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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
evenäpfel bis ewigbange (Bd. 3, Sp. 1200 bis 1204)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) evenäpfel, pl. Evae poma, mammae:

Evenäpfel sind zum locken oft mit bleiweisz überkreidet.
Logau 3, 166, 64.


 
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evenen, avenaceus, ahd. evenîn: evenîn prot, haberbrot, evenîn malz, habermalz.
 
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evenmonat, m. habermonat, benennung eines herbst oder erntemonats, bald des septembers, bald novembers, nnl. evenmaent, evenmaand und auch gerstmaand, pietmaand, speltmaand. GDS. 89. 90: zwischent beiden unser lieben frauen tagen im evenmonat. weisth. 2, 617.
 
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eventochter, f. ein eitles, leichtsinniges mädchen.
 
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ever, m. navicula, lembus, scapha, kleines fahrzeug, das sich an gröszere hängt, boot, fischerkahn, weidling, ein nd. wort, doch nicht in allen gegenden üblich, Schambach und Danneil führen es nicht an, es gilt zu Hamburg, Bremen, in Ditmarschen, Holstein, Ostfriesland: fluszschif von scharfem bau (scharf in den wasserspiegel einschneidend), mit einem mast, im Harlingerland auch ein binnenschif. Stürenburg 49. man sehe die stellen bei Neocorus 2, 300. 302. 385. weder nl. noch engl. und scandinavisch, allen hochd. glossaren mangelnd, zuerst bei Frisch 1, 234, aus einem tractat von der averei (haverei) angeführt: kaufmannswaaren in einen ever oder boot laden, welche samt dem schif verunglücken und zu grunde gehen; doch brauchte den ausdruck schon vor ihm Brockes 8, 187: da ward ein groszer fischerever von weitem unser noch gewahr und näherte sich unsrer jagd ... denn wenn nunmehr das schif auch brechen würde, wir uns ... in den ever retten konnten. unrichtig als n.: es fand sich, dasz sein schif ein bloszes ever mit einem verdeck war. Lichtenberg 8, 240. Adelung stellt auch ein gänzlich unbelegtes hd. eber auf, dessen gestalt dem nd. zwar gemäsz wäre. ein gedanke an eber. aper würde ins hohe alterthum versetzen, das schiffe nach thieren benannte; weder altn. iöfur, noch ags. eofor zeigen irgend die bedeutung eines fahrzeugs und in den früheren jhh. müste ein solcher eber oder ever erst aufgewiesen werden. bessere auskunft soll willkommen sein.
 
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ewe, f. aevum, seculum, ahd. êwa, êa, mhd. êwe, mnl. êwe, nnl. eeuw. das goth. aivs war aber, gleich αἰών m., gen. aivis, dat. aiva, acc. pl. aivins, verhält sich also wie snaivs, ahd. snêo, mhd. snê, nnl. sneeuw. aus der bedeutung zeit entfaltete sich die der dauernden regel, des gesetzes und der ehe, wie oben sp. 39 dargethan ist; die im nnl. eeuw erhaltne von seculum ist unserm schleppenden, erst spät gebildeten jahrhundert (Stieler 868) vorzuziehen, obschon es im schw. rhundrade, dän. aarhundrede nachgeahmt wurde. dem goth. acc. aiv entsprossen die weit eindringenden partikeln aiv und ni aiv, ahd. êo, ni êo, allmälich io, nio, mhd. ie, nie, nhd. je, nie, und nicht anders den dat. acc. pl. die adverbia du aivam, in aivam, in aivins; auf ähnliche weise steht vom ahd. êwa der acc. sg. dat. pl. in êwa, in êwun, zi êwôm adverbial, mhd. in êwe, ze êwen, von êwen unz zêwen. verwunderlich wäre, dasz ein so gangbarer ausdruck nhd. im 15. 16 jh. bereits erloschen sein sollte. Oberlin sp. 364 bringt aus einem handschriftlichen tr. Belial contra Christum bei: gottes barmherzigkeit weret von ewen unz zu ewen; die vorrede zu Heinr. Geszlers tütscher rethorik schlieszt mit dem spruch: alpha und o, herr, anfang, mittel und end, dir sei lob, ere und glori von ewen z ewen. amen; noch lange ins 16 jh. wird oberdeutsch gebetet worden sein von ewen zu ewen für in secula seculorum. andere beispiele suche man in urkunden derselben zeit. ob aiv, êo, ie zusammen hangen könne mit air, êr, ê prius, führt in schwere erörterungen.
 
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ewich, m. zuweilen falsch geschrieben für ebich, eppich, hedera, z. b. mauerewich, hedera baccifera. Schwenkfeld stirp. Sil. p. 100.
 
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ewig , aeternus (für aeviternus, wie aetas für aevitas, vgl. longaevitas), goth. ajuks (aus ajukduþs zu folgern und gebildet wie ibuks, retrogradus) und aiveins, ags. êce, æce (für ævece?, das v geschwunden wie in schnee oder in umserm eisch, goth. aivisks), ahd. êwîc (für êwih?) und êwîn, daneben auch êwînic, mhd. êwic, nhd. ewig, alts. êwig und êwîn, nnl. eeuwig, altn. æfinlegr, schw. dän. evig, nach hd. ewig, daneben schw. evinnerlig, dän. evindelig nach altn. æfinlegr oder ahd. êwînic. evinnerlig und evindelig sind feierlicher, höher als evig, zuweilen

[Bd. 3, Sp. 1201]


aber stehen sie in verstärktem ausdruck gehäuft: dän. evig og evindelig. Asbjörnsen folkeeventyr s. 53. engl. eternal nach fr. éternel.
unser ewig bedeutet nun
1) das immerwährende, endlose: der ewige gott, vater, der ewige sohn; Abraham aber pflanzt bewme zu Bersaba und predigt daselbs von dem namen des herrn, des ewigen gottes. 1 Mos. 21, 33; die ewige jungfrau;

sie hält den ewgen sohn an ihrer brust.
Schiller 486b;

sie (die götter) halten die herschaft
in ewigen händen.
Göthe 9, 78;

eh vor des denkers geist der kühne
begrif des ewgen raumes stand,
wer sah hinauf zur sternenbühne,
der ihn nicht ahnend schon empfand?
Schiller 23a;

als wäre um ihn her die welt weggeblasen und er allein mit dieser Julia im ewigen leeren? 145a; bergmännisch, ewige teufe, eine unbegrenzte tiefe, ewige gänze, unbegrenzte länge eines grubenmaszes; verleihen in ewige teufe, bei streichendem grubenfelde dem beliehenen das recht ertheilen innerhalb seiner feldlänge die lagerstätte so tief abzubauen als sie reicht oder er vermag; ewiger tag, ewige nacht, ewige finsternis; die ewige zeit; da wird keiner in ewige zeit (jemals) frei gelassen. Frank weltb. 183a;

ein blutger hasz entzweit auf ewge tage
die häuser Friedland, Piccolomini.
Schiller 386a;

das ewige leben, die ewige seligkeit; teglich sünd hindern dich an dem verdienst ewiger selikeit. Keisersb. s. d. m. 7b; auf das alle die an in gleuben nicht verloren werden, sondern das ewige leben haben. Joh. 3, 15;

hinüber zur ewigen freude sie schlief.
Schmidt von Wern. 295.

das ewige, immer fortrinnende wasser, das ewige immer unterhaltne feuer; die ewige lampe;

felsen stehen gegründet, es stürzt sich das ewige wasser
aus der bewölkten kluft schäumend und brausend hinab.
Göthe 1, 317;

wer ist unter uns, der bei der ewigen glut wone? Es. 33, 14; und werdest in das ewige fewer geworfen. Matth. 18, 8; gehet hin von mir, ir verfluchten, in das ewige fewer. 25, 41; ewiger schnee lagert auf dem gipfel des berges; marmor und feuersteine, die ewigen begleiter dieses edleren kalkgesteins. Göthe 28, 160;

ja, es ist alles beseelt in deinen heiligen mauern,
ewige Roma, nur mir schweiget noch alles so still. 1, 259.


2) einen ewigen namen wil ich inen geben, der nicht vergehen sol. Es. 56, 5; ein ewiges gedächtnis, andenken; ewiger ruhm, ewiges lob; ein ewige gnade wird aufgehen. ps. 89, 3; gedenke an den ewigen bund zwischen gott und allem lebendigen thier in allem fleisch, das auf erden ist. 1 Mos. 9, 16; ich wil mich in ein ewigen und keuschen stand begeben (nonne werden, ewige jungfrauschaft geloben). buch d. l. 239, 2; einen ewigen frieden schlieszen; ewige treue geloben; ein ewig recht sei das. 3 Mos. 16, 31; ich hatte meinen ewigen anspruch auf die freuden der welt zerrissen. Schiller 204a;

o gott, ihr kommt.'den letzten, ewigen
abschied von meiner königin zu nehmen'. 439b;

gleich den folgenden tag schrieb Oranien der regentin den abschiedsbrief, worin er sie seiner ewigen achtung versicherte. 849a; und ewige jugend schwör ich mir selbst. Schleiermacher monologen 140; die äuszere welt mit ihren ewigsten gesetzen, wie mit ihren flüchtigsten erscheinungen. s. 5; das gefühl ewiger dankbarkeit;

bei meinem saitenspiele
segnet der sterne heer
die ewigen gefühle.
schlafe! was willst du mehr?
die ewigen gefühle
heben mich, hoch und hehr,
aus irdischem gewühle.
schlafe! was willst du mehr?
Göthe 1, 98.

ewige lieder singen. von des verbannten Ovids gedichten im Getenland redend sagt Fleming:

das ewige latein
brach Zynops wilde flut, hiesz Sagarn zahmer sein. 76;

und anderwärts:

das ewige latein
war ihm fast mit der milch der mutter gangen ein. 136,

das unvergängliche, nicht aussterbende latein. im deutschen recht heiszen abgaben, die immer bestehen, nicht erlöschen sollen, ewige: ewig kernengelt. weisth. 1, 212; ix simmern korngeldis ewiger

[Bd. 3, Sp. 1202]


iserngulde. Baur Arnsb. urk. s. 707 (a. 1416); eine ewge gans alle jar zu geben. Thomas oberhof s. 303 (a. 1354); vgl. ewiggeld, ewigkuh, eiserne kuh, ewiges rind und RA. 593.
3) ewige, dauernde schande; mhd.

ëʒ wirt ein êwic schande
den Griechen algelîche. tr. kr. 22630;

auf das ir land zur wüsten werde, inen zur ewigen schande, das wer fur ubergehet sich verwundere und den kopf schuttele. Jer. 18, 16; und viele, so unter der erden schlafen ligen, werden aufwachen, etliche zum ewigen leben, etliche zu ewiger schmach und schande. Dan. 12, 2; das wort we in der geschrift wirt gemeinlich genumen für ewige verdamnis und umb todsünd. Keisersb. s. d. m. 6b; das ist ein gewis zeichen ewiger verdamnis, so es einem in sünden wol gat. 18a; ewige strafe, gefangenschaft; ewige verbannung, landesverweisung; ewige feindschaft, ewiger hasz, krieg;

es erben sich gesetz ued rechte
wie eine ewge krankheit fort,
sie schleppen von geschlecht sich zum geschlechte
und rücken sacht von ort zu ort.
Göthe 12, 97.


4) oft drückt ewig nur das langwierige, dann auch leicht peinliche, langweilige aus: so manches ewigs jar. Murners luth. narr 2279; das ewige geplaudre. Lessing 1, 267; hast du mir nicht so eben versprochen, das ewige geächz und gekrächz zu unterlassen? Wagner kinderm. 59; ich sah sie den gestrigen langen, ewigen tag nicht. Klinger 1, 376; dasz man sie, wenn alle theile beisammen wären, von dem ewigen suchen abbringen könnte. Göthe 20, 277; dasz man mit nachbarn und nachbarinnen im besten vernehmen und immer in einem ewigen gefälligkeitswechsel stehen müsse. 20, 290; dasz ein ewiger wechsel, er sei nun von officieren oder gemeinen, auf die einquartierung des grafen folgen würde. 24, 135;

und ihr leben ist immer ein ewiges gehen und kommen. 40, 311;

wie sodann auch solche unschuldige seelen botanische lehrbücher in die hand nahmen, so konnten sie nicht verbergen, dasz ihr sittliches gefühl beleidigt sei, die ewigen hochzeiten, die man nicht los wird, bleiben dem reinen menschensinn unerträglich. 58, 177; meine ewigen fluszfieber kehren immer wieder. Niebuhr 2, 310; bei jeder mahlzeit die ewigen kartoffeln.
5) in allen angeführten stellen war ewig attributiv, es kann aber auch für sich allein stehen:

wer ewigs umb zergenglichs git.
Brant 89, 32,

das ewige für das vergängliche; weger wer dir gewesen, das du ein zeitlichs hettest verloren, weder das du des ewigen mst beraubt sein. Keisersb. s. d. m. 22a; nun wirt weiter niemands von dir frucht essen ins ewige. Reiszner Jer. 1, 114b. oder praedicativ: sein güte ist ewig. ps. 128, 8; denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig (goth. þô gasaihvanôna riurja sind, iþ þô ungasaihvanôna aiveina). 2 Cor. 4, 18; ein haus, nicht mit henden gemacht, das ewig ist im himel (gard unhanduvaurhtana aiveinana in himinam). 5, 1. hier zeitlich, dort ewig. Schuppius 278.
6) man merke: welchs doch mannichs ewigs mal von den allerbesten catholischen vergessen wird. bienenkorb 196b = oft und lange.
 
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ewig, n. substantivische fassung des adjectivs: ich bin mit dem allerunmenschlichsten ritter von hinnen gefaren gen Corinthum, ich arme, ein zweijerigs ewig ich da mit dem gelitten hab. Terenz 1499, 146b = Hecyra 87:

quae cum milite
Corinthum hinc sum profecta inhumanissumo,
biennium ibi perpetuom misera illum tuli,

so dasz aus dem lat. subst. ein adj., aus dem adj. ein subst. gemacht ist;

da ich solte, kont ich leben,
da ich solte, kont ich sterben,
denn das ewig zu erwerben,
kont ich sterblich leichte geben.
Logau 1, 9, 21.

in unserm auf ewig = auf immer wird man doch lieber, wie in auf lange, auf kurz oder lang, ein adj. annehmen:

auf ewig ihn bei seinem hause zu
erhalten.
Lessing 2, 277;

ich sollte schweigen auf ewig, ich sollte seine schande verhüllen auf ewig. Schiller 103a;

aber ihnen schlosz auf ewig
Hekate den stummen mund. 59b.

[Bd. 3, Sp. 1203]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ewig, adv. ahd. êwîgo, ἀεί, semper.
1) neben verben:

der engel ümb ain ainig sund
fül ewig in der helle grund.
Schwarzenberg 98, 1;

wie ir meinung nit were, das ir herr umb iren willen sölt ewig aus seinem lande sein. Steinhöwel dec. 229, 13; ist sache das man nach dem tode auch lieb hat, so sol ich in ewig lieb haben. 251, 33; denn er hat mir einen bund gesetzt, der ewig und alles wol geordent und gehalten wird. 2 Sam. 23, 5; das er gütig ist und seine barmherzigkeit ewig weret. 2 chron. 5, 13; denn der mensch feret hin, da er ewig bleibt. pred. Sal. 12, 5; was gilts, ob ich solcher irer werk ewig vergessen werde. Amos 8, 7; der da aber ewig lebet, alles was der macht, das ist volkomen. Sir. 18, 1; denn er gedachte ewig an mir zu haben (mich immer zu behalten). Simpl. K. 278; ewig schade darum (ist es); ewig schade! irrg. der liebe 45; ewig schade, dasz du nicht ein Gyges mit hundert händen bist worden. Riemers reime dich s. 106;

röslein sprach: ich steche dich,
dasz du ewig denkst an mich.
Göthe 1, 17;

immer heftiger rief es am strand, da wollten die füsze
mich nicht tragen, ich rief: Dora, und bist du nicht mein?
'ewig!' sagtest du leise. 1, 300;

drum prüfe, wer sich ewig bindet,
ob sich das herz zum herzen findet.
Schiller 98a;

ich steh nicht auf, hier will ich ewig knien. 250a;

dem herzog wurmt es ewig um Burgund.
Uhlands Ernst 27.


2) neben participien und adjectiven: zeitlich und ewig verdorben;

setz ich die feder an und will von dir nichts schreiben,
so schreibt sie von sich selbst 'geliebte Doris' hin,
ach kind wie solt ich dir nicht ewig treu verbleiben,
da ich im geiste stets bei dir zugegen bin.
Rost schäferged. 66;

sitz unaussprechlicher,
mir ewig entrissener freuden!
Gotter 2, 487;

ewig starr an deinem mund gehangen.
Schiller 3b;

eine nur ists, die ich suche,
sie ist nah und ewig weit. 49b;

ewig jung und ewig grün. 59b;

dein orakel zu verkünden
warum warfest du mich hin
in die stadt der ewig blinden
mit dem aufgeschlosznen sinn? 61b;

ja, alter mann, dein sohn ist ewig verloren. 141a; von empfindung zum ausdruck der empfindung herscht eben die schnell und ewig bestimmte succession, als von wetterleuchten zu donnerschlag. 699b. doch wo ein sein oder bleiben dabei waltet, müssen auch diese in anschlag kommen und ziehen das adv. vielmehr an sich: das du mich doch nicht getödtet hast in mutterleibe, das mein mutter mein grab gewesen und ir leib ewig schwanger blieben were. Jer. 20, 17;

ich fühle klar und helle was
mir ewig, ewig dunkel bleiben sollte.
Schiller 251b.

nicht selten entspringt auch zusammensetzung wie in ewiggrün u. s. w.
3) in folgenden ausdrücken verbindet sich ewig mit immer oder vertritt es.
a) immer und ewig: gott dein stuel bleibt imer und ewig (vulg. in seculum seculi). ps. 45, 7; noch öfter steht immer und ewiglich.
b) ewig fort = immer fort:

du gleichst der unbeweglichen gestalt,
wie sie der künstler in den stein geprägt,
um ewig fort dasselbe zu bedeuten.
Schiller 668b.


c) einmal für ewig = einmal für immer, ein für allemal: über den artikel der religion war die entschlieszung dieses monarchen einmal für ewig gefaszt. 813a.
d) nicht ewig = nicht immer: herr, zörne nicht zu seer und denke nicht ewig der sünden. Es. 64, 9.
e) ewig nimmer, niemals = nimmer, niemals:

fahret wol, ihr goldgewebten träume,
paradieseskinder, fantasien!
weh, sie starben schon im morgenkeime,
ewig nimmer an das licht zu blühn.
Schiller 5a;

ihre liebe ist für einen, der verloren ist und wird ewig niemals belohnt. 132b; gehet hin zur rechten und linken, wir wollen ewig niemals gemeine sache machen. 143a; was ich gestürzt habe, steht ewig niemals mehr auf. 143b.
4) zuweilen hat 'ewig' die leisere bedeutung von 'nur', wie wir sie auch mit 'nur immer', 'nur einmal', 'in aller welt' verknüpfen:

[Bd. 3, Sp. 1204]


vor Nansa (Nancy) ward herzog Carol von Burgund erschlagen und verlorn, das man nit wist, wa er ewig hinkummen was. Frank chron. 211a;

nicht wisz wir, wies ewig zugeht,
dasz Pipinus könig in Frankreich
mit seiner hilf so von uns weich.
Ayrer 274a;

erwig ich fernerhin,
wie unvermöglich ich zu guten werken bin,
so wird mir wider angst, kan für mich selbs nicht denken
noch reden, wie ich soll, die thaten minder lenken
wie du befohlen hast.was heb ich ewig an!
Rompler 33;

allein, wie ward es ewig kund?
hat es ein schlauer mann erfahren?
verrieth es einer frau waschhafter mund?
Lessing 1, 117;

was soll ich ewig davon denken? 1, 316; wie haben sie es ewig angefangen, mein herr, dasz sie ein solches felsenherz zur liebe haben bewegen können? 1, 386; aber ich möchte nur ewig wissen, was unsern klugen vater auf den närrischen einfall gebracht hätte alle unsre freier abzuweisen. 2, 435; das weisz ich ewig nicht (hab ich nimmer gehört); was wird doch ewig daraus werden? Stieler 355. ebenso 'immer und ewig': was werden doch immer und ewig die musicanten denken? Schelmufsky 2, 45; was werden immer und ewig die leute dazu sagen? ähnlich ist folgende ältere ausdrucksweise:

er gedacht, ach heint und immer mer,
was mag nur der frawen sein?
Keller erz. 270, 8 =

was mag nur immer der frau sein?
5) ewig = immer noch, immer schon: dieser rock da ist ewig gut, wenn gottes liebe sonne nicht durch den ermel scheint. Schiller 210b.
 
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ewigbange, perpetuo terrore pressus, affectus:

durch die räuberischen winde ward in einer unglücksnacht
Nordens ewigbanger wüste manches Tempe gleich gemacht.
Hagedorn 2, 14.

 

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