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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
falz bis falzen (Bd. 3, Sp. 1302 bis 1303)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) falz, m. plica, junctura, stria, gleichviel mit falt (s. DWB falzen), poln. böhm. falc. von balz unter 3, Winkelmann schreibt pfalz.
1) man hat schon ein ahd. falz zu setzen nach dem compositum anafalz incus (Graff 3, 519), ags. onfilt, engl. anvil, nnl. aanbeeld, ambeeld. da nun dieses wort sonst lautet anapôʒ, nhd. ambosz, zurückgehend auf pôʒan, bôʒen, wie lat. incus auf cudere, sl. nakovalo auf kovati (1, 277), so musz auch in falzen eine entsprechende sinnliche bedeutung enthalten sein, welche hernach für das verbum näher zu ermitteln ist. für das subst. schickte sich etwa schlag, stosz, fuge, falte, spalte. mhd. der wunden valz, die geschlagne, gespaltne wunde:

warf dô salz
ûf die koln und ûf der wunden valz. pass. K. 123, 78.


2) mhd. begegnet valz zumal vom schwert und bezeichnet dessen klinge selbst, im gegensatz zur schneide oder ecke, also ganz eigentlich das geschmiedete, geschlagne, gefaltne schwert. folgende beide stellen geben den pl. valze:

daʒ swërt lieht unde lanc,
ze beiden sîten vil gerëht,
valze und eke im wâren slëht,
daʒ gehilze stark und wît. Wh. 295, 14;

[Bd. 3, Sp. 1303]



ër warf ëʒ umbe in der hant,
ër lobt im valze und ecke sîn. 430, 29.

in Albrechts Tit. der schwache pl. valzen, der sich auf einen sg. valze f. beziehen liesze:

man jach dër Baldakônen
ecken, daʒ die sniten über die valzen. 3918, 4;

ob sînem swërt die valzen
inder wæren mit varwe dem gelîche,
daʒ von im dâ künige und amaʒiure
zër ërden wærn gevellet,
dës nam den ellenthaften gar untiure. 4187, 2.

bildlich,

manec man gêt ûf êren valze
hôch enbor, als ob ër walze. Renner 928,

strebt auf der ehren klinge empor. vgl. felze.
3) mhd. aber auch valz vom begatten der vögel, namentlich der wilden hähne, auerhähne, falken. Hadamar von Laber 212:

ich hân bî mangem falze
gehalten wol durch hœren,
doch was mîn sin, ëʒ walze,
ëʒ lig, ëʒ stê, daʒ sol ich niht zestœren.

der jäger lauschte den thieren, ohne sie zu stören. schon 1, 1094 wurde balz oder falz (vgl. DWB blach für flach 1, 1053. 2, 58, belche für felche, barch für farch u. a. m.) mit recht von falzen abgeleitet, welche sinnliche bedeutung man ihm auch unterlege. dasz heutzutage der weidmann die falz, die balz sagt statt des alten der falz, verschlägt nichts.
4) nhd. dauert falz bei verschiednen handwerkern fort,
a) kupferschmieden ist es der umgebogene, gefaltene rand eines gefäszes, was den mhd. valz des schwertes bestätigt. an den theilen, die sie mit einander verbinden machen die kupferschmiede einen falz, einen falz legen oder schleifen. gefäsze mit einem hohlen bauche mit ihren pfalzen und hohlkehlen am rande, am fusze und am deckel. Winkelmann 5, 114; oder, wenn sie hohl sind, so sind sie ohne bauch und ohne pfalze und hohlkehlen cylindrisch ausgedehnt. 5, 115.
b) buchbindern das brechen, zusammenlegen, falten der gedruckten bogen: hinten am bogen, wo der falz ist; ein buch mit einem tiefen falze; auch stoszen sie einen falz an die deckelbreter, damit sie in den falz des buches passen. schon mhd.

enbinnen der buche valz. pass. K. 363, 87.


c) gerbern und riemern heiszt der umgelegte theil des schabmessers der falz:

ir haut mit einem scharpfen falz bezugst.
H. Sachs I, 501.


d) tischlern ist falz die fuge, kerbe, rinne, um zwei breter an einander zu fügen.
e) auch an einem büchsenschafte wird die rinne oder hohlkehle der falz genannt.
f) ebenso an seulen die fuge, stria: der falz an der seule, die falze der seulen, s. die stellen Winkelmanns unter a und hernach ausgepfalzt unter falzen.
g) sicher noch in andern hier unaufgezählten bedeutungen: vermache (schliesz) aber den falz (die fuge) an dem alembico (alambic, destilliergefäsz) gar wol, das nichts darvon verriechen möge. Thurneisser magna alch. 1, 90.
 
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falzambosz, m. kupferschmieden ein ambosz, auf welchem sie zwei stücke aneinander falzen. man begreift hiernach, dasz der ambosz selbst anfalz heiszen konnte.
 
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falzbank, f. tischlern und zimmerleuten eine bank, worauf die breter befestigt werden, welchen der falzhobel einen falz geben soll.
 
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falzbein, n. ein breites, dünngeschliffenes werkzeug von knochen oder hartem holz, um damit papier zu falten, zu schneiden und glatt zu streichen, it. stecca da piegare, fr. plioir.
 
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falzblume, f. micropus.
 
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falzbock, m. hölzernes gestelle der gerber, das lohgare leder darauf zu falzen. Brosenius 1, 64 schreibt falzblock.
 
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falzbret, n. bei den buchbindern ein bret, die bogen eines buches darauf zu falzen.
 
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falze, f. verschiedentlich für falz m. in allen bedeutungen.
 
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falzeisen, n. culter rasorius, lohgerbern eine gerade, breite klinge, mit umgelegter schneide, zum abschaben des fleisches von den häuten.
 
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fälzeln, wie fälteln, ein wenig falzen.
 
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falzen, plicare, striare, mhd. valzen und nach uns schw. faltsa, falsa, dän. false, poln. falcować, böhm. falcovati. der angel, um den sich hier alles dreht, ist, dasz falten und falzen ein und dasselbe wort sind, wie schon die doppelt vorkommenden und gleichbedeutigen zusammensetzungen falteisen faltmesser faltstul neben falzeisen falzmesser falzstul anzeigen. dem mhd. valten vielt gevalten zur seite lief ein ganz paralleles valzen vielz gevalzen,

[Bd. 3, Sp. 1304]


wenn schon vielz noch unbelegbar ist, aber aus gevalzen folgt. die sl. fałdować, faldovati neben falcować, falcovati entsprechen unserm falten falzen, woher sie entlehnt wurden. goth. galt freilich nur falþan faifalþ, durchaus kein faltan faifalt, so möglich es der form nach (wie saltan saisalt) gewesen wäre. in ahd. glossen hingegen erscheint falzit fulcit, wofür falcat wird zu lesen sein, und gifalztiu suërt, falcati enses (Graff 3, 518), jenem mhd. valz der schwerter entsprechend, also nicht gifalzaniu suërt. bei falcatus, sichelförmig gekrümmt, in modum falcis curvatus wurde der glossator leicht geführt auf gifalzit, plicatus, bei anafalz incus liesze sich an keine sichel denken, sichel hiesz in unsrer sprache niemals falz, falzen ist uns falten, nicht schneiden. dazu kommt ags. onfilt = anafalz und das noch merkwürdigere nl. aanbeeld, aenbeld, im Teutonista aenbilt, dessen b dem in balz für falz, dessen eld, ilt aber dem ald des ahd. fald, dem alþ des goth. falþ entspricht, ohne dasz sich nl. aenboud, aenvoud nach analogie von vouden ergab. ahd. faldan scheint sich demnach in faltan und falzan fortbewegt zu haben, mhd. valten in valzen, gerade wie goth. þvairhs zu ahd. duërah, mhd. twërh, nhd. zwerch, goth. þvahan zu ahd. duahan, mhd. twahen, nhd. zwagen, þvingan zu ahd. duingan, mhd. twingen, nhd. zwingen wurde, oder um ein beispiel des inlauts zu geben, ahd. sûftôn in mhd. siuften und siufzen, nhd. seufzen übergieng. lauter praeoccupationen regelrechter verschiebung. wie siuften und siufzen erscheinen falten und falzen gleichzeitig neben einander und wenn unterschiede der bedeutung zwischen beiden formen gelten, so gewahren wir, dasz falten im edlen stil, falzen im gemeinen und handwerksmäszigen plicare ausdrückt. falzen ist immerhin auch ein falten, doch falten ist nicht überall falzen. man sagt nicht die hände falzen, das gewand falzen, nur das schwert, das bret, das papier falzen = falten und auch in falzen, begatten liegt dieselbe gemeinheit. die edle, poetische sprache hielt am alten laut, die prosa schob ihn gewaltsam weiter. die ganze erscheinung ist aber in der geschichte unsrer sprache eine der lehrreichsten und auf ähnliche fälle anwendbar. auf den laut i oder ë im ags. onfilt, nl. aenbeld wird später unter dem worte felze zurückgekommen.
das part. gevalzen bietet sich nur in unechten Neidharten dar:

ër ist umb sînen tenken vuoʒ gevalzen. MSH. 3, 213a;

hæt ër ouch ein hant im hin gevalzen. 3, 278b;

beidemal: halzen und in der bedeutung von gekrümmt, gebogen. nhd. immer schwachformiges praet. und part., z. b. ward allda ein so grosz geschal von gelächter, das die eine die ander nit hören noch verstehn kundt, das ich der ursachen halb mein pappir zfalzet (zusammenlegte) und vermeinte darvon z schleichen. spinnrockenevang. G 4a. falzen ganz deutlich für falten:

beim spiegel allzeit rath thun holn,
wie sie die schleier falzen soln.
Eyring 1, 761.

auf einer viereckigten ausgepfalzten base stehet ein nackendes kind. Winkelmann sendschr. von den herculan. entdeckungen. Dresden 1762 s. 50. stellen über das falzen der vögel stehen schon 1, 1094; der auerhahn falzet oder balzet. Döbel 1, 45b; die kanonen des kriegs und die stoszwinde des lebens hören sie so wenig in der lust, als der auerhahn einen schusz, wenn er falzt. J. P. anh. zu Tit. 1, 48. Nemnich sp. 1570 will unter falzen, balzen vox falconum ad coitum prurientium verstehen.

 

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