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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fraschmund bis fraszgeselle (Bd. 4, Sp. 63 bis 66)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fraschmund, s. frastmund in frast.

[Bd. 4, Sp. 64]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) frase, fräse, f. palea, stramentum minutim concisum, spreu, heckerling, ein seltnes, unerklärtes wort:

nu kümpt er und wil mir geben die spreuen
und meint, ich sol sein vrasen keuen. fastn. 771, 9;

du solt ihn auf ein sack legen und thun im frisch sprewer von fräsen oder geschnittenen stro darein. Würtz practica 229.
 
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frast, ein dunkler ausdruck, der doch den folgenden compositis zum grunde liegen musz. das goth. frasts, pl. frasteis ist τέκνον, II Cor. 6, 13 svê frastim qiþa, ὡς τέκνοις λέγω, es scheint darin die vorstellung von suboles, anwuchs und kraft enthalten, wie im lat. robur, starke jünglinge heiszen robora pubis, biblisch ausgedrückt, die kraft der lenden ihres vaters (1 Mos. 35, 11. 46, 26. 2 Mos. 1, 5). wenn also frast stärke und adel, mut und kühnheit ist, so versteht sich wie 'mit fraste' fundgr. 1, 137 fortiter, bei Helbl. 2, 515 rëhter frastmunt ein hase, rechter kühnheit ledig und Ottocar 828b durch die vrastmund, propter audaciam bedeutete. vrastmundi, vrastmuntlîchen freimütig, spec. eccl. 85. 87. in einer ahd. dichtung heiszt es

dâ rîchisôt diu minna
mit aller miltfrowida
und aller tugidône zala
mit stâten vrasmunde.
Haupt 3, 444 vgl. akad. ber. 1856, 571,

wo sich leicht stâter bessern läszt.

dâ von ër sanc niht vrastgemunde nâch dër mugende. Lohengr. 6860,

er sang nicht so kühn, nicht so stark als er vermocht hätte. wie die ahd. gl. frastmunti secretum bei Docen 1, 211b zu erklären ist, sehe ich noch nicht, das geheimnis müste hier etwas hehres, edles meinen. da sich nun goth. þius servus, eigentlich filius, þivi serva, virgo, ahd. dio, diu, diorna und dëgan sämtlich von þeihan, dîhan wachsen, gedeihen herleiten, gr. τέκνον zu τίκτειν gignere gehört, scheint auch für frasts filius, suboles, für frast genus, generositas eine wurzel zu suchen, welche im goth. fraþjan γιγνώσκειν gefunden wäre, die begriffe des erkennens und zeugens fallen zusammen (2, 866), frasts ist der genitus, st entspringt aus fraþjan frôþ wie hlast, last aus hlaþan hlôþ. das skr. suta filius, sutâ filia von su parere, gignere stimmt und erklärt auch unser sunus, lit. sunus, sl. syn'', wie gr. υἱός. schon Pott 1, 215 hielt frasts zu skr. prasûti progenies und niemand kann bezweifeln, dasz auch die alte partikel fra, skr. pra sich mit fraþi, νοῦς, νόημα, lit. protas nahe berührt. merkwürdig ist bei Kilian 148b fradde puer, puerulus.
nach allen diesen unabweisbaren auseinandersetzungen lassen sich nun die letzten, bereits entstellten überbleibsel des wortes frast im nhd. erörtern. der vocab. 1482 i 1b gewährt fraschmunder, redsamer oder redlicher facundus, fraschmundigkeit, redsamkeit, facunditas, facundia, was Henisch 1192, 24 wiederholt. Frisius 601a hat generose franschmütigklich, 1164b robur franschmütigkeit, Maaler 140c, Henisch 1192, 15 wiederholen. Oberlin 408 aus einer predigt franzmuetekeit. offenbar ist frastmund und frastmut herzustellen. die bedeutungen sind im einklang, denn facundus, disertus ergibt sich aus eximius, generosus, klug oder sinnig, vielleicht ist vrastgemunde im Lohengrin auch facunde zu fassen. später ist das wort völlig erloschen, auch in den mundarten. im österreichischen kloster Zwetl starb 1850 ein priester Joh. Frast (herausgeber des liber fundationum monasterii zwetlensis).
 
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frasz, comedit, praet. von fressen, goth. frat.
 
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frasz, m. in mehrfachem sinn,
1) die person, gulo, edo, ahd. mhd. frâʒ, pl. frâʒe und fræʒe, mnl. vraet. Kilian 148b. 767b, nnl. vraat:

ob ëʒ nû sô wære,
daʒ ich dër tôrheit wielte,
daʒ ich dich, frâʒ, behielte. Greg. 2618;

ëʒ ist ein wol gewanteʒ brôt,
daʒ dû, frâʒ, verswendest. 2637;

ist dîn hâr und dîn lîch
eime gemasten frâʒ gelîch. 2756;

disiu harmschar,
diu ist immer hie gar
huoræren und frâʒen
die dâ niht wellent lâʒen
si envallen in manic schulde. Tundalus 51, 18;

und tet dër vrowen danne,
ir mâgen und ir manne
alsô grôʒen antlâʒ,
dër gotes rîches wær ein vrâʒ,
ër müese in genüeget hân. Amis 1012;

dës æhtent si âne mâʒe
si swëlhen und si vrâʒe.
Strickers göuhüner 136;

[Bd. 4, Sp. 65]



swâ du dën êre gërnden weist
dëm veriʒʒest dû, vrâʒ, allermeist,
nû friʒ in dich dën tiuvel, dër dîn ruochet. MS. 2, 135b;

ër gint als ein mortgîtec vrâʒ. tr. kr. 8183;

dër ist unkiusche, dirre ein frâʒ. Renn. 5987;

schëment iuch, slünde und fræʒe. 9551;

swër vrô wil sîn und lang gesunt,
dër mîde iuch zwên, hër frâʒ und hër slunt. 10137;

jâ ist ëtelîcher ein frâʒ, dër vil arm ist, sô gewinnet ërʒ ê mit liegen und mit triegen. Berthold 431, 21; ër ist ein frâʒ oder ein slûch. 431, 30. 515, 32. nhd. ein frasz des fleisches und ein wintrinker. Keisersberg paternost. J 17; isz wie ein mensch, was dir furgesetzt ist, und frisz nicht zu ser, auf das man dir nicht gram werde, umb der zucht willen höre du am ersten auf und sei nicht ein unsettiger frasz. Sir. 31, 20; aber ein unsettiger frasz schleft unrugig. 31, 24; denn vil fressen macht krank und ein unsettiger frasz kriegt das grimmen. 37, 33; der reiche karige frasz, der in wollust lebet, ist Laban. tischr. 384a; ward ein esel vor dem lewen verklagt, das er vier peterleinbletter on salz het gessen, da straft der lew den esel an dem leben, das er also ein frasz was gewesen. sch. und ernst 1550 cap. 303;

und sprachen ihm wer recht geschehn,
er sei ein frasz, drumb er davon
hab uberkommen solchen lon.
Alberus 97;

ein unersettlicher frasz und verschlinder der witwenhäuser. Kirchhof wendunm. 358a; ein frasz der aufschlapt wie die sew. 206a; so ein geiziger ungehobelter frasz und püffel. 214a; der meerschmid (sonst sonnenfisch, Zeus faber) ist ein groszer frasz. Forer 32b;

er euch vor unbenanntem frasz
mit seiner hand beschirmet,
sonst würdet ihr auf grüner strasz
wol blütig oft gefirmet.
Spee trutzn. 177 (194),

das ungeheuer (ein wolf oder anderes raubthier) soll nicht genannt werden. heute ist diese noch bei Stieler, Rädlein, Frisch verzeichnete, persönliche verwendung veraltet und dauert nur in bienenfrasz (bienenfresser, bienenwolf), schleckfrasz und vielfrasz.
2) frasz, pabulum, pastus, fressen. mhd.

dâ was sô manec ritter guot
daʒ ich iu zeiner mâʒe (nur wenig)
wil sagen von ir frâʒe,
wan si ahten mêre
ûf ander êre
danne daʒ si fræʒen vil. Er. 2130;

deheines frâʒes ër sich vleiʒ,
ab einem huone ër gebeiʒ
drî stunt, dës dûhte in genuoc. 8647;

dër trache gieng ëʒ aber an
mit frâʒe (M. phnâste) und mit fiure. Trist. 226, 31;

ër was gërne in frâʒe. Herb. 3104;

swër in dër jugent wirt ein slûch
und mit frâʒe an sîn alter kumt,
wirt im dâ von ein grôʒer bûch,
wie lützel daʒ dër sêle frumt.
Haupt 6, 496.

nhd. ir heuchler, die ir die becher und schüssel auswendig reinlich haltet, inwendig aber ists vol raubes und fraszes (ahd. fol nôtnumpftî inti unsûbarnesses). Matth. 23, 25; dis werk der keuschheit sol es bestehen, so treibt es zu vilen andern guten werken, zum fasten und meszigkeit wider den frasz und trunkenheit. Luther 1, 253a; wer von dem frasz wolt schreiben, möcht wol ein eigen buch darvon machen. sch. u. ernst 1522, 251. 1555, 285; mehr ertrinken im weinglas dann im meer und der frasz bringt mehr um dann das schwert. Frank spr. 1, 153a;

er fand in ligen bei dem asz,
da faulenzen vor vollem frasz.
Waldis 1. 35, 6;

mehr beiszen durch den frasz,
mehr durch die trunkenheit, als durch das schwert ins gras.
Günther 1087;

und rohe kastanien
ein herlicher frasz.
Göthe 13, 92;

selig wer den frasz verschlingt. 14, 96;

schüttete steineichfrucht, eichmast und rothe kornellen
ihnen zum frasz. Od. 10, 243,

Uschner: den jammernden warf nun
steineichfrüchte, kornellen und eicheln die göttin zum mahl vor;
die dort Scylla zum frasz sich entraft. 12, 310,

vorher stand: verschlungen;
ausgesetzt als frasz den thieren.
Platen 297;

sein gefühl in wein und frasz betäuben. Klinger 2, 413. man sagt: einen frasz halten; es war ein leckerer frasz; die thiere gehn auf den frasz aus, gehn zum frasz, zum futter. der

[Bd. 4, Sp. 66]


student nennt seinen tisch seinen frasz, wie einen freitisch krippe. frasz der motten, tinearum epulae.
3) frasz, das gefräsz, von fressen, wie schlund von schlingen:

der kranch liesz sich bereden das,
sein schnabel stiesz er im inn (in den) frasz
und zohe im bald heraus das bein.
Waldis 1. 6, 20.


 
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fräsz, n. pabulum, esca, gefräsz: vogelfräsz, esca confusi seminis, aviaria farrago. Stieler 899.
 
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fraszbegier, f. voracitas, üblicher freszbegier, freszgier:

und lechzt von fraszbegier.
Heine.


 
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fräsze, f. vultus, gesicht, besonders maul, bair. fotze, gewöhnlich fresse: zuweilen schlug sie ihm auch eine hand voll heiszes kraut in die fräsze, dasz ihm dasselbe an der nase hängen blieb. Jucundiss. 122.
 
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fräsze, edax, vgl. DWB äsze:

wâ von die jungen rebelîn
vræʒe wërden und heiser sîn
und got besunder ruofen an
in ir hunger. Renn. 19580.


 
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fraszfest, n. epulae:

wenn man des teufels braut, der rohen, tollen welt,
die trunken von dem glück, anitzt ihr fraszfest hält,
das ärgste wird zuletzt mit gall und pech vorsetzen.
Gryphius 2, 397.


 
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fraszgeselle, m. conviva:

ich bedarf deiner fraszgesellen nicht.
Ayrer 390a.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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