Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fantasterei bis fänzig (Bd. 3, Sp. 1320 bis 1321)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fantasterei, f. nugae.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fantästig, cerebrosus, kibig, einbildisch, zänkisch. Maaler 131b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fantästisch, delirus, ineptus: fantästische krüg, läden, büchsen und häfen, wie wir sie heut in den apotheken stehen sehen. Garg. 18a. jetzt, ohne umlaut, phantastisch:

auf ein phantastisch blatt.
Gellert 1, 224.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fäntchen, n. diminuiertes fant, nnl. ventje: diese rede wollte dem jungen fäntchen nicht zu sinne. Weise erzn. 6; das junge fäntchen fragte wieder. 149;

tausend junge fäntchen
leckten ihm das händchen.
Hölty;

das junge fentchen,
herr Amor auch
spielt, nach dem brauch
von Paphos, mit.
Kl. Schmidt poet. br. 23.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fantel, m. dasselbe. Schmeller 1, 545.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fanterteuschig, ein unverständliches wort bei H. Sachs I, 449c:

mit ir kleidung ist sie fürwitzig,
fantertewschig und sehr popitzig.

es scheint darin ertäuschig, commutans gelegen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fäntlein, n. was fäntchen. s. fänzlein.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fanz, fenz, fanze, fenze, m. nebulo, nequam, ein schwieriger ausdruck, von dem schon 1, 203 unter alefanz gehan delt ist und auf welchen die betrachtung nochmals unter firlefanz zurücklenken wird. lautverschoben stimmt das altn. fantr nebulo, fatuus, norw. fant erro, nequam (fremder, landstreicher, schelm), dän. fante, fjante, schw. fant und daneben fänta f. dirne, norw. fenta, fahrende dirne, nnl. vent, nd. vent, doch diese beiden mit dem milderen sinn von junger bursche, kerl, der gleichwol in einen verächtlichen übergeht. das nl. v weist auf ein heimisches wort, denn nie wird fent geschrieben. in form und bedeutung entsprechen ahd. elibenzo, elivenzo, alfanz. bemerkenswerth sind die beiden folgenden stellen für das einfache wort: als die geiselbrüder a. 1349 im Elsasz herum zogen, liefen die leute hinaus die 'schönen fanzen' zu sehen. Wurstisen Basler chronik zu 1349; Königshofen, als er von den geiseiern redet, bedient sich des ausdrucks nicht, offenbar werden die schönen fremdlinge bezeichnet, die das land durchzogen, die elibenzon fremidê. im Eulenspiegel von 1519 heiszt es cap. 42: eines andern tags da was ein schchmacher, der gieng vil lieber uf dem markte schleichen, wenn daʒ er arbeit, und hiesz Ulenspiegeln z schneiden. Ulenspiegel fragte, waʒ 'fanzen' er haben wolt? der schchmacher sagt, schneid z grosz und klein, wie der schweinhirt usz dem dorf treibt. Ulenspiegel sagt, ja meister gern. der schhmacher gieng usz und Ulenspiegel schneid z und machte von dem leder schwein, ochsen, kelber, schaf, böck und allerlei vihes. man möchte wissen, wie die nächsten ausgaben lesen, die neuen setzen: er fragte den meister, was form er haben wolte. eine nl. von 1575: meester, wat fatsoen sal ik snijden? die späteren: meester wat fatzoen zal ik dan sneiden? form und façon treffen die meinung ganz gut, doch das ursprüngliche fanzen entspringt nicht aus fantasien (fancies), es will sagen 'kerle, burschen' oder etwa 'fratzen'. Waldis 3, 41 läszt den schwanzlosen fuchs zu den andern füchsen sagen:

ir wiszt wie uns die langen schwenzen (l. schwenze)
nachzoten wie die gippen fenzen (l. fenze),
werden uns oft vom regen schwer,
ziehen wie nassen fliegen her.

zu gippen halte man gippen gappen (Neidh. xlv, 27), gippenfanz ist dunkel, es könnte schleppträger, gestator syrmatis sein, oder auch eine sächliche vorstellung enthalten, in welche wir alefanz häufig übergehen sahen. Klopstock in der gelehrtenrep. 12, 95 äuszert sich von den modewörtern: da werden sie dann in den büchern allerwärts hingestellt des endes, dasz sie darthun sollen allerhand theoreien, die, weil sie fanzen und fratzen sind, nichts kann darthun, am mindesten aber wörtlein. wie fratz oder fratze auf etwas persönliches zurückgeht, könnte es auch fanz, oder lag ihm jenes engl. fancy im sinn? dasz fanz ein altdeutsches wort ist und nicht aus it. fante entspringen

[Bd. 3, Sp. 1321]


kann, obwol dieses in fanciullo zischend wird, leuchtet ein. wäre fant schon ahd. mhd., so liesze sich allerdings eine fortschiebung in fanz, wie bei falten in falzen annehmen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fänzelein, n. diminution von fanz, mhd. fänzelîn schon 1, 204 belegt. freilich rührt die bedeutung von fäntchen nahe an, und das nnl. ventje entspräche einem nhd. fänzchen genauer als dem fäntchen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fanzeln, nugari. Reinwald henneb. id. 1, 30.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fänzig, fenzig, puerilis, juvenilis. desgl. adv. juveniliter, eleganter:

doch zeucht sich ewer man ietz glenzig
in seiner kleidung, hurtig und fenzig,
mehr dann in seinen jungen tagen.
H. Sachs I, 451b.

Schm. 1, 545 hat ein bair. fanzi, gfanzi, pfanzi = fenzig, galant, artig, munter und führt ein schwäb. unfanzig, ungezogen an. vgl. DWB alfanzig 1, 205.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 1 bis 1 von 1
1) erwandern
 ... erwandern , invenire, experiri, wie erfahren sp. 789. 790: