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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fächel bis fächerfalte (Bd. 3, Sp. 1221 bis 1224)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fächel, m.fächlein,n.
1) flameum, flameolum, peplum, voc. 1482 h 5b. Diefenbach 238b, ein schleier der jungfrauen, nonnen, velum, mhd. rîse, rîselîn: in mehrer anmerkung, dasz sein fürst, weil er ihm diese schönheit, so allbereit zum fechel gewidmet, anders nicht habhaft zu werden getraute, solche auch mit gefahr seines lebens zu entführen gänzlich entschlossen. Hofmannswaldau heldenbr. s. 26; dasz Abelard gezwungen war seine ehegatten nach Argenteil, unfern von Paris gelegen zu senden und sie bis auf den fechel alldar einkleiden zu lassen. s. 149;

vertausche demnach nur den fächel vor die haube,
denn er ist sicherlich ein schweres freiheitsband.
Günther 594;

nie lob ich sie beim spinnerädchen,
denn dieses weisz sie nicht,
wer kann da etwas schönes sehen
was nur die bäurin thut?
schön kann sie ihren fechel drehen,
denn dieses weisz sie gut.
Ossenfelder oden und lieder 114;

fechel, leinwand die an den schleier geheftet herabhängt. Hausleutners schwäbisches archiv 2, 221. offenbar das mhd. faile

[Bd. 3, Sp. 1222]


Parz. 301, 28. 302, 1, lat. velum, franz. voile, nnl. wiel und von dem folgenden fächel flabrum ganz verschieden. die bäurin in der letztangeführten stelle schleiert sich, trägt aber keinen fächer.
2) fächel, flabellum, fächer, éventail, it. ventaglio, sp. abanico, aus dem folgenden fächeln gebildet:

polster einzuwiegen,
brillen zum betriegen,
fechel wind zu machen,
mehr noch solche sachen
sind bei hof in haufen
niemand darf sie kaufen.
Logau ...


 
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fächeln , ventilare, regt sich noch nicht ahd. mhd., auch haben die schwestersprachen nichts ähnliches, aus der volksmundart ist höchstens anzuführen das zerfächeln des Berner oberlandes für auseinander fallen, zersplittern (Stald. 1, 348), was zerwehen bedeuten könnte. die andern composita anfächeln, auffächeln, befächeln, erfächeln, zufächeln gehn auch nicht weit zurück und weichen bald in feckeln, bald in wecheln, wozu sich poln. wachlować fächeln und wachlanz fächer stellen läszt, vgl. den eigennamen Wachler. böhm. gilt fochrugi, fochrovati für fächern, fächeln. wecheln beglaubigt Diefenbach 611a und des Mathesius aufwecheln. selbst bangeln, banklen (1, 1104) wäre zu bedenken, kaum lat. focillare, refocillare, aufbächeln. vgl. auch DWB fachen und DWB wehen.
unsern dichtern muste das einfache wort willkommen sein, zeigt sich aber erst im 17 jh., häufiger in des 18 zweiter hälfte.
1) intr.

o liebster, was bedeut das ungewohnte röcheln?
die furcht der heiszen brust? der matten lungen fecheln?
Fleming 144;

fächelnde westwinde schwärmen um ihn und kühlen die wangen.
Zachariä tagesz. 37 (2, 33);

der mittag, begleitet von fächelnden stunden,
eröfnet sein füllhorn, mit blumen umwunden,
und gieszt es auf alles verschwenderisch aus. dessen gedichte 1761 s. 539;

immer kann der west nicht fächeln,
auch der nord musz einmal wehn,
will man sehn den himmel lächeln,
musz man ihn auch weinen sehn.
Burmann ged. 44;

der kannte nie der liebe lust und schmerz,
der nie erfuhr, wie süsz ihr athem fächelt.
Bürger 69a;

mich labt der weste fächeln
am hainquell.
Matthisson 124;

vor meines liedes fächeln
scheint ihm die welt zu lächeln.
Rückert 199;

blumen, die ich mit thränen der sehnenden liebe geträumet,
die ich sprossen gemacht, fächelnd mit hauchen des wehs. 266;

so frug ich bange zweifelnd und empfand
im wind das fächeln schon der todeshand,
und fühlt es kühler schon im herzen flieszen.
Lenau n. ged. 95;

ein fächelnder abendwind. J. P. Hesp. 4, 47; er wuste nicht, wofür er das ding zu nehmen habe, das unsichtbar an der feuermauer auf und nieder hobelte und so verdächtig um ihn fächelte. papierdrache 2, 41.
2) tr. anwehen, heranwehen,

der verliebte himmel lächelt
in die gleicherwärmte luft,
welche gleichsam küsse fächelt
auf der schwangern erden kluft.
Fleming 363;

ein bunter thor, der tändelnd uns umflattert
und unterdes er sich im spiegel selbst belächelt,
studierte seufzerchen mit schaler anmut fächelt (früher röchelt).
Wieland 9, 19;

lose kleine amoretten,
die ihre rege glut mit goldnen schwingen fächeln. 9, 293;

fächelt
denn auch so schön wie hier in ihrer lilienbrust
die wollust selbst den geist der jugendlust? 10, 182;

süsze liebe! morgenrosen
athmen reiner nicht den duft,
sanfter, ihnen liebzukosen,
fächelt zefir nicht die luft.
Boie in
Voss musenalm. 1789 s. 101;

lieblich fächeln euch
sanfte, kühle weste.
Weisze kom. opern 1, 3;

wenn du den mittag fühlest,
gedrückt von heiszem sonnenstral,
'brichst du gesträuch und kühlest
mich fächelnd allemal'. 1, 140;

sanft und lieblich ist der west,
thal und aue lächelt,
wann er an der Flora fest
ihre kinder fächelt. 3, 120;

Dorchen sinkt halb in ohnmacht, Kunz läuft zu ihr, kniet neben ihr hin, nimmt ihre hand, fächelt sie mit dem hute

[Bd. 3, Sp. 1223]


und thut alles sie wieder zu sich zu bringen. Weisze die jubelhochzeit s. 172; bei welchem actus der häuslichen jurisdiction sie selbst mit dem kehrbesen den verabschiedeten ehegespan zur thür hinaus fächelte. Musäus volksm. 650; labe dich indessen an dieser luft, die jetzt noch so wollüstig deine reizbare haut fächelt. Klinger 7, 140; unsichtbare hände fächeln ihn (den menschen), wenn er brennt und tragen himmelsblumen vor ihm zur stärkung vorüber. J. P. papierdr. 2, 171; verflucht sei die luft, die dich fächelt. Schiller 151b;

die rose spricht: sein muth ist ungeraubt
dem zefir, meinem diener, der mit witze
mir kühlung gegen deinen brand zu fächeln,
und dafür zu verdienen weisz mein lächeln.
Rückert 402.


3) refl.

Lisette schweigt, und lächelt,
wie eine dame thut, die sich gelassen fächelt.
Zachariä;

so schmachtet er am bach, wo sich die musen fächeln,
ein zweiter Tantalus.
Gotter 1, 335.


 
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fachen , discriminare, aus dem vorausgehenden fach loculus, plica herzuleiten,
1) in fächer abtheilen, vgl. DWB einfachen 3, 168. ausfachen 1, 852 und verfachen, vertheilen. Stieler 393.
2) carminare pilos, lanam, pectendo carpere, ahd. zeisan: der hutmacher facht die haare mit dem fachbogen. Brosenius technologie. Leipz. 1806 s. 129. Schmid 175 schreibt facken, flachs brechen.
 
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fachen ,
1) sufflare, nahverwandt mit fächeln, und auch erst seit dem 17. 18 jh.

ein bündel reiser wird auf dürren kien gelegt
und als sie asch und kohlen aufgeregt,
facht, bläst und hustet sie den ganzen stosz zu flammen.
Hagedorn 2, 101;

wo jeder athemzug, geschwellt
von dieser zauberlust, den funken
des hochgefühls, das uns zu göttern macht,
selbst in der engsten brust zu hellen flamme facht.
Wieland 9, 160;

so wie nahrung empfängt von wehenden winden ein kleines
unter umhüllender asche geheim verborgenes fünklein,
wie es erwächst und gefacht zu den vorigen kräften emporsteigt.
Voss;

bis ins innerste mark fachte er mir die flammen, die ihn durchwühlten. Göthe 10, 148; der tausend legionen schuldloser engel in rebellisches feuer fachte. Schiller 122a;

stein und felsen ihre herzen,
ihre seelen nacht,
von des himmels flammenkerzen
nie in glut gefacht. 10a;

(das recht), das wissenschaft und geistesglut
getreulich nährt und facht.
Uhland ged. 114;

wenn Kamilla nun erwacht
und das lämpchen freundlich facht. 191;

das ist der Taillefer, der so gerne singt,
im hofe, wann er das rad am brunnen schwingt,
im saale, wann er das feuer schüret und facht,
wann er abends sich legt und wann er morgens erwacht. 405 (421);

wenn zur flamm den funken facht
gütge nachsicht.
Tieck 1, 421;

der samenfunke glimmt im erdreiche,
bis man die tulpenflamme facht endlich.
Platen 76a;

auch sagte sie, wie ihr berichtet ward,
dasz Rolands schwert gewaltgen hader fachte
im Sericanen und in Mandricard.
Gries Ar. 31, 47.

üblicher ist die gleichbedeutige zusammensetzung anfachen. man darf facht sufflat, accendit nicht vermischen mit facht für faht, fäht capit von fahen.
2) refl. sich fachen, fächeln, fächern:

dann erholten sich die damen, husteten und fachten sich.
Dusch der schoszhund. Altona 1756 s. 40;

nach den loszen eingetheilt saszen lords bei ihren damen,
und die letzten fachten sich, wenn die ersten toback nahmen. 45.


 
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facher, m. carminator, ein das fachen, zeisen verrichtender tuchbereiter, hutmacher.
 
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fächer, m. flabellum, was fächel: ein so freundschaftlicher verweis ist in der freundschaft so angenehm, als in der liebe ein schlag mit dem fächer. aber machen sie es ja auch, wie ein mädchen, das seinen geliebten mit dem fächer schlägt. Cronegk bei Gellert 8, 183;

itzt schlägt, itzt droht sie mit dem fächer,
sie scherzt mit ihrer nachbarin.
Rost Kaliste im taschenb. für dichter 6, 117;

ihre fächer waren zefyrs flügel
und der morgenhain ihr putzgemach.
Hölty 198.

[Bd. 3, Sp. 1224]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fächeraloe, f. aloe plicatilis.
 
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fächerbaum, m. geländerbaum, der an den fächern, spalieren steht.
 
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fächerblatt, n. er rupfte immer mehr breite fächerblätter aus seiner grünenden spanischen wand (aus der dichten laube). J. P. Tit. 2, 15.
 
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fächerchen, n. flabellulum.
 
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fächerfalte, f. plica flabelli: der grundrisz dieser stadt gleicht einem fächer, in welchem das markgräfliche schlosz den knopf, die verschiedenen hauptstraszen eben so viele fächerstäbe oder fächerfalten vorstellen. Campes kinder und jugendschr. 1830. 18, 197. es könnte auch heiszen fächerfach, denn hier stoszen die bedeutungen fächer (von fächern, fächeln) und fach an einander.

 

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