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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
falzziegel bis familienanzeige (Bd. 3, Sp. 1305 bis 1306)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) falzziegel, m. oder f. dachziegel, die sich faltet, übereinanderlegt, vgl. DWB biberschwanz.
 
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fama, f. gr. Φήμη, welche personification unsere vorfahren zwar auch als frau Melde, gewöhnlich aber als einen männlichen Hliumunt, mhd. Liumet, Liument oder als ein n. Mâri, Mære, stets geflügelt und fliegend sich dachten, vgl. myth. 849—851. bei den späteren dichtern sind alle diese vor der lateinischen Fama zurückgetreten:

frau Fama gehet vor und bläst des helden sachen,
die thaten, die für sich ihn herlich können machen,
in ganzer gegend aus. der ungewohnte ton
macht dasz das breite land wie zittrend wird davon.
Fleming 139;

er gibt der Fama geist und schall.
Günther 136;

die Fama trägt sein conterfei. 140;

und auf Famas tausendfach rauschenden flügeln
wirds von meeren schallen und brausen von hügeln.
Schiller 16a.

Stieler 431 führt ein abgestumpftes 'nam und fam', nomen et rumor an, wofür doch keine belege vorhanden sind. offenbar dem nnl. faam, 'naam en faem' nachgebildet und unhochdeutsch.
 
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famchen, n. famella, gleich unbelegt und vielleicht von Stieler erfunden, obwol ein nl. faamtje möglich.
 
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fämen, schäumen, s. fäumen, DWB feimen.
 
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familie, f. aus dem lat. familia, it. famiglia, sp. familia, fr. famille, seit dem beginn des 18 jh. mit macht allenthalben eingedrungen, nnl. dän. familie, schw. familj, engl. family, poln. familia, böhm. familie, russ. familija; galische, irische, welsche, armorische wörterbücher geben es nicht, und wahren ihre eignen ausdrücke, ebenso die litauischen, lettischen, finnischen. bei uns führt es Stieler noch nicht auf und dem 17 jh. blieb es ungebraucht wie dem 13; Frisch und Adelung können sich seiner nicht mehr enthalten. wie lang dauerte aber, bis das fremde wort unter bürger und bauern gebracht und von ihnen verstanden wurde. so schön und gefüge es an sich selbst sei, hat es doch gleich zahllosen andern ausländischen wörtern unsere hergebrachten heimischen gestört und manche natürliche redensarten durch seinen ausgedehnten einflusz beeinträchtigt. die älteste benennung der familie war goth. heiv (verwandt mit lat. civis und wahrscheinlich mit hus, haus), ahd. hiwiski, hieske, hiuske, hûske (Graff 4, 1068), ags. hivisce, vgl. altn. hiuskapr matrimonium und unser heurat, heirat. nur haus behält auch heute den allgemeinen sinn von familie, welche andere deutschen ausdrücke sonst galten oder noch gelten, ist aus der den folgenden beispielen und belegen hinzugefügten erklärung zu entnehmen. den Slaven gilt rod (= art) und rodina, poln. rodzina.
dies ist meine familie, hier ist meine ganze familie, hier ist mein ganzes haus (οἰκία), hier sind alle meine leute, die meinigen, meine lieben oder trauten, frau und kinder, auch die dienstboten, wofür leute zumal haftet. Gellert meidet noch gern familie und schreibt: grüsze mir dein ganzes haus; ich grüsze und segne ihr ganzes liebes haus. 10, 25; grüszen sie ihr ganzes haus von mir. 10, 26; viele freuden, die ich ihnen und ihrer jgfr. schwester und ihrem ganzen hause gönne. 10, 28; ich habe es beständig als eine der gröszten wolthaten von gott erkannt, dasz er mich in ihr haus und in ihre bekanntschaft gebracht hat. Garve an Gellert 10, 39. doch ihm antwortet auch Gellert: gott, den sie fürchten, lasse es ihnen mit ihrer ganzen familie wol gehn. 10, 42. Cramer an Gellert: jetzt bin ich in Lingbye, wo ich für meine familie ein logis für den ganzen sommer gemiethet habe. 8, 130 statt für die meinigen eine wohnung. bei allen spätern musz es immer geläufiger geworden sein: wenn er wiederkommen sollte und sollte sehen wie es mit seiner familie stünde. Lessing 1, 468; genug, dasz das geld in der familie bleibt. 2, 540; die ganze welt sollte nur éine familie sein. ebenda; ihre familie ist doch auch recht wol und munter? 12, 341; lebte ruhig in der familie und war sehr still und in sich gekehrt. Göthe 24, 224; die bedeutendsten weltbegebenheiten ist man bis in die geheimnisse der familien zu verfolgen genöthigt. 24, 211; mein tischgenosse .... leistete mir manchen dienst, indem er mich in verschiednen ortschaften und familien theils persönlich, theils durch empfehlungen einführte. 25, 339; wir fanden den vater ganz allein, denn die familie (seine leute, nicht blosz die dienstboten) war auf dem felde. 25, 341; dieser ... ward noch mehr durch die hofnung eines guten empfangs in einer so angenehmen familie belebt. 26, 32; durch solche unangenehme kleine zwischenfälligkeiten

[Bd. 3, Sp. 1306]


wurden wir jedoch so wenig als doctor Primrose und seine liebenswürdige familie in unserm heitern leben gestört. 26, 33; es war nicht das erste und letzte mal, dasz ich mich in familien, in geselligen kreisen befand gerade im augenblicke ihrer höchsten blüte. 26, 34; die ländliche familie, der ich befreundet war, hatte verwandte häuser in der stadt. ebenda. in groszen häusern wohnt gewöhnlich mehr als éine familie. man sagt von einem kinderlosen: er hat keine familie; wie stark ist deine familie? wie viel kinder hast du? eine edle, berühmte, ansehnliche, ehrbare, zahlreiche, grosze familie; eine arme, kleine, dürftige familie, bettlerfamilie; diese altgegründeten familien. Göthe 48, 70; die familie blühte noch. 48, 71; er ist von guter familie, von gutem geschlecht, stamm, von adel; von einer geringen familie, aus bürgerlichem stand; sippe ist verwandtschaft;

familie reiht sich an familie, stamm an stamm.
Göthe;

seine familie (sein geschlecht) ist ausgestorben, ausgegangen, in der naturgeschichte wird von familien (geschlechtern, arten) der thiere, pflanzen, steine geredet und selbst bei handschriften, die von einander stammen oder nebeneinander laufen, die einzelne familie unterschieden. in der familie der oberen erkenntnisvermögen gibt es ein mittelglied zwischen verstand und vernunft. Kant 7, 15. die zusammensetzungen werden vielsilbig, und ihre unerschöpfliche reihe zeigt, wie tiefe wurzel dies wort unter uns geschlagen hat.
 
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familienabenteuer, n. ein ereignis, das eine familie betroffen hat: als jüngling, wegen des schrecklich sonderbarsten familienabenteuers feldflüchtig. Göthe ...
 
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familienabsicht, f. meine handlung und gewisse familienabsichten erfodern es. Weisze briefwechsel der fam. des kinderfr. 4, 90.
 
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familienähnlichkeit, f. gentilis similitudo: hast du nicht satt das repetierwerk unseres freuden und trauergeläutes, die familienähnlichkeit aller abende und zeiten? J. P. Hesp. 1, 121; das leidende weib (Klingers) hat Tieck, von der familienähnlichkeit verführt, Lenz zugeschrieben. Gervinus nat. lit. 1843. 1, 584. vgl. familienzug.
 
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familienangelegenheit, f. um ein näheres gespräch einzuleiten, erklärt ich mich für einen zeichenkünstler von Gotha, der wegen familienangelegenheiten in dieser unfreundlichen jahrszeit schwester und schwager in Braunschweig zu besuchen habe. Göthe 30, 224.
 
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familienanhang, m. vitium hereditate propagatum: hab keinen firmen odem, ein kleiner familienanhang, so was aus meiner alten nobilität. Fr. Müller 2, 175. aber auch in gewöhnlichem sinn: ein groszer familienanhang ist unbequem.
 
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familienanzeige, f. in öffentlichen blättern, familiennachricht.

 

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