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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
franzmadam bis franzosenwurm (Bd. 4, Sp. 61 bis 63)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) franzmadam, f. pyrum madonna.
 
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franzmann, m. Francogallus, engl. Frenchman, nnl. schw. Fransman, dän. Franskmand:

ein windei legt die henne, die keinen han nicht hat,
schlecht ding ists, was ein Deutscher und nicht ein Franzman that.
Logau 3, 261, 256;

nun, seit ich die falschheit merke,
ist ihr worden vorgebeugt,
dasz kein Franzmann mich betreugt.
Leucoleon 150;

ein Spanier vergiszt den rang
unedlen schönen liebzukosen,
ein junger Franzmann den gesang,
den wahn, das selbstlob der Franzosen.
Hagedorn 3, 40;

der Britte, der die fremden schätzt,
will einen jeden sich verbinden,
der stille Franzmann übersetzt,
wir muntern Deutschen wir erfinden. 3, 106;

der Deutsche steckt in steter press,
er musz die silben ängstlich wägen,
der leichte Franzmann hüpft dagegen
und lachet unsers tonmaszés.
Drollinger 96;

es trillert und singt
der Franzmann zum dudelsack.
F. L. Stolberg 1, 298;

sonst, Franzmann, hast du ganz allein
gespielt die teufelsrollen,
aus ists mit deinen teufelein,
du must aus Deutschland trollen.
Freimund Raimar 60;

aber der Franzmann versteht mich schon,
wenn ich auf deutsch was heische. 63.


 
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franzmännisch, gallice:

er kommt nicht her aus Ungern noch aus Polen,
noch wo man franzmännsch spricht,
da mag sanct Velt, der ritter, wein sich holen,
wir holen ihn da nicht.
Claudius.


 
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franzobst, n. obst von zwergbäumen, s. DWB franzapfel, DWB franzbirne.
 
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franzos, franzose, m. Francogallus. viele fr. ois entsprechen unserm isch, harnois ist harnisch, selbst poisson piscis, fisch; aus Teudiscus, Diotisc ward Tyois (mit syncope des linguallauts, wie in Tiusch), aus Franciscus François. im it. schwanken esco und ese: pesce, pescione, Tedesco, aber arnese, Francese neben Francesco. demnach ist Francois, allmälich François der fränkische, wie Tyois der deutsche, deusche, Danois der dänische, dansk, Suedois der schwedische, svensk. Francisci für Galli findet sich frühe bei lat. schriftstellern des mittelalters (Ducange 3, 395c), François schon in den ältesten romanischen denkmälern. unsre mhd. dichter behielten Franzois, franzois für das subst. wie adj. bei, ohne es in Frenkisch, frenkisch zu wandeln und so verblieb auch nhd., mit o für oi, Franzos und führte sich weiter ins poln. Francuz, böhm. Francauz, lit. Francúsas, ungr. Frantzuz. nnl. haftete das bessere Fransch, schw. dän. Fransk, wenn schon früher uns die Schweden Fransos, Dänen Frantsos nachbildeten. finnisch, mit üblichem wegfall des f Ranskan und Ranskalainen, lettisch mit vordringendem ś S'pranzis S'pranzusis. der nhd. nom. sg. Franzos wäre untadelhaft, nach und nach hat sich die schwache form Franzose mit dem gen. und pl. Franzosen festgesetzt. Franzosen kann man schon bei Königshofen s. 147 lesen, s. 268 stellt er selbst Franken und Franzosen nebeneinander, bei schriftstellern des 16 jh. z. b. Aventin ist der ausdruck ganz entschieden; da wir der Franzosen ungestümmem ansetzen nicht mehr widerstunden. Simpl. K. 661;

besetzt mit vier fendlein Franzosen (: entschlossen).
H. Sachs I, 206c;

der Franzos kam mit einem heer. 206d;

erstachen der Franzosen zwölfhundert. daselbst;

noch mehr im 17. 18 jh.

ist jener rothwein ein Franzos?
Weckherlin 531;

und weiter nichts gelernt, als wie der Welsche singt,
und der Franzose tanzt.
Günther 1086;

dieser Franzose ist nichts als eitel. Lessing 1, 571. den heutigen dichtern wird das wort unbequem, sie wählen dafür Welsche,

[Bd. 4, Sp. 62]


Franken oder, wie wir sahen, Franze, Franzmann. Freimund Raimars (Rückerts) deutsche gedichte 1814 s. 18 weisen aber:

auch bei Leipzig an der Pleiszen
kann der Franzose geschlagen sein;
was haben euch denn die Franzosen
gethan in aller welt? s. 26.

in der prosa ist längst überall Franzose durchgedrungen.
unsere geschichtschreiber tragen kein bedenken, nach der scheidung des deutschen und fränkischen reichs im neunten jh. für den namen Franken den der Franzosen zu setzen, da doch jener in Frankreich dauert, niemand sagt dafür Franzosenreich, wenn auch der herscher kaiser der Franzosen heiszt. die älteren romanischen schriftsteller ziehen Galli oder Franci vor, auf romanisch selbst gilt François, it. Franceschi, heute Francesi. Kerlinge, das im mittelalter lange üblich blieb, kann sich nur auf die nachkommen Karls des groszen erstrecken. Franzosen sind nunmehr die von uns abgetrennten Franken.
 
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französch, gallicus, gekürztes französisch:

weg mit allen den romanen,
die ich so begierig las,
weg mit den französchen hanen,
die stets krehn, ich weisz nicht was.
Leukoleon 149;

mein herr, fällt mir der käfich ein,
so denk ich oft bei mir,
er dürfte noch zu brauchen sein,
und weisz der herr wofür?
für die französchen raubmarquis,
die man zur ferme kommen liesz.
Bürger 25b;

halb griechische, halb auch französche donne
ist Regula die wackerste ma bonne. 28b.

Stieler 562 u. ö. franzöisch, noch im Elsasz u. a. franzeesch.
 
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französeln, Gallos male imitari, nachäffen.
 
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franzosen, pl. morbus gallicus, lues venerea, lustseuche. schon die schrift des Alex. Seitz aus Marbach, Pforzheim 1509, führt den titel: ein nützlich regiment wider die bosen franzosen. Hutten im buch de morbi gallici curatione sagt cap. 1: annus fuit a Christo nato post millesimum et quadringentesimum nonagesimus tertius aut circa, cum irrepsit pestiferum malum, non in Gallia quidem, sed apud Neapolim primum. nomen vero inde sortitum est, quod in Gallorum exercitu, qui illic Caroli regis sui auspiciis belligerabat, apparuit prius quam alibi. qua occasione Galli ominosam ab se appellationem amolientes, non gallicum, sed morbum neapolitanum vocant et contumeliam agnoscunt cognominem sibi pestem fieri. pervicit tamen gentium consensus et nos hoc opusculo gallicum dicemus. in Murners verdeutschung: doch hat uberhant genumen die gemein nennung und ich wil sie in disem bch auch die franzosen nennen, vgl. Böckings Hutten 5, 400. behuet uns vor deinen groszen plagen, pestilenz, franzosen und anderen schweren krankheiten. ein kurz form der zehen gebot D. Martini Lutheri. D 6a; das die früchte nicht vergiftet werden und wir mit dem viehe dran essen und trinken die pestilenz, franzosen, fieber und andere krankheiten. Luther 1, 173b; was were es wunder, ob teglich pestilenz, krieg, thewre zeit, franzosen, der jeling tod ... uns plagete. 4, 279a; ja, sie sind glieder der kirchen, gleichwie speichel, rotz, eiter, schweisz, mist, harm, stank, grind, blattern, drüse, franzosen und alle seuche des leibs glieder sind. 5, 64b; er brauchet dazu allerlei plage, krieg, schwert, fewer, wasser, pestilenz, franzosen, tropf, rote rur etc. 5, 504b; regiment ... ist ein blatterichtes kind, das die bockeln und masern hat. darumb müssen drinnen etliche frome Joseph, Naeman, Nathan, Zadoch sein, die es bei dem leben und wesen erhalten, das (= dasz es) nicht gar zu grunde gehe. die andern sind blattern, schweren, franzosen, s. Valentin, Anton, die solchen leib ungesund machen, als Ziba, Ahitophel und ir gleichen. 6, 159b; dardurch euch etliche gute gesellen mit franzosen beleidiget und umb ire gesundheit bracht. Reuter kriegsordn. 70;

ewrer glider gilg und rosen
seind leichtlich fähig der franzosen.
Weckherlin 795;

ewre hosen
bekleiden euch und die franzosen. 810;

Lucretius ward toll auf seinen liebestrank,
Franciscus Molsa lag an den franzosen krank.
Opitz 2, 185;

die vornehmsten unter dem frauenzimmer pflegen fremde haare mit einzuflechten. 'die oft an dem galgen abgefaulet oder von den franzosen angefressen'. Gryphius 1, 805; nit anders meinte, als hätte ich die liebe franzosen, weil ich auch über dem ganzen leib so voller flecken war als ein

[Bd. 4, Sp. 63]


tiger. Simpl. K. 561; und heizte dermaszen ein, als wenn wir die franzosen hätten ausschwitzen sollen. 888. den pl. fasse man wie in blattern, masern, rötheln, variolae (gramm. 4, 286), er lautet auch schw. fransoser, böhm. francauze, france (s. vorhin franzen sp. 60). überall wird das übel selbst damit bezeichnet, und ein gen. pl. des volknamens kann nicht dabei angenommen werden. auffallend steht das wort bei Frank als f. sg.: es hilft nicht, das man auszen ein franzosen zheil, das sie an einem andern ort ausbreche. paradoxa 89a.
 
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franzosenblut, n. sanguis Francogallorum:

wenn ihr mit koth besudelt
heim kämt, so wär es gut,
aber ich kanns nicht sehen,
dasz ihr sollt vor mir stehen
roth vom Franzosenblut.
Fr. Raimar s. 26.


 
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franzosenholz, n. guaiacum, heiligholz, holy wood, bois saint, vgl. Hutten 5, 414 und Lonicerus kreuterbuch 79b.
 
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franzosenwurm, m. hautkrankheit der pferde. Pinder 413.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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