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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fährlichkeit bis fährpacht (Bd. 3, Sp. 1261 bis 1263)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fährlichkeit, f. periculum, hat sich in häufigerem gebrauch erhalten als das adj., und während wir dieses durch gefährlich zu ersetzen pflegen, ziehen wir fährlichkeit dem gefährlichkeit vor. die fasnacht spricht:

wo jemant ferlichkeit zustunt
durch mein person, so wer wol recht,
das niemant mein zu gut gedecht
und aus der cristenheit mich reut,
das mich fund weder vich noch leut. fastn. 388, 28;

sich in fehrlichkeiten begeben. reichsabsch. von 1512. 4, 5; mer so fürgewendt wird, der todschläger wer dem benötiger wol füglicherweis und on ferlicheit seins leibs, lebens, ehren und guten leumuts halben entwichen. Carolina 142 (wo die bambergische halsgerichtsordn. von 1507 art. 167 'verdligkeit' setzt, was ganz verwerflich ist); die auf das meer faren, die sagen von seiner fehrlichkeit, und die wirs hören, verwundern uns. Sir. 43, 26; wer wil uns scheiden von der liebe gottes? trübsal oder angst oder verfolgung, oder hunger oder blösze oder fehrlichkeit oder schwert? Röm. 8, 35 (vulg. an periculum an gladius? goth. þau sleiþei, þau hairus?); ich hab oft gereiset, ich bin in fehrlichkeit gewesen zu wasser u. s. w. 2 Cor. 11, 26 (vulg. fui in itineribus saepe, periculis fluminum etc., goth. vas vratôdum ufta, birêkeim ahvô, für κίνδυνος steht dort sleiþei, hier birêkei). seltsam, dasz Luther in allen drei stellen ferligkeit schreibt, da er doch sonst dem adj. fehrlich gibt, die folgenden stellen schwanken in den drucken: dadurch viel andere auch des fleisches fehrlichkeit fliehen. Luther 3, 99b;

[Bd. 3, Sp. 1262]


zu verhüten und zu verwaren e. f. gn. seelen fehrlichkeit. 3, 171b; bei fehrlichkeit meiner seelen. 3, 172a; und stehe darauf fehrlichkeit der seelen seligkeit. 3, 263b; wie kan denn da gute zeit sein, dar leib und seele teglich in fehrlichkeit stehen? 3, 304b; hülfe und errettung von allem unglück und von aller fehrlichkeit. 3, 429b; das er lang in fehrlichkeit were. 4, 146a; weil die oberkeit solches geboten hette und die fehrlichkeit dadurch kündte vermidden werden. 6, 18a; da zeigt er ja klerlich an, das unter den christen das wort und sacrament und taufe solle so in fehrlichkeit geraten, das schwerlich jemand dadurch müge selig werden. 6, 85a; die leien mochten gleuben, sie empfiengen in einer gestalt nicht so viel als in beiden, das were eine grosze fehrlichkeit. 6, 321b; in fehrlichkeiten that er gott gelübd. tischr. 67a; verachtet den tod und alle fehrlichkeit. 215b; warlich ich förchte etwas fährlichkeit unter diesen dingen verborgen sei. Galmy 158; in dieser hohen und vollen schrecklicher, groszer fährlichkeit sachen. Kirchhof mil. disc. 92; da man nicht zeit und weil hat den fehrlichkeiten zu begegnen. Fronsperg 1, 57a;

dorft sich bsorgen keinr fehrlichkeit,
im solt geschehen kein leid.
Waldis 1, 43;

färlichkeit schreibt Stieler 403;

junge gemsenböcke,
die ich mit fährlichkeit an einem thale fand.
Overbecks Virgil 33;

um Dindonetten, das beste mädchen der welt,
aus einer fährlichkeit zu winden.
Wieland 4, 165;

durch eine reih
von unerhörten fährlichkeiten
zu wasser und land. 4, 216;

das glaub ich nach solchen ausgestandenen fährlichkeiten! 30, 286;

bei solchen fährlichkeiten denkt ihr leicht,
dasz das verdienst sein ziel erst spät erreicht.
Gotter 1, 167;

minnesold lehrt frei verachten
aller fährlichkeiten noth,
flammen, wasserfluten, schlachten.
Bürger 17b;

und bringet seine alten tage in viel arbeit und fährlichkeit zu. Claudius 3, 121; von mancherlei fährlichkeiten mit heiterem ausgang. Göthe 48, 162; ich bin gestern noch in viel fährlichkeiten kommen, muste über thür und zäune wegsteigen. an fr. v. Stein 1, 102;

liebste, solche fährlichkeiten
hat dein flüchtger freund bestanden.
Rückert ges. ged. 1, 359;

dasz er unter gottes beistand zwar mit ehren bestehen und die dame retten, aber auch irgend einer fährlichkeit nicht entgehen würde um des willen, was die dame im sinn zu thun gehabt. Eichendorf Lucanor 12; Saxo selber hat nur für die fährlichkeiten ein recht helles auge, in welchen die heldenbrüder Absalon und Esbern so immerdar die ersten waren. Dahlmann dän. gesch. 1, 299.
 
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fährlohn, m. und n., wie fährgeld: hat ihm die tante ein so reiches fährlohn ausgesetzt, wenn er sie gesund überliefert? Thümmel 4, 401;

auch noch anderes möcht ich euch gern mitbringen zum fährlohn. Od. 15, 448.


 
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fahrlos ,
1) expers periculi, gefahrlos: ein fahrloser weg.
2) erfolglos, vergeblich, μαψίδιος.
 
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fahrlos, adv.
1) tute, gefahrlos: 'faul und fahrlos' bei Frisch 1, 239b aus Gobler reichssp. 248 ohne erklärung;

fahrlos mit dir bin ich gefahren
schon in gefahren tausendfachen.
Rückert ges. ged. 2, 449.


2) vergeblich, μαψιδίως,

nicht ist, fremdling, im busen ein herz mir, welches so fahrlos
brennte vor jähem zorn. Od. 7, 309;

halten sie üppigen schmaus und trinken des funkelnden weines
ganz fahrlos. 17, 537.


 
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fährmann, m. nauta, ahd. ferio, mhd. verge:

frisch, fährmann, schaf den biedermann hinüber!
Schiller 517b;

an dem groszen flusse lag in seiner hütte der alte fährmann und schlief. Göthe 15, 210.
 
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fahrmaus, f. ein mensch mit fahrigem, unstät zufahrenden wesen.
 
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fährmeister, m. nauta, vector: deswegen ist denn aber auch ein tüchtiger fährmeister höchst nöthig. der unsere bewies kraft und gewandtheit, indem er bald hier einen vorgeschobenen

[Bd. 3, Sp. 1263]


kies zu vermeiden, sogleich aber dort den an steiler felswand herflutenden strom zu schnellerer fahrt kühn zu benutzen wuste. Göthe 30, 176.
 
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fahrnähe, f. eine zu regelmäsziger fahrt gebrauchte nähe. das Oppenheimer kreisbauamt schreibt unterm 7 jan. 1861 die lieferung einer fahrnähe, im anschlag von 1960 fl., für den dienst der dortigen fliegenden brücke aus. s. DWB nähe.
 
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fahrnis, f. fahrende habe: verlegt einen arrest auf ros und fahrnis. Schweinichen 1, 210; ungeacht der stattlichen erbschaft, so an fahrnis vorhanden war. 2, 168; angefälle von meiner schwieger frau mutter, welches doch nicht am geld, sondern fahrnis gewesen. 2, 193; meines bruders verlassenschaft beides an fahrnis und erbe. 2, 260; den zwanzigsten pfenning von aller fahrnus. Philander 1, 29; eine liste aller in jedlichem gemach, gewölbern, kellern, kästen verbliebenen fahrnis. Hohberg 1, 18; in der fahrnus aber hat das einstandsrecht nicht, sondern allein in unbeweglichen gütern statt. 3, 33a. fahrnis für hure, fahrende dirne. Schmid schw. wb. 181.
 
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fahrordnung, f. bei posten, eisenbahnen.
 
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fährpacht, m. conductio pontonis.

 

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