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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fädemle bis fadeneisen (Bd. 3, Sp. 1231 bis 1234)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fädemle, fädemlein, n.
1) fädchen, fädelein: nicht ein fädemle, neque hilum, nihilum, nihil, wonach die sp. aussprache hilo für filo schon uralt erscheint; etlich gelobten sich zu dem heiligen schweisztuch gen Cammerich, aber es verbran drei monat hernach so sauber, das nicht ein fädemlin davon uberbleib. Garg. 206a; es hangt an einem fädemle, de filo pendet.
2) fädemlein heiszt eins der sieben zeichen, daran die jäger die fährte des hirsches erkennen, vgl. altd. wäld. 3, 145; dem hirsch gehet mitten durch den fusz zwischen dem spalt ein klein fädemlin, welches an einem wild viel anders ist, denn der faden ist zu grosz, darauf auch viel zu merken ist. Feierabend jag und weidwerkbuch 36b; nun gehet dem hirsch zwischen dem spalt damitten durch ein klein ausrecht als ein fedemlein, das mag kein hinde thun, dann der faden ist zu grosz. das zeichen heiszt fedemlin. Meurer 94b und ebenso im auszug bei Sebiz 572.
3) fädemlein an den kräutern ist filamentum, der faden, staubfaden, der träger; filamenta sind fasern, zasern, fädchen: bringt blümlein von farben braunroth, in der mitte haben sie gar lange fädemlein. Tabernaemont. 776.
4) fädemle, fringilla linaria, wofür viele namen vorkommen, bluthänfling, rothhänfling, grasel, gräslein, zitrinchen, ziserinchen, schwederlein, leinling. leinling und linaria gehen auf linum, flachs zum spinnen oder auf leine, engl. line, faden, schnur. fädemle, ein kleins vögele also genannt, serinus. Maaler 129a. Henisch 968, 7. serin ist kanarienvogel, bei Stieler verdruckt scrinus.
 
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fademwürmlein, n. filaria, ein eingeweidewurm, der sich gleich fäden zieht: für die fadenwürmlein magstu auch brauchen krausemünz. Feierabend falknerei 55b.
 
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faden , m. filum, s. DWB fadem. das n in faden verhält sich wie das von boden, busen und auch eidem wird zu eiden. der pl. lautet heute fäden, doch hin und wieder faden, ahd. fadumâ, z. b. bei Wieland 9, 241 oder in andern der folgenden belegstellen. fehlerhaft setzt Butschky kanzl. 890 den nom. sg. fade, schon Dasypodius 74b fade, 323b sogar fad, wie wir freilich allgemein sagen rabe, wolke statt raben, wolken.
1) den faden drehen, spinnen, torquere, nere; ihn fein, klein, rein, dünn, dicht, dick, grob, stark spinnen; den faden lang ausziehen, netzen;

es ist kein faden so fein gesponnen,
er kommt endlich an die sonnen;
dreht um die schnurrende spindel den faden.
Schiller 78a;

der faden hält, bricht, reiszt, wirrt sich, zumal vom faden des lebens und schicksals und oft bildlich:

weil die parze deiner tage faden
seiden spinnet.
Gotter 1, 84;

ach, den faden meiner tage,
milde parze, reisz ihn ab! 2, 507;

und kaum beginnt der lenz von ihrem leben,
so reiszt der morsche faden ab.
Dusch verm. werke 420;

das menschenleben musz sein ziel erreichen,
sobald das rad die faden ganz bewahrt.
Gries Ar. 35, 19;

der faden seines schicksals hatte sich so sonderbar verworren. Göthe 19, 68; wir hören von einer besondern einrichtung bei der englischen marine. sämtliche tauwerke der königlichen flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, dasz ein rother faden durch das ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten stücke kenntlich sind, dasz sie der krone gehören. ebenso zieht sich durch Ottiliens tagebuch ein faden der neigung und anhänglichkeit, der alles verbindet und das ganze bezeichnet. Göthe 17, 212;

[Bd. 3, Sp. 1232]


manches eigene von innigerem bezug wird an dem rothen faden wol zu erkennen sein. 17, 238; ich spinne meinen faden langmütig fort. an Jacobi 238; freilich sind diese fäden nur dünn und lose, aber sie gehen doch durchs ganze stück, und halten zusammen, was sonst auseinander fiele. 19, 161; ich werde vielmehr noch späterhin manchen faden aufneh men und fortleiten, der sich unbemerkt durch die ersten jahre schon hinzog. 24, 111;

der dichtung faden läszt sich heut nicht fassen. 4, 123;

die sultanstochter erschien demnach,
als eben von seiner geduld der letzte faden brach.
Wieland 5, 19;

denn was jegliche zunft
hat geschaft und gewonnen,
wird von des denkers vernunft
in geistige fäden gesponnen.
Rückert 148;

da er alle fäden in seiner hand hielt, konnte er die sache weiter und bis zu ende verfolgen.
2) faden zum nähen, sticken, stricken, binden: der faden will nicht in die nadel, den faden wichsen, knüpfen, schürzen, doppelt nehmen, abschneiden, abbeiszen; dem seidentuch waren buchstaben mit goldnen faden eingestickt; der wunde finger wurde mit einem streifen tuch bewunden und ein faden darum gebunden; und als sie itzt gebar, that sich ein hand heraus, da nam die wehmutter und band einen roten faden darumb und sprach 'der wird der erste heraus komen'. 1 Mos. 38, 28; darnach kam sein bruder heraus, der den roten faden umb seine hand hatte. 38, 30; und schlug das gold und schneits zu faden, das mans künstlich wirken konte. 2 Mos. 29, 3; und die stricke an seinen armen wurden zu faden, die das fewr versenget hat. richt. 15, 4; und er zureisz sie von seinen armen wie einen faden. 16, 12. ein faden wird um den baum, um den garten, um den wald gezogen: der wald soll also frei sein, dasz wann ein seidenfaden darumb gezogen were, dasz derselbig nit gekrenkt oder zerbrochen werden soll. weisth. 2, 183. RA. 182. 183. auch die ringe der harnische waren mit drahtfäden geheftet oder gebunden:

sîn îsen und sîn ander dinc,
dës bleip dâ wëder vadem noch rinc. Trist. 239, 30.

häufig bildlich, z. b. dieser, weisz ich, genieszt einer ausgebreiteten bekanntschaft mit allem was in dieser welt durch irgend einen edlen faden verbunden ist. Göthe 21, 214.
3) faden am gewebe, hemd und kleid, auf spinnen folgt weben: ahd.

thie gotes drûtthëganâ, thaʒ sint thie scônun fadumâ,
mit in ist io mit ëbinu thiu tunichâ giwëbinu. O. IV. 29, 13;

wanta sia span scôno karitas în frôno,
sie thie fadumâ allê gab ioh sia sëlbo giwab. 29, 34;

mhd. sîn vadem dër was ëben
kleine gespunnen, dicke gewëben
und ûf den vadem geschorn
diu wolle lûter, ûʒerkorn. krone 6843.

man sagt einen mantel so lange tragen bis sich inwendig und auswendig alle faden daran zählen lassen, bis die faden daran scheinen, bis er fadenscheinig wird;

prahlt mein rock gleich nicht mit kreuz und gold,
läszt er gleich die faden schon erscheinen,
warst du darum nie mir minder hold.
Schmidt von W. 92;

lumpen, an denen alle faden auseinander gegangen waren. med. maulaffe 121. faden zupfen, ausziehen, charpie zupfen (2, 612); auf alten gebrauch gründen musz sich folgendes: du hast mir mit deiner lieplichen (s. l.) zucht den faden aus dem hemde gezogen. Steinhöwel decam. 567, 28 (tu m'hai con la piacevolezza tua tratto il filo della camiscia. dec. 9, 5 = fatto innamorar pazzamente). als in Parzivals mantel die schnur fehlt:

Cunnewâre sus gefuor,
von blanker sîte ein snüerelîn
si zucte und zôheʒ im darîn. Parz. 306, 20;

wëlch wîp verseit im einen vaden?
guot man ist guoter sîden wërt.
Walther 44, 9;

faden und bänder waren vielfache zeichen des einverständnisses oder auch der entsagung, nachdem sie gegeben oder hingeworfen wurden, vgl. zu Walth. s. 170. in Wickrams Leufried empfängt dieser einen goldfaden spottweise, schneidet sich die haut auf der brust und heilt ihn sich ein:

der frauen zier
den faden mir
gegeben hat mit freuden,
demant noch gold,
noch reicher sold
soll je von im mich scheiden.
du faden mein
sollst bei mir sein! s. 56.

[Bd. 3, Sp. 1233]


es bleibt kein faden, kein trockner faden: kein faden war übrig, jenes ne hilum, nihil (sp. 1231); ehe ich wolt einen faden regen (das geringste thun) umb iren willen. Luther 5, 287b; ich habe nicht einen faden von euren sachen. Frisch 1, 237a;

ich hab der pesten wurfel drei,
die mir so getreulich beigestan,
das sie mir oft ein faden am hals nit lan. fastn. 373, 10 =

das sie mir oft kein faden an lan. 791;

solt ich nacket gen kirchen gan?
nun hab ich nirn kein faden an.
Haupt 8, 526,

kein hemd auf dem leib; er kam so in den regen, dasz kein trockner faden an seinem ganzen leibe blieb; behielt keinen faden am hemde trocken. vgl. DWB fadennacket, DWB fadennasz.
4) faden als masz der tiefe, höhe, länge, vgl. DWB elle, DWB klafter und die vorstellung des umfassens, umklafterns. eigentlich und ursprünglich war faden so viel als ein mann mit ausgestreckten armen umfangen kann: ein faden holz, nnl. een vadem hout, ein haufe scheiter drei ellen lang und hoch, man sagt holz in faden setzen, klaftern; der brunne ist zwölf faden tief; und machet zwo eherne seulen, ein igliche achzehen ellen hoch und ein faden von zwelf ellen war das masz umb igliche seulen her. 1 kön. 7, 15; das schif geht sechs faden unter dem wasser, nnl. zes vademen diep; die festung ist mit dritthalb faden dicken mauren umbgeben. pers. reiseb. 1, 4; zudem mag ein jeder verstendiger selbst bedenken, ob es wol möglich sei, das der börnstein auf dem grund ein hundert faden tief und oft höher treiben könne, da doch der strom am sudauischen strande dreiszig oder vierzig faden unter sich des steines nicht gewaltig ist. Schütz beschr. der lande Preuszen 43. das nautische längenmasz weicht vielfach ab, der englische fathom hält sechs fusz, der französische fünf pieds du roi, der deutsche zwischen fünf und sechsen. anderes mag anders gemessen worden sein, nach Jägers Ulm 510 durften geschlechterinnen schleier von zwanzig, handwerksfrauen nur von zwölf fäden tragen, sind fächer, falten des schleiers gemeint? bildlich, wenn die geschöpfe so viel in sich begreifen, dasz der faden des menschlichen gemüthes zu kurz fällt, ihre geheimnisse zu ergründen, wer will dann und kann die tiefe der gottheit erforschen? Scriver seelensch. 2, 899; traun, denen verliebten ist niemand klug genug und dessen vernunft erfordert einen langen faden, welcher dergleichen leute ergründen soll. pol. stockf. 340.
5) zimmerleute, maurer, gärtner und andere handwerker arbeiten nach schnur und faden, müssen den faden einhalten, dürfen ihn nicht verlieren. auch beim schattieren einer silhouette: strich vor strich! gott, wie ruhig musz man dazu sein, wie kaltblütig! Wilhelm, gib ja acht, dasz du den faden nicht um eine haarbreite verlierst. H. L. Wagner die reue nach der that s. 7. bildlich, den faden seiner rede, der untersuchung verlieren: ich glaubte einige gelassene augenblicke zu haben, darum liesz ich sie rufen, sie sind nun da, und ich habe meinen faden verloren. Göthe 19, 86;

der dichtung faden läszt sich heut nicht fassen,
ich bitte mir die blätter weisz zu lassen. 4, 123.

Kant 10, 180 theilt eine unwahrseheinliche deutung mit: ein englischer advocat war gewohnt, beim plaidieren einen bindfaden aus der tasche zu nehmen, den er unaufhörlich um den finger auf und abwickelte, da dann, als sein gegenadvocat ihn heimlich aus der tasche practicierte, jener in verlegenheit kam, weswegen man sagte, er habe den faden seiner rede verloren.
6) noch andere redensarten.
a) es hängt an einem faden, dünnen, seidnen faden, schwebt in gefahr des abreiszens: da hieng die römische ere an eim kleinen vaden. Müglein 113b;

wer land und leut durch unrecht drengt,
ob dem das schwert am faden hengt.
Schwarzenberg bei Spangenberg vom jagen. 32b;

unser leben hängt, auch wenn wir frisch und gesund sind und mit lust essen und trinken, an einem seidenen faden. Scriver seelensch. 2, 443; mein leben würde so dünne als ein seidener faden worden sein, wenn nicht gutherzige leute dazwischen getreten und meine schutzengel geworden wären. Felsenb. 2, 476; ich wuste gewis, dasz mein leben an einem seidenen faden hienge. 2, 498.
b) zu faden schlagen gilt eigentlich vom schneider, der zu nähen, vom weber, der zu weben anhebt, dann aber auch von begonnener anderer arbeit: die nachbarsleut sein schon alle so zfaden gschlagen gwesen (standen so dicht gedrängt), daszs gar kein schneidergsell besser künnen hätt (enger hätte nähen können). H. Jörgel. Wien 1833. 10, 17; zfade schlah, vorläufig nieder nähen. A. von Rütte 22;

[Bd. 3, Sp. 1234]


sein text ihm (dem pfarrer) schon die adern reget,
drauf er sein werk zu faden schläget (drauf lospredigt).
Mörike der alte thurmhahn;

zu solchem ende gieng ich in eine kirche, weil ich mir sagen lassen, die meinste buhlschaften würden in Italien an solchen heiligen örtern gestiftet und zu faden geschlagen (angeknüpft). Simpl. Springinsf. cap. 19; kriegte ich eine geräucherte bratwurst beim zipfel und schlug selbige auf abschlag zu faden (begann sie zu bearbeiten, zu verzehren). vogelnest cap. 3; worauf wir sich lustig zusammensetzten, die capaunendorten (pasteten) sampt dem gebratenen und dem confect zu faden schlugen. cap. 7; als welche über einmal 12 pf. fleisch, 2 laib brot und ein viertel wein zu faden schlagen (verarbeiten) können. Simpl. 3, 224. s. fadenschlag.
c) glaub mir, wenn ich so klar wie faden mit dir redte, du bist mit mir in allem einig. Göthe an fr. v. St. 1, 23.

als ob ein vaden reine
von sîden wære dar gezogen. tr. kr. 19928.


s. bindfaden, breisfaden, drahtfaden, eisenfaden, goldfaden, nähfaden, pechfaden, schwefelfaden, seidenfaden, silberfaden, wachsfaden, zwirnfaden.
 
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fadenbeisz, m. filum mordens, fadenbeiszer, schelte auf einen schneider, wäre mhd. vadenbîʒ, vadenbîʒe und gebildet wie buochbîʒ, îsenbîʒ u. a. m.

dis ailf schneider und vadenpeiʒ.
Beham Wien 9, 27.


 
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fadenbins, m. juncus filiformis.
 
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fadenbrechen, n. ruptio fili:

Pallas will sich an dir (parze) rächen!
du mit deinem fadenbrechen
hast sie so entrüst gemacht.
Rompler 93.


 
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fadenbruch, m. ruptura, ruga telae, ein bruch im gewebe.
 
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fadenbund, n. glomus:

er kam von seiner burg herab
und hatt das fadenbund.
Herder 8, 64.


 
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fädenchen, n. wie fädemchen, fädchen.
 
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fadendünn, tenuis ut filum: ein fadendünner mensch, ein überaus hagerer; fadendünne gerte, allzudünne.
 
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fadeneisen, n. den strumpfwirkern schmale eiserne stäbe mit löchern am weberstuhl, durch welche die fäden gehen.

 

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