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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fahrkutte bis fährlichkeit (Bd. 3, Sp. 1260 bis 1261)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fahrkutte, f. wie fahrkappe, anzug des bergmanns.
 
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fahrlässig, negligens, iners, gebildet wie lässig, ablässig, unablässig, antlässig, hinlässig, nachlässig, der träge ist sich zu bewegen, zu fahren, oder die dinge fahren läszt, gehn wie sie wollen? varlessig. Diefenbach 377c; hüt dich vor disem fulen, verlegenen dorflötschen (2, 1282) ... das macht dich so ganz farlessig und schleferig. Keisersberg bilg. 142d; es ist ir ordnung, das ein ieglicher in dem kloster alwegen ein nadelen bei im tragen sol, so geht etwan in ihr capitel, wenn sie alle beieinander seind, und sagt dem abt, das er euch sein nadel zeig, so wird er sie nicht haben, ... denn so habt ihr ein ursach wider, ist er so farlessig und seumig in einem kleinen ding. sch. und ernst 1555, 317; einem bischof hat er (Carl der gr.) das bistumb strack des andern tags, nachdem ers ihm geben, wieder genommen, die weil er eine grosze gastung angestellt, sich beweinet und das h. ampt darüber verschlafen hatte, zu dem sagt er 'bistu gleich am ersten tag so fahrlässig, wie würdest du dann erst sein, wenn du nun im bistumb würdest erwärmet und ruhig sein?' Zinkgref apophth. 1, 9 (11); so gut sie sonst zuvor in ihren diensten gewesen, so vergessen und fahrlässig stund sie nachmals ihrer küchen vor. pol. stockf. 79; ein fahrlässiger mensch, ein fahrlässiges betragen.
 
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fahrlässigkeit, f. negligentia. Diefenbach 377c. Keisersberg s. d. m. 78; aber sie lassen es geschehen und geben inen ursach darzu von irer farlessigkeit wegen. narrensch. 79b; da ich dann so viel vernommen, dasz es durch fahrlässigkeit, verachtung und liederlichkeit versaumt sei worden. Götz v. B. leben 44; hat, so es nachher mislingt, nicht dem glück, sondern seiner fahrlässigkeit die schuld beizumessen. Butschky Patm. 206.
 
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fahrleder, n. das arschleder der bergleute.
 
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fahrlehen, n. ein lehen, auf dem fahrzinse ruhen.
 
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fahrleise, f. orbita, wagenleise, fahrgleis: ich liesz um so eher aus der schrecklichen fahrleise hinabwärts ausbiegen. Göthe 30, 46.
 
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fährleute, pl. von fährmann.
 
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fährlich, periculosus, infestus, anceps, ahd. fâralîh, mhd. værlîch: færlîcheʒ birsen. Laber 46; nhd. denn unser anschlege sind fehrlich. weish. Sal. 9, 14; es ist ein fehrlich ding umb einen schwetzer. Sir. 9, 25; da nu mehr fehrlich war zu schiffen. apostelg. 27, 19; denn es ist fehrlich, also mit gottes worten spielen. Luther 3, 77a; in dieser fehrlichen nacht. 3, 105a; denn es war zu der zeit gar fehrlich, ergerlich

[Bd. 3, Sp. 1261]


und grosze lesterunge. 3, 233b; diese allesampt sind in fehrlichem stande. 3, 329b; ein fehrlicher und verderblicher friede. 3, 430a; denn es fehrlicher und nötiger ist bei dem becher. 3, 494a; denn es auch fehrlich ist. 4, 8a; wie fehrlich es ist im überflusz leben. 4, 81a; diese sach ist vil gröszer und fehrlicher gewesen. 5, 7b; wie die weltlichen stende fehrlich und verdampt seien. 6, 9b; ist doch alle ire lere gewest, das alle ander leienstende weltlich und fehrlich heiszen musten und allein ire müncherei geistlich und heilig. 6, 23b; das dem teufel gewehret werde mit seinen fehrlichen pfeilen und anfechtungen. 6, 77b; wiewol es bei fehrlichen richtern ein argwon machen wird, das ich dis buch Urbani Regii wider die rottengeister zu Münster geschrieben mit meiner vorrede schmücke. 6, 315a; sollich nacht ist den kindern gar färlich. Frank weltb. 152b;

dieselben (landsknechte) sind gar färlich leut.
Uhland 540;

der weg war fern und ein fehrliche reise. Mathesius 20b; alle wachten in lägern, schanzen und andern fährlichen orten. Kirchhof mil. disc. 92;

mit mühsamer gefahr und fährlichen beschwerden,
neugierig auszuspähn und so ihr herr zu werden.
Lessing 1, 175;

denn ein groszes
bollwerk ist er den Griechen in diesem fährlichen kriege.
Bürger 189a;

ob wir fährlichen krieg und wüthende schlachten von neuem
wollen erregen, oder zu freundschaft beide vereinen? 212b;

Zeus nur wendet es anders, denn der wies fährliche zeichen. 217b;

o wie leicht ist selbbetrug,
o wie fährlich der gewinn!
Rückert ges. ged. 1, 452.

die schreibung schwankt zwischen färlich, fährlich, ferlich und fehrlich. heute überwiegt gefährlich, was man vergleiche.
 
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fährlich, adv. insidiose, periculose, mhd. værlîche, værlîchen:

dër (tiuvel) trahtet, wiʒʒet wærlich,
wie ër diu kint værlich
elliu muge ertœten. jb. der berl. ges. 9, 178;

ir falscher mt iuch færlîchen erfæret.
Laber 409;

dû hebest dich envârlich hër.
Haupt 8, 92,

was aus dem adverbialischen envâr gebildet ist. nhd. er fellet fehrlicher durch solche rede, denn so er vom söller fiele. Sir. 20, 19; wagets fehrlich gnug mit seinem predigen und schelten. Luther 3, 230;

ein ding ist fehrlich anzuheben,
wo die natur thut widerstreben.
Waldis 2, 81 s. 129b;

forschend stehn sie, was du unternahmest?
grosze plane, fährlich blutigen strausz?
Göthe 3, 253.

meistens steht gefährlich.
 
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fährlichermaszen:

weh mir armen, ich besorg das
Phedria gar schwerlichen hasz
getragen hab fehrlicher maszen,
das ich in nit hab eingelaszen.
H. Sachs V, 214a.


 
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fährlichkeit, f. periculum, hat sich in häufigerem gebrauch erhalten als das adj., und während wir dieses durch gefährlich zu ersetzen pflegen, ziehen wir fährlichkeit dem gefährlichkeit vor. die fasnacht spricht:

wo jemant ferlichkeit zustunt
durch mein person, so wer wol recht,
das niemant mein zu gut gedecht
und aus der cristenheit mich reut,
das mich fund weder vich noch leut. fastn. 388, 28;

sich in fehrlichkeiten begeben. reichsabsch. von 1512. 4, 5; mer so fürgewendt wird, der todschläger wer dem benötiger wol füglicherweis und on ferlicheit seins leibs, lebens, ehren und guten leumuts halben entwichen. Carolina 142 (wo die bambergische halsgerichtsordn. von 1507 art. 167 'verdligkeit' setzt, was ganz verwerflich ist); die auf das meer faren, die sagen von seiner fehrlichkeit, und die wirs hören, verwundern uns. Sir. 43, 26; wer wil uns scheiden von der liebe gottes? trübsal oder angst oder verfolgung, oder hunger oder blösze oder fehrlichkeit oder schwert? Röm. 8, 35 (vulg. an periculum an gladius? goth. þau sleiþei, þau hairus?); ich hab oft gereiset, ich bin in fehrlichkeit gewesen zu wasser u. s. w. 2 Cor. 11, 26 (vulg. fui in itineribus saepe, periculis fluminum etc., goth. vas vratôdum ufta, birêkeim ahvô, für κίνδυνος steht dort sleiþei, hier birêkei). seltsam, dasz Luther in allen drei stellen ferligkeit schreibt, da er doch sonst dem adj. fehrlich gibt, die folgenden stellen schwanken in den drucken: dadurch viel andere auch des fleisches fehrlichkeit fliehen. Luther 3, 99b;

[Bd. 3, Sp. 1262]


zu verhüten und zu verwaren e. f. gn. seelen fehrlichkeit. 3, 171b; bei fehrlichkeit meiner seelen. 3, 172a; und stehe darauf fehrlichkeit der seelen seligkeit. 3, 263b; wie kan denn da gute zeit sein, dar leib und seele teglich in fehrlichkeit stehen? 3, 304b; hülfe und errettung von allem unglück und von aller fehrlichkeit. 3, 429b; das er lang in fehrlichkeit were. 4, 146a; weil die oberkeit solches geboten hette und die fehrlichkeit dadurch kündte vermidden werden. 6, 18a; da zeigt er ja klerlich an, das unter den christen das wort und sacrament und taufe solle so in fehrlichkeit geraten, das schwerlich jemand dadurch müge selig werden. 6, 85a; die leien mochten gleuben, sie empfiengen in einer gestalt nicht so viel als in beiden, das were eine grosze fehrlichkeit. 6, 321b; in fehrlichkeiten that er gott gelübd. tischr. 67a; verachtet den tod und alle fehrlichkeit. 215b; warlich ich förchte etwas fährlichkeit unter diesen dingen verborgen sei. Galmy 158; in dieser hohen und vollen schrecklicher, groszer fährlichkeit sachen. Kirchhof mil. disc. 92; da man nicht zeit und weil hat den fehrlichkeiten zu begegnen. Fronsperg 1, 57a;

dorft sich bsorgen keinr fehrlichkeit,
im solt geschehen kein leid.
Waldis 1, 43;

färlichkeit schreibt Stieler 403;

junge gemsenböcke,
die ich mit fährlichkeit an einem thale fand.
Overbecks Virgil 33;

um Dindonetten, das beste mädchen der welt,
aus einer fährlichkeit zu winden.
Wieland 4, 165;

durch eine reih
von unerhörten fährlichkeiten
zu wasser und land. 4, 216;

das glaub ich nach solchen ausgestandenen fährlichkeiten! 30, 286;

bei solchen fährlichkeiten denkt ihr leicht,
dasz das verdienst sein ziel erst spät erreicht.
Gotter 1, 167;

minnesold lehrt frei verachten
aller fährlichkeiten noth,
flammen, wasserfluten, schlachten.
Bürger 17b;

und bringet seine alten tage in viel arbeit und fährlichkeit zu. Claudius 3, 121; von mancherlei fährlichkeiten mit heiterem ausgang. Göthe 48, 162; ich bin gestern noch in viel fährlichkeiten kommen, muste über thür und zäune wegsteigen. an fr. v. Stein 1, 102;

liebste, solche fährlichkeiten
hat dein flüchtger freund bestanden.
Rückert ges. ged. 1, 359;

dasz er unter gottes beistand zwar mit ehren bestehen und die dame retten, aber auch irgend einer fährlichkeit nicht entgehen würde um des willen, was die dame im sinn zu thun gehabt. Eichendorf Lucanor 12; Saxo selber hat nur für die fährlichkeiten ein recht helles auge, in welchen die heldenbrüder Absalon und Esbern so immerdar die ersten waren. Dahlmann dän. gesch. 1, 299.

 

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