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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fangzeug bis fantasie (Bd. 3, Sp. 1317 bis 1319)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fangzeug, n. instrumenta piscatoria:

bald war nahe der holm, wo netz und hamen auf gaffeln
trockneten, und für die nacht fangzeug auslegte der fischer. Luise a. l. h. 57.


 
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fank, m. siehe fankel.
 
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fanke, m. scintilla, funke. mhd.

dem vanken in dem fiure
sölher gëlpfheit ie gebrast. Wh. 33, 20;

dô stoup ûʒ dem hëlme, sam von brenden grôʒ,
die viwerrôte vanken von dës heldes hant. Nib. 185, 3;

hei waʒ rôter vanken ob sîme hëlme gelac. 1990, 4;

fiuwer was in tiure, walt heten si genuoc,
ûʒ eim herten vëlsen ër manegen vanken sluoc. Gudr. 104, 2;

und sluoc im einen solhen slac
daʒ viures vanken gelac
vil geströut über rant. Bit. 3642;

den steines vanc mit slage het enzündet. Lohengr. 5463;

sunder feures vanken.
Albr. Tit. 3653;

hôch über alle sunnevanken. 31, 4;

mit starken feures vanken begundeʒ ab in smëlzen. 3734;

daʒ si den feures vanken und sunnen brëhen gâben widerstôʒen 4012;

daʒ chreftig fewr
pegund treiben auch
die vanken und den rauch. Ottocar 375b;

und darûʒ farnt heiʒe fiures fanken. Laber 513.

Walther, Hartman, Gotfrid, Rudolf brauchen das wort nicht, es scheint mehr bairisch, östreichisch, wohin auch die idiotiken weisen. nur Schm. 1, 543 hat heute noch das einfache der fanken (für fanke). s. DWB funke.
 
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fankel, n. scintillula, fünklein, fünkchen. bair. es is kae fankel fuie da, kein fünkchen feuer. östr. das fankarl, ein schwacher funke. Castelli 123.
 
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fankel, fankarl, fänkerl, m. diabolus, der funken sprühende, glühende, wie Loki selbst feuer und lohe bedeutet (myth. 221), der teufel gleich dem feuer los wird (myth. 963). den namen bezeugen Castelli 123. Schmeller 1, 543. Schönwerth 3, 40 und folgende stellen: darüber musz ich erst ein glarten comentari schreibn, sunst möcht der fänkerl (könnte niemand) mein briefel verstehn. Schwabe tintenf. 38; aber stellt es enker (ihr euer) tribuliren nit ein, nacher soll enk der fänkerl slicht haltn, wan ich enk bei der carthausn erwischn thue. s. 50; aber hein! sag mir doch, wo dich der fänkerl schon zwei geschlagne tag hintereinander hat. s. 61; in Leipzig oder Hall, oder wo enk der fänkerl hat. B 6b; bair. e bue wie de fankel, ein teufelsbube;

zumahl wann da bös fankerl uns fechtn wollt an.
Seidl almer 3, 50.

es erscheint aber noch ein verstärktes sperifankel, spirifankel, sperifankerl:

drah dih, williwingerl,
sperifankerl, auweh!
Seidl 3, 6,

wozu Schönwerth das alts. gêrfiund Hel. 32, 2 vergleicht, wobei aber auch das ahd. zi speri, zisperiu, zi spari utique (Graff

[Bd. 3, Sp. 1318]


6, 353. 355) anschlagen könnte. verderbt sind wol spadifankerl, spanifankerl, wo nicht gar entsprungen aus spadifantel, il fante di spada, s. fant.
wie ihm sei, dem fankel identisch zeigt sich der in den sagen von Vorarlberg und Tirol einheimische fank, pl. fanka, dem auch ein weibliches wesen fanka, fanga, fenggi zur seite steht, worunter man sich nicht sowol teufel, als elbe und wilde leute zu denken hat, die später, gleich andern gestalten des heidenthums in teufel vergröbert wurden. elbe und lichtelbe (liosalfar) gelten aber für leuchtende, strahlende geister und keine schwierigkeit hat es auch die benennungen fank oder feng auf fanke funke oder fangen, fängen incendere zu beziehen, selbst ein altn. name des mondes, fengari, der genau zum ngr. φεγγάρι, φεγγάριον und zu φέγγος licht, glanz stimmt, könnte anklingen. die mythen von den fangen, fenken oder fenggen berichten uns Vonbun s. 1—15, Zingerle no 45, Alpenburg myth. s. 67. 68, sagen s. 166. 209. Rochholz kennt die fenka 1, 364. 382 nur aus dem Engadin und Prättigau.
 
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fankeln, fänkeln, scintillare, funkeln. Frommann mundarten 3, 405. 4, 411. anfänkeln, anfunkeln, anreizen. Schmeller 1, 543. Castelli fankarln scherzen, ein wenig schneien, flocken.
 
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fänken, accendere, mhd. venken vancte:

wirt minnen fewer gevenket.
Albr. Tit. 31, 2;

gelîch dem fewer, daʒ sich von kleine venket. 495, 4.


 
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fankezen, fankizen, fulgere, glänzen. Höfer 1, 197.
 
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fant, m. famulus, servus, bursche, bube, kerl, it. fante, zuerst bei Henisch 1001 fante pedisequus, fante, fente juvenis Stieler 460, bair. fant Schm. 1, 545, knabe, bub, gern mit dem nebensinn eines leichtfertigen menschen, schalks und gecken, ein leichter fant:

mein bruder Gerard, der die reise mit uns machte,
so fuhr er fort, ein muntrer fant,
mit seinem falken auf der hand. Oberon 1, 32, nach der ersten ausg.,

was aber in der folge geändert wurde;

ihm zur seite sasz ein fremder junger fant.
Wieland 22, 169;

und als er kam zur felsenwand
da sprach der ries mit lachen,
was will doch dieser kleine fant
auf solchem rosse machen?
Uhlands ged. 396.

da nun das it. fante, fr. fantassin zugleich pedes, fuszgänger, fanteria copiae pedestres, fuszvolk ausdrückt, wofür sonst infante, infanteria gelten, so scheint die herleitung von infans gerecht. hier aber kommt in betracht, dasz schon ags. ein fêða, ahd. fendeo, fendo, fuoʒfendo pedes, phalanx, mhd. vende vorhanden waren und letzteres lange zeit für den bauer im schachspiel fortbestand, welcher it. pedona, fr. pion, so wie der fuszgänger it. pedone und auch fante, fr. piéton heiszt:

dô gab ër beidiu roch umb einen venden. MSF. 27, 26;

die gelîche ich zuo dem venden. Wartb. kr. Simr. 155;

ich hân den künic alleine noch
und wëder ritter noch daʒ roch,
mich stiuret niht sîn alte noch sîn vende. MS. 2, 146b;

si wolden mir den venden
vor ziehen mit listen. GA. 2, 442.

von diesem vende wusten nichts die später nochmals fante unverändert in unsere sprache aufnahmen. das fuszvolk im heer hätte deutscher als infanterie geheiszen 'der fende'. auf das altn. fantr, nnl. vent werde ich unter fanz zu sprechen kommen.
 
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fantasei, f. phantasia, it. fantasía, fr. fantaisie, engl. fantasy, fancy, einbildung, gebildet wie abtei, vogtei, fabelei, arzenei, klerisei, sakristei, polizei und viele andere, ein mhd. fantasîe voraussetzend:

nun müesze sein der teufel pflegen,
der uns aber wil hie betriegen
mit seiner fantasei und liegen. Laurin 1258 Schade;

wa kummen ir mit der fantasy (d. i. -î, ei) her, was wolten ir mit ze schaffen hon? es ist ein fantasy. Keisersb. omeis 20a.b; wir sollen nit eigne fantaseien erdenken. Melanchthon anrichtung der lat. schul. Bonn 1543 c 2b; welcher (Julianus apostata) auch das evangelium angenummen hatte und darnach, als er merkt das (dasz es) ein verachte, lose und schendliche fantasei wer, widderumb davon abzufallen sich nit schemet. Alberus wider Witzeln H 8b;

darumb so thut ihr stille ston
und treibent nicht vil fantasei.
damit man möge hören frei.
Mart. Montanus Titus und Gisippus a 4;

fantasei oder gesicht, so einem fürkompt, figmentum. Maaler 131b; ich hab es nach meiner fantasei ausgelegt, exposui arbitratu meo. das.; nach seiner fantasei und gefallen läben.

[Bd. 3, Sp. 1319]


das.; nicht nach gab und gift oder feindschaft, hasz oder neid, auch nicht nach freundschaft, liebe und fantasei. Reuter kriegsordn. 52;

man meide solche fantasei und reisz sich nicht mit diesen possen. Simpl. 409;

nach seiner fantasei leben, uti animo suo. Stieler 444. die neueren dichter setzen es noch dem reim zu gefallen:

allein der schönste fusz liesz meine fantasei
in stolzer ruh, und wärs Genevrens fusz gewesen,
es war ein fusz, mehr dacht ich nicht dabei. Oberon 4, 2;

dasz es wahr sei, was den pilger freute,
dasz noch jenseits ein gedanke sei,
dasz die tugend übers grab geleite,
dasz es mehr denn eitle fantasei?
Schiller 6b;

auszerdem klänge es feierlich und veraltet.
 
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fantasie, f. doch wieder phantasie geschrieben, die heute, wenigstens in prosa, herschende form: fantasie an Laura. Schiller 2a;

kühne seglerin, fantasie,
wirf ein muthloses anker hie! 6a;

wenn phantasie sich sonst, mit kühnem flug,
und hofnungsvoll zum ewigen erweitert.
Göthe 12, 40;

mögen bunte phantasien
für des tages mode blühen. 12, 274;

unter wonnemelodien
ist der junge lenz erwacht,
seht, wie froh den phantasien
neuer lust sein auge wacht.
Bürger 1a.

 

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