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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fratzer bis frauenacker (Bd. 4, Sp. 71 bis 76)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fratzer, m. nugator. Stieler 545. Rädlein 238a.
 
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fratzhans, m. nugator: disen fratzhansen und aufschneider. Philander 1, 272.
 
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fratzicht, ridiculus, facetus. Stieler 545.
 
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fratzig: machen sich fratzig genug, treten fein hochtrabig herein. wegkürzer 85. heiszt das so viel als batzig, patzig (1, 1160) oder darf das ahd. fraʒar, frazar, temerarius, protervus in betracht genommen werden? das würde zugleich die vorhin erwogene deutung von fratz berühren.
 
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frau, f. domina, femina, conjux, mulier, ein wort von groszem umfang, seinen sinn läszt erst der zusammenhang der rede erkennen. ahd. frouwâ, mhd. frouwe, mnl. vrouwe, nnl. vrouw, fries. frowe. entsprechendes goth. fraujô in den bruchstücken des Ulfilas nicht aufzuzeigen, die auch kein gr. κυρία darbieten, das häufige γυνή stets mit qêns oder qinô übertragen. in fraujô müste die bedeutung domina oder herrin gelegen haben, es ist moviert aus frauja, wie κυρία aus κύριος, domina aus dominus, herrin aus herr, während den grundweiblichen wörtern γυνή, femina, qinô keine männlichen zur seite stehn. die hd. sprache zog aber frouwâ, frouwe, frau zugleich in den begrif von femina und liesz quëna, chonâ allmälich veralten. umgekehrt erlosch ihr frô = frauja, haftete zuletzt nur in der anrede und wich dem hêriro, hërre, herr. allerdings walteten alts. ags. frôho, freá vor, die weibliche motion erscheint ganz selten, nicht im ganzen Heliand, erst im Essener denkmal wird frû angetroffen, das ags. âgendfreá Cädm. 135, 4 für domina ist nicht recht sicher. dafür bestand auszerdem ein andres wort, alts. idis, ags. ides, ahd. itis = altn. dîs, und es leuchtet ein, dasz beide freá und ides, ahd. frouwâ und itis aus dem heidenthum übernommen ehmals für göttliche wesen galten. denn im länger heidnischen nordland blieben Freyr wie Freyja götternamen, sind nicht zu appellativen geworden gleich frauja und fraujô, ahd. frô und frôwâ, selbst die nordische dîs, wenn schon appellativisch gebraucht statt Dîs, bezeichnet das höhere wesen, keine sterbliche idis. späterhin mögen einzelne frauva (fornm. sög. 10, 421) samt dem titel frû aus Deutschland eingedrungen sein, der sich im schw. dän. fru vollends fest setzte. es bleiben aber noch dunkelheiten zu erhellen. wenn nemlich in Freyr gen. Freys starke form vorliegt, statt der goth. schwachen frauja fraujins, sollte sich aus analogie des altn. ey eyjar insula, mey meyjar virgo = goth. mavi maujôs nicht allein auf avi aujôs, sondern auch auf Fravi Fraujôs schlieszen lassen, da doch Freyja zu fraujô, frouwâ stimmt, ey von ouwâ, mey von mouwâ (?) absteht. wir sehen also in beiden wörtern, frauja und fraujô, Freyr und Fravi starke und schwache flexion durcheinander laufen, worauf ich unter Fro, wo sich erst von der etymologie der wurzel handeln läszt, zurückkommen werde. die schw. dän. Frö, ö, mö scheiden sich von fru mit u. bei den Engländern ist keine spur des wortes frau übrig.
wir pflegen heute frau einsilbig, im sg. unveränderlich zu brauchen, zuweilen taucht noch fraue, wie gewöhnlich aue, maue auf. die obliquen casus des sg. blieben lange der schwachen form treu, Ölinger gramm. 57 gibt dem nom. acc. voc. fraw, dem gen. dat.

[Bd. 4, Sp. 72]


frawen. ältere und jüngere belege dieser beiden schwachgebildeten casus lassen sich leicht vorbringen: sie sprach ich bin von meiner frawen Sarai geflohen. 1 Mos. 16, 8; kere umb wider zu deiner frawen und demütige dich unter ire hand. 16, 9; die sprach zu irer frawen. 2 kön. 5, 3; und gebet dem herrn wie dem knecht, der frawen wie der magd. Es. 24, 2; und das herz der helden wird zu selbiger zeit sein, wie einer frawen in kindsnöten. Jer. 48, 41; scheide dich nicht von einer vernünftigen und fromen frawen, denn sie ist edler weder kein gold. Sir. 7, 21; der eltester der auserweleten frawen (ὁ πρεσβύτερος ἐκλεκτῇ κυρία). 2 Joh. 1, wo neuere ausg. frau schreiben. in der gebildeten prosa des 18 jh. lautet gen. und dat. nur frau, z. b. bei Gellert, bücher wie Felsenburg behalten frauen, doch der feierliche, dichterische vortrag duldete es noch später: klaggesang von der edlen frauen des Asan Aga. Göthe 2, 51;

und so eilt er mit der bangen frauen
grad nach seines vaters hoher wohnung. 2, 52;

ich beschwöre dich bei deinem leben,
gib mich keinem andern mehr zur frauen. 2, 53;

mein vater fiel durch seiner frauen schuld. 9, 88;

begraben sei das übrige mit ihr,
der hochbegabten, hochgesinnten frauen. 9, 253;

hinunter soll kein mann die blicke wenden,
hinauf zur höchsten frauen kehr er sich. 9, 354;

aber zu dulden die laune des herrn, wenn er ungerecht tadelt,
und die heftigkeit noch der frauen, die leicht sich erzürnet. 40, 328;

grab des edlen consul Smith und seiner ersten frauen. 27, 139;

so rief er sanft zu einer nahen frauen (: auen).
Körner 1, 166.

zu verwerfen ist der pl. frauens: um die frauens herum schmunzeln. Klingers theat. 4, 121, nach nd. weise.
im mittelalter, wie noch heute landschaftlich unter dem volk, wird unmittelbar vor eigennamen und appellativen frouwe, frô, frau gern gekürzt in fer oder ver:

ver Pinte sprach. Reinhart 75;

ver Pinte sprach 'lâ dînen zorn'. 89;

wie ist ver Hersant hër în komen? 903, wo der alte text:

wie ist frô Hersint dar komen?;
dô saʒ ver Mâʒe und ouch ver Zuht. museum 1, 66;

und hieng sich an ein unelich böse wip, genant ver Lise. Königshofen 329; ver Liukart. Lang reg. 4, 507 (a. 1292). zumal erscheinen alte mythologische namen in dieser kürzung: ver Hilde, ver Gode = frau Hilde, frau Gode, die milchstrasze hiesz Vrôneldenstraet, frauen Hilden strasze, das niedersächsische erntefest vern Godendêl, Vergodensdêl (myth. 231. 262), in einer fries. urk. des 14 jh. begegnet Ferhildema, bei Bodmann rheing. alterth. 94 Petrus miles dictus Verhildeburg. ein mnl. dichter nannte sich Clais veren Brechten, d. i. sohn der frau Brechte, Theodor Vernaleken ist also sohn von frau Aleke, wie ich sohn der framtmännin (1, 282). bei Achen liegt ein dorf Verlautenheid, dessen geschichte Quix 1837 schrieb und dessen namen er falsch auslegt. verschiedentlich sind volle und verkürzte form nebeneinander gehäuft:

frouwe mîn ver Minne,
aller tugende kuniginne. Diut. 3, 14;

vrowe ver Vrederun. Steinen westf. gesch. 4, 118. 120; miner vrowen vern Jutten. Höfers deutsche urk. s. 283 (a. 1334). andere beispiele hat Schmeller 1, 596, mhd. wb. 3, 422, mnl. Huydekoper op Stoke 2, 148. 149 und Willems belg. mus. 7, 206. 207 gesammelt. man sieht, dasz aus diesem fer die von der schriftsprache angenommne kürzung jungfer, jümferchen, bei Schmeller auch anferlein, ahnfräulein, nnl. juffer und juffertje entsprang, ähnlich dem junker aus jungherre. ganz nahe dem fer für frau steht das er oder ehr für herr (3, 52) und herre her, herre ehr knüpfen sich wie fraue fer. das prov. en vor männlichen, na vor weiblichen namen folgt aus dem en und na in domen, donna = dominus, domina; die sl. pan und pani, an sich schon behend, bedurften keiner erleichterung. zu den Finnen ist volles herra und rouwa (für frouwa) übergetreten.
So viel von der form des wortes frau, ich schreite zu seinen bedeutungen.
1) obenan steht die einer hehren göttin, wie sie noch in der nord. Freyja, der longob. Frea an den tag tritt, auf welche weise Frigg und Fricke, Frecke zu vermitteln sind, wird darzulegen im verfolg anlasz sein. auch sind noch zahlreiche, liebliche namen von kräutern und blumen vorhanden, in denen das höhere wesen durchschimmert; griechische und lateinische benennungen klingen

[Bd. 4, Sp. 73]


an, aus welchen man sie doch nicht alle ableiten darf, da sie auch in heimischen sagen und mythen gegründet sind.
2) unmittelbar grenzt die vorstellung domina, herrin, gebieterin an, gleich der allwaltenden göttin waltet die frau im haus (hera, die dienst under ir hat. Dasypodius 330b), nur eine gebietende, edle, vornehme kann frau heiszen. nicht anders war frauja der waltende herr und gebieter, die frau seine genoszin. wie hätte der gemahl seiner gattin einen solchen namen gelassen, wenn sie nicht mitherschend gewesen wäre? die identität von frauja und fraujô nöthigt so zu schlieszen. fast allen ausdrücken aber, die einen stand, eine würde bezeichnen, geschieht mit der zeit an gehalt und gewicht abbruch und was anfangs dem vornehmen eigen war, wird gemein und kommt endlich auch dem geringen zu. in der anrede und als titel hoben herr und frau lange noch hervor, allmälich erstreckten sie sich weiter und können heute kaum irgendwem versagt werden; insofern die hausfrau im hause waltet, hat sie auf diesen namen anspruch; heute erhalten arme und miethlinge die benennung frau (bauersfrau, trödelfrau, fischfrau, obstfrau, kehrfrau, waschfrau, bettelfrau), welche man auch zur fünften bedeutung zählen kann. in einzelnen fällen ist doch der alte, höhere sinn von frau übrig. Maria heiszt nicht mehr dirne und magd, wie ahd. diorna, mhd. maget, aber noch unser frau, unser liebe frau, wie fr. nôtre dame, sp. nuestra señora, die jungfrau, la vierge, virgen, vergine und jene kräuternamen stellen Maria gleich mit frau. es ist Heva eine frau der welt gewesen. Luther 4, 21;

Rom, die frau der welt.
Opitz 3, 127;

herunter jungfrau, du tochter Babel, setze dich in den staub, denn du solt nicht mehr heiszen frawe uber königreich. Es. 47, 1. 5. die edelfrau ist die gnädige frau, selbst die edelgeborne, bürgerlich vermählte pflegt, über ihren mann hinaus, den titel einer gnädigen frau fortzuführen; 'ich habe eure frau (eure herschaft) verklagt'; zum bedienten: 'sagt eurer frau' (eurer herschaft). Lenz 1, 239; regierende fürstin und frau, durchlauchtigste frau, in England können frauen den thron besteigen, das ags. cven ist aus dem begrif der frau in den der königin erhoben. o ich sah in ihr gar wol die anlagen, deren entwickelung wir bewundern, wenn wir in der geschichte frauen sehen, die uns weit vorzüglicher als alle männer erscheinen. Göthe 20, 79. in Scandinavien drücken fru und fröken ganz die unserm frau, fräulein, näher einem nd. fru, fröken entnommne vorstellung aus; hausfrau entstellen Schweden und Dänen in hustru. von der hausfrau gehn viele sprüche: was die frau erspart ist so gut als was der mann erwirbt; der frau augen kochen wol, die der magd nicht; wie die frau, so die magd; eine frau kann mit dem fingerhut mehr verschütten, als der mann mit dem eimer schöpfen.
3) frau ist als genoszin des mannes conjux, uxor, marita, gattin, gemahlin, gesetzlich angetraute, vermählte, ehefrau, ehegattin, eheschatz, eheliebste, wie der mann und gatte ehemann, ehegatte, ehegemahl, eheherr heiszt, lat. vir und uxor, maritus marita (vgl. lit. marti braut); doch gewöhnlich mit ausgelasznem ersten wort mann und frau, gatte und gattin. mann und frau vertreten uns das goth. guma und qinô = lat. homo und femina, mas und femina; ahd. gomo ist uns veraltet und dauert nur noch in bräutigam. jedes verheiratete mädchen empfängt den namen frau und die witwe behält ihn: frau mutter, frau schwester, frau schwägerin, als theilnehmerin an den ehrenstellen des mannes frau burgermeisterin, frau amtmännin, frau hauptmännin, wie frau königin, frau gräfin, frau fürstin. da niemand sagt frau könig, frau graf, frau fürst, frau meister, so wird auch frau amtmann, hauptmann undeutsch, ebenso den familiennamen das -in nicht zu entziehen sein; man ahmte Franzosen, Engländer nach, die bei madame und lady den mannsnamen unmoviert setzen. mann und frau stehn einander gleich: das ist mein mann, das ist meine frau:

sieh die zwei verliebten an,
schau an diese frau und mann.
Fleming 358;

itzund seh ich schon den tag,
dasz, eh Föbus aufstehn mag,
man euch beide frau und mann
ganz mit ehren nennen kann. 381;

und gieng endlich mit mir um, wie eine redliche frau mit ihrem mann zu thun pflegt. ehe eines mannes 257;

so sprach, unter dem thore des hauses sitzend am markte,
wolbehaglich, zur frau der wirt zum goldenen löwen.
Göthe 40, 234.

mhd. noch häufig kone, êkone, dän. kone, altschw. kona, was heute in üblem sinn gesagt wird.

[Bd. 4, Sp. 74]



4) die jungfrau wird braut, die braut wird frau, an einigen orten heiszt die junge frau noch eine zeitlang oder bevor sie kinder geboren hat, braut (2, 332), umgedreht wird sie schon auf der hochzeit selbst frau braut genannt:

frau praut, got geb euch heil und glück,
noch heint so legt euch an den rück. fastn. 1343, 137;

hutz, hutz, lauft die alte Catherine und schreiet mit heischerer stimme 'frau braut, frau braut, der herr bräutigam wil eins tanzen'. welzabend B 1b. so vertreten sich auch sonst die vorstellungen braut und frau, die förmlich verlobte ist gemahlin, der bräutigam gemahl, der arme Heinrich nannte das ihn lieblich pflegende mädchen 'gemahel', 'trûtgemahel' (341. 907. 912), traute, vertraute. lat. sponsa, sponsus bezeichnen blosz verlobung, it. sposa, sposo, fr. épouse, époux zugleich gattin, gatte: c'est mon épouse, es ist meine frau. bei uns stehen braut und frau mehr ab, die jungfer braut von der getrauten frau:

unsere Gerdraut
ist nun eine braut,
morgen, ich vertrau,
ist sie eine frau;
nun braut, glück auf den weg, das bett ist schon bereitet.
ihr frauen, die ihr sie nach Bernstatt hin begleitet,
sagt ihr das hochzeitrecht zu wagen heute für,
denn übermorgen wird sie doch schon sein wie ihr.
Opitz 2, 71;

unsre jungfrau wird zur braut.
Fleming 388;

die jungfer ist zur frau geworden.
frau schwester, wie gefällt dir dann
dein neuer stand, der ehstandsorden?
die antwort seh ich dir schon an.
Dusch ged. (1771) s. 285.

die frau hat den jungfräulichen kranz abgelegt, bindet ihr haupt, ist unter die haube gebracht.
5) frau, femina, mulier, allgemein gefaszt, ohne bezug auf abkunft und verheiratung, was wir heute unter den steifen zusammensetzungen frauensperson oder frauenzimmer verstehn, was im franz. dame oder femme heiszt, wofür früher auch frauenname, wîbesname im gegensatz zu mannesname gesagt wurde. würde der frauen.

ehret die frauen!
Schiller 80b;

aber, zufrieden mit stillerem ruhme,
brechen die frauen des augenblicks blume,
nähren sie sorgsam mit liebendem fleisz. 81a;

aber wie, leise vom zephyr erschüttert
schnell die äolische harfe erzittert,
also die fühlende seele der frau. daselbst.

hierher fallen z. b. die sprüche: frauen haben langes haar und kurzen sinn, haben lange kleider und kurzen muth; wo keine frau, da geschieht dem kranken weh; kein kleid steht einer frau besser als schweigen und viele andere. solange die frau noch unerwachsen ist, wurde sie ehmals maget oder dirne genannt, heute mädchen, oder fräulein, was anfangs edelfräulein bedeutete, allmälich wie frau (domina) allgemein geworden ist. jungfrau, junge frau und jungfer sind zu unterscheiden, worüber man diese wörter selbst nachsehe. auch in einer menge von zusammensetzungen hat frau diese umfassende bedeutung.
6) verhalt von frau zu weib. weib, ahd. mhd. wîp, alts. wibh, nl. wijf, ags. vîf, häufig in vîfman, altengl. wifman, wimman, heute woman, altn. vîf, schw. vif, dän. viv, mangelt im gothischen. weib drückt sowol femina als mulier aus, geht aber besonders auf das geschlecht, wenn wir beide geschlechter gegeneinander stellen wollen, geschieht es durch die namen 'mann und weib', und zumal entscheidet, dasz auch für thiere 'männchen und weibchen' gilt, mit dem diminutiv, selbst wo die gröszten thiere gemeint sind, niemand legt dem männlichen thier eine frau bei. bereits unsere mhd. dichter stritten lebhaft über den vorrang der namen frau oder weib, und wie uns frau auf Freyja, frauja auf Freyr leitet, wurde selbst weib von einem mythischen Wippeo hergeleitet (mythol. 277), was doch nur den bekannten namen Wippo (Förstemann 1, 1290) meinen kann. Walther erklärt sich entschieden für weib:

wîp muoʒ iemer sîn dër wîbe hôhste name
und tiuret baʒ dan frowe, als ichʒ erkenne. 48, 37;

wîp sint alle frowen gar,
zwîvellop daʒ hœnet
als under wîlen frouwe:
wîp dêst ein name dërs alle krœnet. 49, 8;

richtig ist ihm die auch allen frauen zustehende, darum sie schmückende natürliche benennung weib, inwiefern das wort auf weben und weifen zurück geht, soll unter diesen ausdrücken erwogen werden. andere, die frau höher achten, haben guten grund, froh und freude heran zu ziehen, welche beide wörter man vergleiche. die frau tritt über alle weiber empor:

[Bd. 4, Sp. 75]


und krônde mich diu wërlt al
ze frowen über elliu wîp. Er. 6035,

sie ist ihre herrin geworden. frau, vom stande her entnommen, ist freilich auch angeboren, undeutlich aber bleibt, warum reine frauen erst durch ihre tugenden sich den namen weib erwerben, wie Lichtenstein 3, 17 sagt und GA. 2, 157 ausgeführt wird:

ich hôrt ie sagen, daʒ ist wâr,
vrouwen die haben langeʒ hâr,
dâ bî einen kurzen sin.
alsô dunket mich an in,
daʒ sis baʒ den ich erkanten,
die sie alrêst vrouwen nanten,

d. h. die ihnen den namen frauen ertheilten, müssen sie von vortheilhafterer seite gekannt haben als der dichter, welcher im begrif steht von einer leichtfertigen frau zu erzählen. er fügt hinzu:

aber swëlch vrou vroulîchen tuot
daʒ (dasz sie) ir hërze und ir muot
wendet an rëhte zuht,
sô hât diu schande von ir vluht.
als ein vrouwe ir wërden lip
alsô tiuret, daʒ si ein wîp
geheiʒen mac mit reinen siten,
dër mac ein man vil gërne biten,

damit ist schwerlich gesagt, dasz um die tugendhafte frau zur ehe geworben werde. Parzival 302, 7 ruft 'frowe und wîp' aus, als ihn die betrachtung der blutstropfen im schnee an seine gattin mahnt; in vielen stellen Walthers verbinden sich man und wîp ganz wie wir heute mann und frau, im sinne von femina zusammen fügen. wie sehr nun diese mhd. vorstellungen über frau und weib geschwankt haben mögen, heute ist der bezug von weib auf das geschlecht unzweifelhaft und erst von dieser bedeutung sind hernach weitere und allgemeinere ausgegangen. weib ist uns gleichviel mit weibsbild oder weibsperson, wie frau mit frauenbild und frauenperson, es geht auf ledige oder verheirathete, junge und alte, selbst die reiche, vornehme frau darf noch weib heiszen, obschon es mehr unter armen und geringen leuten haftet und bettelfrau, trödelfrau, fischfrau mit bettelweib, trödelweib, fischweib wechseln. der mann mag seine frau auch sein weib nennen, frauchen oder weibchen, jenes ist mehr uxorcula, dieses muliercula. was hast du für ein weib zur frau? quid mulieris uxorem habes? das weib steht dem mann, die frau dem ehmann oder herrn gegenüber. 'ein schönes weib' (ein schœneʒ wîp. Walth. 34, 3), weil es die reize des geschlechts ausdrückt, lobt stärker als eine schöne frau. ein mann kann weib, weibisch, altes weib gescholten werden, nicht frau oder fräulich. oft aber dürfen freilich zwei sich so nahe liegende wörter, wie frau und weib, einander vertreten, eine gute art von frauen oder von weibern meint dasselbe, sittsame frau, sittsames weib; kluge frau, kluges weib, aber 'die kluge frau im walde' bricht heilsame kräuter, ist ärztin und hebamme, ungefähr wie sich fr. sagefemme und femme sage sondern. gebildete frau bezieht sich auf den geist, schön gebildetes weib auf den leib:

aus dem bewegten wasser rauscht
ein feuchtes weib hervor.
Göthe 1, 185;

Penelopeia redet zu mir, die treuste der weiber. 1, 320,

für der frauen. andern sprachen stehn für mann und weib vielerlei ausdrücke zu, so haben die Polen das hübsche wort bialoglowa (weiszkopf); zahlreiche bilder und umschreibungen finden sich altn.
7) eine dienerin der fürstin wird, obschon ledig, frau, kammerfrau, femme de chambre genannt, eine dienerin adlicher nur kammerjungfer, kammermädchen, fille de chambre, vgl. DWB extramensch. herrendiener heiszen ohne unterschied kammerdiener, valet de chambre. im gefolge der königin, fürstin erscheinen frauen, edelfrauen:

dô in diu grævinne enpfie
unde engegen ime gie
mit allen ir vrouwen. Iw. 3793;

eh diese worte noch verhallen,
sehn ihre frauen sie, durchrannt
vom spitzgen stahl, zusammenfallen.
Schiller 45b,

vgl. folgemagd 3, 1875 und hernach frauenzimmer. die umgebung der fürsten bilden kammerherrn und kammerjunker.
8) die allgemeine anrede lautet: herr und frau! herren und frauen (nicht männer und weiber)! fr. monsieur, madame! messieurs, mesdames! nnl. mijnheer und mevrow! wie mejuffer. doch gilt auch das fremde dame, madame!

schöne damen und ihr herren der feineren welt!
Göthe 1, 260.

und jetzt gerade madam! für geringe, bürgerliche. zu Stockholm heiszen die schifferinnen, die kähne überführen, madammerna.

[Bd. 4, Sp. 76]



9) selbst im kartenspiel wird jetzt dame beibehalten, trefdame (trefledame), herzdame, neben trefbub, herzbub. früher frau:

wie nichtig sind die schätze
um die ihr alles wagt! itzt bildet der sich ein,
es sei gewonnen geld, das glück lach ihm allein,
zehlt 'tausend, könig, frau', schau aber wie behende
ihn jener im 'triumpf' gleich als gefangen sende
und seine barschaft zieh.
Gryphius 2, 507.

tausend scheint hier as, sonst ists daus, binio (2, 854), wie ei der tausend und ei der daus!
10) frau, wie herr, bei dichtern für thiere, pflanzen, ja leblose dinge, zumal anredend: frau nachtigall, frau lerche, frau bohne, frau hasel, frau fichte, herr tannebaum, herr falke, herr hahn, herr spatz (Bürger 20a), herr grille, frau gerste und herr flachs, herr pflug, herr pfenning. der kegelnde ruft der kugel zu:

loufâ, kugel, vrouwe,
zouwe dîn, liebiu vrouwe, zouwe! Renn. 11372.

frau Masz und frau Zucht wurden vorhin bei der kürzung 'ver' angegeben, andere beispiele stehn gramm. 3, 346; frau Juno und frau Pallas, frau Venus,

frau Venus und ihr völkchen
läszt fünf gerade sein.
Bürger 17b;

'du? nicht also, frau sünderin,
frau Liederlich, frau Lecker!' 48b,

ohne movierendes -in, obgleich in volksliedern gesagt wird 'frau heselin' statt frau hasel.
11) die schöne frau, amaryllis belladonna.
s. ahnfrau, erdfrau, jungfrau, klosterfrau, kräuterfrau, nähfrau und viele andere.
 
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fraubase, f. plauderhafte verwandte, die freien zutritt hat, neuigkeiten bringt und besprechen hilft. eigentlich der titel frau base. schweiz. fraubas, klatsche, memme. Stalder 1, 394. Tobler 204b.
 
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fraubasenbedenklichkeit, f. inanis dubitatio: er langweilt mich immer mit seinen fraubasenbedenklichkeiten. Fr. Müller 3, 136. viel besser das folgende fraubaserei.
 
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fraubasenhaft, garrulus, plauderhaft, klatschig, feig.
 
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fraubaserei, f. garrulitas, superflua dubitatio: und nun sitzen sie hinter ihren mauern, eingefangen von ihren gewohnheiten und gesetzen, ihren fraubasereien und philistereien. Göthe 16, 198.
 
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frauchen , n. muliercula, nnl. vrouwetje.
1) nd. fröken, fräulein, edeltochter. frawchin, domicella. cod. dipl. Silesiae 2, 185 (a. 1404).
2) groszmutter, wie herrchen, herrlein groszvater, weil hohes alter die leute verkleinert und den kindern ähnlich werden läszt. diese früher mehr verbreitete bedeutung heute nur landschaftlich, z. b. in der Wetterau erhalten.
3) zärtlich und kosend zu oder von der ehfrau, besonders einer kleinen:

so pack denn ein, lieb frauchen, lasz noch heute
zurück uns kehren nach der stadt.
Gökingk 2, 135;

ja, lasz auch heut
zehnmal mit ehren
Silvester sein,
das frauchen mein
wird mirs nicht wehren
mich hoch zu freun.
Kl. Schmidt neue poet. br. 33;

sucht, wenn frauchen kochen will,
körbel, petersilj und dill.
Schmidt von W. 1802 s. 92.


 
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frauenacker, m. arvum genitale:

weiber sind äcker zum ruhen mit nichten,
weiber sind äcker zum bauen und früchten.
Logau 2, 110, 56.

 

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Artikel 11 bis 20 von 237 Nächste Treffer Vorherige Treffer
11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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