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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fantasieren bis fänzelein (Bd. 3, Sp. 1319 bis 1321)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fantasieren, phantasiae vi abripi, delirare, schwärmen: also fantasiren dise auch narrenwerk. Keisersb. narrensch. 101a; das hirn, in dem ein mensch hat die kraft, das er mag betrachten, ratschlagen, fantisiren und desgleichen. pred. 110a;

und ward sere davon fantasiern,
damit da schwecht ich mein hiern. fastn. 1010, 24;

fah mucken oder fantasier.
Scheid grobianus B 4;

sag, wenn du in der spiler zunft
sitzt, fantasirst und abenteurst,
wie oft du selbst dein sinn verleurst.
H. Sachs I, 228d;

nur eine angst vergällt den ruhm,
den ich mir phantasiere (einbilde, erträume),
dasz einst nicht wie Horatium,
mich Hans und Kunz vertiere.
Bürger 40b.

auf dem clavier, der geige phantasieren, träumen.
 
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fantast, m. fanaticus, schwärmer, narr:

sol ich das nit mit slegen rechen,
so pin ich wol ein groszer fantast. fastn. 165, 19;

den kunstner heiszt ein fantasten die welt,
und den kunstlosen ein puffel. meisterl. fol. 23 no 245;

fantast, si est suppositum (subditus, scholaris), vel Fritz Hanenfeder, si est laicus vel eques. Hartlieb de fide meretr. 82, 6 (inter attributa quae meretrices dant suis amatoribus); usz sinem kappenzipfel mach ein brust, und überred den tollen fantasten, er hab in uf der kirchwihen vergessen. Olearius de fide concub. 99, 9; der da anders sagen und leren wolt, der wurd geschätzt für einen posteuzler (1, 535) und fantasten und wurd verspott als ein unweiser, rasender und tauber mensch. Keisersb. pred. 144a; Domicianus der keiser der was allwegen in dem tag ein stund oder zwo allein, uf das man meinen solt er übete weisheiten, und die selb weil thet er nüt anders dan mit einem griffel mucken z tod stechen. da kam einer in palast, der wer gern z im gewesen und fragt ob der keiser allein wer? er (der gefragte) antwurt, ich mein, es solt dalme kein muck me bei im sein, denn er wist wol, das der keiser ein fantast was. brösamlein 55a;

der Murner sprach, schwig du fantast,
woltst du mich erst vexieren fast,
so wurdst den geist gar bald vertriben.
Gengenbach 280, 913;

disz hat der hochglert getreu man
Martin Luther gesehen an,
und ist näher gegangen hin z,
dann kein toller fantast mög th.
Schade sat. u. pasq. 1, 23;

du fantast, was darfst du mich fretten?
H. Sachs I, 225a;

wie möcht sein basz eim gauch,
so man im erlaubet auch,
das er uns z fantasten tar machen,
des wirt ieder hinderm win wol lachen.
Soltau 254;

der fantast sorget alle zeit, seine frau wurde ihm lebendig gefressen. Wickram rollw. 90a; der (wein) wird ein kranken mutiger und getröster machen, als ein langweiliger langschaubiger stirnrunzelter fantast. Garg. 13; ward mit gewalt zu eim stockfisch, blateisel, tölpel, fantasten und sonst nichts fast. 143b; was underscheids sei zwischen eweren matheologischen kunsthümplern, weisheitverkaufern und fantasten aus der alten welt und den jungen leuten dises unseren

[Bd. 3, Sp. 1320]


newen wesens. 144a; darüber habe ich mich schier zum narren und fantasten gedacht. Heinr. Jul. von Braunschw. s. 174; einem jeden fantasten reucht sein dreck besser dan eine pomeranze. Melander jocoseria 2 no 355; aus euern reden haben wir vernommen, dasz man die fantasten weder mit ellen ausmessen noch mit pfunden abwägen könne. Weise kl. leute 60; bei den fantasten kan ich nichts erfahren. comöd. pr. 62. späterhin seltner gebraucht, aber auch nl. dän. phantast, schw. fantast.
 
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fantasterei, f. nugae.
 
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fantästig, cerebrosus, kibig, einbildisch, zänkisch. Maaler 131b.
 
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fantästisch, delirus, ineptus: fantästische krüg, läden, büchsen und häfen, wie wir sie heut in den apotheken stehen sehen. Garg. 18a. jetzt, ohne umlaut, phantastisch:

auf ein phantastisch blatt.
Gellert 1, 224.


 
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fäntchen, n. diminuiertes fant, nnl. ventje: diese rede wollte dem jungen fäntchen nicht zu sinne. Weise erzn. 6; das junge fäntchen fragte wieder. 149;

tausend junge fäntchen
leckten ihm das händchen.
Hölty;

das junge fentchen,
herr Amor auch
spielt, nach dem brauch
von Paphos, mit.
Kl. Schmidt poet. br. 23.


 
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fantel, m. dasselbe. Schmeller 1, 545.
 
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fanterteuschig, ein unverständliches wort bei H. Sachs I, 449c:

mit ir kleidung ist sie fürwitzig,
fantertewschig und sehr popitzig.

es scheint darin ertäuschig, commutans gelegen.
 
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fäntlein, n. was fäntchen. s. fänzlein.
 
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fanz, fenz, fanze, fenze, m. nebulo, nequam, ein schwieriger ausdruck, von dem schon 1, 203 unter alefanz gehan delt ist und auf welchen die betrachtung nochmals unter firlefanz zurücklenken wird. lautverschoben stimmt das altn. fantr nebulo, fatuus, norw. fant erro, nequam (fremder, landstreicher, schelm), dän. fante, fjante, schw. fant und daneben fänta f. dirne, norw. fenta, fahrende dirne, nnl. vent, nd. vent, doch diese beiden mit dem milderen sinn von junger bursche, kerl, der gleichwol in einen verächtlichen übergeht. das nl. v weist auf ein heimisches wort, denn nie wird fent geschrieben. in form und bedeutung entsprechen ahd. elibenzo, elivenzo, alfanz. bemerkenswerth sind die beiden folgenden stellen für das einfache wort: als die geiselbrüder a. 1349 im Elsasz herum zogen, liefen die leute hinaus die 'schönen fanzen' zu sehen. Wurstisen Basler chronik zu 1349; Königshofen, als er von den geiseiern redet, bedient sich des ausdrucks nicht, offenbar werden die schönen fremdlinge bezeichnet, die das land durchzogen, die elibenzon fremidê. im Eulenspiegel von 1519 heiszt es cap. 42: eines andern tags da was ein schchmacher, der gieng vil lieber uf dem markte schleichen, wenn daʒ er arbeit, und hiesz Ulenspiegeln z schneiden. Ulenspiegel fragte, waʒ 'fanzen' er haben wolt? der schchmacher sagt, schneid z grosz und klein, wie der schweinhirt usz dem dorf treibt. Ulenspiegel sagt, ja meister gern. der schhmacher gieng usz und Ulenspiegel schneid z und machte von dem leder schwein, ochsen, kelber, schaf, böck und allerlei vihes. man möchte wissen, wie die nächsten ausgaben lesen, die neuen setzen: er fragte den meister, was form er haben wolte. eine nl. von 1575: meester, wat fatsoen sal ik snijden? die späteren: meester wat fatzoen zal ik dan sneiden? form und façon treffen die meinung ganz gut, doch das ursprüngliche fanzen entspringt nicht aus fantasien (fancies), es will sagen 'kerle, burschen' oder etwa 'fratzen'. Waldis 3, 41 läszt den schwanzlosen fuchs zu den andern füchsen sagen:

ir wiszt wie uns die langen schwenzen (l. schwenze)
nachzoten wie die gippen fenzen (l. fenze),
werden uns oft vom regen schwer,
ziehen wie nassen fliegen her.

zu gippen halte man gippen gappen (Neidh. xlv, 27), gippenfanz ist dunkel, es könnte schleppträger, gestator syrmatis sein, oder auch eine sächliche vorstellung enthalten, in welche wir alefanz häufig übergehen sahen. Klopstock in der gelehrtenrep. 12, 95 äuszert sich von den modewörtern: da werden sie dann in den büchern allerwärts hingestellt des endes, dasz sie darthun sollen allerhand theoreien, die, weil sie fanzen und fratzen sind, nichts kann darthun, am mindesten aber wörtlein. wie fratz oder fratze auf etwas persönliches zurückgeht, könnte es auch fanz, oder lag ihm jenes engl. fancy im sinn? dasz fanz ein altdeutsches wort ist und nicht aus it. fante entspringen

[Bd. 3, Sp. 1321]


kann, obwol dieses in fanciullo zischend wird, leuchtet ein. wäre fant schon ahd. mhd., so liesze sich allerdings eine fortschiebung in fanz, wie bei falten in falzen annehmen.
 
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fänzelein, n. diminution von fanz, mhd. fänzelîn schon 1, 204 belegt. freilich rührt die bedeutung von fäntchen nahe an, und das nnl. ventje entspräche einem nhd. fänzchen genauer als dem fäntchen.

 

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