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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fratem bis fratze (Bd. 4, Sp. 67 bis 69)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fratem, nidor, vapor, den vorhergehenden, die kurzes a haben, unverwandt, während hier langes stattfindet. es ist nach

[Bd. 4, Sp. 68]


dem wechselnden f und b (flach blach, falz balz) gleichviel mit bratem, brâdem, brodem, wozu Graff auch 3, 299 fradem stellt.
Hutten. aber dann warumb hast dich die andern krankheit vertreiben lassen?
feber. das ich nit im armt sein wil und süch die küchen.
Hutten. darinn rauch ist.
feber. und darinn lüstiger fratem und geschmack ist.
Hutten. sollich sein doch bei mir nit.
feber. werden aber sein, wann du nn (als man sagt thn wöllest) ein weib nimbst.
Hutten. ja wol weip, vil mer hab acht uf des curtisanen dirnlein, wo es hin kumme, dann ich glaub es werde in ein feiste herberg wenden. Hutten 4, 110. im unw. doct. 100 steht: der braten von dem (siedheiszen) wasser. vgl. DWB athem, DWB odem, DWB schwadem, chradem, kradem.
 
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fratemen, fragrare, spirare, duften. mhd. frâdemen. LS. 1, 376.
 
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fraten, sauciare, ahd. fratôn (Graff 3, 819), schweiz. fratten, das kind frattet, ist an den schenkeln wund gerieben, vgl. DWB fretten. ihnen beiden verwandt schienen fr. frotter, sp. flotar, it. frettare reiben, die von fricare frictum abgeleitet werden, wozu man auch lat. fracere und fracidus nehme. weil keine lautverschiebung da ist, musz auf einer oder der andern seite entlehnt worden sein. 'zebrochen unde frat' würde selbst an fractus mahnen, die bedeutungen frangere und lacerare berühren sich, sollte frat auf it. fratto zurückgehen, so macht doch das einfach scheinende ahd. fratôn und fretî livor vulneris, mhd. frete und fretten bedenklich, ein goth. frads, ags. fräd könnte allen zweifel lösen, das t im hd. frat verbietet aber frëʒan zu vergleichen (s. hernach unter fratz), obschon frat vorhin in einer stelle mit durchfressen verbunden ist. die abwesenheit des worts in den nord. sprachen und selbst seine beschränkung im hd. sind nicht zu übersehen.
 
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fratig, frattig, fracidus.
 
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fratigkeit, f. cutis asperitas cum pruritu. Henisch 1192, 32; frattigkeit oder sere oder ein wunde von dem sattel, so einer reitet oder dergleichen. Thurneisser alchym. 2, 78; disz öl dient fur die kretzen, zerschrundene lefzen und haut, frättigkeit des leibes und für die schäden an heimlichen orten. Hohberg 2, 404b.
 
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fratscheln, frätscheln, was frägeln, förschlen, wiederholt fragen, schwätzen, dann unterhandeln, aufschwätzen beim kauf. Schmeller 1, 622.
 
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fratschelweib, n. wie fratschlerweib.
 
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fratschlerin, f. eine handelsfrau, trödelfrau, höckerin, die mit geläufiger zunge zum kauf antreibt. Höfer 1, 241. Schm. 1, 622.
 
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fratschlerweib, n.

an alle diese völker schlosz
sich an ein amazonentrosz
von Wiener fratschlerweibern.
Blumauer Aen. 3, 64;

trödlerinnen und ständel oder fratschlerweiber. J. P. Tit. 2, 173.
 
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fratz, m. schelte für ein ungezogenes kind, für eine kindische oder häszliche, schändliche person, kaum aus dem alten frast kind oder der bedeutung keck und mutig abzuleiten, auch kennt die frühere sprache das heute sehr geläufige wort nicht, erst Stieler führt es 544 auf, aus Ayrer sollen einige ältere beispiele folgen. man könnte an fatzen, fatzbube, fatzmann mit eingeschobnem r denken, doch läge it. frasca näher, das eigentlich einen laubast, dann aber einen laffen, unnützen, possenhaften kerl, lat. gerro, nugator bezeichnet. Lexer 101 fratz, schlimmes, ungezognes kind, vgl. Schöpf 151. Höfer 1, 251. Schm. 1, 622. Stalder 1, 394. scharfsinnig ist aber von Dietrich bei Haupt 10, 219 fratz, als schnitzwerk aufgefaszt, zum alts. fratah, ags. fratu gestellt und samt diesen aus frëtan, fressen = beiszen, hauen hergeleitet worden. fratz und fressen wären gut zu einigen, wie fatzen und fassen (3, 1363), selbst frasca könnte aus dem deutschen wort stammen, da die vorstellung des schnitzwerks leicht in die von ast und holz übergeht, auch die zieraten in laub, fratzengesichter in holz ausgeschnitten werden. diesem allen müsten ahd. und mhd. ausdrücke ein siegel aufdrücken.

schau, schau, dort kumbt gleich der jung fratz,
die maus fang ich als wie ein katz.
Ayrer fastn. 2a;

der diebisch schneider wil sich nit
abweisen lassen, der schendlich fratz. 84c;

also mag ein toller fratz
seinen stammbaum heraus streichen.
Weckherlin 568;

Dietrich von Weiler tanzte vor. der fratz! Göthe 8, 137;

ihr seid ein fratz! so halt denn still!
wie, teufel, ich euch da schindeln will? 13, 80;

[Bd. 4, Sp. 69]



als sie nun warteten auf dem platz,
stieg Eulenspiegel, der schlaue fratz,
frei hinauf in ein hohes haus
und schaute oben zum fenster hinaus.
A. W. Schlegel 2, 279;

der miserable kleine fratz läge bei unserm elend kalt da. J. P. Hesp. 1, 92. häufiger erscheint die folgende schwache form,
 
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fratze, m. auf das ich nicht auch zum schwermer werde uber so losen faulen fratzen. Luther 3, 358a; wenn man sihet einen groszen üppigen fratzen, der auf der welt sonst zu nichts tauget, einem ehrenmann in allem vorgezogen werden. Philander 1, 520;

behaltet nur euren fratzen zu haus.
Schmelzl 2, 273;

verstopf, herr, mit der höllen glut
die mäuler solcher fratzen,
die falsch der armen gut und blut
dan lecken und dan kratzen.
Weckherlin 142;

weil sie nicht widerstehen konnten und sich von den fratzen schön thun lieszen. Woldemar s. 150; hab ich euch red und antwort zu geben? seht doch den fratzen! Göthe 8, 7; er drang auf einen zweikampf oder die erklärung. 'das letzte war das gescheidste, wer wird sein leben gegen einen so romantischen fratzen wagen'. 10, 81;

kinder und fratzen,
affen und katzen! 11, 15;

viele fratzen lockt sein klang,
doch lockt er auch die schönen. 12, 223;

dem fratzen da ist gar nichts recht. 13, 89;

und jetzt macht der fratze grosze augen, da der andre nun wirklich kommt und ihm das mädchen wegnimmt. 16, 60; wenn ein fratze keinen schildhalter finden kann, so nimmt er einen Hercules dazu. 33, 285; es thut mir immer in den ohren weh, wenn ich den fratzen so raisonnieren höre. Lenz 1, 148;

bekannt mit meinem muth, an leib und seele fratze,
friszt, dacht ich, wie ich bin, mich weder hund noch katze.
Bürger 64a.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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