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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fäcken bis fadem (Bd. 3, Sp. 1229 bis 1230)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fäcken, m. ala. Frisius 70a. Stalder 1, 348. fecken. Alb. von Rütte 23. fecka und flecka. Tobler 178, fäke im idiot. bernense 26b, daneben auch fäckten: auf dem rücken hat er zween fäckten, die (? den) erste klein, die ander grosz. Forer 43b; hat zwei (so) kleine fäckten bei den ohren, andere zwei kurze am bauch. 48b; etliche wollen, dasz die jungen (fische) durch ire fäckten oder flügel beschirmpt werden. 66b. fecka öberchoh, flügel bekommen heiszt verloren gehen, entfliegen, bim fecka neh, beim flügel nehmen, anpacken, dfäke la lampe, die flügel hängen lassen, animo frangi, dfäke beschrote, die flügel beschneiden. es ist nicht leicht über dies wort zu urtheilen. fäcke, fecka gemahnt an fach, lappe, fetze (sp. 1220), bedeutet auch nach Stalder schosz eines kleides, ficke, rocktasche, nach Tobler einen vorstehenden, herabhängenden lappen, den wir sonst flügel eines rocks nennen. nnl. ist vacht haut oder wolle eines lamms, iemand bij zijne vacht krijgen, hem bij de lurven pakken. Stalder führt fackete f. für tasche an, facketezeit ist taschenuhr. dann aber liesze sich auch an fackeln, feckeln, flattern denken. endlich könnte fäckten umstellung von fettich, fittich sein, Frisius schreibt neben fäcken ohne weiteres fätchen und Maaler 129a gar nicht anders: mit den fätchen schweien, die fätchen erschütten, die fätchen erschwingen, plaudere alis. tch und ck tauschen leicht, unmittelbar nach labialen fällt aber l gern aus. vgl. DWB feder, DWB federwisch, DWB flederwisch, fittich.
 
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faction, f. forma, it. fazione, fr. façon, zubereitung:

was kleidung nur aufkommen kan
seltzamer art und faction.
H. Sachs II. 2, 48a.

heute partei, rotte.
 
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factotum, n. omnium rerum minister: er ist allein der würfelträher, das fac totum, der könig des immenschwarms. bienenk. 44a; vor allem für den magen, sein groszes factotum sorge getragen. Wieland 18, 209;

hier wo sich jeder seines weges treibt,
wo ein factotum unentbehrlich bleibt.
Göthe 13, 139.

[Bd. 3, Sp. 1230]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fädchen, n. filum tenue, für fädenchen, fädemchen, nnl. vadje: knüpfte ich eine menge fädchen wieder an, die ich zerrissen fand. Göthe 8, 59. 42, 75, wo doch die erste ausg. s. 72 fädger liest; sie erwiederte seine artigkeiten nicht sonderlich, sie war von einem andern fädchen gebunden. 19, 278;

drollichtes mädchen,
an einem fädchen
hängt mir das herz, wenn ich dich seh,
reisz es nicht ab, au weh, au weh!
Gotter die dorfgala s. 63;

doch du, loses mädchen,
fährst rasch an den fädchen
der goldenen leier
herauf und hernieder
und stimmest sie freier
für festliche lieder.
Kretschmann launen, erzählungen. Leipz. 1789 1, 58;

bald schnurrt das rädchen,
bald läuft das fädchen
vom vollen rocken ab.
Voss 4, 149;

auf meinen stuhl lehnt er den arm
und rühmte sehr das feine fädchen,
sein naher mund, so roth und warm,
wie zärtlich haucht er 'süszes mädchen!' 4, 185;

die mich hat am fädchen,
stehet auf der grenze still
zwischen kind und mädchen
und ist beides, was sie will.
Rückert ges. ged. 1, 299.


 
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fade, f. sepes, goth. faþa, oben sp. 41.
 
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fade, insipidus, ineptus, nach dem fr. fade, schw. fadd, dän. fad, noch nicht bei Stieler, Frisch, Adelung, aber schon im brem. wb., verwandt scheint das engl. fady flaccidus, welk, nnl. vadde und vadze, aus welchen das fr. den übrigen roman. sprachen fremde wort (wo es nicht zu fatuus gehört) stammen könnte, denn altn. faðr politus, ornatus liegt ab: eine fade speise; ein fader mensch, fades, läppisches geschwätz; der charakter des fribble, eines faden, süszen herrn war sonst Garricks lieblingsrolle. Sturz 1, 23.
 
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fadechtig, filo similis: runde würzlein, (? würmlein) werden an einem fadechtigen wurzlein gefunden. Tabernaemontanus 421.
 
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fädelein, n. was fädchen:

trille, rädchen, lang und fein,
trille fein ein fädelein
mir zum busenschleier!
Bürger 29b.


 
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fädelkraut, n. colchicum autumnale.
 
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fädeln ,
1) für einfädeln, oben sp. 168:

so was zu fädeln hast du eine seltne gabe.
Göthe 7, 82.


2) sich fädeln, filatim solvi, faden fahren lassen, sonst auch sich faseln, fasern.
 
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fadem, m. filum, ahd. fadam, fadum, mhd. vadem, nd. nnl. vaðem, vaam, vaem, alts. fathmôs brachia bina, ags. fäþm, fäðm cubitus, ulna, amplexus, sinus, engl. fathom, altn. faðmr, amplexus, sinus, orgyia, schw. famn, dän. favn. aus der einigung dieser scheinbar abstehenden bedeutungen ergibt sich aufschlusz über die wurzel, welche keine andere sein kann als fahan. fadum ist fahadum, wie âtum = ahatum (1, 591) gerade nach der üblichen kürzung des fahan in mhd. vân, altn. fâ. arme umfahen, schlieszen an den busen, die elle, ein theil des arms (3, 414), umfängt, miszt das gewand, ebenso thut der faden. beide deutungen von âtum wie von fadum wurden schon gramm. 2, 150. 260 versucht und doch scheinen die äuszerlich vergleichbaren potam, puosum, eidam nicht auf diesem wege zu erklären. die alte volle form fadem, pl. fademe, fädeme begegnet noch hin und wieder, z. b. bei Keisersberg: wan ein muck oder flieg in ein spinnweb kummet, so sie dann in den fedmen behangt. XV staffeln 39b; bei Luther 4, 196, der doch in der bibel faden setzt; bei Tabernaemontanus 352: henket sich mit seinen langen fädemen an den grund hin und wieder an; bei Harnisch 163; gewöhnlich steht aber faden.

 

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