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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
falle bis fallenohr (Bd. 3, Sp. 1277 bis 1287)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) falle, f. repagulum, decipula, laqueus, ahd. fallâ, mhd. valle, nnl. val. eine falle legen, richten, stellen; in die falle gehen, geraten; die falle steht offen, schlägt zu; falle an der thüre, klinke, klappe. Stalder 1, 352. mhd.

ein valle was ouch innen
hin ûʒ geleitet durch die want. Trist. 426, 33;

die in dës tôdes vallen
sint alhie beklemmet. Martina 11, 48;

ër satzt manec vallen dar. LS. 3, 53;

si geriet die vallen nagen
biʒ ir diu hût entsleif,
diu valle si begreif. das.;

ein bœse wîp ist ein valle,
da hüeten sich vor alle. 3, 54;

nhd. sein strick ist gelegt in die erden und seine falle auf seinem gang. Hiob 18, 10; ir tisch müsse für inen zum strick werden, zur vergeltung und zu einer falle. ps. 69, 23; die hoffertigen legen mir stricke und breiten mir seile aus zum netze und stellen mir fallen an den weg. 140, 6; beware mich vor dem stricke, den sie mir gelegt haben und fur der falle der ubeltheter. 141, 9; denn man findet unter meinem volk gottlosen, die den leuten stellen und fallen zurichten sie zu fahen, wie die vogeler thun mit kloben. Jer. 5, 26;

sie richten fallen zu, ja gruben graben sie.
Weckherlin 179;

du bist nun einmal drin, nun hilf dir aus der falle!
Göthe 7, 63;

den mäusen stellt man fallen. 14, 189; er ist eben auf dem landhause, wohin diese betrieger zusammen in die falle gehen. 14, 222; seitdem ihn jene grausame entdeckung von der seite Marianens gerissen hatte, war er dem gelübde treu geblieben, sich vor der zusammenschlagenden falle einer weiblichen umarmung zu hüten. 18, 197; wir sind jetzt in eigner falle gefangen. Fr. Müller 3, 281; ehmals las ich um meine menschenkenntnis zu erweitern, mich vor den fallen, die man mir stellen möchte zu hüten, und fiel dennoch hinein. H. L. Wagner Evchen Humbrecht 72;

trauet nicht den rosen eurer jugend,
trauet, schwestern, männerschwüren nie!
schönheit war die falle meiner tugend,
auf der richtstatt hier verfluch ich sie.
Schiller 5b.

s. DWB mausfalle, DWB rattenfalle, DWB marderfalle.
 
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fallehen, n. was fallgut.
 
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falleisen, n. klinke, thürklinke.
 
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fallen , cadere, labi, ahd. fallan fîal fiel fielun, mhd. vallen viel vielen, alts. fallan fêll fêllun, mnl. vallen vel vellen, nnl. vallen viel vielen, ags. feallan feoll feollon, engl. fall fell, altn. falla fêll fêllo, schw. falla föll föllo, dän. falde faldt und föll, vgl. GDS. 839. das merkwürdigste ist die gänzliche abwesenheit des worts im goth., wo man fallan, faifall erwartete, wo aber für πίπτειν driusan, gadriusan erscheint, ags. dreosan, während vom ahd. triosan nur das schwache trôran, goth. drausjan und trôr, cruor, altn. dreyri, das fallende, triefende blut übrig ist. auch πτῶμα (cadaver) und πτῶσις sind bei Ulfilas verdeutscht leik und drus, nicht durch fall.
urverwandt unserm fallen steht nun zunächst das lit. pulti, lett. pult, und lit. plis ist fall, plimas niederlage; frage ist, wie kann das l beider formen mit der lingualis des skr. pat cadere und volare, des sl. padati, pasti cadere ausgeglichen werden? l und d wechseln sattsam (GDS. 354. 355), ll zu deuten, braucht man nicht ans sl. padl gefallen zu denken, das sich in ll assimiliert hätte. πίπτω πέπτωκα scheint πιπέτω aus πέτω, πέτομαι, πέταμαι fliege, falle in die höhe, nach dem doppelsinn des skr.

[Bd. 3, Sp. 1278]


pat (cadere und volare, devolare und evolare, niederfliegen und auffliegen), wie sich bei rîsan, reisan die bedeutungen cadere und surgere nebeneinander entfalten (GDS. 664), obschon fallen, pulti und padati nur senkung, nicht erhebung auszudrücken scheinen (doch sehe man hernach der nebel fällt); vgl. auch lat. petere und unser bitten, zur erde fallen (2, 52). noch mehr licht verbreitet sich auf diese wurzel durch die wörter πέταλον, πετεινόν und πτερόν, ahd. fëdara, altn. fiöður, lit. plunksna, lat. penna, wo die goth. gestalt wieder entgeht. ob sich lat. cado, ir. cadaim zu sl. padu, padam verhält wie quatuor, ceathair zu pedwar, fidvôr? doch hat Bopp cadaver, den gefallnen leib, leichnam verglichen mit skr. kalêvara (Böhtling 2, 165), wo sich dann k für p und schon l für d oder t eingefunden hätte. man dürfte auch, zumal für unser transitives fällen, das gr. πάλλειν schwingen, lat. pellere treiben in erwägung ziehen.
fallen steht immer intransitiv, das transitivum lautet fällen. nur die composita anfallen, überfallen, befallen werden transitiv. höchstens liesze sich in den redensarten einen todt fallen, sich todt, lahm fallen an transitivbedeutung denken, sie meinen aber im fallen tödten, lähmen und nicht fällen = todt schlagen, vgl. sich einen zahn ausfallen.
A) sinnliche bedeutungen.
1) das stehende, hängende, getragne fällt, sinkt, stürzt: das haus, die wand, mauer fällt; und es (das haus) fiel bald (goth. gadraus). Luc. 6, 49; städte, burgen, festen fallen, stürzen; der baum, stamm fällt; wenn der baum fellt, auf welchen ort er fellet, da wird er ligen. pred. Sal. 11, 3; das laub fällt, die blätter fallen, mhd. rîsent; der apfel fällt nicht weit vom stamm;

wenn die blätter fallen
in des jahres kreise.
Schiller 510b;

das thier vom pfeil, von der kugel getroffen fällt; überhaupt das thier fällt, stirbt, crepiert: es sind mir zwei meiner besten pferde gefallen, umgefallen, gestorben; der mann fällt im krieg, kommt um; mhd.

dô was verendet der strît,
und viel von dër swære,
als ëʒ ein boum wære. Iw. 5073;

seine söhne fielen vor dem feind; und alle die des tages fielen, beide man und weiber, der waren zwelf tausent. Jos. 8, 25; und ist viel volks gefallen. 2 Sam. 1, 4; der gleitende fällt; wenn du deines bruders esel oder ochsen sihest fallen auf dem wege, so soltu dich nicht von im entziehen, sondern solt im aufhelfen. 5 Mos. 22, 4; der wagen muste fallen; der stuhl, die leiter fällt;

eines schickt sich nicht für alle,
sehe jeder wie ers treibe
und wer steht, dasz er nicht falle.

der vorhang, die fahne fällt; sein gewand fiel und er stand nackt da; der schleier, die larve fällt; die fessel ist gefallen;

da sah man millionen ketten fallen.
Schiller 25a.


2) aus der höhe fallen, niederfallen: die vögel fallen auf den baum; feuer fällt, regen, schnee, hagel, thau (sl. rosa padá, lat. ros cadit); da nu ein platzregen fiel. Matth. 7, 25, (vulg. descendit pluvia, goth. atiddja dalaþ rign);

dann fallet ein schlagregen.
Weckherlin 628;

doch welche sich vor dem reifen schewen, uber die wird der schnee fallen. Hiob 6, 16; dasz sie eine haut hat wie ein gefallener schnee. Weise comöd. probe 281; mhd.

als ein niuwevallen snê. tr. kr. 19973;

und wenn des nachts der thaw uber die lager fiel. 4 Mos. 11, 9; die selbigen werden haben den thaw, der früe fellet. Hos. 13, 3; denn alle menschen und vieh, so der hagel auf sie fellet, werden sterben. 2 Mos. 9, 19; und wird dicker hagel fallen, aus dem zorn der donnerschlege. weish. Sal. 5, 23; sihe es wird ein schrecklich ungewitter den gottlosen auf den kopf fallen. Jer. 23, 19; wer einen gefallnen donnerstein bei sich trägt, wird nicht vom blitz getroffen; wo die steine mit starkem poltern fielen. weish. Sal. 17, 19; die kugel fällt, aufwärts und niederwärts, fliegt in die höhe und senkt sich; der schusz fällt;

es ist ein schusz gefallen.
Göthe 2, 277;

kein schusz darf hier fallen; eine bombe fiel ins haus; mhd.

dër stein was gevallen zwelf klâfter dan. Nib. 436, 1.

fallende sterne. der nebel fällt, nebula cadit, aber auch surgit, sowol fällt nieder als steigt auf. in folgender stelle

ergraut ist schon die welt,
die luft gekühlt, der nebel fällt.
Göthe 12, 62

wird deutlich der nahende abend, die einfallende dunkelheit, also der aufsteigende, einhüllende nebel gemeint, während anderemal der

[Bd. 3, Sp. 1279]


nebel fällt (böhm. mhla pada) heiszt der nebel reiszt, fällt zu boden. hier hätten wir den uralten doppelsinn des fallens, cadere und surgere, descendere und ascendere, wie die wörter volare, fliegen an sich nicht besagen, ob auf oder nieder. die sonne fällt, sinkt, aus ihrer mittagshöhe herab, steigt nieder, altn. sôlarfall occasus und sôlsetr, sie setzt sich nieder; ebenso der tag fällt: da sie nu bei Jebus kamen, fiel der tag fast dahin (vulg. dies mutabatur in noctem). richt. 19, 11; die nacht fällt, la nuit tombe, die nacht bricht ein, was sich wieder nehmen liesze, sie steigt am himmel auf. das wasser fällt, sinkt wieder, nachdem es gestiegen war: und die wasser fielen, vulg. et imminutae sunt aquae. 1 Mos. 8, 1; darnach liesz er eine tauben von sich ausfliegen, auf das er erfüre, ob das gewesser gefallen were auf erden (vulg. si jam cessassent aquae). 8, 8; der flusz steigt und fällt; es bricht ein solcher bach erfür, das die drumb wonen den weg daselbs verlieren und fellt wieder und scheuszt dahin von den leuten. Hiob 28, 4. so auch das wetterglas, quecksilber steigt oder fällt, die stimme fällt, das zäpflein fällt. 'das losz fällt', wie es auch geworfen wird, nach dem fallen des zweigs oder auch des würfels.
3) fallen nasci, geboren, gesetzt, in die welt gesetzt werden, von thieren, gleichsam prolabi ex utero: in den gestüten heiszt es 'aus der stute' und 'nach dem hengst' fallen; ich wil heute durch alle deine herde gehen und aussondern alle fleckete und bunde schafe unter den lemmern und die bunden und flecketen ziegen, was nu bund und flecket fallen (d. i. von den trächtigen thieren zur welt gebracht werden) wird, das sol mein lohn sein. 1 Mos. 30, 32; von den jungen zuchtstuten waren zwei füllen gefallen. Felsenb. 2, 78; ich wurde etwas sehr bedenkliches an dem rosse gewahr, da Horst wegreiten wollte. 'es ist ja kein heiliges waldros', ist aber von einem solchen gefallen! (eines solchen kind). Klopstock 10, 203. sprichwörtlich: von schönen pferden fallen schöne füllen; nicht von jeder stute fallen schöne füllen; der hase ist da am liebsten, wo er fällt (geheckt ist). dies fallen steht dem vorhin angeführten fallen = crepieren geradezu entgegen. ähnlich bei pflanzen: es sollen vom nelkensamen dunkle farben fallen. J. P. grönl. proc. 36. auch, das in unserer stadt fallende (erzeugte) salz. Grefe saline Lüneburg s. 31.
4) oft folgen dem fallen praepositionen.
a) in. mhd.

vil der guoten recken vor Wolfhartes hant
mit tôde muose vallen von swërten in daʒ bluot. Nib. 2219, 3;

dô viel in die bluomen dër Kriemhilde man. 929, 1;

nhd. ins gras, in die blumen fallen; das fällt in die augen, sanft in die ohren; besser zu fallen in gottes hand als der menschen; ich bin in gute hände gefallen; ins wasser, in den brunnen, in die grube fallen; die flagge fällt ins meer; das kind fiel ins feuer; er fellt oft ins fewr. Matth. 17, 15; ins bett fallen, sinken, mhd. in daʒ bette vallen, sîgen. mit der thür ins haus fallen, plump herangehen: ein freiersmann sollte nicht mit der thüre ins haus fallen. Göthe 11, 22;

er falle wenn er jemals freit
nicht mit der thür ins haus. 11, 38;

sie falle mit der thür ins haus, betäube mich mit einem derben schlag und verlange, man solle alsobald sein liedchen pfeifen und von einem gegenstand zum andern hüpfen. 31, 174. schon Simpl. K. 807 scherzhaft umgedreht: die reden übereinander werfen, wie der schuhmacher den leist und also mit der stuben (wie man im sprichwort redet) in die thür hinein fallen. der topf ist in die asche gefallen, die speise verschüttet, bildlich für vereitelt: es solle sich verziehen und zuletzt in die aschen fallen. Luthers br. 5, 197. der Main fällt in den Rhein, mein weg fällt in deine strasze; es sei denn das das weizenkorn in die erden falle und ersterbe, so bleibts alleine. Joh. 12, 24 (kaurnô hvaiteis gadriusandô in airþa); der schlaue fuchs ist doch endlich in den strick gefallen; in eine krankheit fallen, in morbum incidere, aufs krankenlager fallen, tomber malade: das sich die armen schuler überaszen und oft in grosze krankheit fielen. Tho. Plater 20; in krämpfe, zuckungen (Göthe 17, 403), in ohnmacht, schlaf fallen;

hör aber was geschiehet drauf, das klare glas zerbricht,
der reine wein verraucht, der freund fällt schmerzlich in die gicht.
Logau 2, 37, 38.

in, unter die leute fallen, ruere in homines: mhd.

unz si in kom vil nâhen bî
und viel enmitten under sî. Iw. 104,

in medios; nhd. in die feinde fallen, ruere in hostes; kör umb, fall in den, stosz dise, th im nicht mer. Frank weltb. 197b;

[Bd. 3, Sp. 1280]


aber von der heftigkeit ihres feuers wendete er sich zur rechten und fiel in die Sachsen mit solchem ungestüm, dasz ihre glieder sich trennten. Schiller 934a; wenn deudsche fürsten in einander fielen, das möcht den bapst frölich machen. Luther 5, 75b; da vater und son, bruder und vetter in einander fallen. 8, 41b; das die gelehrten aus eigener rach in einander gefallen sind. Melanchthon im corp. d. chr. 539; so würden sie selbs in ir aigen stat innanander fallen. Reuchlin augensp. 19a;

ihr sollt uns büszen. fallt in ihre herde!
die hütte reiszet ein, brennt und schlagt nieder!
Schiller 518b.

in die saiten, in die speichen fallen, greifen, fassen:

der sänger rasch in die saiten fällt
und beginnet sie mächtig zu schlagen.
Schiller 69b;

sie wollen,
allein in ganz Europa, sich dem rade
des weltverhängnisses, das unaufhaltsam
in vollem laufe rollt, entgegen werfen,
mit menschen arm in seine speichen fallen? 279a,

haar das in locken, ins schwarze fällt.
b) einem in: es begab sich aber auf einen tag, da Tobias heim kam ... und sich neben eine wand leget und entschlief, schmeiszte eine schwalbe aus irem nest, das fiel im also heisz in die augen, da von ward er blind. Tob. 2, 10; es fällt mir in die augen, ich schaue es; da seht um euch her, und was verboten, was verflucht ist, wird euch in die augen fallen. Göthe 20, 268; der ganze schatz fiel den feinden in die hände; sie fiel ihm in die arme, umarmte ihn, liesz sich umarmen; einige leute fielen dem seiltänzer sogleich in die arme. Göthe 18, 160;

aber da fielen die kinder mit schrein und entsetzlichem weinen
ihr in die kleider und wollten die zweite mutter nicht lassen. 40, 314;

wenn gott in seiner rechten alle wahrheit und in seiner linken den einzigen immer regen trieb nach wahrheit, obschon mit dem zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir 'wähle!' ich fiele ihm mit demuth in seine linke, und sagte: 'vater gib! die reine wahrheit ist ja doch nur für dich allein!' Lessing 10, 49; es ist mir in (auf) alle glieder gefallen; die streitenden fielen einander zuletzt in die haare und rauften sich; die dragoner sollen dem feind in den rücken, in die seite fallen; dem hunde fiel das fleisch aus seinem munde in den bach; das mädchen spielt und die kugel fällt ihm in den brunnen; nun ist mir alle meine freude ins wasser gefallen; dem wagen in die räder, dem rad in die speichen, dem pferd in die zügel fallen; ein bettler fiel ihm in den weg.
c) auf. auf den kopf, die nase fallen; bildlich, er ist nicht auf den kopf gefallen, kein dummkopf; und ein groszer hagel fiel auf die menschen. offenb. 16, 21; auf den boden, auf die erde fallen (wie die erde suchen = niederfallen); die nadel fiel ihr auf die erde; fiel auf die erden und betet. Marc. 14, 35; und fielen auf die knie und beteten in an. 15, 19; so dicht, so gedrängt stehen, dasz kein apfel auf die erde fallen kann; bildlich es ist auf die erde gefallen, nicht behalten worden, verloren gegangen; kauft man nicht zwen sperlinge umb einen pfennig? noch felt derselbigen keiner auf die erden on ewren vater (goth. jah ains izê ni gadriusiþ ana airþa). Matth. 12, 29; es sol kein har von deinem son auf die erden fallen. 2 Sam. 14, 12; Wilhelm war überzeugt, es sei kein wort seiner geschichte auf die erde gefallen. Göthe 18, 29; diese vorstellung fiel dem könige zwar nicht auf die erde. Schiller 813a; bei einem so streng katholischen fürsten konnte ein solcher wink nicht auf die erde fallen. 917a; hätten sie den schimpf beantwortet, so würden sie ihm dadurch eingestanden haben sie verdienten ihn. da sie ihn aber ganz platt auf die erde fallen lieszen, so ward er kraftlos. Klinger 3, 71; und etlichs fiel auf den fels. Luc. 8, 6; da das die jünger höreten, fielen sie auf ir angesichte und erschracken. Matth. 17, 6; da fiel Abram auf sein angesicht. 1 Mos. 17, 3; da fiel Joseph auf seines vaters angesicht. 50, 1; und das gevogel fiel auf die as, aber Abram scheuchet sie davon (vulg. volucres descenderunt super cadavera). 1 Mos. 15, 11; und sie wurfen das losz uber sie und das losz fiel auf Matthian. apostelg. 1, 26;

o damals
wollt er den tempel nehmen, von dort auf Jerusalem fallen. Messias 6, 398;

lasz auch nach Argos mich entkommen, mit
vereinten scharen fallen sie auf mich.
Schiller 220b;

[Bd. 3, Sp. 1281]


da nu die sonne untergegangen war, fiel ein tiefer schlaf auf Abram (irruit supra). 1 Mos. 15, 12; wie wir beide zugleich auf das strumpfband zu boden fallen (uns werfen, eiligst bücken). Schiller 197b; es ist mir auf die brust gefallen.
d) zu. ich falle zu füszen (poln. upadam do nog), bin ein gehorsamer diener; trat zu im ein mensch und fiel im zu füszen. Matth. 17, 14; und da er in sahe, fiel er im zu füszen (gadraus du fôtum lêsuis). Marc. 5, 22; da das Simon Petrus sahe, fiel er Jesu zu den knien (draus du knivam Iêsuis). Luc. 5, 8; als nu Maria kam da Jesus war und sahe in, fiel sie zu seinen füszen (draus imma du fôtum). Joh. 11, 32. der unterschied von zu den füszen, knien und auf die füsze, knie fallen ist also gewöhnlich, dasz jenes die füsze, knie des herrn, dieses die des knechts meint, in fuszfall, kniefall kann beides liegen;

da sah man mir sie selbs, die mein haupt mit dem fusz
zu trümmern stolz gedacht, ganz zitternd zu fusz fallen.
Weckherlin 71.

mhd. mir troumte hînte leide, wie obe dir ze tal
vielen zwêne bërge. Nib. 867, 3;

die (thränen) vielen in genôte von den ougen ze tal. 362, 4;

nhd. zu grunde fallen, zu boden fallen, zur erde fallen, sinken: das wir versinken oder zu grund fallen werden. Luthers br. 3, 551. zu hauf, haufen fallen, corruere, zusammenfallen, über den haufen: darauf sich dieses alt wacklende gebäw stützete, dasz es nicht zu hauf fiele. Philand. 1, 262; die finstere nacht konte ihren schnellen lauf nicht hindern und ob sie gleich oft an stöck, stein, stämm und bäum liefen und noch öfter zu haufen fielen, raften sie sich doch geschwind wieder auf. Simpl. K. 261; alts. te hôpa, ags. tô heápe.
e) ab, von. fiel ab sinem pferd, descendit. Eulensp. 25. vom stuhl, tisch fallen; sie sprach, ja herr, aber doch essen die hündlein von den brossamlen, die von irer herrn tisch fallen. Matth. 15, 27; und begeret sich zu settigen von den brosamen, die von des reichen tische fielen (jah gairnida sat itan draubsnô þizô driusandeinô af biuda þis gabeigins). Luc. 16, 21; er ist vom pferde gefallen; und Rebecca hub ire augen auf, und sahe Isaac, da fiel sie vom kamel. 1 Mos. 24, 64; der apfel fällt vom baum;

da fielen von im auf der fert
zehen von den zwelf geschlechten.
Schwarzenberg 108, 1,

fielen ab von ihm; du fällst vom fleisch, siehst aus wie ein todtengeripp. Lenz 1, 207; und die ketten fielen im von seinen händen. apostelg. 12, 7; es fiel mir wie schuppen von den augen;

wem hier, wem itzt
die schuppen nicht vom auge fallen.
Lessing 2, 249.


f) aus. aus dem schif, nachen fallen; das kind fiel aus dem fenster, aus dem wagen; der same fällt aus der kapsel; der sand aus dem fasz; und eine stimme fiel aus der wolken und sprach (jah qam stibna us þamma milhmin). Marc. 9, 7; jeder schaltete ein und änderte, wie es ihm gut dünkte oder aus der feder fiel. Lessing 10, 336; der fusz ist aus dem gelenk gefallen; dem etwas war aus seinem munde gefallen, woran der könig sich stiesz. pers. baumg. 1, 31; die pfeife fiel ihm aus dem munde; hände, aus denen jeden tag neujahrsgeschenke fielen. J. P. flegelj. 1, 4; wenn das mädchen redete, fielen blumen aus seinem munde.
g) um. fiel (warf sich) im umb den hals und küsset in und sie weineten. 1 Mos. 33, 4; und da er in sahe, fiel er umb seinen hals und weinet lange an seinem halse. 46, 29; dunkle locken fielen ihr um den weiszen hals.
h) über. über einen stein, über ein stück holz fallen; über einen fallen (ihn überfallen) und ihn mishandeln. die locken fielen ihr übers gesicht.
i) unter. es war ein mensch, der fiel unter die mörder. Luc. 10, 36.
5) es folgen adjectiva oder adverbia. mhd.

doch viel ër vor dem videlære tôt. Nib. 2009, 4;

dô vielen beide erslagne Gêrnôt und Rüedegêr. 2158, 2;

nhd. er fiel todt zu boden; es fielent die leut hungers halber todt darnider. Aimon x 3b; fiel todt zur erden. c 1a.b; bergmännisch, der gang fällt seiger (senkrecht), fällt schräge. die locke fällt schief; das zeug fällt schön (im kleide); die falte fällt gerade; diese falte musz reicher fallen. Göthe 14, 208; das seil fällt lang, fällt zu kurz; aufrecht zur erde fallen; die kugel fällt zu hoch, zu tief; ich bin hart, weich gefallen; der stein fiel schwer auf die erde; der schlaf fiel schwer auf meine müden augen; das fällt leicht, schwer ins gewicht, wiegt leicht, schwer:

[Bd. 3, Sp. 1282]


ein augenzeugnis, ein erhaschtes wort,
ein blatt papier fällt schwerer in die wage,
als mein lebendigstes gefühl.
Schiller 265a;

die heerbahn fällt zu weit, der fuszpfad lauft geschwinder.
Gryphius 1, 549,

zwar in diesem fallen, abfallen, ablenken liegt schon abstraction.
6) einigemal finden sich persönliche dative neben fallen. wer bistu, das du einen fremden knecht richtest? er stehet oder fellet seinem herrn (seinamma fraujin standiþ aiþþau driusiþ, vulg. suo domino stat aut cadit). Röm. 14, 4;

die fiel dem donner des todes und aufstehn
wird dem lauteren hall der auferstehungsposaune. Messias 12, 676;

solche sieger waren wir einst auch, da wir, nachdem durch das blut der zwanzig centurione der bund gemacht war, die beute vor der schlacht losten. dem Sueven fiel das gold, dem Cherusker die pferde, dem Sicambrer die gefangnen! Klopstock 9, 254, vgl. DWB das losz fällt (sp. 1279); nim die wörter, wie sie dir fallen. Riemer reime dich s. 66.
7) fallen lassen. mhd.

die sëgele recte man hër vur
und lieʒ den wint vallen drîn. pass. H. 380, 80;

nhd. da liesz gott der herr einen tiefen schlaf fallen auf den menschen und er entschlief. 1 Mos. 2, 21; aber da Onan wuste, das der same nicht sein eigen sein solt, liesz ers auf die erden fallen und verderbts (LXX ἐξέχεεν ἐπὶ τὴν γῆν, vulg. semen fundebat in terram). 38, 9, wo Luther passend das euphemistische 'es' (sp. 1118) anwendet; da hieben die kriegsknechte die stricke ab von dem kahn und lieszen in fallen. apostelg. 27, 32; er liesz das glas aus der hand fallen und der wein vergosz; die dirne liesz den eimer fallen, dasz alles verschüttete; das mädchen hat das kind aus dem fenster fallen lassen; sie war unvorsichtig genug, über ihre wahre leidenschaft einige worte fallen zu lassen. Göthe 20, 98; jene liesz ihre langen augenwimpern fallen. 22, 112.
B) abstractionen.
1) ohne praeposition. mhd.

daʒ rëht was im gevallen (zugefallen). Erec 1107;

dâ von ëʒ was gevallen
bî dër sëlben zît alsô. Silvester 154;

nhd. wenn die not und leiden daher fallen. Luther 1, 80a; mhd.

diu hôchzît was gevallen an einen phinxtac. Nib. 1305, 1;

nhd. ostern, pfingsten fallen, treten ein, fallen dieses jahr spät; man musz die feste feiern wie sie fallen; der zins fällt, ist fällig, musz entrichtet werden: nu manet uns der schösser teglich strenger und wir doch dasselbe nicht mügen bezalen, weil unser zinse nicht fallen noch bisher gefallen sind. Luther 2, 514a; der brauch, die sitte fällt, geht unter, verliert sich; wenn ihr diesen vorschlag annehmt, musz jener fallen; das stück ist gefallen, durchgefallen; die curse fallen, weichen; der werth der häuser ist im fallen. das handlungshaus ist gefallen, fallit geworden. mir fällt der muth.
2) bei praepositionen.
a) dies blaue fällt ins grüne, dies roth in violett; sein witz fällt ins bittere; das leid fällt in freude;

des schaden in ein frommen felt.
Ringwald geistl. lied. D 2b. G 5b;

er ist in schlechte gesellschaft gefallen;

gewinnlich der nach tugend stelt,
der nit in pös gesellschaft felt.
Schwarzenberg 128, 2;

er ist in die gröszte noth und verlegenheit gefallen; die allgemeine verachtung, in die er deswegen fiel. Wieland 1, 77; die zwischenzeit war ins vergessen gefallen. Göthe 17, 396; jedem fielen seine eigenen, obgleich viel geringern schätze dabei wieder ins gedächtnis. 19, 53; welches mir nie in sinn noch fedder gefallen ist. Luther 1, 426a; das fällt mir nicht in den sinn, in die gedanken, fällt mir nicht ein; das fällt nicht in die sinne, augen, leidet keine sinnliche wahrnehmung, vgl. DWB augenfällig, DWB sinnfällig. einem in die rede, ins wort fallen, ihn unterbrechen:

ich bin dir gar zu gut. 'ich dachte was es wäre'.
du fallst mir in das wort. 'nun rede nur, ich höre'.
Rost schäferg. 114;

sie ergreift die guitarre, und nachdem sie eine weile schwermütig praeludiert hat, fällt sie in den gesang. Schiller 349a; diese musik fällt gar nicht ins gehör; er ist ihm in sein amt gefallen; der fellet in gottes eigen ampt. Luther 3, 54a; das fällt in die zeit meiner jugend;

[Bd. 3, Sp. 1283]


den zorn, der oftersmals den zaum zerreiszen will,
mit macht zurücke ziehn und fallen in sein ziel.
Opitz 3, 213.


b) da Petrus noch diese wort redet, fiel der heilige geist auf alle, die dem wort zuhöreten. apostelg. 10, 44; angst und furcht war auf ihn gefallen; man musz nicht auf die güter gottes fallen und sich ir annemen, sondern durch sie hinauf zu im dringen. Luther 1, 485a; wenn man nur den namen dran hengt, so fellt jederman drauf und helt es fur köstlich. 4, 45a; er fellet nicht allein auf das ubel, sondern behelt fur augen alle güte und wolthat des herrn. 5, 45b; seine gedanken fallen auf alles; denn es fall auf welchen weg (wohin) es wolle, zur eroberung oder ergebung. Kirchhof mil. disc. 35;

allein der wilden schar
fiel auf die Britten los.
Gellert 1, 56;

es ist eine rechte noth, seitdem die groszen herren auf das incognito gefallen sind. Göthe 14, 3; Friedrich ergrif manche gelegenheit, um auf eine neigung Wilhelms gegen Natalien zu deuten. wie konnte er darauf fallen (verfallen)? 20, 293; sie fielen daher sämtlich drauf, das was sie natur nannten, der cultur und der kunst entgegen zu setzen. 36, 178; und blosz deswegen thut er dieses, weil die folgen jetzt anders auf den könig fallen. Schiller 815a; Stosz, dem noch immer das bauchgrimmen im kopfe steckte, fiel am wenigsten auf ein dankgebet. J. P. komet 2, 118; es fällt mir schwer aufs herz, aufs gewissen.
c)

all ding ir zu euch fallen secht (nach Matth. 6, 33).
Schwarzenberg 111, 1;

damit ich nicht zum argwohn falle. Luthers br. 5, 287. zu etwas fallen = herabfallen, sinken, sich senken, mildern: dessen glühfeuer erst durch eine entfernung zur wehenden wärme fiel. J. P. uns. loge 3, 25; die alpenechos klangen in die weite nacht zurück und fielen zu einem tönenden hauche. 3, 109.
d) ir habt Christum verloren, die ir durch das gesetz gerecht werden wolt, und seid von der gnade gefallen (goth. us anstai usdrusuþ). Gal. 5, 4; das sie mehr sorgen, das gottes gunst, lob und ehre von inen falle, denn das sie verdamnet werden. Luther 1, 20b. 3, 3; sint der zeit ist mein herz von im gefallen. 4, 374b; diejenigen, so nicht vom text fallen, sondern bleiben bei dem text. 8, 65b; wo man einmal vom rechten verstand der schrift fellet. 8, 88a;

ihr denket ich sei der herr abt von sanct Gallen.
'ganz recht, und das kann von der wahrheit nicht fallen'.
Bürger 67b,

das kann nicht anders sein, a vero non abhorret.
e) der Carlstad ist aus dem reich Christi gefallen und hat schifbruch am glauben erlitten. Luther 3, 57a; er ist aus seinem concept gefallen.
f) und fiel eine furcht uber sie alle. apostelg. 19, 17.
g) die schichten des muschelkalks fallen alle gegen das meer. Göthe 28, 169.
3) bei adjectiven:

und bringst den feind so weit,
dasz er, wie schwer es fällt, für sieg genade schreit.
Opitz 1, 5;

der tod fällt nicht so leicht.
Gryphius 1, 496;

ihr fällt das licht zu stark, obgleich der tag sich wendt. 1, 601;

leichte fällt es lieb bekummen,
leichte fällts ein weib genummen.
Logau 1, 121, 17;

noch dennoch war mir wol und alles fiel geliebet (nach wunsch),
weil ruh mir wol gefiel. 3, 228, 56;

zipollen stinken zwar, doch einem gleichwol deucht,
wenn man sie etwan aus des schönen munde reucht,
...... es angenehmer fält,
als rosen, so die hand des heszlichen für hält. pers. rosenth. 6, 2;

als den räthen die zeit unsre proposition anzuhören zu lang fallen wolte. pers. reiseb. 1, 9; diese reise wird dir höchst beschwerlich und gefährlich fallen. pers. rosenth. 2, 11; zumaln auch die armuth dir selbst zu dienen und das werk der seligkeit zu treiben, nicht hinderlich fället. Scriver seelensch. 2, 181;

nachdem der lohn vor meine lieder
im vaterlande mager fällt.
Günther 188;

an höfen fällt es schwer das alter zu erreichen,
das mancher schlechter greis in niedern hütten fand.
Hagedorn 2, 65;

damit ihre wachsamkeit ihm nicht hinderlich fiele. J. E. Schlegel 5, 297; es gibt wiederum andere (dinge), gegen die alle kraft der legislation zu kurz fällt. Lessing 7, 32; beides würde manchem andern regenten unendlich schwer und vielleicht ganz unmöglich gefallen sein. Wieland 7, 274; der wahrheit nicht hinderlich fallen. Kant 8, 12;

[Bd. 3, Sp. 1284]


sie sagt ihm, dasz er unter allen
ihr einzig und allein gefallen.
nichts fiel ihr zu bekennen schwer,
sie sagt ihm dies, wer weisz ob nicht noch mehr.
Rost schäferged. 29. schäfererz. 22;

die fürsten sind ein schlag von leuten,
der warlich gut genug noch fällt.
Gökingk 1, 27;

verzeihen sie, madam, wenn ich beschwerlich falle.
Göthe 7, 52;

aber wer ein positives übel, zahnweh oder unfrieden im hause hat, der frage keinen arzt und kein orakel. ihr wissen fällt zu kurz. 14, 6; einem zur last fallen;

dem alten manne, der in zwanzig schlachten
dem tod für sie entgegen gieng, fällt es
doch hart sich so entfernt zu sehn.
Schiller 288a;

der verlust muste der schwedischen partei um so empfindlicher fallen. 983b; wo ihm die schreibstube, das einkaufen der wolle, das dingen und zahlen unleidlich fiel. Arnim kronenw. 1, 293.
4) fallen lassen, fahren lassen, oft in der entgegengesetzten bedeutung des verschweigens und aussprechens: es luter fallen lan. Keisersb. bilger 56a; losz ich ietz fallen. 57b; wie aber die mönche dis ir heilig leben, da sie von rühmen, halten, wollen wir hie, umb glimpfs willen, fallen lassen (übergehen, vorbei lassen, verschweigen). Luther 6, 373a; die weil ihr nun sterben müszt, so laszt alles zeitliche fallen, denn es euch zu dem ewigen nicht genutzen mag. Galmy 319;

seine forcht liesz er doch fallen.
Weckherlin 346;

laszt nur den blinden wahn aus euren herzen fallen.
Gryphius 1, 495;

dergleichen künste als ihr im spielen gezeigt habt, müssen ihren mann niemals fallen lassen. Felsenb. 2, 383 (ihn immer in hohem wolstand erhalten); den mechanismus in den erzeugungen der natur fallen lassen und in der erklärung derselben vorbei gehen. Kant 7, 288; er hatte sogar bereits von seinen anschlägen gegen diese wackern leute manches gegen den sultan fallen (verlauten) lassen. Wieland 7, 360; lassen wir das gespräch fallen; ich liesz die sache fallen (gieng darüber hin), ohne sie abzulehnen. Göthe 27, 229; dasz du mir ja das thema über musik nicht fallen läszt. Bettina br. 1, 279; soll ich dem mädchen von dem nahen glücke sagen? so etwas musz ich fallen lassen (aussprechen). Arnim schaub. 1, 139; ich liesz fallen (erzählte neben her), dasz ich viel geld verspielt hätte.
s. DWB abfallen, DWB anfallen, DWB auffallen, ausfallen, befallen, beifallen, dahinfallen, darfallen, dazwischenfallen, durchfallen, einfallen, entfallen, entgegenfallen, gefallen, herfallen, hinfallen, misfallen, nachfallen, niederfallen, überfallen, unterfallen, verfallen, vorfallen, zerfallen, zufallen.
 
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fallen, n.
1) casus, ruina, lapsus, gen. des fallens, in welchen formen man doch im grunde lauter verbale, lat. gerundien ähnliche sehen darf:

ich aber seh in so gelungner wahl,
ist Thyrsis hier, die stunden spielend wallen,
wie diesen bach, der durch das grüne thal
so lauter schleicht, und ohne brausend fallen.
Hagedorns versuch in poet. fabeln und erz. 1738 s. 138,

was er nachher änderte in:

wie pflegten mir, nach so beglückter wahl
in Thyrsis arm die stunden zu entweichen!
so seh ich itzt durch dieses grüne thal
den lautern bach um gras und blumen schleichen. 2, 79;

fiel eine kron ihm zu, und es bedürfte nur
sie mit der hand im fallen aufzuhaschen,
er streckte nicht die hand.
Wieland;

sie fiel
ohnmächtig hin und ritzte sich im fallen.
Schiller ...


2) bergmännisch senkung: ein lager oder flötz mit geringem fallen; an verschiednen puncten des fallens.
 
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fällen , caedere, fallen machen, goth. drausjan = ahd. trôran. ahd. fallian, fellan, mhd. vellen valte, nnl. vellen velde, engl. fell, altn. fella, schw. fälla, dän. fälde. nur die III sg. lautet der von fallen gleich, sonst scheiden sich alle formen des intr. fallen und tr. fällen. gemahnt oft an βάλλειν.
1) holz fällen, bäume fällen: und werdet fellen alle gute bewme. 2 kön. 3, 19; felleten alle gute bewme. 3, 25; und da einer ein holz fellet, fiel das eisen ins wasser. 6, 5; fellet bewme und macht schütte wider Jerusalem. Jer. 6, 6; böum, wäld fellen oder abhauwen, robora demittere ferro. Maaler 133d. 134a; man felt den ganzen wald schif ze machen, in classem cadit omne nemus. 133d;

[Bd. 3, Sp. 1285]


da sah ich Töffeln an den hecken,
er fällte holz und pfif dazu.
Weisze kom. op. 3, 5.


2) mauern, thürme fällen:

daʒ ër im mit gewalte
genuoge bürge valte. Trist. 10, 30;

die stadtmauer soll gefällt, niedergerissen werden; herumb wil ich, das ewer ieder bleiden zurüst, darmit man den groszen thurn darnider fel. Aimon x 4b; sprich zu den tünchern, die mit losem kalk tünchen, das abfallen wird, denn es wird ein platzregen komen und werden grosze hagel komen die es fellen, sihe so wird die wand einfallen. Ez. 13, 11. auch steine vom schild schlagen:

vil der edelen steine gevellet ûf daʒ gras
abe liehten schildes spangen. Nib. 37, 3.


3) wild fällen, erlegen:

nû daʒ dër hirʒ gevellet wart. Trist. 71, 28;

räh, hirsch und andre wilde thier
zu fällen.
Weckherlin 429;

hasen fället auch er und jagt nach anderem wilde.
Overbeck 177,

καὶ πτῶκας βάλλει>, >καὶ θηρία τ'άλλα διώκει. Theocr. 1, 109;

die erlaubnis hohes wild zu fällen. Möser 2, 154. die genaue weidmännische sprache unterscheidet zwischen fällen und schlagen, zwischen erfällen, erschlagen, erlegen, der hirsch, das reh wird gefällt, nicht erschlagen, der bär, wisent u. s. w. geschlagen. wie erlegen, zerlegen den schlusz auf legen gestattet, darf man aus zevellen Greg. 3120 vielleicht folgern, dasz auch die fischer vellen auf den fisch anwandten.
4) häufig von menschen,
a) zu boden werfen, ohne tödtung. Nib. 434, 4.
b) fällen, tödten, oft mit beigesetztem acc. des adj. tôt (wie wir den nom. bei fallen stehn sahen sp. 1281):

jâ vellent sîne dœne manegen helt tôt. Nib. 1939, 2;

daʒ du mich tôt niht vellest. Parz. 266, 26;

ê daʒ si vellen tôten. Neidhart xxxiii, 1;

aber auch darohne:

mit grimme begreif ër daʒ swërt
und gedâht et vellen
sînen kampfgesellen. Erec 9193;

wolt vellen in des tôdes grunt. krone 21269;

daʒ ërn zër ërden valte. Trist. 177, 20;

namentlich in der verwünschung:

got müeʒe iuch vellen. Parz. 516, 2;

got müeʒe den vellen. En. 222, 36;

dës velle sie dër gotes sëgen. krone 16712;

den velle got! tr. kr. 26887;

got sëlbe müest in vellen nider.
Helbl. 8, 1150.

auch verknüpft sich vellen mit veigen:

hei was dâ guoter knëhte
gevellet und geveiget wart. Trist. 43, 31;

gevellet und geveiget
vil schiere wurden tûsent man. Pantaleon 1500.

nhd. und wil in durchs schwert fellen in seinem lande. 2 kön. 19, 7; felleten in daselbs durchs schwert. 2 chron. 32, 21; die gottlosen ziehen das schwert aus, und spannen iren bogen, das sie fellen den elenden und armen. ps. 37, 14; denn sie hat viel verwund und gefellet. spr. Sal. 7, 26; wie bistu vom himmel gefellet du schöner morgenstern, wie bistu zur erden gefellet? Es. 14, 12; und wil in durchs schwert fellen in seinem lande. 37, 7; und wil sie durchs schwert fellen. Ez. 25, 13; und stellet sich als woll er dir helfen und fellet dich meuchlings. Sir. 12, 18; erreicht er einen ritter und fellet inen todt zur erden. Aimon c 1b; wo reuter oder knecht von oder durch die feind angerennt und erlegt oder gefellt würden. Fronsperg kriegsb. 1, 65b;

so Paris heut den Menelaos fällt,
so bleib ihm Helena.
Bürger 154a;

Knud schickte Edmunds kinder seinem stiefbruder, dem könig Olaf von Schweden zu, der aber unwillig ihre jugend zu fällen, ihnen eine freistätte am ungrischen hofe schafte. Dahlmann dän. gesch. 1, 104; am sohne war nichts zu fällen, sondern am vater, für den man den wald und opferhammer so lang aufgehoben schweben läszt, bis er mit seinem kopfe darunter steht. J. P. Hesp. 3, 125; der scharfrichter fällte das haupt mit einem streich.
5) eine jungfrau fällen, entehren, schwächen, vgl. DWB fall 1, f.

meidet mannsbilder und jung gsellen,
die euch an ehrn möchten fellen.
Ayrer 7a;

und gieng hin mit seinen gesellen
die jungfraw umb ihr ehr zu fellen.
W. Spangenberg anbind oder fangbriefe C 7a.

[Bd. 3, Sp. 1286]



6) den anker fällen, fallen lassen, niedersenken, auswerfen.
7) einen schacht fällen, tiefer senken.
8) eine linie fällen, senkrecht fallen lassen: eine linie auf eine andre fällen. Kant 8, 99.
9) einen aufgelösten stof fällen, niederfallen lassen, praecipitare: das durch unterschiedliche säfte gefällete eisen. Kant 10, 41. unsere chemiker bedienen sich fast nur des fremden worts.
10) die zähne fällen, fallen lassen, wechseln, gleicht dem βάλλειν ὀδόντας.
11) die bruech fellen, die hosen fallen lassen, abziehen, abwerfen. Keller erz. 672, 26.
12) in die grube, in das grab fällen, stürzen machen: im herzen denket er, wie er dich in die gruben felle. Sirach 12, 16;

den, den die grimme welt
vom höchsten himmel aus bis in das grab gefällt.
Fleming 3;

wilst du dich, mich und sie in éine grube fällen? 620.


13) das gewehr fällen, senken, zum angriff: fällts gewehr!
14) abstract, stürzen, verderben, überwältigen, besiegen:

du mainst, in der theologei
seist ganz von meinen stricken frei.
geiz, unkeusch, hoffart ich dir stell,
damit ich vil deins gleichen fell.
Schwarzenberg 123, 1;

ist doch seine sitsamkeit
nicht wie deine fertigkeit
durch ein andre lieb zu fällen.
Weckherlin 402;

was noch das gröszest ist, die feinde seh ich stellen
auf allen seiten auf, wie sie nur mögen fällen
mein abgeseelte seel.
Fleming 19;

so wird mit ihm verloren
was in der zeit geboren,
die alles fällt und stürzt.
Gryphius 2, 181;

es kriegt ihm Mars jetzt selbst, und das was er erkrieget
ist, dasz er fällt die welt und selbst mit ihr erlieget.
Logau 1, 98, 8;

die thränen einer schönen fällen Zeus.
Schiller 15a;

lügen sind nur die waffen der hölle, die braucht Fiesco nicht mehr, seine Julia zu fällen. 171a.
15) den spruch, das urtheil fällen, ergehen, fallen lassen: der spruch ist schon gefällt; und felle ein urteil uber uns. 1 Mos. 43, 18; der herr felle heut ein urteil zwischen Israel und den kindern Ammon. richt. 11, 27; und das urteil erschall fur dem ganzen Israel, das der könig gefellet hatte. 1 kön. 3, 28; er fellet nach seiner gewiszne ein urtheil. Wickram rollw. 93; ein urtheil fällen. Kant 7, 61 und oft. ebenso die wahl fällen:

und schlosz er wolt ihnen einen stellen,
würden sie die wahl auf ihn fellen,
er solt ihn die hauben rucken. froschmeus. 2, 5 (J 14b).


16) refl. sich fällen: stürzt er sich über ein mauer ab und fellet sich z todt aus begird eins bessern lebens. Frank chron. 108b, wo sich freilich aus fellet nicht entnehmen läszt, ob der inf. fallen oder fellen lautete, die folgenden stellen scheinen für fällen zu sprechen:

die ihm mancherlei weis nachstellen,
ihn von dem glauben abzufellen.
H. Sachs V, 100a,

abfallen zu machen, was schon 1, 37 aufzuführen gewesen wäre;

die füsze matt und krank
und die sich selbsten fällen.
Fleming 639.

es heiszt aber sonst sich todt fallen, zu tod fallen, sich den hals abfallen und man wird auch hier unterscheiden müssen fällen, fallen machen, sternere von fallen cadere; hiernach gebührt der frankischen stelle fallen. vgl. verfällen.
 
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fällen, n. caesura: das fällen der bäume verursacht abnahme der bäche.
 
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fallend , cadens, caducus.
1) die fallende sucht, epilepsia, morbus comitialis, böhm. padaucj nemoc, ahd. fallandiu suht. Diut. 2, 193b; 'daʒ vallende'. Rückert zu Berlt s. 125;

die hêten die vallenden suht. Ulrich 1092;

die diu vallunde suht warf nider. Servat. 1572;

sweme wirret diu vallende suht. kaiserchr. 6491;

ir brach diu vallende suht
harte vil mit ungenuht.
Haupt 8, 185;

ei harr und hab dirs val und (l. fallund) ubel!
H. Sachs III. 1, 199b;

du schendlichs fallund ubel! V, 344a;

gekürzt in faldubel. fastn. 36, 13. 37, 11. 47, 22. 81, 2. 255, 15, ja in falbel (oben sp. 1268), später das fallende leid, die fallende krankheit, 'das fallende', vgl. Germania 2, 377 und myth. 1110. vom namen der fallenden krankheit wissen, das von den arzten viel ihr beschreibung sind ... darumb so bleibt der nam 'das fallend'. Paracelsus 1, 542c; es (das öl) hebt auch die leut im fallenden siechtumb auf. 1, 693a.

[Bd. 3, Sp. 1287]



2) das fallende, im metrum, die cadenz. der lieblich fallende abbruch in der mitte der langen versen. Weckherlin vorr.
3) das fallende laub, blatt. louprise.
4) der fallende bach: ich dann im hohen grase am fallenden bache liege. Göthe 16, 8; ihr blühenden wiesen, fallende bäche, steigende wälder. Fr. Müller 1, 18.
5) in die augen fallend: an dem sichtbarsten, in die augen fallendsten orte. Lessing 10, 43.
6) rinne, rinne flüchtige nacht, und verdecke mir die fallende sonne nicht lange! J. P. Hesp. 2, 247; etwas unaussprechlich mildes und weiches, was oft im weiblichen gesicht das brechende herz, das fallende leben bezeichnet. 2, 201; den kummer der fallenden freundschaft. 2, 165; die zeiten fallenden geschmacks. aesth. 2, 213; und die grüne erde geht auseinander und schlägt über meine fallende puppe mit ihren blumen zusammen. Hesp. 1, 149.
 
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fallendsüchtig, epilepticus: folgends hett er ein schlachtordnung von ... faulen, mürben, würmwiblenden und fallendsüchtigen käsen. Garg. 54b, es steht fallensichtigen und in andern ausgaben fallendsichtigen; 111b kreuschen und fallendsüchtig werden.
 
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fallendung, f. casus, böhm. pád: lateinische und griechische fallendungen. J. P. aesth. 2, 225.
 
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fallenohr, n. das was den riegel im schlosse bewegt, gleichsam ohr der falle.

 

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