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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fahrend bis fährgerechtigkeit (Bd. 3, Sp. 1258 bis 1259)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fahrend , mobilis, movens, participium praes. von fahren, ire, movere.
1) ein fahrender mann, ein reisender, wandersmann, fahrende leute, die von einem ort zum andern ziehen, zumal bettler, schüler, spielleute, mhd. varndiu diet, fahrendes volk;

umb ir milte frâget
varndeʒ volc.
Walther 84, 18;

varndeʒ wîp, fröuwelîn, ein herumschweifendes, liederliches mädchen. varnde fraw, varnd weip, mima. voc. 1482 hh 4b (wo das beigefügte 'vel mensura bladi' aber mina ist. Ducange 4, 410a); vgl. Haltaus 441. 442;

die gebûre sprëchent gemeine,
ich sî ein schuoler varnde. a. w. 2, 56;

ein wilder schuolære. 2, 49;

ich wil ein farnter schuler sein. fastn. 688, 22;

farende schüler seind vor zeiten im land umgangen, die hetten gele gestrickte netz an dem hals, grosze leutbescheiszer. schimpf u. ernst 1546, 31; die fremden geste, die in den stedten handlung trieben und alle gehende, fahrende und lose leute. Schütz beschr. von Pr. 88; farende schuler. Garg. 276;

ein fahrender scolast.
Göthe 12, 69.


2) fahrende habe, fahrendes gut, res mobiles, ahd. faranti scaz, sowie unfarentê scazâ, res immobiles, liegende habe; do schf er dem eltisten sun alleʒ sein erib auf dem land (oben sp. 709. 710), dem andern sun schf er varentʒ gt. gesta Rom. K. 52; nu wil ich alle dein hab varend und unvarend dir nemen und im geben. 154;

êre und varnde guot.
Walther 8, 14;

ich wil nu teilen, ê ich var,
mîn varnde guot und eigens vil. 60, 35;

diu liebe hât ir varnde guot
alsô geteilet, daʒ ich den schaden hân. MS. 1, 63a;

wëlt ir und diu muoter mîn
mir teilen iwer varnde habe. Parz. 9, 21;

liute, lant noch varnde guot,
dër decheineʒ mac gehëlfen dir. 267, 10;

heb an und sag,
was die praut von farnder hab und gut hab. fastn. 516, 33;

ligends und farends ist dahin.
H. Sachs III. 1, 114a;

die klosterleut globend die allerstrengest armut, das sie auch nichts farends wöllen in gemeine haben. Keisersberg pred. 64b; die geistlichen sollen nichts besitzen, weder gold noch silber, weder farends noch ligends. Frank chron. 378b; er setzte eine dreijährige schatzunge auf erbe, liegende gründe und farende habe. Schütz Pr. 88;

die fahrend hab gat auf und ab. Garg. 89b;

liegende und fahrende habe. Wieland 8, 142; den gröszten theil seiner fahrenden habe vertheilte er unter einige andere,

[Bd. 3, Sp. 1259]


die etwas zu seinem und Perisudehs andenken zu besitzen würdig waren. 8, 320; herzog Gerhard von Schleswig so verständig war in seinem herzogthum alle schenkungen von grundstücken an die todte hand zu verbieten, nur fahrende habe offen zu lassen. Dahlmann dän. gesch. 2, 65. da nun fahrende habe ursprünglich in vieh bestand, so wirft dies licht auf das 'fahren' der thiere (sp. 1248), gleichwol heiszt es altn. gangandi fê, pecora, was man auf das gehen der rinder beziehen dürfte.
3) fahrend, caducus, hinfällig: fahrendes, fallendes laub;

dër (kurze sumer) brâhte uns varnde bluomen unde blat.
Walther 13, 22;

fahrender, schwindender muth:

mîn varende muot sî abe gezelt.
Bliker v. St. 181;

fahrender lohn, der nicht hinhält, bald zerrinnt:

ein varnden lôn erwurbe ich wol,
davon ich einen sumer möhte lachen,
als ich denne den erwurbe
dër wær unstæt sam dër klê,
mit dën bluomen ër verdurbe,
so müest ich wërben aber als ê.
nâch heile müeʒe ëʒ mir ergân,
i'n gër eins varnden lônes niht,
mich fröut noch baʒ ein lieber wân. MS. 1, 165b;

fahrendes leid, weichendes, jeweiliges:

dër vogel süeʒeʒ schallen
hât mich hügende brâht,
daʒ mîn varndeʒ leit ein teil geringet ist. 1, 170a.

fahrende, dahinfahrende, vergehende sorge.
4) fahrende post, im gegensatz zur reitenden. in ihren fahrenden kerkern antworteten die löwen zürnend dem schmettern vorüber eilender posthörner. J. P. herbstbl.
 
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fahrenszeit, f., zeit, da ein pächter oder miethsmann das grundstück, den hof wieder verlassen musz: dasz der wehrfester auf zehn jahre für die steuern und verwirkte holzungsbrüchten der neueinziehenden haften, und falls der heuermann sich aufs betteln lege, denselben auf nächste fahrenszeit wegschaffen müsse. Stüve landgem. 140.
 
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fahrer, m. viator, vector, der reisende. s. DWB kauffahrer, DWB landfahrer, DWB seefahrer, grönlandfahrer, ostindienfahrer, auch lenker eines fuhrwerks:

hei sa sa sa,
nun sitz ich schon da (im schlitten).
herr fahrer, hinten darauf!
voran, du knallender reiter,
sei uns ein sichrer leiter,
fort und beginne den lauf.
Weisze briefwechsel des kinderfreundes 1, 227.


 
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fahrerei, f. vectura: wer denkt, dasz ich gefallen an so einer fahrerei habe, betriegt sich. Thümmel 5, 160.
 
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fahrgasse, f. via publica, in den meisten alten städten heiszt die zum thor führende hauptstrasze fahrgasse.
 
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fahrgebühr, f. was das folgende.
 
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fahrgeld, n. portorium, fahrlohn, fuhrlohn, auch wegegeld, brückengeld.
 
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fährgeld, n. pecunia nautae solvenda, geld für die überfahrt: und da er ein schif fand, das aufs meer wolt faren, gab er fehrgeld und trat drein. Jona 1, 3. s. DWB fährschatz.
 
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fahrgelegenheit, f. ein ermüdeter fuszgänger benutzt gerne fahrgelegenheit, um auf seinem wege weiter zu kommen. in abgelegenen orten trift man selten fahrgelegenheit an. eine zurückkehrende leere kutsche ist für den wanderer willkommene fahrgelegenheit.
 
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fahrgenosz, m. comes, sodalis: er wird, wo nicht des schiffes retter, doch sein treuer fahrgenosz und wächter; auch ein feldnachbar, der zugleich oder neben einem bauer auf den acker fährt, heiszt fahrgenosz.
 
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fährgerechtigkeit, f. befugnis, leute überzufahren.

 

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