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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fabulist bis fachen (Bd. 3, Sp. 1218 bis 1223)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fabulist, m. fabeldichter: man mag ein historicus oder fabulist werden wollen. Hagedorn 1, 104; die eigentliche ursache, warum sie der fabulist zu moralischen wesen erhebt. Herder 17, 73.
 
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facenetlein, n. sudarium, taschentuch, schnupftuch, lat. fasciola?, oder aus unserm fetze, lappe?, it. fazzoletto, noch heute in Schwaben fatzenetli, fatzenetle, fatzeneitle, in Steier fazonetelj, in der Schweiz fatzeneetli, fatzenetzli, bei Maaler 130b fätzle linteolum, 132d fatzeletle: mit einem weiszen fatzeletle das antlit wüschen; in Appenzell fatzenetzli; und legt die kleinot in ein facenetlin zusammen. Fortunat L 4; der ritter ein weisz facenetlin um seinen verwundten finger wandt. buch der liebe 60, 3; zu dem zwölften die faciletlin, die rotztüchlein seind auch nutz. Keisersb. wannenkrämer 96b; mailen oder faciletlen schenken. schif der pen. 19c;

darmit wirt manche uberredt,
das sie mir schenkt ein facilet.
H. Sachs I, 305b;

sag, wann (woher) kam dir das facilötlein,
das du nun schenkest deinem Ötlein? I, 513d;

sich da, mein Hilla, du im gib
das mein ausgenäht facilet. III. 1, 197d.


 
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fach, n. ein in der alten sprache lebendigeres wort, das aber dem goth. dialect, soviel wir ihn kennen, und dem altn. abgeht. ahd. fah, gen. faches, facches, mhd. vach, nd. fak (wonach dän. fag), nnl. vak, ags. fäc, engl. erloschen, schott. faik, fries. fek, vgl. serb. fijoka, fioka f. natürliche wurzel scheint fahan capere, ahd. fâhan, mhd. vâhen, die production war aber unursprünglich, und durch h herbeigeführt. zwar weicht auch die asp. oder tenuis des auslauts von dem h in fahan ab, doch erwäge man den imp. vach, das häufige fachen, fächt und das altn.praet. féck wie den übergang in fangen, fieng. urverwandt liegen skr. pax capere, lat. pango pepigi, compingo compegi, gr. πήγνυμι, folglich die nomina πάγη, πάγος, πηγός, πηγή u. s. w., wozu 1, 1065 unser bachen und bach gehalten wurde. den wechsel anlautender b und f bezeugen noch viele andere wörter, schwerer scheinen vereinbar die bedeutungen, obschon der übergang des kochens in frieren einen anhalt gab. für unser fach gewährt fangen den offenbarsten sinn.
1) fach, falle, schlinge, πάγη, παγίς, compages, captura piscium, was die fische fängt und festhält. ahd. fiscô fâhunga. unsere voreltern legten in flüssen fächer an. führten wände, dämme, wehren von stein, holz, flechtwerk mitten durch den flusz: villis in Zuisgênfacchon in Fahhonorô marcu positis. Dronke cod. dipl. fuld. 353, zuisgên dat. pl. von zuisgi, zuisci binus, es waren hier doppelte fächer gebaut, der unmittelbar vorausgehende nom. Zuisgênfacho schiene sprachwidrig, doch stehn alle ursprünglichen dative der ortsnamen allmälich nominativisch. meint zuisgên unsere praeposition, so wäre inter capturas zu erklären, vgl. Interlachen, inter lacus. die jüngeren trad. fuld. ed. Dronke 74 p. 151 besagen von anderem unfernem orte: de maceria, quae per medium fluminis disposita est, quae maceria vulgo 'vah' vocatur. Faccha f., heute Vacha an der Werra, mag den an solchem fach gelegnen ort ausdrücken. Förstemann 2, 479 nennt mehrere örter des namens Faca, Facha, Faccha, daneben Fahdorf, Fahstat, Facheim. Mone (zeitschr. 4, 75) führt an, die salmenfänge in den wägen d. i. wogen, strömungen und strudeln des Rheins heiszen in den urkunden 'fecher und weide' und es scheine, dasz man die überreste römischer fluszbauten zu solchen stehenden einrichtungen des fischfanges benutzt habe. in der Straszburger ordnung der Rheinfischerei von 1449 (das. s. 83) heiszt es: es sol ouch nieman von angondem merzen unz dem meigetage deheine 'fach' noch deheine kelle nit versetzen noch verstellen mit riusen, mit körben, mit wartolfen (spitzen netzen.) eine urk. von 1480 MB. 9, 300 verordnet 'der facher halb auf der Ammer' dasz auf den einzelnen fischlehen acht, zwelf oder sechzehen facher gemacht, jedes fach sieben schuh lang, einen schuh hoch und eins von dem andern eine ackerlänge entfernt sein sollen. dieser landstrich an der Ammer hätte gleich dem an der Werra vormals Fachonorô (assim. für Fahunârô) marcha genannt werden können. so ein mäsziger fisch ist dieser, dasz er sich mit keinem aas in die fach reitzen läszt. Forer

[Bd. 3, Sp. 1219]


fischb. 21b. Frisius 497a. Maaler 128c haben fach oder feimer excipulus. excipula ist instrumentum, quo aliquid intercipitur, ut septum ex viminibus contextum ad capiendos pisces (reuse). Henisch 367, 8 schreibt fachfeimer in éin wort zusammen. vgl. noch Stalder 1, 347. Schmid 173 über fach = wehr und die artikel gegenfach, leichtfach, springfach. mhd. von einem held:

ër was riuse und vengec vach. Parz. 317, 28;

allegorisch von einem mülrad:

daʒ rat ist diu êre dîn
und trîbet daʒ ein snëller bach,
triwe genant, ân alleʒ vach. Hätzl. 199, 12,

ohne dasz ein fach hindurch geführt ist.
2) fach, captura avium, strick und netz des vogelstellers:

sëht, den besluoc sîn tiost mit tôdes vache.
Albr. Tit. 2014,

sein kampf schlug das netz des todes über ihn;

stricke noch aller vencvache (s. l.)
bin ich frî, daʒ ich dâ mit ie væric
wart gein iu noch nieman. das. 3012,

weder euch noch andern habe ich stricke oder netze gelegt. bildlich fach für falle, schlinge, hinterhalt: wie er 4 fendlin knecht auf uns hab lassen warten und uns also in ein fach gebracht. Schertlins br. s. 186.
3) vielleicht wurden auch wälder durch fächer eingehegt, bei Ducange 3, 179a ist fachia silva incaedua, ex incaeduis arboribus. vgl. captura oder bifanc RA. 538, bifanc grenzt an fach. bei Jamieson 1, 369 ist das schottische faik schichte und lager in steinbrüchen.
4) fach, wand, mauer, abtheilung in häusern: mhd.

ër mûrte sunderthalp ein vach. Servat. 2465;

daʒ ër nëme gesinde
und im ein palas mache
mit alsulchem vache
wol meisterlîchen undersniten. pass. H. 245, 41;

in eines gadmes vach. pass. K. 630, 59;

in eines hûselînes vach. 644, 91;

ein tier sô vremdʒ ich nie gesach
gemâlt an einer wende vach. MSH. 2, 246b;

nnl. welk landschap zult gij op dat vak laten schilderen? was wollt ihr an diese wand mahlen lassen?
'dach und fach' (2, 662) bezeichnet uns noch heute wohnung und gebäude, ein haus in dach und fach halten das römische sartum tectum aedium tueri. nd. dat hus in dak un fak underholden. weil wir in unserm haus schlecht versehen waren und der herr Sparmunkäs dach und fach bezogen hatte. Jucundissimus 6, wie Günther 1050 sagt:

bald legt sich Schmalhans in das zimmer;
doch wirst du weitergehen
ins innerste gemach,
wirst du sehn andre stehen,
die füllen dach und fach. wunderhorn 1, 266;

kalt wehen die lüftchen, kein dach und kein fach
beschirmet uns, komm in mein stilles gemach.
Bürger 33a;

wie mein vater als bötticher für den keller gesorgt hatte, so sorgte ich nun (als zimmermann) für dach und fach. Göthe 21, 25; nun hatte ich doch bei allem mangel von dach und fach auszer meinem mantel noch einen zweiten schutz gewonnen. 30, 73; höchst betroffen, dasz wir dach, fach und herd eiligst verlassen sollten. 30, 130; einem dach und fach geben, ihn ins haus aufnehmen. man sagt ein haus von sechs fächern, sechs sparren, nd. en hus van ses faken, domus habens sex distinctiones. ähnlich von samenkapseln der pflanzen: runde knöpflein, wie die flachsbollen in sechs fachen unterschieden. Tabernaem. 181. s. fächlein 1. capsa, capsula von capere.
5) fach in einem aus fachwerk errichteten haus ist nicht allein das abtheilende, die wand bindende gebälke und holz, sondern auch die dazwischen bestehende öfnung, intercapedo, der leere raum zwischen stielen, rahm, schwelle und riegel. solche fächer werden, um die wand zu schlieszen, entweder ausgemauert oder ausgestakt und mit lehm bekleidet. von einem zerstörten kloster: die kirche alles zubehörs beraubt, zimmer und säle ohne das mindeste hausgeräth, die zellenwände eingeschlagen, die thüren nach den gängen mit riegeln verzimmert, die fache nicht ausgemauert, der schutt umher liegend. Göthe 43, 291. fach heiszt auch eine auszufüllende fensteröfnung, das futter und die eingesetzten flügel: zu einem bau sind so und so viel fach fenster anzufertigen. man sagt 'ein fach brechen, reiszen' = ein loch machen: nnl. de Trojanen breken een vak uit de vesten, brechen eine lücke in die festung; denn der teufel roch den braten wol, wo die sprachen herfür kemen, würde sein reich ein fach gewinnen, das er nicht

[Bd. 3, Sp. 1220]


künde leicht wider zustopfen. Luther 2, 474a; nu ist der aufzug (verschub) die länge fährlich, das der satan durch böse zungen die sach auf beiden seiten bitter und ärger mach, weil es also hänget, und zuletzt ein boses fach reiszen mocht im pöbel. br. 2, 380. 'ein gut fach ausführen' meint tapfer arbeiten, etwas rechtes beschicken und die lücke ausfüllen, was oft auch auf essen angewandt wurde: ein gutes fach verzehren, ein loch in die speise, in die schüssel voll speise machen; ich musz noch hingehn ein fach auszuführen und ein schnittlein weichen (eine brotschnitte in wein aufweichen). Garg. 103b; in willens ein gut fach bei ihm auszuführen, tüchtig bei ihm zu schmausen. Katzenveit 102. singt jedoch Günther 1050:

du weist wol, wenn wir dichter reisen,
so schwindet stets das beste fach,

kann nichts anders verstanden werden als die im geld entsprungne lücke.
6) hierzu stimmt, dasz fach in die abstracte bedeutung von raum, sowol des orts als der zeit übergieng, den Angelsachsen ist fäc spatium, intervallum, lytel fäc parvum intervallum, vyscte,

þät he lytel fäc leng gestreona
brûcan môste. Beov. 4472,

wünschte, dasz er noch kurze zeit länger des schatzes genieszen möchte; tvegra daga fäc, biduum; fîf vintra fäc, quinquennium; binnan sex manna sibba fäc, intra sextum cognationis gradum; der dat. pl. facum drückt aus lustris, alle fünf jahre. hier findet das nl. und nd. adverb vaken seine deutung, es besagte spatiis temporum und dann saepe, weil das sich nach jahren wiederholende oft geschieht, wie wir zeitlich für frühe und oft setzen, das altn. tîðr ist frequens, schw. tidt och ofta frequenter, saepius. bei Scherfer 68 steht nhd. gefach im sinne von vaken, eine schrift von 1460 verknüpft 'gefach und viel', oft und viel.
7) mhd. vach ist auch plica, falte, lage, stufe, stück, fetze, wie sie hemd, mantel, kleid, halsberge und schild abtheilen:

als der mantler (mantelmacher) min noch mêr
wenden tuot sîn alte fach. Ls. 2, 551;

under dînes mantels vachen. MSH. 3, 468bb;

daʒ hemde was von hundert vachen. Wolfd. 349 (
Haupt 4, 441);

ër zart im von dem diehe
ein vach dër halsberge. Rol. 179, 10;

daʒ ër durchstach
die schilde und der halsberge vach.
Ulr. Wh. 120b;

vil maneges halsberges vach
wart von im zetrennet. 213d;

ein schilt von drîen vachen. Laurin C. v. d. Rön 67. 68. 69,

wie der schild sonst triplex, septemplex heiszt;

sein wappenrock der was seidein,
von gestein gab er gar liechten schein,
so gar von mancherhande sachen,
gemacht mit zwei und sibenzig fachen. Laurin ed. Schade 464;

und daʒ im sîn rennegewant
würd ein alteʒ plahenvach.
Helbl. 8, 325,

eine alte tuchfetze, vgl. DWB blahe, grobes tuch wb. 2, 61;

swëlhe rote er mohte erlangen
mit sîner swæren stangen,
dër sluoc ër ab ein michel vach. Ernst 4779;

ein michil vach der vîende schar
hetten sie zu fuʒe brâcht
ouch tôt gevalt. Ludwig 1969;

Speierer verordnung über hochvertige kleider und gezierde (Mones zeitschr. 7, 59): der vrouwen sol deheine kein schappel dragen oder deheinen sleiger, genant kriuseler, der me habe umbe gewunden danne vier vach, also daʒ die selben vach an den flocken daran von der stirnen über sich uf nit höher sint oder sin söllent, danne eins twerchvingers hoch. schottisch faik, a fold of any thing, a ply of a garment, a plaid. Jamieson 1, 369. suppl. 1, 381. um so merkwürdiger, da diese bedeutung von falte und plaid an die von mantel, tunica und tünche reicht, womit gemäuer und fachwerk ausgefüllt oder bekleidet werden, s. Ducange 4, 245 unter mantellus und mhd. wb. 2, 62a. nennen wir doch die mauer um einen ofen mantel, den rauchfang rauchmantel, was für fach = fang zeugt.
8) fach, die falte, in anwendung auf das innere, in einem Marienliede: mhd.

got wil kumen in dîn vach. MSH. 3, 468u;

ër lie sich zuo ir in ir vach. das.;

in sînes reinen hërzen vach. pass. H. 243, 74;

daʒ im in sînes hërzen vach
dër name solde sîn ergraben. pass. K. 167, 59;

heimelich in sînes hërzen vach. 227, 76;

ër wêre in ir hërzen vach. 480, 31;

in dës hërzen vachen. 593, 10.

[Bd. 3, Sp. 1221]



nhd. wann öfnen wir, zufriednen mädchen gleich,
die ihren schmuck einander wiederholt
zu zeigen kaum ermüden, unsres herzens
geheimste fächer.
Göthe 9, 291,

welchem doch auch die folgende bedeutung vorgeschwebt sein kann.
9) fach, abtheilung in schrein und kasten (vgl. 4): meine bücherbrete bilden fünf fächer; unterm tisch ist noch ein verborgnes fach; diebe brachen ein und leerten alle fächer; hinten in der lade noch ein fach anbringen; er ist nicht aus dem rechten fach, nicht von dem rechten schlag leute. vgl. bücherfach, querfach, seitenfach, schubfach.
10) fach, provincia, das einem überwiesene, von ihm betriebene geschäft: ein mann, der sich in seinem fache fühlt; sein fach war die theologie; er blieb bei seinem fach, zeichnete sich aus in mehr als einem fache der wissenschaft, glänzte in allen fächern; das ist nicht mein fach, schlägt nicht in mein fach, gehört nicht vor mich; er ist stark in seinem fach;

freunde, mir ist die vernunft zu schwer,
aber die liebe, das ist mein fach.
Platen 84b;

der graf musterte indes die übrigen. er fragte einen jeden nach seinem fache und äuszerte gegen Melina, dasz man streng auf fächer halten müsse. Göthe 18, 239; Laertes war hier gerade in seinem fache. er gieng, den stallmeister im namen des knaben heraus zu fordern. 18, 225; wie er die gesellschaft in fächer eintheilen und einem jeden seine bestimmte mitwirkung übertragen wollte. 18, 248; da die weiber weder den mann noch sein fach verstehen. J. P. papierdrache 1, 108; recensionen aus allen fremden fächern. Fibel 25. ebenso nnl. het was een groot man in zijn vak; gij moet het vak der geschiedkunde beter beoefenen. bei Stalder 1, 348 fach, tagewerk, pensum. vgl. DWB hauptfach, DWB nebenfach.
11) was heiszt fastn. sp. 1201:

der fierd ist nit gespeist zu fach,

dem sinne nach wol nicht vollkommen, nicht sattsam, so dasz sich die falten seines magens erfüllen? denn von fachen, falten des magens ist auch sonst die rede: das ist ein zeichen das er hat hitzige dunst in den fachen des mages. küchenmeisterei d 6. es könnte aber auch gemeint sein: er ist noch nicht zu dach und fach satt.
 
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fach als adj. entspricht der siebenten bedeutung des subst., erscheint jedoch nie auszerhalb der zusammensetzung, so wenig als ein adj. falt, oder gr. ein πλοῦς, lat. ein plex erscheint. aber die composita einfach, zweifach, dreifach, vierfach u. s. w., vielfach, manigfach sind synonym mit einfalt, zweifalt, dreifalt, vielfalt, manigfalt, welchen heute meistens noch ein -ig angehängt wird. fach = plica erlangt dadurch volle bestätigung,

daʒ verrâten ist drîer vacher. Ls. 1, 435

hat den sinn von ist drîvach. doch finden sich, wie goth. ainfalþs ahd. blosz in übung einfalt, zuifalt, drifalt u. s. w.; einfach (oben sp. 168), zweifach, dreifach (2, 1378) zeigen sich erst späterhin.
 
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fäch, s. DWB fech.
 
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fachbaum, m.
1) longurius molaris, Stieler 114, sonst auch wehrbaum, grundbaum, der das wasser vor dem gerinne in der höhe erhält.
2) ein werkzeug der tuchmacher zum fachen der wolle.
 
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fachboge, m. was fachbaum 2.
 
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fache, f. die gefachte wolle, s. DWB fachen.
 
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fächel, m.fächlein,n.
1) flameum, flameolum, peplum, voc. 1482 h 5b. Diefenbach 238b, ein schleier der jungfrauen, nonnen, velum, mhd. rîse, rîselîn: in mehrer anmerkung, dasz sein fürst, weil er ihm diese schönheit, so allbereit zum fechel gewidmet, anders nicht habhaft zu werden getraute, solche auch mit gefahr seines lebens zu entführen gänzlich entschlossen. Hofmannswaldau heldenbr. s. 26; dasz Abelard gezwungen war seine ehegatten nach Argenteil, unfern von Paris gelegen zu senden und sie bis auf den fechel alldar einkleiden zu lassen. s. 149;

vertausche demnach nur den fächel vor die haube,
denn er ist sicherlich ein schweres freiheitsband.
Günther 594;

nie lob ich sie beim spinnerädchen,
denn dieses weisz sie nicht,
wer kann da etwas schönes sehen
was nur die bäurin thut?
schön kann sie ihren fechel drehen,
denn dieses weisz sie gut.
Ossenfelder oden und lieder 114;

fechel, leinwand die an den schleier geheftet herabhängt. Hausleutners schwäbisches archiv 2, 221. offenbar das mhd. faile

[Bd. 3, Sp. 1222]


Parz. 301, 28. 302, 1, lat. velum, franz. voile, nnl. wiel und von dem folgenden fächel flabrum ganz verschieden. die bäurin in der letztangeführten stelle schleiert sich, trägt aber keinen fächer.
2) fächel, flabellum, fächer, éventail, it. ventaglio, sp. abanico, aus dem folgenden fächeln gebildet:

polster einzuwiegen,
brillen zum betriegen,
fechel wind zu machen,
mehr noch solche sachen
sind bei hof in haufen
niemand darf sie kaufen.
Logau ...


 
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fächeln , ventilare, regt sich noch nicht ahd. mhd., auch haben die schwestersprachen nichts ähnliches, aus der volksmundart ist höchstens anzuführen das zerfächeln des Berner oberlandes für auseinander fallen, zersplittern (Stald. 1, 348), was zerwehen bedeuten könnte. die andern composita anfächeln, auffächeln, befächeln, erfächeln, zufächeln gehn auch nicht weit zurück und weichen bald in feckeln, bald in wecheln, wozu sich poln. wachlować fächeln und wachlanz fächer stellen läszt, vgl. den eigennamen Wachler. böhm. gilt fochrugi, fochrovati für fächern, fächeln. wecheln beglaubigt Diefenbach 611a und des Mathesius aufwecheln. selbst bangeln, banklen (1, 1104) wäre zu bedenken, kaum lat. focillare, refocillare, aufbächeln. vgl. auch DWB fachen und DWB wehen.
unsern dichtern muste das einfache wort willkommen sein, zeigt sich aber erst im 17 jh., häufiger in des 18 zweiter hälfte.
1) intr.

o liebster, was bedeut das ungewohnte röcheln?
die furcht der heiszen brust? der matten lungen fecheln?
Fleming 144;

fächelnde westwinde schwärmen um ihn und kühlen die wangen.
Zachariä tagesz. 37 (2, 33);

der mittag, begleitet von fächelnden stunden,
eröfnet sein füllhorn, mit blumen umwunden,
und gieszt es auf alles verschwenderisch aus. dessen gedichte 1761 s. 539;

immer kann der west nicht fächeln,
auch der nord musz einmal wehn,
will man sehn den himmel lächeln,
musz man ihn auch weinen sehn.
Burmann ged. 44;

der kannte nie der liebe lust und schmerz,
der nie erfuhr, wie süsz ihr athem fächelt.
Bürger 69a;

mich labt der weste fächeln
am hainquell.
Matthisson 124;

vor meines liedes fächeln
scheint ihm die welt zu lächeln.
Rückert 199;

blumen, die ich mit thränen der sehnenden liebe geträumet,
die ich sprossen gemacht, fächelnd mit hauchen des wehs. 266;

so frug ich bange zweifelnd und empfand
im wind das fächeln schon der todeshand,
und fühlt es kühler schon im herzen flieszen.
Lenau n. ged. 95;

ein fächelnder abendwind. J. P. Hesp. 4, 47; er wuste nicht, wofür er das ding zu nehmen habe, das unsichtbar an der feuermauer auf und nieder hobelte und so verdächtig um ihn fächelte. papierdrache 2, 41.
2) tr. anwehen, heranwehen,

der verliebte himmel lächelt
in die gleicherwärmte luft,
welche gleichsam küsse fächelt
auf der schwangern erden kluft.
Fleming 363;

ein bunter thor, der tändelnd uns umflattert
und unterdes er sich im spiegel selbst belächelt,
studierte seufzerchen mit schaler anmut fächelt (früher röchelt).
Wieland 9, 19;

lose kleine amoretten,
die ihre rege glut mit goldnen schwingen fächeln. 9, 293;

fächelt
denn auch so schön wie hier in ihrer lilienbrust
die wollust selbst den geist der jugendlust? 10, 182;

süsze liebe! morgenrosen
athmen reiner nicht den duft,
sanfter, ihnen liebzukosen,
fächelt zefir nicht die luft.
Boie in
Voss musenalm. 1789 s. 101;

lieblich fächeln euch
sanfte, kühle weste.
Weisze kom. opern 1, 3;

wenn du den mittag fühlest,
gedrückt von heiszem sonnenstral,
'brichst du gesträuch und kühlest
mich fächelnd allemal'. 1, 140;

sanft und lieblich ist der west,
thal und aue lächelt,
wann er an der Flora fest
ihre kinder fächelt. 3, 120;

Dorchen sinkt halb in ohnmacht, Kunz läuft zu ihr, kniet neben ihr hin, nimmt ihre hand, fächelt sie mit dem hute

[Bd. 3, Sp. 1223]


und thut alles sie wieder zu sich zu bringen. Weisze die jubelhochzeit s. 172; bei welchem actus der häuslichen jurisdiction sie selbst mit dem kehrbesen den verabschiedeten ehegespan zur thür hinaus fächelte. Musäus volksm. 650; labe dich indessen an dieser luft, die jetzt noch so wollüstig deine reizbare haut fächelt. Klinger 7, 140; unsichtbare hände fächeln ihn (den menschen), wenn er brennt und tragen himmelsblumen vor ihm zur stärkung vorüber. J. P. papierdr. 2, 171; verflucht sei die luft, die dich fächelt. Schiller 151b;

die rose spricht: sein muth ist ungeraubt
dem zefir, meinem diener, der mit witze
mir kühlung gegen deinen brand zu fächeln,
und dafür zu verdienen weisz mein lächeln.
Rückert 402.


3) refl.

Lisette schweigt, und lächelt,
wie eine dame thut, die sich gelassen fächelt.
Zachariä;

so schmachtet er am bach, wo sich die musen fächeln,
ein zweiter Tantalus.
Gotter 1, 335.


 
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fachen , discriminare, aus dem vorausgehenden fach loculus, plica herzuleiten,
1) in fächer abtheilen, vgl. DWB einfachen 3, 168. ausfachen 1, 852 und verfachen, vertheilen. Stieler 393.
2) carminare pilos, lanam, pectendo carpere, ahd. zeisan: der hutmacher facht die haare mit dem fachbogen. Brosenius technologie. Leipz. 1806 s. 129. Schmid 175 schreibt facken, flachs brechen.

 

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