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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
falb bis fälber (Bd. 3, Sp. 1267 bis 1269)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) falb , luridus, gilvus, subflavus, ahd. falo falawes, mhd. val valwes, ags. fealo fealeves, altn. fölr, lit. palvas, einerlei mit fahl. nach mhd. val bildete sich, mit eingeschaltetem dehnzeichen, fahl, nach mhd. valwer, ohne dehnung, falber und auslautend falb, wie aus gël gelb, aus var farb, aus swalwe schwalbe, während aus kal kalwes nur kahl, kein kalb wurde. in der bedeutung eigentlich kein unterschied beider formen, doch hat man sich an die eine oder die andere in gewissen anwendungen gewöhnt. falb klingt etwas vornehmer, höher.
1) falb von haar und gefieder: sihet aber der priester, das das har nicht falb ist. 3 Mos. 13, 31; und falb har daselbst aufgangen ist. 13, 37; durch falb haar wird das falb herz erkannt. Paracelsus 2, 390b; mhd. valevahs, blondgelockt;

wollt sie wär meine braut!
ja wol, die blonde, die falbe!
sie fittigt so zierlich wie die schwalbe.
Göthe 3, 155;

heute heiszt es meistens blond;

wie wenn Pandareos tochter, die nachtigall, falbes gefieders,
holden gesang anhebt in des frühlings junger erneuung. Od. 19, 518,

χλωρηὶς ἀηδών. zumal gern von pferden, vgl. DWB apfelgrau, ags. äppelfealo. den redensarten vom fahlen hengst (sp. 1240) sind folgende ganz gleich: einem den falben hengst strichen oder fedder lesen. Keisersberg post. 3, 43;

den falwen hengst glatt können streichlen. trag. Joh. K 4;

den falben hengst streichen.
Brant 100;

mit den worten und dergleichen
kund er wol den valben streichen. Teuerdank 85, 92;

[Bd. 3, Sp. 1268]


das süsz umbs maul streichen. den falben hengst streichen. Frank sprichw. 1, 26b; muti citius loquentur. du hettests sobald nit auf einem falben hengst erritten. 2, 53a;

auf meim falben röslein erreit.
H. Sachs IV. 3, 61c;

den falben hengst reiten, adulationem inducere. Jac. Meier adagia 57; den falben hengst streichen, os sublinere. Frisch 1, 241c;

musz loben das er schelten sol,
denn ohrenkrauwen thut gar wol,
den falben hengst nach willen streicheln.
Kirchhof wendunm. 43b.


2) vom bleichenden grün, von der herbstlichen farbe:

der erden schöner schmuck
grün, gelb, falb oder weisz.
Weckherlin 270;

die äste stunden kahl, das falbe gras erstarb.
Gryphius 2, 54;

ein fuchs, der auf die beute gieng,
traf einen weinstock an, der voll von falben trauben
um einen hohen ulmbaum hieng.
sie schienen gut genug, die kunst war, abzuklauben.
Hallers ged. 210,

es scheinen reifende, sich bräunende gemeint, oder uvae helvolae, quae colorem habent medium inter purpureum et nigrum?

soll ich mich des grünen freuen,
dem ich schatten erst verdankt?
bald wird sturm auch das zerstreuen,
wenn es falb im herbst geschwankt.
Göthe 1, 132 = 3, 87;

was der sommer reift und röthet
sinkt vom falben herbst getödtet.
Boie im musenalm. 1789 s. 102;

und wenn es ihm auch nur wär, was ein falbes blatt ist, das der wind vor seinen füszen hinwirbelt. Bettina tagebuch 204.
3) von der haut, die ihre röthe verliert, von der grauen erde steht lieber fahl:

er noch beide lefzen rühret,
beide lefzen, bleich und fahl.
ach ihr seine lefzen beiden,
beide purpurschwesterlein,
auch der falbe tod bestreichet,
färbet euch mit bleicher noth.
Spee trutzn. 233;

als sie in eine tödtliche krankheit gefallen, hat sie stets gesagt, es würde zum tode keine noth haben, bis sie endlich gemerket, dasz dieser falbe postreuter vorhanden wäre. Scriver goldpredigten 30; jene verdorrten, falben menschen. J. P. Hesp. vorr. xx;

ein falber staub.
Zachariä 1, 120.


4) von dem matten licht: wie angenehm der falbe mondglanz zwischen den bäumen dort unten. Fr. Müller 3, 164, soweit wir bei falbem licht umhersahen. Göthe 30, 96;

der felsen hörner bleicht ein falbes licht,
wie vollmondglanz in dunkle klosterhallen
durch trübe scheiben bricht.
Matthisson 199.


5)

den wahren glanz erkauft kein falber schatz (gold).
Dusch verm. werke 412;

der lange Türke trinkt im falben burgunder die gesundheit des allerchristlichsten königs. Thümmel Wilhelmine 1764. 87.
 
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falbbärtig: die Sachsenkerles falbbärtig, weil sie bier saufen. Garg. 212b.
 
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falbe, m. equus gilvus, it. cavallo falbo, zuweilen auch f. equa, vacca,

ein falbe schleifet (im schlitten) den vierten,
ein püppchen siegwartschen gesichts.
Kretschmann launen 1, 70.


 
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falbel, f. limbus, lacinia vesti assuta, sp. falbalá f., farbalá, farfalá (Diez 137), fr. falbala m., deutscher falte oder mhd. gêre, engl. furbelow. in Luthers tischr. 60b heiszt es von den adlichen: sie scharren und kratzen, wuchern und sind in dem umbschlage und haben das falbel, denn sie wöllen ire kinder zu fürsten und herren machen; kann der sinn sein, sie tragen umschlag und falbel?

mit welchem ernst er den anfang der zierlichsten wade betrachtet,
den ihm, verschönert vom dämmernden licht,
ein Amor, unter den falbeln von ihrem rocke verstecket,
so wie sie zurück gelehnt sitzt, mit schlauem lächeln entdecket.
Wieland 4, 12.

Göthe 57, 106 nach der französischen form: wir hatten keine falbalas zu zerreiszen, keine blonden zu verschmutzen.
 
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falbel, m. gutmütig von einem menschen, etwa wie zipfel: der blinde war ein schlechter falbel. Witzenbürger 3, 13; ach du schlechter falbel! 3, 54; o du armer falbel! Melander 2 no 355; diese beede hielten den guten falbel mit ihrem gespräch über die vier ganzer stunden auf. Aretini hurenspiegel 70.
 
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falbel, n. epilepsia: 'das falbel gehe dich an!' also reden die Sachsen und Düringer, sonst soll es heiszen 'das fallend übel', morbus comitialis. Agricola spr. 475, die fallende sucht, das fallende leid (myth. 1110), gekürzt aus fallübel? Alberus lex. beim wort trieb: elimo, extermino, ich treib für tausend falbel.

[Bd. 3, Sp. 1269]


das wird der ritt und falbel walten.
Hayneccius Hansoframea 1, 4;

komm dichs falbel an! 2, 2;

und hab dirs falbel auf den kopf!
Gilhusius 148;

steig herab ins falbels namen! eselkönig 317.


 
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falbeln, fälbeln, plicare, in falten ziehen: der wirth ringelte und fälbelte sein gesicht. J. P. lit. nachlasz 4, 172; gefalbeltes kleid.
 
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falben ,
1) flavescere, ahd. falawên, mhd. valwen, ags. fealvian: ahd. daʒ loub falewêt; mhd.

nu siht man aber die heide val,
nu siht man valwen grüenen walt.
Neifen 29, 37;

ëʒ valwent liehtiu bluomen ûf der heide. MS. 1, 4b;

waʒ darumbe, valwent grüene heide? MSF. 169, 11;

und valwet oben der walt. MS. 1, 41a;

swër hiure schallet und ist hin ze jâre bœse als ê,
dës lop gruonet unde valwet sô dër klê.
Walth. 35, 14;

iezunt falwet der walt
und ist rëhte in dër zît,
dô daʒ holz wider gît
sîn loup dem winter durch getwanc. Geo. 2021;

nhd. schau, wie diese gräslein falben.
Birken OL. 303;

die blätter falben schon.
Herder 3, 131.


2) tr. falben, falb machen, vgl. DWB entfalben sp. 513.
3) refl. sich falben,

tief falbte die rosichte haut sich.
Bürger 225a,

μελαίνετο δὲ χρόα καλόν. Il. 5, 354.


 
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fälben, flavum reddere: der anhaltende regen fälbte das laub; mhd.

diu hôhvart velwet êren zwî. Winsbekin 4, 7.


 
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falbenrock, m. equisetum, ἵππουρις, sonst auch schaftheu, pferdeschwanz, fr. queue de cheval, it. coda cavallina, also herzuleiten von falbe equus gilvus und rock colus, weil pferdeschwanz einem spinnrocken ähnelt, daher auch nd. duwenwocke, duwok (Schambach 53b) und norweg. kjeringerok (Aasen 215a).
 
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fälber, salix. s. DWB felber.

 

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