Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
faltekammer bis faltenklappe (Bd. 3, Sp. 1299 bis 1301)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) faltekammer, f. der ort in zuckerfabriken, wo die zuckerhüte in papier eingeschlagen, gefaltet werden.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fälteln, complicare in minutos sinus, it. faldellare: dein geschir (kleidervorrat) mustu etwan dick widerumb besehen, zelen, schütten, feltlen, zusammenlegen. Keisersb. narrensch. 67b; wurden zu seinem hembd aufgenommen ... zweihundert ballen des schmalen sindals von Spinal und Köln, zu underfutter oben am hals, wie bombesin, gar subtil als man unter die sättel ftert. denn es war nicht gekröset noch gerunzelet, gekräuselet, gekrisamet, gefältelet, gevolschleget, gerissen oder gewunden. Garg. 113a; predigerköpfe in breiten, steifgefältelten halskrausen. Arnim 1, 268;

den bogen
fein gefältelt in der tasche.
Ann. v. Droste 217.

[Bd. 3, Sp. 1300]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) falten , plicare, goth. falþan faifalþ, ahd. faldan fîald, fialt, mhd. valden vielt, ags. fealdan feold. zu altn. falda kann ich das praet. fêld nicht aufweisen, alle übrigen dialecte bilden es schwach: nhd. falten faltete (doch mit lange fortdauerndem gefalten, das edler klingt als gefaltet), mnl. vouden voude (denn kein velt zu belegen), nnl. vouwen vouwde, engl. fold folded, schw. flla fllade, dän. folde foldede. nothwendig zur seite stand dem goth. þ ahd. d und schädlich wich davon das spätere t ab, man stellte falten auf gleiche linie mit halten, walten, deren tenuis richtig ist, weil ihnen goth. haldan, valdan entspricht, für falden hätte die analogie von balde audacter anschlagen sollen. nicht minder tadelhaft entfernen sich ags. fealdan, altn. falda von der asp. ð, die ihnen gebührte. die nl. mundart scheidet keine med. und asp. des linguallauts, houden verhält sich wie vouden, dessen verdünnung in vouwen kaum nachwirken der aspiration sein kann.
falþan ist nun plicare, falþs plex, mit umgestelltem l (wie in halts claudus, vulfs lupus, miluks lac = mlac), während im nahe liegenden flaihtan = plectere fl und pl unverrückt sind, gr. πλέκειν mehr plectere als plicare ausdrückt (s. unter flechten). dem þ würde lat. t entsprechen, folglich falþan = plitare, pletare stehn oder umgedreht plicare auf falhan führen, wozu sich sogar filhan sepelire, gleichsam einfalten, in leichentücher falten, nehmen liesze, dem wir doch 1, 1253 ganz andere grundlage ausmittelten. zu plitare, mit ausgestosznem l würden sich πτύσσειν und πτύγμα fügen. aus lat. plicare ward it. piegare, sp. plegar, prov. pleiar, fr. ploier, plier und die nl. sprache nahm dies ploojen auf, da sie doch vouden, vouwen besasz, beide verba, ploojen und vouwen scheinen derselben wurzel. auch das subst. falte lautet nnl. beides vouw und plooi = fr. pli, ploi, sp. pliegue, it. piega. das schott. plaid scheint eigentlich faltenmantel, faltenkleid. umgekehrt gieng in das altfr. neben ploier, plier fauder, unser falten ein. Polen und Böhmen entlehnen aus unserm falten ihr fałdować, faldovati. wie aber an plectere flectere, stöszt an piegare sogar unser biegen und fliehen.
1) ein hemd, einen rock falten, einen halskragen falten; hatten sammt (allesammt) gefaltene röcke an und führeten gewundene ketten. Schweinichen 1, 54; einen in ein gewand:

diesen zierlich und kräftig doch
kaum geborenen säugling
faltet in reinster windeln flaum,
strenget in köstlicher wickeln schmuck
klatschender wärterinnen schar
unvernünftigen wähnens.
Göthe 41, 231.


2) die lippen, den mund, die stirne falten, die ohren falten: da ich in meiner kindheit keine hauben um die ohren litt, so kann ich sie gleich einem wilden bewegen und spitzen wie ien pferd und höre treflich, indessen das gehaubte publicum seine ohren so wenig, als wären sie von silber, falten kann. J. P. paling. 1, 23. besonders aber die hände falten, wie flehende, bittende, betende thun: mhd.

mîn hende ich valde
mit triwen algërnde ûf ir füeʒe.
Lichtenst. 394, 26;

nhd. sollte er da nicht auch von gewissen leuten gelesen haben ... welche die religion in äuszerlichen dingen, in geberden und mienen, in kleidern, in der enthaltung von speisen, in gebetsformeln, in kläglichen tönen, in gefaltnen händen, in verzagten schritten suchten, und bei ihrer heiligen gestalt ein boshaft herz hatten und behielten. Gellert 3, 3;

strecke die heiszgefalteten hände zu dem, der erwürgt wird. Messias 8, 617;

hub vor seine stirn die festgefalteten hände. 10, 790; 11, 549;

doch erhub er gefaltet
seine hände gen himmel. 11, 1146;

mit hochgefalteten händen des preises
sieht er um sich die dürftigen, welch er labte. 16, 352 und oft;

oft nun faltend die händ, und oft mit lauterem murmeln
las er die tröstenden sprüch und ermahnungen.
Voss 2, 268,

ehe man sich setzte, bewunderte man seinen geschmack in einer minutenlangen stille und faltete dabei die hände. Thümmel Wilhelmine 109;

festlich, hand in hand gefaltet,
stehn wir um den götterthron.
Bürger 2a;

bei der arbeit war sie eingeschlafen,
das gestrickte mit den nadeln ruhte
zwischen den gefaltnen zarten händen.
Göthe 2, 105;

mit gefaltnen händen knien. Klinger 3, 254. ebenso die knie falten, plier, fléchir les genoux, genua plicare, flectere.
3) das papier, den brief falten: er faltete den brief, überschrieb ihn, zum siegeln war es zu spät. Göthe 17, 386. ein

[Bd. 3, Sp. 1301]


kraut, das bei der leisesten berührung seine blätter faltet; der schmetterling faltet seine flügel. die fahne falten, in falten legen, zusammenlegen.
4) die ungeheure gewalt der musik auf mich in diesen tagen! die stimme der Mieder, das klangreiche der Szymanowska, ja sogar die öffentlichen exhibitionen des hiesigen jägercorps falten mich auseinander, wie man eine geballte faust freundlich flach läszt Göthe an Zelter 414.
5) sich falten, sich biegen, rümmen: die blume faltet sich; mhd.

dës vielten sich ir egge, dô si solten hân gesniten.
Walther 31, 7;

nhd. doch! und ein flügelpaar
faltet sich los!
Göthe 41, 242;

die fromme hand, die sich zur andacht faltet.
Hagedorn.

s. DWB auffalten, DWB ausfalten, befalten, durchfalten, einfalten, entfalten, umfalten, zufalten, zusammenfalten.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
faltenbausch, m. tumor plicarum.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
faltenblume, f. convolvulus, die winde, weil sie sich faltet.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
faltenbund, m. trochus tuber, eine muschelart.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
faltenfall, m. was faltenschlag 2.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
faltenflechte, f. lichen plicatus.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
faltenhemd, n. ein gefaltenes, gefälteltes hemd:

auch könntet ihr anständig nackter gehen,
das lange faltenhemd ist übersittlich.
Göthe 41, 330.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
faltenjuppe, f. linea tunica laciniosa. Garg. 116b (oben sp. 1298).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
faltenklappe, f. spondylus plicatus, muschel.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 1 bis 1 von 1
1) erwandern
 ... erwandern , invenire, experiri, wie erfahren sp. 789. 790: