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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fahndeln bis fahnenführer (Bd. 3, Sp. 1241 bis 1242)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fahndeln, vexillum evolvere, die fahne wehen, flattern lassen. Stalder 1, 350.
 
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fähndelstange, f. fahnenstange bei der cavallerie.
 
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fahnden, rimari, tentare, explorare, schlechte schreibung für fanden, fanten, ahd. fantôn (Graff 3, 539), alts. fandôn, ags. fandian, uns nur übrig in der gerichtssprache: auf einen entwichenen missethäter fahnden, ihm nachstellen, um seiner wieder habhaft zu werden; es ist gleich auf den mörder gefahndet worden; laszt uns alle auf Reineke fahnden! Schmid 176. wol verwandt mit finden, suchen.
 
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fahnder, m. vexillifer, s. fähner.
 
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fähndrich, m. dasselbe, nnl. vaandrig. s. fähnrich:

vierthalb tausend wurden gefangen,
darzu auch etlich fendrich gut.
Soltau 417.


 
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fahne [fane], f. vexillum, ahd. fano m., mhd. van m., nnl. vaan f., ags. fana m., engl. erloschen, doch im fr. fanon, das aus fano stammt, wieder aufgenommen. im 16 jh. findet sich nicht selten geschrieben fanne, fann und das männliche geschlecht festgehalten. das isl. fâna f. erst in späterer zeit aus dem schw. fana, dän. fane, und diese unserm deutschen wort entlehnt. das uralte goth. fana m. hat die allgemeinere bedeutung des lat. pannus, tuch, gewebe, gr. πῆνος, welchen es sichtbar verwandt ist. ein vorschlagendes s zugestanden, lassen sich spannen und spinnen für die wurzel vergleichen.
1) dieser zum grunde liegende sinn eines tuches tritt auch in den ahd. zusammensetzungen ougafano, halsfano, hantfano, sumarfano, sweiʒfano, tiscfano u. a. m. deutlich an den tag, wie man noch heute in Baiern und Östreich fahn für halstuch, schleier, schnupftuch, schürze und andere theile der weiblichen kleidung, wenigstens scherzweise oder verächtlich gebraucht. auch in Sachsen, Thüringen, Hessen und den meisten übrigen gegenden. vgl. DWB fähnchen 3. fahnenstaat bezeichnet einen kleiderstaat, der zwar in die augen fällt, aber keinen werth hat. Schmeller 1, 533. einem schneider erschien im traum der teufel mit schere und fahn, den er ihm um den kopf schwang. so oft nun der meister beim zuschneiden einen lappen auf die seite warf, zupfte ihn sein lehrjung und rief 'meister, gedenkt an den fahnen!' Fuchsmundi 378. bei Ulfilas ist fana geradezu lappe.
2) streitfahne, kriegsfahne, ahd. gundfano, woher fr. gonfanon, it. gonfalone. es heiszt die fahne tragen, aufrollen, aufstecken, aufwerfen, entfalten, falten, heben, senken, schwingen, schwenken, fliegen, wehen lassen, zur fahne schwören, der fahne folgen, treu bleiben, bei der fahne halten, seine fahne verlassen;

braucht er das kreuz zu einem fahnen.
H. Sachs IV. 1, 117d;

zwar er hats erfarn, das er am fannen gefürt, das der löw vom stammen Juda gesigt. Nasus nasenesel 72b; mit einem weiszen ausgesteckten fahnen. Kirchhof disc. mil. 36;

und führt sie fein in voller fahn
zu aller tugend mehlich an.
Ringwald l. warh. 222;

in voller aufgerichter fahn
dem feind entgegenrücken. 381;

den obersten gehorchen müst
und euch von ihnen in der fahn (kriegerschar)
regieren lahn. 296;

das wir als treue unterthan
festhalten bei der rothen fahn. evang. N 6b;

die deutsche poesie, zu welcher ich, nach meinem armen vermögen allbereit die fahne aufgesteckt. Opitz poeterei s. 13;

[Bd. 3, Sp. 1242]


die ernste gravität läszt seine fahne fliegen.
Fleming 140;

wird nun der fan geschwungen.
Rompler 151;

gab mir mein oberster gleich im andern jahre den besten unterofficiersplatz nebst der hofnung dasz mir mit ehesten eine fahne in die hand gegeben werden solte. Felsenb. 1, 358; für mich wäre ich gar nicht abgeneigt auch zu deiner fahne zu schwören (bildlich). Göthe 22, 46;

zum frohen zug die fahnen sich entfalten.
Schiller 336b;

doch meine fahne seh ich nicht. wo ist sie?
nicht ohne meine fahne darf ich kommen. 486b;

so ganz geblendet wart ihr, so bethört,
dasz ihr euch schartet unter Östreichs fahne.
Uhlands Ludwig 148;

und wider mich des aufruhrs fahne schwang. dessen Ernst 12;

hab ihm die fahne mit verdrusz geschwenkt. 95;

umflort ist ihr panier, die schärpen schwarz,
das ist Warin, der Schwabens fahne trägt. 95;

wie die tugend einen ganz rühmlichen abzug aus dieser weiblichen festung mit klingendem spiel, fliegender fahne, brennender lunte hält. J. P. pap. drache 1, 232.
3) die fahne weht auf der erstiegnen mauer, auf dem thurm der burg, auf dem dach des hauses; Amor schüttelte seine flügel, floh und stellte sich auf die knarrende fahne des kirchthurms. Thümmel Wilhelmine 126;

am himmel ist geschäftige bewegung,
des thurmes fahne jagt der wind.
Schiller 399a;

an alter fanna affn doch,
dan soll der wind göih, wöi er mog,
er dröht si niet, knarzt in der häih,
dasz an der kupf in bett thout weih.
Grübel 2, 120.


4) fahne ist, wie fähnlein, auch benennung des kriegshaufens, der sich um sie sammelt und der auf sie schaut: es wurden alsbald zwölf fahnen volk aus den schiffen ans land gesetzt. Olearius orient. insuln s. 152; hauptmann über eine fahne, über eine compagnie.
5) bair. auch der fan, fanen, landfanen, verächtlich von einer im land herumschwärmenden weibsperson, soldatenhure.
6) fahne, die niederhangende haut, der lappe am hals des rindviehs, triel, halswamme, halswampe, in Baiern der fan.
7) fahne, weidmännisch, der schwanz des eichhorns.
8) fahne, ein kleines netz an der stange zum lerchenfang.
9) das oberste blatt der schmetterlingsblumen, vexillum.
10) an der feder, der zu beiden seiten mit fasen besetzte theil des kiels: diese feder hat eine schöne, breite fahne; die fahnen der schreibfeder abstreifen. hierbei ist das lat. penna neben pannus zu erwägen und it. pennone dazu.
11) schenkwirte kreideten sonst mit strichen an, die man fahnen hiesz. eine fahne bier, eine zeche.
12) den buchdruckern heiszt der abzug von einzelnen seiten eines bogens eine fahne. auch das nachweisungszeichen im manuscript.
13) er hat eine fahne, schweiz. es fähnli, ist angestochen, hat einen spitz.
s. dachfahne, goldfahne, hauptfahne, hausfahne, hoffahne, kriegsfahne, leibfahne, streitfahne, sturmfahne, thurmfahne, trauerfahne, wetterfahne, windfahne.
 
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fahnenbild, n. auf dem oberplatz kam der patriarch mit seiner clerisei, bei 400 popen, in priesterlichem schmucke mit sehr vielen fahnenbildern. pers. reisebeschr. 1, 8.
 
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fahnenfetzen, panniculi vexillorum, lappen zerschossener, verwitteter fahnen:

auch flattern fahnenfetzen bei standarten,
die frischer lüftchen ungeduldig harrten.
Göthe 41, 274.


 
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fahnenflüchtig, signa deserens, von seiner fahne weichend.
 
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fahnenflüchtling, m. desertor signorum.
 
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fahnenführer, m. signifer, vexillifer.

 

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