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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
frasz bis fraszheit (Bd. 4, Sp. 64 bis 66)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) frasz, comedit, praet. von fressen, goth. frat.
 
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frasz, m. in mehrfachem sinn,
1) die person, gulo, edo, ahd. mhd. frâʒ, pl. frâʒe und fræʒe, mnl. vraet. Kilian 148b. 767b, nnl. vraat:

ob ëʒ nû sô wære,
daʒ ich dër tôrheit wielte,
daʒ ich dich, frâʒ, behielte. Greg. 2618;

ëʒ ist ein wol gewanteʒ brôt,
daʒ dû, frâʒ, verswendest. 2637;

ist dîn hâr und dîn lîch
eime gemasten frâʒ gelîch. 2756;

disiu harmschar,
diu ist immer hie gar
huoræren und frâʒen
die dâ niht wellent lâʒen
si envallen in manic schulde. Tundalus 51, 18;

und tet dër vrowen danne,
ir mâgen und ir manne
alsô grôʒen antlâʒ,
dër gotes rîches wær ein vrâʒ,
ër müese in genüeget hân. Amis 1012;

dës æhtent si âne mâʒe
si swëlhen und si vrâʒe.
Strickers göuhüner 136;

[Bd. 4, Sp. 65]



swâ du dën êre gërnden weist
dëm veriʒʒest dû, vrâʒ, allermeist,
nû friʒ in dich dën tiuvel, dër dîn ruochet. MS. 2, 135b;

ër gint als ein mortgîtec vrâʒ. tr. kr. 8183;

dër ist unkiusche, dirre ein frâʒ. Renn. 5987;

schëment iuch, slünde und fræʒe. 9551;

swër vrô wil sîn und lang gesunt,
dër mîde iuch zwên, hër frâʒ und hër slunt. 10137;

jâ ist ëtelîcher ein frâʒ, dër vil arm ist, sô gewinnet ërʒ ê mit liegen und mit triegen. Berthold 431, 21; ër ist ein frâʒ oder ein slûch. 431, 30. 515, 32. nhd. ein frasz des fleisches und ein wintrinker. Keisersberg paternost. J 17; isz wie ein mensch, was dir furgesetzt ist, und frisz nicht zu ser, auf das man dir nicht gram werde, umb der zucht willen höre du am ersten auf und sei nicht ein unsettiger frasz. Sir. 31, 20; aber ein unsettiger frasz schleft unrugig. 31, 24; denn vil fressen macht krank und ein unsettiger frasz kriegt das grimmen. 37, 33; der reiche karige frasz, der in wollust lebet, ist Laban. tischr. 384a; ward ein esel vor dem lewen verklagt, das er vier peterleinbletter on salz het gessen, da straft der lew den esel an dem leben, das er also ein frasz was gewesen. sch. und ernst 1550 cap. 303;

und sprachen ihm wer recht geschehn,
er sei ein frasz, drumb er davon
hab uberkommen solchen lon.
Alberus 97;

ein unersettlicher frasz und verschlinder der witwenhäuser. Kirchhof wendunm. 358a; ein frasz der aufschlapt wie die sew. 206a; so ein geiziger ungehobelter frasz und püffel. 214a; der meerschmid (sonst sonnenfisch, Zeus faber) ist ein groszer frasz. Forer 32b;

er euch vor unbenanntem frasz
mit seiner hand beschirmet,
sonst würdet ihr auf grüner strasz
wol blütig oft gefirmet.
Spee trutzn. 177 (194),

das ungeheuer (ein wolf oder anderes raubthier) soll nicht genannt werden. heute ist diese noch bei Stieler, Rädlein, Frisch verzeichnete, persönliche verwendung veraltet und dauert nur in bienenfrasz (bienenfresser, bienenwolf), schleckfrasz und vielfrasz.
2) frasz, pabulum, pastus, fressen. mhd.

dâ was sô manec ritter guot
daʒ ich iu zeiner mâʒe (nur wenig)
wil sagen von ir frâʒe,
wan si ahten mêre
ûf ander êre
danne daʒ si fræʒen vil. Er. 2130;

deheines frâʒes ër sich vleiʒ,
ab einem huone ër gebeiʒ
drî stunt, dës dûhte in genuoc. 8647;

dër trache gieng ëʒ aber an
mit frâʒe (M. phnâste) und mit fiure. Trist. 226, 31;

ër was gërne in frâʒe. Herb. 3104;

swër in dër jugent wirt ein slûch
und mit frâʒe an sîn alter kumt,
wirt im dâ von ein grôʒer bûch,
wie lützel daʒ dër sêle frumt.
Haupt 6, 496.

nhd. ir heuchler, die ir die becher und schüssel auswendig reinlich haltet, inwendig aber ists vol raubes und fraszes (ahd. fol nôtnumpftî inti unsûbarnesses). Matth. 23, 25; dis werk der keuschheit sol es bestehen, so treibt es zu vilen andern guten werken, zum fasten und meszigkeit wider den frasz und trunkenheit. Luther 1, 253a; wer von dem frasz wolt schreiben, möcht wol ein eigen buch darvon machen. sch. u. ernst 1522, 251. 1555, 285; mehr ertrinken im weinglas dann im meer und der frasz bringt mehr um dann das schwert. Frank spr. 1, 153a;

er fand in ligen bei dem asz,
da faulenzen vor vollem frasz.
Waldis 1. 35, 6;

mehr beiszen durch den frasz,
mehr durch die trunkenheit, als durch das schwert ins gras.
Günther 1087;

und rohe kastanien
ein herlicher frasz.
Göthe 13, 92;

selig wer den frasz verschlingt. 14, 96;

schüttete steineichfrucht, eichmast und rothe kornellen
ihnen zum frasz. Od. 10, 243,

Uschner: den jammernden warf nun
steineichfrüchte, kornellen und eicheln die göttin zum mahl vor;
die dort Scylla zum frasz sich entraft. 12, 310,

vorher stand: verschlungen;
ausgesetzt als frasz den thieren.
Platen 297;

sein gefühl in wein und frasz betäuben. Klinger 2, 413. man sagt: einen frasz halten; es war ein leckerer frasz; die thiere gehn auf den frasz aus, gehn zum frasz, zum futter. der

[Bd. 4, Sp. 66]


student nennt seinen tisch seinen frasz, wie einen freitisch krippe. frasz der motten, tinearum epulae.
3) frasz, das gefräsz, von fressen, wie schlund von schlingen:

der kranch liesz sich bereden das,
sein schnabel stiesz er im inn (in den) frasz
und zohe im bald heraus das bein.
Waldis 1. 6, 20.


 
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fräsz, n. pabulum, esca, gefräsz: vogelfräsz, esca confusi seminis, aviaria farrago. Stieler 899.
 
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fraszbegier, f. voracitas, üblicher freszbegier, freszgier:

und lechzt von fraszbegier.
Heine.


 
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fräsze, f. vultus, gesicht, besonders maul, bair. fotze, gewöhnlich fresse: zuweilen schlug sie ihm auch eine hand voll heiszes kraut in die fräsze, dasz ihm dasselbe an der nase hängen blieb. Jucundiss. 122.
 
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fräsze, edax, vgl. DWB äsze:

wâ von die jungen rebelîn
vræʒe wërden und heiser sîn
und got besunder ruofen an
in ir hunger. Renn. 19580.


 
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fraszfest, n. epulae:

wenn man des teufels braut, der rohen, tollen welt,
die trunken von dem glück, anitzt ihr fraszfest hält,
das ärgste wird zuletzt mit gall und pech vorsetzen.
Gryphius 2, 397.


 
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fraszgeselle, m. conviva:

ich bedarf deiner fraszgesellen nicht.
Ayrer 390a.


 
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fraszgier, f. voracitas, freszgier.
 
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fraszgierig, vorax, freszgierig:

der fraszgierige wolf nie mit der wölfin ficht,
col lupo vive la lupa sicura.
Werders Ar. 5, 1.


 
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fraszheit, f. edacitas, mhd. frâʒheit:

mit vrâʒheit trunkenlîchiu art. Barl. 102, 14;

got, unser lieber trëhtin,
wart ouch mit dër vrâʒheit
versuochet, als ich hân geseit. Silv. 3879;

dur dîne vrâʒheit tæt du daʒ.
Bon. 45, 27;

unmâʒe dës mundes an ëʒʒen und an trinken daʒ heiʒet frâʒheit in dër schrift und ist dër siben tôtsünde einiu. Berth. 430, 22; wan frâʒheit ist dër sünden houbetlaster einʒ. 515, 34. nhd. nun sag mir fürpasz, lieber sune, hastu wider got ie getn in der sünde der fraszheit? Steinhöwel dec. 23, 19;

fraszheit ist ein begierd unmäszig.
H. Sachs I, 84b.

in den wörterbüchern nicht mehr aufgeführt.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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