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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fährschatz bis fahrt (Bd. 3, Sp. 1263)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fährschatz, m. ahd. feriscaz, portorium. Haltaus 443.
 
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fährschif, n. schif zur überfahrt.
 
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fährseil, n. woran der fährmann den nachen leitet.
 
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fahrsessel, m. mit kleinen rädern an den füszen, um darauf gefahren zu werden.
 
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fahrspur, f. vestigium ferae, fährte.
 
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fährstange, f. nautae contus: in der mitte steht Phrontis der steuermann, die fährstangen bereit haltend. Göthe 44, 102.
 
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fahrsteiger, m. aufseher des grubenbaus.
 
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fahrstosz, m. der kurze stosz oder die breite seite eines fahrschachtes.
 
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fahrstrasze, f. via publica: wenn einer soll über land reisen, so bleib er nur auf der fahrstrasze und lasz sich kein abweg kümmern. wegkürzer 2;

wer heute,
vom strome fortgerissen sich vergiszt,
wird nüchtern werden, sieht er sich allein,
nur seine unmacht fühlen und geschwind
umlenken in die alte, breitgetretne
fahrstrasze der gemeinen pflicht.
Schiller 341a.

vgl. DWB fahrgasse, DWB fahrweg.
 
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fahrstuhl, m. wie fahrsessel. auch der schwebende sitz des dachdeckers am thurm heiszt so.
 
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fahrt [fart], f. iter, kommt goth. nicht vor, sondern anstatt seiner sinþs (doch vgl. usfarþô mit ahd. urfart), ahd. fart, gen. dat. fertî, mhd. vart, verte; heute bleibt fahrt im sg. unflectiert (wie kraft, macht, hand u. s. w.), der pl. lautet uns fahrten; alts. fard, gen. ferdi, ags. färd, engl. ausgestorben, mnl. vaert, vaerde, verde, nnl. vaard oder vaart, gen. vaarde; altn. ferð, schw. färd, dän. färd und fart. die bedeutungen entsprechen denen von fahren und wie dieses zu gehen, steht auch fahrt zu gang.
1) fahrt, reise. mhd. komendiu vart, ankunft:

dër wirt sprach 'hêrre, wol mich wart,
daʒ iwer hër komendiu vart
in mîn hûs ist gedigen'. Wh. 135, 22;

ouwê dîn eines komendiu vart! 93, 11 cod. m;

wiʒʒet ir war dô sîn vart
wurde? dës bewîset mich. Iw. 5858;

dô si dër vart begunde. 7945;

sich garten zuo der verte die reken küene unde rîch. Nib. 335, 4;

nhd. er ist auch verordnet von den gemeinen zum geferten unser fart. 2 Cor. 8, 19, wo die beiden letzten worte zu entbehren wären, da sie hinreichend bezeichnet sind durch geferte, gr. συνέκδημος, vulg. comes peregrinationis, goth. miþgasinþa, wiewol wir reisegefährte sagen für gefährte;

[Bd. 3, Sp. 1264]


de koninc sprak 'horet mi, Reinaert,
gi moten mit mi up de vart,
ik kan de stede allene nicht raken'. Reineke 2482;

ich stellt mein sach auf reis und fahrt.
Göthe 1, 146;

sich auf die fahrt machen, die reise antreten; das heer hat seine fahrt angetreten. vgl. DWB bergfahrt, DWB himmelfahrt, DWB höllenfahrt, lustfahrt, heerfahrt, tagfahrt.
2) wasserfahrt, seefahrt: mhd.

nu hol mich hie, verge,
sô gib ich dir ze miete von golde ein bouc vil rôt,
jâ ist mir dirre verte, daʒ wiʒʒest, wærlîchen nôt. Nib. 1490, 4;

nhd. hier war eine fahrt (transitus) über das wasser, aber ein einziger kahn zum transport. der arme mann im Tockenb. 153;

treuer lenkt des schiffers nadel
nicht gen norden seine fahrt.
Boie in Voss musenalm. 1798 s. 101;

die niederländische für die 'grosze fahrt' bestimmte kauffarteiflotte. die schiffe für die 'kleine fahrt', ihre grösze ist von 40 bis zu 255 tonnen. Weserzeitung 1853 no 2974. vgl. DWB meerfahrt, DWB seefahrt, kauffahrtei.
3) nach fahren 9, die letzte fahrt, hinfahrt, reise in die unterwelt:

uns ist unsers sanges meister an die vart,
den man ê von dër Vogelweide nande,
diu uns nâch in allen ist vil unverspart.
von Singenberg bei
Walther 108, 6;

sanges meister lëbent noch, si (jene) sint in tôdes vart. MS. 2, 173a;

damit fuor ër die lesten vart
dahin zuo gotes hulden.
Suchenwirt 34, 105;

mein psz hab ich so lang gespart,
bisz ich bin auf der letzten fart.
Schwarzenberg 114, 1;

ich red es auf mein jüngste fart. fastn. 880, 13;

oft wird in urkunden betheuert: das es war sige (sei) bi der varte, so er faren muoste. Schreiber Freib. urk. 1, 193 (a. 1349); mnl.

ic mane hu bi der selver vaert,
dat ghi mi secht, Reinaert,
die hu siele varen sal,
dat ghi ons secht de waerheit al. Reinaert 2161;

mnd. se sprak, ik vormane iu, Reinart,
up de lange hennevart,
de iuwe sele nu varen schal. Reineke 2060;

dat de schat sus gestolen wart,
des dede min vader ene quade vart,
van desser werlde to ewigem schaden. 2052;

und dasz man ihn stahl, das brachte denn leider
meinen eigenen vater in grosze nöthen, es bracht ihn
frühe zur traurigen fahrt, vielleicht zu ewigem schaden.
Göthe 40, 70.


4) fahrt, facinus: da sie aber selbiges orts keinen kräftigen beistand wusten, lieszen sich die buben, ihre rachgier auf frischer fahrt auszuüben vor diesesmahl vergehen. Felsenb. 2, 15; ich will mich mit dem bericht, wie es denen auf frischer fahrt ertappten erzdieben ferner ergangen voritzo nicht aufhalten. 2, 504. wie es sonst heiszt auf frischer that. diese redensart dient also den zusammenhang zwischen fahrt und that (sp. 1248) zu bestätigen.
5) fahrt, strömung, gewalt des gewässers: jetzt stieg das wasser mit noch gröszerer fahrt, als womit es gefallen war. es lief sogleich wieder hinaus mit erstaunlicher fahrt. Weserzeitung 1853 no 2932. ähnlich die fahrt des feuers, der flamme:

hat die liebe feuers art,
weil sie hitzt und brennt,
wie, dasz ihrer flammen fahrt
sich thalein (hernieder) denn wendt?
Logau 1, 12.


6) fahrt, ferae vestigium, weil, wie wir sp. 1248 sahen, das wild fährt;

dô sprach der hêrre Sîfrit 'ich hân dër hunde rât,
wan einen bracken, dër sô genoʒʒen hât,
daʒ ër die verte erkenne dër tiere durch den tan'. Nib. 875, 3;

sehr oft in Labers jagdgedicht, z. b.

ich wil hin nach dër ferte jagen. 185;

ëʒ mag die fart ûf uns hër wider bouwen. 221;

swër vil mit Wâgen (einem hund) wil die fart erniuwen. 288;

und besonders im pl.

wil ër nâch allen ferten balde abe stôʒen. 48;

ê ër gerëcht verniuwe
die fart, durch die ër alle ferte mîdet. 51;

du findest ferte niuwe,
die sich in ougen süeʒen. 52;

die ungebähnte bahn, der wilden thiere fahrt.
Opitz 1, 2;

die fahrt, noch verschiedentlich bei Hohberg im 12 buch des zweiten theils, während sonst nhd. der nom. sg. fährte vorwiegt.

[Bd. 3, Sp. 1265]


nach der fahrt wird weidmännisch das zeichen der thiere erkannt: item, wo der hirsch nur stallet, so stallet er allwegen neben aus, 'aus der fahrt', recht als ein hund, davon das zeichen heiszt hunds, wolfs, aber das eine fut hat, das seichet eben 'in die fahrt' und in den weg. Bechers jäger cab. 42; wenn man einen alten hirsch erkennen wil, sol man auf die grosze breite fart achtung geben. Feyerabend jagd u. weidwerk 36a. auch die gänge im bau des dachses, fuchses, maulwurfs heiszen fährte oder fahrten. vgl. mhd. wb. 3, 252a.
7) fahrt, die leiter auf welcher der bergmann ein und aufsteigt. scalae, farten. Golii onomast. 1582 sp. 75;

oftmals stürzt er herab von halbvermoderten fahrten.
Zachariä tagsz. 2, 71.

im Erzgebirge überhaupt fahrt für leiter.
8) nach allen diesen sinnlichen bedeutungen lassen sich auch bildliche und abgezogne erwarten:

daʒ er muoʒ lâʒen wilde vart.
Bliker v. St. 182;

unz si mich brâhte ûf die vart (dahin)
daʒ ich ir nâch jëhnde wart. Iw. 2986;

nu grîfwir wider an die vart. Er. 1837;

nhd. in deim beruf dein gwissen halt
in gottesfurcht, es gschicht sonst bald,
das man glaub und gewissen zart
verletzt, und kömpt auf böse fart.
Selneccer psalmen u. kirchengesenge. Lpz. 1587 s. 418;

ist er aufgeblasen und schneller fahrt, so lauft man von ihm weg. pers. baumg. 7, 29;

ich weisz die göldne frucht, ich weisz die reichen fahrten,
da was man darf man holt.
Logau 2, 42;

freude, die gezwungen ist, geht in schwerer fahrt. 2, 78, 99;

seine hand leg an den pflug, wer dazu berufen ward,
wer vergebens sitzt und fault, kömpt zuletzt auf breite fahrt. 2, 201, 33;

wann mich gott für schanden dort und für schanden hier bewahrt,
wann er an mir seelenbrot, wann er mundbrot nur nicht spart,
geht mein glücke, wie ich wil, in der allerbesten fahrt. 2, 238, 172.


9) auf der fahrt bedeutet auf der stelle, alsobald, illico, sur le champ, wie sich schon nach mhd. sprachgebrauch (wb. 3, 252) annehmen liesze:

wan si leider ûf dër vart
von der reise siech wart. Iw. 6043,

da es sonst neben von der reise überflösse. deutlicher

ûf dër vart kam ër ze hant.
Bon. 39, 7;

mnd. do her Zeno kam up de erde,
se koren on up der verde. Zeno 876;

he vel vor ore vote rechte
un sloch sin hovet up der vart
gar tegen de erden hart. Marina 274.

nhd. Woltrost man mich, gt brder, nent,
sag mir doch auch deins namen art.
ich antwort im auf diser fart,
Hans Unmt auch mein namen haiszt.
Schwarzenberg 151a;

den Woltrost bat ich auf der fart
mir nennen dise widerpart. 153b;

mit groszen ehren diser fart (dieses mal)
herr Johann Gösel doctor wart.
Schmelzl lobspruch 81;

ob gleich der Jupiter was langsam urtheil spricht
und nicht stracks auf der fahrt nach einer jeden sünden
mit donnerkeilen wil die heisze luft entzünden,
so denkt er doch sehr weit, die Themis schreibt es an.
Opitz 2, 53.


10) wir ziehen heute allzumal, zumal vor, wie denn die ausdrücke sinþ, fahrt, stunde, zeit, mal (gramm. 3, 230—33) sich in gleichem sinn mit ein, ander, all verbinden, éinmal, éin oder zweimal, allemal:

man musz euch éin fart oder zwirnt inn fischpach tragen. fastn. 660, 35;

lieber vater, mein gewonheit ist z dem minsten die wochen éin fart ze peichten, wie wol ich oft mich mer gepeicht han. Steinhöwel dec. 22, 27; ein geselschaft von fünfundzweinzig person machten, die sich z dem minsten des monets éin fart pei einander funden. 531, 30;

ein guten acker hat sie dabei ligen,
er ist einer solchen guten art,
er tungt sich selber alle fart. fastn. 517, 13;

so spricht sie wieder an der fart (nochmals).
Haupt 8, 513;

die (magd und knecht) musz ich haben alle fart
zu meiner pfleg und tägling wart.
H. Sachs III. 2, 31a;

da kömpt der herr zur andern fart,
sich ihnen wieder offenbart.
Ringwald evang. kk 7b;

ein ander fart. M 5a;

zu jeder fart. laut. warh. 206. 229. 242 und oft.


11) ungewöhnlich und erst späterhin findet sich auch fahrt für fahrnis, fahrende habe: sich mit hab und fahrt, mit herz und seele hingeben. Klinger 1, 421; hab und fahrt verprassen.

[Bd. 3, Sp. 1266]


3, 94; vor einiger zeit brannten häuser mit habe, fahrt und der eingeführten ernte ab. 8, 44.

 

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