreiten als diese stelle. heutzutage heiszen die frauen nicht mehr gern frauenzimmer, auch dies eigentlich vornehme wort hat die zeit wieder herunter gebracht.
5) das nl. vrouwentimmer ist bei dem natürlichen, örtlichen sinn stehen geblieben, hat sich nicht auf die beiden andern anwendungen erstreckt. dagegen sind mit unserm wort auch alle bedeutungen in die nordischen sprachen übergegangen, schw. fruntimmer, dän. fruentimmer, sogar mit unserm, diesen dialecten gar nicht zuständigen schwachen n, der gen. des einfachen frue lautet dän. frues, isl. frûar. man sagt schw. hoffruntimret, das frauenzimmer am hof. ett ungt, gammalt fruntimmer, ein junges, altes fr. und gern wird der anrede das possessivum vorgesetzt: mitt fruntimmer, mina fruntimmer = madame, mesdames.
6) alle folgenden zusammensetzungen sind schwerfällig und unbeholfen, doch im vers manchmal zu brauchen.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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