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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fänglich bis fangstrick (Bd. 3, Sp. 1316 bis 1317)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fänglich, captivus, adj. und adv. statt des heutigen gefänglich: einen fänglich annehmen, einbringen, verwahren, captivum ducere; kais. maj. hat den prediger am mittwoch nächst fänklichen annehmen und den von Augsburg anzeigen lassen, das i. m. ihn in frohnvest habe bringen lassen. Melanchthon 2, 291.
 
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fangnis, fängnis, f. custodia, carcer, ahd. fancnissa: mhd.

hilf mir, heiliger geist,
deich mich von sîner vancnisse erlœse. MSF. 29, 12;

siechtuom, vancnüsse ode dër tôt. Iw. 2934;

dâ mite ër sich wolde
dër meide in vancnisse gëben. krone 18104;

oder dâ wider zem andern mâl
in die vancnisse kæme. 18923;

mit jâmer und in jâmers klage
in dër vancnisse lëben. 29041;

was mit solhen êren vrî
von dër vancnisse worden. 29886;

unz ër mit sînem trôste
von dër vancnüsse in lôste. Barl. 162, 6;

nhd. zu haft und fengknus des wolngeborn hern Ludwigs von Isenburg. urfehde des Cunz Neusel aus Selbolt von 1499; zu haft und fengnis. urfehde des Henne Geisz zu Büdingen von 1511; ire eltern, die schulden oder anderer sachen halben in fengknus kommen. Nürnberger reformation 180a; ergibt er sich gott gefangen, derselbe nimbt in an und ist ein sälige fanknus, dadurch er von posen panden frei und ledig wirt und kumbt in gnadenreiche pand. Bertold teutsch theol. c. 29, 12;

auch het wir fert gut frid im land,
heur hab wir fenknus, raub und brant.
H. Sachs III. 1, 242a;

nur euer wort verlang ich, dasz wenn ihr
nicht die bedingungen erfüllen könnt,
ihr euch bis auf die nächste sonnenwende
unfehlbar in die fängnis wieder stellt.
Uhlands Ludwig 122.

heute gefangenschaft oder gefängnis, vgl. empfängnis.
 
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fangpfeifer, m. wie fanggeiger.
 
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fangrede, f. sermo captiosus, insidiosus: was ists anders denn ein lauter fangrede und ein tückische verkerung der wort Christi? Luther 4, 378b.
 
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fangreuse, f. nassa, excipula. Stieler 1593. vgl. DWB fach.
 
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fangschrecke, f. mantis locusta, hausgrille, hausheimchen, auch genannt vates, weissagerin, gottesanbeterin, weil auf ihre hinterfüsze sich stellend sie die vorderfüsze zum gebet auszustrecken scheint, heiszt auch das wandelnde blatt, folium ambulans und gilt in der thierfabel für einen singenden, zirpenden pfaffen, woher der serb. name popak. vgl. Reinhart fuchs s. cxxv.
 
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fangschürze, f. bergmännisch, die kette am schachtgestänge.
 
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fangspiel, n. siehe fangstein.
 
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fangstahl, m. setzt Voss irgendwo für fangeisen.
 
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fangstein, m. ein jeder stein beim datschelspiel (2, 826), weil er vom spielenden, der ihn in die höhe wirft, mit der hand wieder aufgefangen werden musz. in der Wetterau datschstein. hochdeutscher ist zu schreiben tatschspiel (s. DWB tatschen, tätscheln). am anschaulichsten hat Ernst Meier in seinen schwäbischen kinderspielen s. 145—147 das auftätscherles, auftätzeles oder steinles geschildert, es wird fast nur von mädchen gespielt und nach verschiedner weise. gewöhnlich dienen dazu fünf glatte steinchen, unter welchen jedoch eins gröszer und kugelförmiger zu sein pflegt; bald heiszen sie alle fangsteine, bald nur der gröszere, wie er auch hopper, hacker, dopser oder schlägerin genannt wird. die vier kleineren wirft das kind auf den boden neben sich, so dasz sie nicht allzu weit auseinander liegen, und den fangstein in die höhe; während er fliegt, müssen die übrigen flink in die hand gestrichen und der aufgeworfne dazu gefangen werden, ohne dasz

[Bd. 3, Sp. 1317]


einer niederfällt. es kann auch erst ein stein hinzugenommen und mit dem fangstein in die luft geworfen werden und so allmälich der zweite, dritte, vierte, bis sie alle zusammen aufgefangen sind. alles aber geschieht mit einer und derselben hand und die andere (linke) darf sich nicht einmischen. zuweilen läszt man den fangstein durch die gekrümmten letzten finger gleiten, und er heiszt dann in der Wetterau 'eileger'. zwar kann sich ein einzelnes mädchen mit dem spiel ergetzen, meistens spielen mehrere zusammen und kommen nach einander an die reihe, wie verschiedne gänge des spiels abwechseln und besondere namen führen. Rochholz kindersp. 391 leitet das auftätscherles von einem ballspiel, balledätsche her, so dasz arme kinder statt der bälle steinchen genommen haben müsten; umgekehrt scheint die vornehme welt ihr fangballes dem einfacheren steinles abgesehn zu haben. im arabischen heiszt das spiel lakud d. i. fangen. bei uns führt es noch manche andere namen, vgl. DWB knöcheln, DWB entschnicken.
 
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fangstrick, m. laqueus, tendicula, fange.

 

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