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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
falzen bis fama (Bd. 3, Sp. 1303 bis 1305)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) falzen, plicare, striare, mhd. valzen und nach uns schw. faltsa, falsa, dän. false, poln. falcować, böhm. falcovati. der angel, um den sich hier alles dreht, ist, dasz falten und falzen ein und dasselbe wort sind, wie schon die doppelt vorkommenden und gleichbedeutigen zusammensetzungen falteisen faltmesser faltstul neben falzeisen falzmesser falzstul anzeigen. dem mhd. valten vielt gevalten zur seite lief ein ganz paralleles valzen vielz gevalzen,

[Bd. 3, Sp. 1304]


wenn schon vielz noch unbelegbar ist, aber aus gevalzen folgt. die sl. fałdować, faldovati neben falcować, falcovati entsprechen unserm falten falzen, woher sie entlehnt wurden. goth. galt freilich nur falþan faifalþ, durchaus kein faltan faifalt, so möglich es der form nach (wie saltan saisalt) gewesen wäre. in ahd. glossen hingegen erscheint falzit fulcit, wofür falcat wird zu lesen sein, und gifalztiu suërt, falcati enses (Graff 3, 518), jenem mhd. valz der schwerter entsprechend, also nicht gifalzaniu suërt. bei falcatus, sichelförmig gekrümmt, in modum falcis curvatus wurde der glossator leicht geführt auf gifalzit, plicatus, bei anafalz incus liesze sich an keine sichel denken, sichel hiesz in unsrer sprache niemals falz, falzen ist uns falten, nicht schneiden. dazu kommt ags. onfilt = anafalz und das noch merkwürdigere nl. aanbeeld, aenbeld, im Teutonista aenbilt, dessen b dem in balz für falz, dessen eld, ilt aber dem ald des ahd. fald, dem alþ des goth. falþ entspricht, ohne dasz sich nl. aenboud, aenvoud nach analogie von vouden ergab. ahd. faldan scheint sich demnach in faltan und falzan fortbewegt zu haben, mhd. valten in valzen, gerade wie goth. þvairhs zu ahd. duërah, mhd. twërh, nhd. zwerch, goth. þvahan zu ahd. duahan, mhd. twahen, nhd. zwagen, þvingan zu ahd. duingan, mhd. twingen, nhd. zwingen wurde, oder um ein beispiel des inlauts zu geben, ahd. sûftôn in mhd. siuften und siufzen, nhd. seufzen übergieng. lauter praeoccupationen regelrechter verschiebung. wie siuften und siufzen erscheinen falten und falzen gleichzeitig neben einander und wenn unterschiede der bedeutung zwischen beiden formen gelten, so gewahren wir, dasz falten im edlen stil, falzen im gemeinen und handwerksmäszigen plicare ausdrückt. falzen ist immerhin auch ein falten, doch falten ist nicht überall falzen. man sagt nicht die hände falzen, das gewand falzen, nur das schwert, das bret, das papier falzen = falten und auch in falzen, begatten liegt dieselbe gemeinheit. die edle, poetische sprache hielt am alten laut, die prosa schob ihn gewaltsam weiter. die ganze erscheinung ist aber in der geschichte unsrer sprache eine der lehrreichsten und auf ähnliche fälle anwendbar. auf den laut i oder ë im ags. onfilt, nl. aenbeld wird später unter dem worte felze zurückgekommen.
das part. gevalzen bietet sich nur in unechten Neidharten dar:

ër ist umb sînen tenken vuoʒ gevalzen. MSH. 3, 213a;

hæt ër ouch ein hant im hin gevalzen. 3, 278b;

beidemal: halzen und in der bedeutung von gekrümmt, gebogen. nhd. immer schwachformiges praet. und part., z. b. ward allda ein so grosz geschal von gelächter, das die eine die ander nit hören noch verstehn kundt, das ich der ursachen halb mein pappir zfalzet (zusammenlegte) und vermeinte darvon z schleichen. spinnrockenevang. G 4a. falzen ganz deutlich für falten:

beim spiegel allzeit rath thun holn,
wie sie die schleier falzen soln.
Eyring 1, 761.

auf einer viereckigten ausgepfalzten base stehet ein nackendes kind. Winkelmann sendschr. von den herculan. entdeckungen. Dresden 1762 s. 50. stellen über das falzen der vögel stehen schon 1, 1094; der auerhahn falzet oder balzet. Döbel 1, 45b; die kanonen des kriegs und die stoszwinde des lebens hören sie so wenig in der lust, als der auerhahn einen schusz, wenn er falzt. J. P. anh. zu Tit. 1, 48. Nemnich sp. 1570 will unter falzen, balzen vox falconum ad coitum prurientium verstehen.
 
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falzenschindel, f.: aber was gehn mich ewere falzenschindelen an, ich mag euch die falten nicht weiter verrucken. Garg. 116b.
 
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falzholz, n. falzbein.
 
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falzmesser, n. falzbein, falzeisen, vgl. DWB faltmesser.
 
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falzone, f. name eines schwertes:

ër het ûʒ manigen rîchen
ein edel swërt gewellet (gewälzt),
dâ mit vil ritterlîchen
wart manic stolzer dëgen sît gevellet.
ër brâhteʒ an sîn ende und hieʒ ëʒ falzône,
in manigem sturme herte wart ëʒ sît erkant an sînem dône.
Albr. Tit. 1228.


 
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falzstul, m. was faltstul. ahd. valzstuol, curulis (sella). Diut. 3, 150. sumerl. 33, 26.
 
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falzung, f. wie faltung, plicatio, junctura: gedachte base hat die wahre ägyptische form der einfältigen falzung, die allen bas und gebäuden dieser nation eigen ist. Winkelmann 3, 141.
 
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falzwunde, f. weicht auf die seite, oder wer den degen auf die letzt wird in der scheide behalten, der soll die erste falzwunde im gesichte haben. Weise neue proben 202.

[Bd. 3, Sp. 1305]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) falzzange, f. zange mit stumpfen kneipen.
 
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falzziegel, m. oder f. dachziegel, die sich faltet, übereinanderlegt, vgl. DWB biberschwanz.
 
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fama, f. gr. Φήμη, welche personification unsere vorfahren zwar auch als frau Melde, gewöhnlich aber als einen männlichen Hliumunt, mhd. Liumet, Liument oder als ein n. Mâri, Mære, stets geflügelt und fliegend sich dachten, vgl. myth. 849—851. bei den späteren dichtern sind alle diese vor der lateinischen Fama zurückgetreten:

frau Fama gehet vor und bläst des helden sachen,
die thaten, die für sich ihn herlich können machen,
in ganzer gegend aus. der ungewohnte ton
macht dasz das breite land wie zittrend wird davon.
Fleming 139;

er gibt der Fama geist und schall.
Günther 136;

die Fama trägt sein conterfei. 140;

und auf Famas tausendfach rauschenden flügeln
wirds von meeren schallen und brausen von hügeln.
Schiller 16a.

Stieler 431 führt ein abgestumpftes 'nam und fam', nomen et rumor an, wofür doch keine belege vorhanden sind. offenbar dem nnl. faam, 'naam en faem' nachgebildet und unhochdeutsch.

 

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