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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fädchen bis fademen (Bd. 3, Sp. 1230)
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[Bd. 3, Sp. 1230]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fädchen, n. filum tenue, für fädenchen, fädemchen, nnl. vadje: knüpfte ich eine menge fädchen wieder an, die ich zerrissen fand. Göthe 8, 59. 42, 75, wo doch die erste ausg. s. 72 fädger liest; sie erwiederte seine artigkeiten nicht sonderlich, sie war von einem andern fädchen gebunden. 19, 278;

drollichtes mädchen,
an einem fädchen
hängt mir das herz, wenn ich dich seh,
reisz es nicht ab, au weh, au weh!
Gotter die dorfgala s. 63;

doch du, loses mädchen,
fährst rasch an den fädchen
der goldenen leier
herauf und hernieder
und stimmest sie freier
für festliche lieder.
Kretschmann launen, erzählungen. Leipz. 1789 1, 58;

bald schnurrt das rädchen,
bald läuft das fädchen
vom vollen rocken ab.
Voss 4, 149;

auf meinen stuhl lehnt er den arm
und rühmte sehr das feine fädchen,
sein naher mund, so roth und warm,
wie zärtlich haucht er 'süszes mädchen!' 4, 185;

die mich hat am fädchen,
stehet auf der grenze still
zwischen kind und mädchen
und ist beides, was sie will.
Rückert ges. ged. 1, 299.


 
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fade, f. sepes, goth. faþa, oben sp. 41.
 
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fade, insipidus, ineptus, nach dem fr. fade, schw. fadd, dän. fad, noch nicht bei Stieler, Frisch, Adelung, aber schon im brem. wb., verwandt scheint das engl. fady flaccidus, welk, nnl. vadde und vadze, aus welchen das fr. den übrigen roman. sprachen fremde wort (wo es nicht zu fatuus gehört) stammen könnte, denn altn. faðr politus, ornatus liegt ab: eine fade speise; ein fader mensch, fades, läppisches geschwätz; der charakter des fribble, eines faden, süszen herrn war sonst Garricks lieblingsrolle. Sturz 1, 23.
 
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fadechtig, filo similis: runde würzlein, (? würmlein) werden an einem fadechtigen wurzlein gefunden. Tabernaemontanus 421.
 
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fädelein, n. was fädchen:

trille, rädchen, lang und fein,
trille fein ein fädelein
mir zum busenschleier!
Bürger 29b.


 
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fädelkraut, n. colchicum autumnale.
 
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fädeln ,
1) für einfädeln, oben sp. 168:

so was zu fädeln hast du eine seltne gabe.
Göthe 7, 82.


2) sich fädeln, filatim solvi, faden fahren lassen, sonst auch sich faseln, fasern.
 
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fadem, m. filum, ahd. fadam, fadum, mhd. vadem, nd. nnl. vaðem, vaam, vaem, alts. fathmôs brachia bina, ags. fäþm, fäðm cubitus, ulna, amplexus, sinus, engl. fathom, altn. faðmr, amplexus, sinus, orgyia, schw. famn, dän. favn. aus der einigung dieser scheinbar abstehenden bedeutungen ergibt sich aufschlusz über die wurzel, welche keine andere sein kann als fahan. fadum ist fahadum, wie âtum = ahatum (1, 591) gerade nach der üblichen kürzung des fahan in mhd. vân, altn. fâ. arme umfahen, schlieszen an den busen, die elle, ein theil des arms (3, 414), umfängt, miszt das gewand, ebenso thut der faden. beide deutungen von âtum wie von fadum wurden schon gramm. 2, 150. 260 versucht und doch scheinen die äuszerlich vergleichbaren potam, puosum, eidam nicht auf diesem wege zu erklären. die alte volle form fadem, pl. fademe, fädeme begegnet noch hin und wieder, z. b. bei Keisersberg: wan ein muck oder flieg in ein spinnweb kummet, so sie dann in den fedmen behangt. XV staffeln 39b; bei Luther 4, 196, der doch in der bibel faden setzt; bei Tabernaemontanus 352: henket sich mit seinen langen fädemen an den grund hin und wieder an; bei Harnisch 163; gewöhnlich steht aber faden.
 
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fademchen, n. was fädenchen, fädchen, wetterauisch färremchen.
 
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fademecht, wie fadechtig, fadig, fädig, faserig: birkenholz sehr fademecht und aderig ist. a. weish. lustg. 451; fädemichte blumen. Lohenst. Arm. 2, 438.
 
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fademen, fädemen, wetterauisch färreme, nnl. vademen, oft auch fadmen, fädmen = fädeln. mhd. vedemen (wb. 3, 201a).
1) einfädmen (sp. 169): ein nadel fädmen, lini caput per foramen acus trajicere; dadurch der wall so helle geworden, das man wol eine nadel dabei hätte fädemen können. Micrälius 5, 368; sie kann ihre nadel blindlings fädmen; wann ir die

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nadlen gefadmet haben, so vergessen das nicht, das ir an das ander end machen ein knopf, oder ir stechen manchen stich umbsunst. dan hat der faden kein ursach, das er usz der nadlen wüschet. Eulenspiegel cap. 50; perlen fädmen, aufreihen, an eine schnur ziehen; zuweilen auch DWB fädmen nere, spinnen, fäden drehen, voc. 1482 h 5b, it. filare, fr. filer; den wald fädmen, mit einem faden umziehen; aber wenn ihr von stuck zu stuck gesehen hettet das schön gepräm, die fransen, karsaminpasament (posament, fr. passement), segment, bendeln, gestepp, gebord, die stösz daran, und wie es alles gepleiget, gefademet, durchstrickt und durchstickt war. Garg. 115a. Henisch 968 schreibt fädmen, fidmen.
2) abfädmen: die bohnen fädemen, ihnen die fäden an beiden seiten der schote abziehen, wetterauisch bune färreme.
3) sich fädmen, in fäden absondern und auflösen, sich färreme.

 

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1) erwandern
 ... erwandern , invenire, experiri, wie erfahren sp. 789. 790: