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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fant bis fanterteuschig (Bd. 3, Sp. 1318 bis 1320)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fant, m. famulus, servus, bursche, bube, kerl, it. fante, zuerst bei Henisch 1001 fante pedisequus, fante, fente juvenis Stieler 460, bair. fant Schm. 1, 545, knabe, bub, gern mit dem nebensinn eines leichtfertigen menschen, schalks und gecken, ein leichter fant:

mein bruder Gerard, der die reise mit uns machte,
so fuhr er fort, ein muntrer fant,
mit seinem falken auf der hand. Oberon 1, 32, nach der ersten ausg.,

was aber in der folge geändert wurde;

ihm zur seite sasz ein fremder junger fant.
Wieland 22, 169;

und als er kam zur felsenwand
da sprach der ries mit lachen,
was will doch dieser kleine fant
auf solchem rosse machen?
Uhlands ged. 396.

da nun das it. fante, fr. fantassin zugleich pedes, fuszgänger, fanteria copiae pedestres, fuszvolk ausdrückt, wofür sonst infante, infanteria gelten, so scheint die herleitung von infans gerecht. hier aber kommt in betracht, dasz schon ags. ein fêða, ahd. fendeo, fendo, fuoʒfendo pedes, phalanx, mhd. vende vorhanden waren und letzteres lange zeit für den bauer im schachspiel fortbestand, welcher it. pedona, fr. pion, so wie der fuszgänger it. pedone und auch fante, fr. piéton heiszt:

dô gab ër beidiu roch umb einen venden. MSF. 27, 26;

die gelîche ich zuo dem venden. Wartb. kr. Simr. 155;

ich hân den künic alleine noch
und wëder ritter noch daʒ roch,
mich stiuret niht sîn alte noch sîn vende. MS. 2, 146b;

si wolden mir den venden
vor ziehen mit listen. GA. 2, 442.

von diesem vende wusten nichts die später nochmals fante unverändert in unsere sprache aufnahmen. das fuszvolk im heer hätte deutscher als infanterie geheiszen 'der fende'. auf das altn. fantr, nnl. vent werde ich unter fanz zu sprechen kommen.
 
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fantasei, f. phantasia, it. fantasía, fr. fantaisie, engl. fantasy, fancy, einbildung, gebildet wie abtei, vogtei, fabelei, arzenei, klerisei, sakristei, polizei und viele andere, ein mhd. fantasîe voraussetzend:

nun müesze sein der teufel pflegen,
der uns aber wil hie betriegen
mit seiner fantasei und liegen. Laurin 1258 Schade;

wa kummen ir mit der fantasy (d. i. -î, ei) her, was wolten ir mit ze schaffen hon? es ist ein fantasy. Keisersb. omeis 20a.b; wir sollen nit eigne fantaseien erdenken. Melanchthon anrichtung der lat. schul. Bonn 1543 c 2b; welcher (Julianus apostata) auch das evangelium angenummen hatte und darnach, als er merkt das (dasz es) ein verachte, lose und schendliche fantasei wer, widderumb davon abzufallen sich nit schemet. Alberus wider Witzeln H 8b;

darumb so thut ihr stille ston
und treibent nicht vil fantasei.
damit man möge hören frei.
Mart. Montanus Titus und Gisippus a 4;

fantasei oder gesicht, so einem fürkompt, figmentum. Maaler 131b; ich hab es nach meiner fantasei ausgelegt, exposui arbitratu meo. das.; nach seiner fantasei und gefallen läben.

[Bd. 3, Sp. 1319]


das.; nicht nach gab und gift oder feindschaft, hasz oder neid, auch nicht nach freundschaft, liebe und fantasei. Reuter kriegsordn. 52;

man meide solche fantasei und reisz sich nicht mit diesen possen. Simpl. 409;

nach seiner fantasei leben, uti animo suo. Stieler 444. die neueren dichter setzen es noch dem reim zu gefallen:

allein der schönste fusz liesz meine fantasei
in stolzer ruh, und wärs Genevrens fusz gewesen,
es war ein fusz, mehr dacht ich nicht dabei. Oberon 4, 2;

dasz es wahr sei, was den pilger freute,
dasz noch jenseits ein gedanke sei,
dasz die tugend übers grab geleite,
dasz es mehr denn eitle fantasei?
Schiller 6b;

auszerdem klänge es feierlich und veraltet.
 
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fantasie, f. doch wieder phantasie geschrieben, die heute, wenigstens in prosa, herschende form: fantasie an Laura. Schiller 2a;

kühne seglerin, fantasie,
wirf ein muthloses anker hie! 6a;

wenn phantasie sich sonst, mit kühnem flug,
und hofnungsvoll zum ewigen erweitert.
Göthe 12, 40;

mögen bunte phantasien
für des tages mode blühen. 12, 274;

unter wonnemelodien
ist der junge lenz erwacht,
seht, wie froh den phantasien
neuer lust sein auge wacht.
Bürger 1a.


 
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fantasieren, phantasiae vi abripi, delirare, schwärmen: also fantasiren dise auch narrenwerk. Keisersb. narrensch. 101a; das hirn, in dem ein mensch hat die kraft, das er mag betrachten, ratschlagen, fantisiren und desgleichen. pred. 110a;

und ward sere davon fantasiern,
damit da schwecht ich mein hiern. fastn. 1010, 24;

fah mucken oder fantasier.
Scheid grobianus B 4;

sag, wenn du in der spiler zunft
sitzt, fantasirst und abenteurst,
wie oft du selbst dein sinn verleurst.
H. Sachs I, 228d;

nur eine angst vergällt den ruhm,
den ich mir phantasiere (einbilde, erträume),
dasz einst nicht wie Horatium,
mich Hans und Kunz vertiere.
Bürger 40b.

auf dem clavier, der geige phantasieren, träumen.
 
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fantast, m. fanaticus, schwärmer, narr:

sol ich das nit mit slegen rechen,
so pin ich wol ein groszer fantast. fastn. 165, 19;

den kunstner heiszt ein fantasten die welt,
und den kunstlosen ein puffel. meisterl. fol. 23 no 245;

fantast, si est suppositum (subditus, scholaris), vel Fritz Hanenfeder, si est laicus vel eques. Hartlieb de fide meretr. 82, 6 (inter attributa quae meretrices dant suis amatoribus); usz sinem kappenzipfel mach ein brust, und überred den tollen fantasten, er hab in uf der kirchwihen vergessen. Olearius de fide concub. 99, 9; der da anders sagen und leren wolt, der wurd geschätzt für einen posteuzler (1, 535) und fantasten und wurd verspott als ein unweiser, rasender und tauber mensch. Keisersb. pred. 144a; Domicianus der keiser der was allwegen in dem tag ein stund oder zwo allein, uf das man meinen solt er übete weisheiten, und die selb weil thet er nüt anders dan mit einem griffel mucken z tod stechen. da kam einer in palast, der wer gern z im gewesen und fragt ob der keiser allein wer? er (der gefragte) antwurt, ich mein, es solt dalme kein muck me bei im sein, denn er wist wol, das der keiser ein fantast was. brösamlein 55a;

der Murner sprach, schwig du fantast,
woltst du mich erst vexieren fast,
so wurdst den geist gar bald vertriben.
Gengenbach 280, 913;

disz hat der hochglert getreu man
Martin Luther gesehen an,
und ist näher gegangen hin z,
dann kein toller fantast mög th.
Schade sat. u. pasq. 1, 23;

du fantast, was darfst du mich fretten?
H. Sachs I, 225a;

wie möcht sein basz eim gauch,
so man im erlaubet auch,
das er uns z fantasten tar machen,
des wirt ieder hinderm win wol lachen.
Soltau 254;

der fantast sorget alle zeit, seine frau wurde ihm lebendig gefressen. Wickram rollw. 90a; der (wein) wird ein kranken mutiger und getröster machen, als ein langweiliger langschaubiger stirnrunzelter fantast. Garg. 13; ward mit gewalt zu eim stockfisch, blateisel, tölpel, fantasten und sonst nichts fast. 143b; was underscheids sei zwischen eweren matheologischen kunsthümplern, weisheitverkaufern und fantasten aus der alten welt und den jungen leuten dises unseren

[Bd. 3, Sp. 1320]


newen wesens. 144a; darüber habe ich mich schier zum narren und fantasten gedacht. Heinr. Jul. von Braunschw. s. 174; einem jeden fantasten reucht sein dreck besser dan eine pomeranze. Melander jocoseria 2 no 355; aus euern reden haben wir vernommen, dasz man die fantasten weder mit ellen ausmessen noch mit pfunden abwägen könne. Weise kl. leute 60; bei den fantasten kan ich nichts erfahren. comöd. pr. 62. späterhin seltner gebraucht, aber auch nl. dän. phantast, schw. fantast.
 
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fantasterei, f. nugae.
 
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fantästig, cerebrosus, kibig, einbildisch, zänkisch. Maaler 131b.
 
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fantästisch, delirus, ineptus: fantästische krüg, läden, büchsen und häfen, wie wir sie heut in den apotheken stehen sehen. Garg. 18a. jetzt, ohne umlaut, phantastisch:

auf ein phantastisch blatt.
Gellert 1, 224.


 
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fäntchen, n. diminuiertes fant, nnl. ventje: diese rede wollte dem jungen fäntchen nicht zu sinne. Weise erzn. 6; das junge fäntchen fragte wieder. 149;

tausend junge fäntchen
leckten ihm das händchen.
Hölty;

das junge fentchen,
herr Amor auch
spielt, nach dem brauch
von Paphos, mit.
Kl. Schmidt poet. br. 23.


 
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fantel, m. dasselbe. Schmeller 1, 545.
 
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fanterteuschig, ein unverständliches wort bei H. Sachs I, 449c:

mit ir kleidung ist sie fürwitzig,
fantertewschig und sehr popitzig.

es scheint darin ertäuschig, commutans gelegen.

 

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