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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
faher bis fahlroth (Bd. 3, Sp. 1238 bis 1241)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) faher, m. captator, ahd. vâhare, pressor. Graff 3, 410. Stieler 393; die edlen ergüsse der zärtlichkeit leiden keinen laurer und faher. Hippel 6, 226.
 
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fahezahn, m. dens praedam excipiens, fangzahn: die marder gewohnen leichtlich bei den menschen, doch sind sie heimtückisch, darum ihnen von etlichen die scharfen fahezähne ausgebrochen werden. Hohberg 2, 638a.
 
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fähig , capax, habilis, also auf capere wie habere weisend; weder ahd. fâhîc (nur widervâhîg), noch mhd. væhic aufzuzeigen, während ahd. fengîc, mhd. vengic vorkommen. nhd. aber haben Dasypod. 25a. 325a fehig, Frisius 187b. Maaler 129b fähig, bei Luther erscheint es nicht, hingegen bei Zwingli, Frank und andern, später mehrt sich sein gebrauch.
1) was gefangen werden kann, fangbar: nimt ers nit in dem selben ougenblick, vergat es, als die fischer und vogler gewont sind, denn die fisch und vögel haben ihr gewisse zit und sind nit alle zit fähig. Zwingli 1, 10.
2) was fassen, enthalten kann: Speusippus hat erfunden bretter zu schneiden und aus dünnen hölzern fähige fasz lernen machen. Frank chron. 96a; der becher ist eines nösels fähig, calix sextarii capax. Stieler 393.
3) fähig zu haben, zu erwerben, mit gen. der sache: item wann jemand beklagt würde von sachen wegen, so er der überwunden sein leib und gut verwürkt hett und aus forcht

[Bd. 3, Sp. 1239]


solcher verschuldter straf sich selbs ertödt, des erben sollen in disem fall seins guts nit vehig oder empfengklich (bonorum neutiquam capaces. Gobler), sonder solch erb und güter der oberkeit heimgefallen sein. Carolina 135; einsi freundschaft fähig oder begirig, capax amicitiae. Maaler 129b; sie (die fürstinnen) könten beide des herzog Friedebalds nicht fähig werden. Lohenst. Arm. 1, 160; Livia, welche von dem abschied nehmenden Tiberius noch aufs flehentlichste ersucht worden war, ihn Thusneldens durch alle euszerste mittel fähig zu machen (in Th. besitz zu setzen). 1, 1256; die ehre in des herrn freundschaft zu gelangen ist mir so lieb, dasz ich nimmermehr glückseliger als disesmal, da ich derselben fehig worden, mich ermesse. Butschky kanzl. 39.
4) fähig etwas zu thun, aufzunehmen, zu empfinden, gleichfalls mit gen.: das man sein gemüte erkennen sol, wenn es einer oder der andern sache am fähigsten. Butschky Patm. 940; hiezu kam noch die jugend des tyrannen, welche seine noch nicht verhärtete seele neuer eindrücke fähig machte. Wieland 2, 277; unglücklicher weise war das volk so vieler mäszigung nicht fähig. 2, 285; aber meinen freund Ogul soll er ungehudelt lassen, wenn anders ein philosoph eines guten rathes fähig ist. 6, 59;

seelen, fähig edler triebe.
Gotter 1, 74;

hab mir alle die vorwürfe, die sie mir machen können, schon selbst gemacht, allein wessen ist eine unglückliche liebe nicht fähig? H. L. Wagner reue nach der that s. 92; die poetische seele ist im junius der jugend einer wonne fähig, von der nur sie ahnung hat und die nur sie erlangen kann. J. P. papierdr. 2, 225; er lebte nur vor sich hin, er schien keine thräne mehr zu haben, keines schmerzes weiter fähig zu sein. Göthe 17, 412. doch setzt er auch (nach sp. 1133. 34) den acc.: wenn ihr das fähig wärt, ich müste vergehn. 8, 130. 42, 386; du kennest nicht was eine liebende getreue gattin fähig ist. Wieland 26, 18; o lernet erst das, was ihr fähig seid, genieszen. 32, 176; statt dessen, wessen, man wolle denn eine ellipse von 'zu thun' annehmen. für 'er ist es (ejus) fähig' redet das fr. il en est capable. zuweilen läszt sich der gen. in ein passivum auflösen: solche augenblicke sind keiner beschreibung fähig. Wieland 2, 77; das buch ist keines auszugs fähig = beschrieben, ausgezogen zu werden. den inf. mit zu belegen folgende stellen: ich bin ihn itzt zu sprechen ganz und gar nicht fähig. Lessing 2, 295;

lehr ein mittel
mich erdenken,
das den ränken
des verwegnen
zu begegnen
fähig sei!
Gotter 3, 521;

das wir also nicht das all von neuem nur anzuschauen fähig sind. J. P. papierdrache 2, 193. es kann aber auch zu mit einem nomen oder pronomen folgen: er ist wol dazu fähig, dazu geschickt; ich kenne meinen sohn zu genau, als dasz ich ihn zu kahlen entschuldigungen fähig halten sollte. Kretschmans fam. Eichenkron 25.
5) fähig, habilis, facilis, aptus, ohne davon abhängigen casus: frömbkeit richt es allein nicht aus, saget er, er musz auch geschwind und fehig (schnell fassend) sein und sich in die welt und ire hendel zu schicken wissen. Mathesius 151b; auch schien dieses versehn dem vater sehr willkommen zu sein, der das grosze vergnügen, sein söhnchen so fähig (begabt) zu sehen, wolbedächtig nicht an den tag gab. Göthe 18, 26; er ist einer der fähigsten köpfe im ganzen land; unser fähigster schüler. s. baufähig, hoffähig, unfähig.
 
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fähigkeit, f. nicht capacitas nach fähig 1. 2, sondern facultas: das thier hat nicht die fähigkeit zu sprechen; leser von der eingeschränktesten fähigkeit; fähigkeit zu allem guten; wir aber nehmen uns die freiheit zu behaupten, eine jede dieser kleinen erhöhungen sei von der natur mit fähigkeit begabt eine schale zu bilden. Göthe 55, 328.
 
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fahl [fal], pallidus, flavus, subflavus, gilvus, gelbgrau, ahd. falo gen. falawes, mhd. val, valwes, nhd. fahl, falb, mnl. vael, valuw, nnl. vaal, ags. fealo fealeves, engl. fallow, altn. fölr, fr. fauve, skr. palita, gr. πελλός, πελιός, πολιός, lat. pullus, litt. palvas, böhm. plavy, poln. płowy. pallidus gleicht dem palita, das unverschobne flavus hat ganz den auslaut der deutschen, lit. sl. formen, entspricht aber unserm blau, ahd. plâ, plâwes (2, 81), wie sich auch die bedeutungen flavus und lividus berühren. plâ wurde von bliggvan, lividus von fligere geleitet, wo wir v = gv, g erkennen. unser b in falb gieng hervor aus falw wie in

[Bd. 3, Sp. 1240]


farb, herb, gelb u. a. m., die schlechte schreibung fahl ist wie in kahl, mahl; fahl und falb sind dasselbe wort.
fahl gilt vornemlich von bart und haar, dann von pferden, aber auch von metall, getraide und andern dingen ähnlicher farbe.
1) etliche schwarze, kesselbraune oder fahle oder gelblichte kupfer. Mathesius 74b; zohe ein fahles kleid an. Felsenb. 2, 137.
2) streiften ihm den groszen fahlen bart abe, banden ihn dem tatterischen heubtman an den spiesz. Waisselius chronica alter preusz. historien. Königsb. 1599 s. 134.
3) und ich sahe ein falh (al. falb) pferd (ἵππος χλωρός, vulg. equus pallidus) und der drauf sasz, des name hiesz tod und die helle folget im nach. offenb. 6, 8;

und wenn wir ains mer auf ainem valben pfert finden. fastn. 321, 5;

ich hab dich oft gefunden
auf einem falhen pferd. Ambr. lb. 70, 43;

under disen reden kam ein bot auf eim falhen pferd. Aimon b 3b;

ob ich sie find uber der karten
und auf dem faalen pferd ertap.
Heinr. Jul. v. Br. 564;

ob er sie auf eim fahlen pferd
unversehens eins finden werd. 607;

zeuch, fahler, zeuch!
balde wollen wir Tylli dreschen! wunderh. 2, 93,

anderwärts,

zeuch, fohle, zeuch,
morgen wolln wir habern dreschen;
ist dieses pferd graw oder fahl?
Weckherlin 528;

das schulrecht mach ich hier gemach
dem tod auf seiner fahlen nach.
Czepko bei
Gryphius 2, 35;

wer einmal auf einem fahlen pferde ertappet wird, dem glaubt man nicht leichte mehr. Butschky Patm. 612; will nicht hoffen, dasz mich jemand auf dem fahlen pferde wird angetroffen haben. Weise com. probe 7; dabei er denn wol schwerlich gedacht hat, dasz ein musicus ihn so oft auf einem fahlen pferde finden sollte. Joh. Mattheson der neue ephorus 1727 s. 49; und schlich so lange nach der frau, bis er auf dem fahlen pferde attrapieret wurde. Felsenb. 3, 415; da er sich aber hier auf dem fahlen pferde finden läszt, wie kann man ihm im übrigen trauen? Lessing 3, 281; hier war der ort, wo sich Stilling in ansehung der versöhnungslehre zuerst auf dem fahlen pferd erwischte. Stilling 5, 24; jemanden auf dem fahlen pferde treffen. Hermes Soph. reise 6, 306. Stieler 425 erklärt er reitet ein fahl pferd durch mentitur, falsus est und gibt auch: man hat ihn auf einer fahlen ziege ertappt, in falso et mendaciis deprehensus est. das ist aber zu eng und finden, treffen, ertappen, erwischen auf dem f. pf. musz überhaupt meinen einen auf einer unthat, auf einem irthum betreten.
4) fahl, bleich, abgeblaszt, welk, mhd. mhd.

heide und anger und diu tal,
diu hât dër winter aber val
gemachet und die ouwen. MS. 1, 11b;

nhd. so fahl, so schahl, so kahl gehts aus. Froschm. am schlusz;

und wie kahl und fahl ist ihr feuer, ihre phantasie. J. P. Tit. 2, 3; mich macht verdrüszlich, dasz der mensch alle tage seines lebens leichter überlebt, als (den letzten ausgenommen) den ersten, und dasz ebenso unser realblatt zu kahl und fahl aufzieht. anh. zu Tit. 1, 6; ein solcher, dessen fahles herz nichts weisz von der bruderunität befreundeter herzen. Hesp. 1, 12 (48);

euer fahles wesen, schwankende positur,
euer tripplen und krablen und schneidernatur.
Göthe 57, 262;

welch ein gesicht so fahl und grimmig kalt,
wie hat sein blick so schrecklich mir gestralt!
Lenau Faust 19;

wenn du hinaus auf die felder gehst,
im grünen drauszen als frühling stehst,
so ist hier herbst in der todten stadt.
meine wange, die fahle flur
hat geronnene thränen nur,
und mein herz ist ein welkes blatt.
Rückert 356.


 
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fahläugig, pallidis oculis: der faläugigen wegmeisterin und braunmetzen fraw Mona (Luna). Fischart groszm. 93.
 
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fahlerz, n. minera argenti grisea.
 
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fahlgelb, fulvus, luridus, schmutziggelb mit grauem schein, was alles schon im einfachen fahl liegt.
 
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fahlgeschürzt, pallide vestitus:

wenn aus den fahlgeschürzten wolken
hagel auf thürmende städte stürzet.
Denis im Leipz. alm. 1779 s. 240.

[Bd. 3, Sp. 1241]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fahlleder, n. auch schmalleder, den gerbern das zum oberleder der schuhe benutzte weichere, schmeidigere, ungeschwärzte, von der blassen erdfarbe, die es beim schwellen (auftreiben) bekommt. Brosenius technol. 1, 64.
 
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fahlroth, schmutzigblaszroth.

 

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