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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
franzosig bis frasz (Bd. 4, Sp. 63 bis 64)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) franzosig, französig, dasselbe: sunder auch die armen franzosigen in s. Marx spittal. Frank chronica 245b; in summa, er sagt gar ab disen stinkböcken, siechtegigen, schmutzenschmeckeren, hindenleckeren, hosenschmieren, strümpffüteren, wadenstecken, parpelschwitzern, bockenholzsaufern, neunmal französigen rittern, eselsmeszigen dorffarren und andern verminnten ochsen, die in alle krebslöcher ihre nasen stecken wöllen und das poenitere theur kaufen. Garg. 61a.
 
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französin, f. femina gallica.
 
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französisch , gallicus, eine ungeschickte wortbildung. da, wie wir sahen, in franzos schon frankisch steckt, so durfte sich dies isch nicht wiederholen, französisch klingt wie ein françoisois, it. francesesco, francesese oder wie uns fränkischisch, deutschisch klingen müste. man fühlte in franzos die beschaffenheit der ableitung nicht mehr und nahm sie als wesentlich in das wort auf. von uns aber ist dieselbe unform übergegangen ins poln. francuzki, böhm. francausky, russ. franzizskij, lit. prancusiskas, während im engl. french, nnl. fransch, schw. dän. fransk alles richtig ausgedrückt wird. wie übellautend ist neben langue française unser vollgepfropftes französische sprache! und so verunstaltet erscheint das alte frankisc. wer für englisch litte englösisch? das aus Englosen für Anglois (oft im Karlmeinet) gerade so folgen würde.
1) französische sitte, tracht, lebensart, französische handschuh, kämme, messer und dergl., wofür heute lieber Pariser gesagt wird; sich französisch kleiden, tragen; französischer brauch, anstand, dünkel; französisches wesen, der französische krieg. Destouches, der in England persönlichen umgang mit Addison gehabt hatte, zog das lustspiel desselben über einen noch französischern leisten. Lessing 7, 78.
2) unter französisch versteht man die französische sprache, wie unter deutsch die deutsche (ahd. frenkiscâ, diutiscâ f.): ich will französisch lernen; du kannst es auf französisch sagen; mhd.

en franzois ër in gruoʒte sân. Parz. 76, 10;

nhd. französisch steht dir an
als wie das teutsche mir, dem ich die erste bahn
zur poesie gezeigt, so nicht bald ein wird gehn.
Opitz 2, 19;

da Bartas unklar ist, da Marot nicht versteht,
was recht französisch sei. 2, 29;

ich hab sonst viel französisch gekonnt,
als ich noch war in den fernen,
kann nicht mehr viel seit einem mond
und will es ganz verlernen.
Fr. Raimar 63.


3) morbo gallico correptus: und derselbig mensch war französisch. Paracelsus chir. schr. 146;

Ubo wil, dasz er verscheide
auf gut deutsch auf grüner heide,
doch es ist nun ziemlich lang,
dasz er ist französisch krank.
Logau 1, 116, 92.

vgl. frankreichisch, franzisch, französch, frensch.
 
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franzperle, f. französische, unechte perle.
 
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franzscharlach, m. französischer, mit kermes gefärbter.
 
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franzthum, n. gallica auctoritas:

franzthum drängt in diesen verworrenen tagen, wie ehmals
Lutherthum es gethan, ruhige bildung zurück.
Göthe 1, 402.


 
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franzwein, n. gallicum vinum.
 
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fraschmund, s. frastmund in frast.

[Bd. 4, Sp. 64]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) frase, fräse, f. palea, stramentum minutim concisum, spreu, heckerling, ein seltnes, unerklärtes wort:

nu kümpt er und wil mir geben die spreuen
und meint, ich sol sein vrasen keuen. fastn. 771, 9;

du solt ihn auf ein sack legen und thun im frisch sprewer von fräsen oder geschnittenen stro darein. Würtz practica 229.
 
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frast, ein dunkler ausdruck, der doch den folgenden compositis zum grunde liegen musz. das goth. frasts, pl. frasteis ist τέκνον, II Cor. 6, 13 svê frastim qiþa, ὡς τέκνοις λέγω, es scheint darin die vorstellung von suboles, anwuchs und kraft enthalten, wie im lat. robur, starke jünglinge heiszen robora pubis, biblisch ausgedrückt, die kraft der lenden ihres vaters (1 Mos. 35, 11. 46, 26. 2 Mos. 1, 5). wenn also frast stärke und adel, mut und kühnheit ist, so versteht sich wie 'mit fraste' fundgr. 1, 137 fortiter, bei Helbl. 2, 515 rëhter frastmunt ein hase, rechter kühnheit ledig und Ottocar 828b durch die vrastmund, propter audaciam bedeutete. vrastmundi, vrastmuntlîchen freimütig, spec. eccl. 85. 87. in einer ahd. dichtung heiszt es

dâ rîchisôt diu minna
mit aller miltfrowida
und aller tugidône zala
mit stâten vrasmunde.
Haupt 3, 444 vgl. akad. ber. 1856, 571,

wo sich leicht stâter bessern läszt.

dâ von ër sanc niht vrastgemunde nâch dër mugende. Lohengr. 6860,

er sang nicht so kühn, nicht so stark als er vermocht hätte. wie die ahd. gl. frastmunti secretum bei Docen 1, 211b zu erklären ist, sehe ich noch nicht, das geheimnis müste hier etwas hehres, edles meinen. da sich nun goth. þius servus, eigentlich filius, þivi serva, virgo, ahd. dio, diu, diorna und dëgan sämtlich von þeihan, dîhan wachsen, gedeihen herleiten, gr. τέκνον zu τίκτειν gignere gehört, scheint auch für frasts filius, suboles, für frast genus, generositas eine wurzel zu suchen, welche im goth. fraþjan γιγνώσκειν gefunden wäre, die begriffe des erkennens und zeugens fallen zusammen (2, 866), frasts ist der genitus, st entspringt aus fraþjan frôþ wie hlast, last aus hlaþan hlôþ. das skr. suta filius, sutâ filia von su parere, gignere stimmt und erklärt auch unser sunus, lit. sunus, sl. syn'', wie gr. υἱός. schon Pott 1, 215 hielt frasts zu skr. prasûti progenies und niemand kann bezweifeln, dasz auch die alte partikel fra, skr. pra sich mit fraþi, νοῦς, νόημα, lit. protas nahe berührt. merkwürdig ist bei Kilian 148b fradde puer, puerulus.
nach allen diesen unabweisbaren auseinandersetzungen lassen sich nun die letzten, bereits entstellten überbleibsel des wortes frast im nhd. erörtern. der vocab. 1482 i 1b gewährt fraschmunder, redsamer oder redlicher facundus, fraschmundigkeit, redsamkeit, facunditas, facundia, was Henisch 1192, 24 wiederholt. Frisius 601a hat generose franschmütigklich, 1164b robur franschmütigkeit, Maaler 140c, Henisch 1192, 15 wiederholen. Oberlin 408 aus einer predigt franzmuetekeit. offenbar ist frastmund und frastmut herzustellen. die bedeutungen sind im einklang, denn facundus, disertus ergibt sich aus eximius, generosus, klug oder sinnig, vielleicht ist vrastgemunde im Lohengrin auch facunde zu fassen. später ist das wort völlig erloschen, auch in den mundarten. im österreichischen kloster Zwetl starb 1850 ein priester Joh. Frast (herausgeber des liber fundationum monasterii zwetlensis).
 
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frasz, comedit, praet. von fressen, goth. frat.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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