Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
euszerst bis evangelie (Bd. 3, Sp. 1197 bis 1199)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) euszerst, s.äuszerst 1, 1033.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
euter, m. n. uber, ein fast alle urverwandten sprachen durchlaufendes, sicher uraltes wort, skr. ûdhar, ûdhan, späterhin ûdhas (Böhtling 1, 1018), gr. οὖθαρ, goth. zu vermuten udr, ahd. ûtar (Graff 1, 158), welche unumlautende form schon 1, 1044 unter auter besprochen ist, doch erscheint auch mit umlaut ûtir, mhd. wahrscheinlich iuter (wb. 3, 195b), bei Megenberg 25, 18 äuter, nhd. euter, ags. ûder, engl. udder, nnl. uider, uir, uijer, daneben jadder, jaar; gal. uth, ugh, ir. uit, uitch; lit. udra zu folgern aus udroti eutern und aus priudrojusi kiaule, euternde, milchende sau; finn. utar, utara, est. uddar, uddaras. andere hauptform, aeol. οὖφαρ (wie φήρ, φηρίον, lat. fera für θήρ, θηρίον), lat. uber (wie ruber, rufus = ἐρυθρός), altn. jufr, jugr, schw. jufver, jur, dän. yver.
die wurzel verborgen, doch musz sie die vorstellung des nährenden, fruchtbaren enthalten haben, wie aus dem gr. οὖθαρ ἀρούρης, vorzüglich aus dem lat. adj. uber folgt. das skr. wort gilt auch vom euter des himmels, d. i. der wolke und vom nährenden busen, ûdhanja, ûdhasja ist milch. die übrigen sprachen setzen es von der zitze der hausthiere, der stuten, esel, kühe, ziegen, schafe, hunde, auch der hasen. du scholt auch wiʒʒen, daʒ der unvernünftigen tier milchwäppel aigenleichen äuter haiʒent, aber an der frawen haiʒent si prüstel oder tütel. Megenberg 25, 17—19. euter oder prustlein, mamma, tudt, uber. voc. 1482 h 4a; sumen, ein schweinüter. Dasyp. 291c; uter, mamma, mammula, mammilla, uber. 450a; H. Sachs I, 156a hat den pleonasmus brusteuter von der frauenbrust. man sagt volle, straffe,

[Bd. 3, Sp. 1198]


angespannte, strotzende euter; ahd. drozinta ûtir, distenta ubera. Haupt 5, 329, schwed. stinnt jufver. im norwegischen märchen kommt zu dem guten mädchen eine kuh mit dem melkefasz zwischen den hörnern, und ihr euter war so volt und rund: 'melke mich, die milch sprengt mich, trink so viel du willst und schütte den rest auf meine klauen, so will ich dir wieder helfen'. Asbjörnsen s. 78. nach dem schwedischen weidet die kuh im grünen gras, trägt den melkkübel auf den hörnern und man sieht ihrem strotzenden euter an, dasz es lange nicht gemolken ist: 'melke mich und trink so viel du willst, lasz aber nichts auf den boden fallen, giesz das übrige auf meine klauen und hänge den kübel wieder auf die hörner'. Cavallius s. 431. wie lieblich sind diese züge. die gewöhnliche melkformel lautet:

stripp strapp stroll,
so war der eimer voll.

es heiszt, die kälber ans euter lassen, legen; am euter hangen, ubere haerere. nnl.

tgras verquickt het vee en spant den uier aan;
tgezwollen uier wort met volslagen hant gemolken;
nhd. wie sein satt vieh dem stall zueil
und heim trägt (l. trag) volle utern schwär,
welchs bald wolt dasz man sie entlär (distenta siccet ubera).
Fischart landlust 306;

mir bringt das zahme rind den saft aus gras und kräutern,
verwandelt um zu milch in ausgespannten eutern.
Dusch poet. werke 1, 156;

und ist der süsze schaum der euter ausgedrücket,
so sitzt das müde paar zu schlechten speisen hin.
Haller 38;

wir treiben tag für tag die magern schafe weiter,
des abends kommen sie doch wol mit schlaffem euter
und ohne milch zurück.
Rost schäferg. 61;

setzte sich dann und melkte die schaf und meckernden ziegen,
alles der ordnung gemäsz, und die säuglinge legt er ans euter. Od. 9, 342;

knaben, die schaf ins kühle! verfängt die hitze, wie neulich,
wieder die milch, dann klopft man umsonst mit den händen die euter. Virgils idyllen 3, 99;

und wie sogar zehn äpfel verführerisch werden dem mägdlein,
oder ein böckchen vom milchströmenden euter gesandt. Properz II. 34, 70;

da kommt mit vollem euter
die alte geisz gesprungen.
Rückert 110 (413).

schädlich wird euter mit eiter, venenum, pus verwechselt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
euterbock, m. ziege die nicht trächtig wird, nd. üterbock. Schambach 251a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
euterbrätlein, n. gebratnes kuheuter: gebratene pfaffenbiszlin, geröstets katzengeschrei, euterbrätlin, schöne wampen und schunken oder feiszte hennensüpplin, kindbetterbrühlin, weinwarm. matzisbrühlin von der ersten sut. Garg. 160a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
euterlein, euterle, n. mammula. Stieler 311.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
eutern, lacte repleri, lit. udroti: die kuh eutert schon, ihr euter füllt sich mit milch.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
eutze, f. bufo, s. DWB euke, DWB auke, in einigen mundarten ütze, ütsche: man tritt die eutzen so lang, dasz sie sich wendet; wo eutzen sind, da sind auch wol hailbaten (störche). Henisch 957, 13;

daselbst durch gottes wunderhand
frösch, padden, eutzen menschen worden. froschm. III. 3, 12 (Bbb 8a).


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
euwrisch, severus, austerus, ferus? es seind auch noch sprichwörter vorhanden, dasz man spricht 'du sichst euwrisch', bist rabisch, von denen die ernstlich sein und auf die reis herfür gebutzt und aufgemacht. Aventin (1566) 61; Günzels haubtschlüssel (1648) hat s. 40b: awer, ein altes teutsches sprichwort, so vom wort awe herkombt, so vil (als) awerisch, wildisch, das in der awen ist oder in der wildnis. nach Reinwald 1, 28 soll bei Frisch (aber wo?) aus einer schrift von 1545 stehen: 'sich eurisch stellen', für mürrisch. man denkt an Suchenwirts 46, 118

du bist ein rechte auwerin! ein wildfang.

nun aber zeigt sich die doch wol identische form eudrisch:

veracht nicht gar als gut geselln
und thu dich nicht so ewdrisch stelln.
H. Sachs II. 4, 6c;

ist eins eudrisch zu aller zeit,
so soll das andre machen freud.
Eyring 2, 573.

Reinwald gibt hinter eurisch auch euterisch, schüchtern, blöde. Stalder 1, 347 hat in euders gehen, zerfallen, zu grunde gehen. form und bedeutung bedürfen besserer aufklärung, an eifrig, zornig, eiterig, giftig läszt sich kaum, eher an urisch, auerisch denken.

[Bd. 3, Sp. 1199]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) eva, f. gen. Evas, früher Evens, dat. Even:

virwitz ist an uns geborn
von frouwen Even. Renner 1932;

als Adam hackt und Eva spann,
wer war allda der edelmann;
ihm schmeckt kein mahl, er schlummert süsz
bei federleichtem sinn,
und träumt sich in ein paradis
mit seiner Eva hin.
Bürger 4b.

Evens nachfolger = die weiber. westf. Rob. 14. s. Evchen, Eventochter.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
evangeli, n. evangelium, öfter bei Schwarzenberg z. b. 111, 2. 152, 2; 'sitzt still, sitzt still!' sagt jenes schultheiszen fraw im newen schurz und kürsen (pelz) zu den weibern, die zum euangeli aufstunden, 'es gedenkt mir auch das ich ewers gleichen war und die nollplon hiesz'. Garg. 151b. nach dem nachtessen kamen auf den plan die schöne euangeli von holz, das ist volauf prettspil oder das schön flüssen, es, daus, troi. 171b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
evangelie, m. evangelium: mhd.

daʒ ër den êwangeljen dâ
predjen solte und anderswâ
in dem sëlben lande.
Walther von Rheinau 141, 25;

ir süllent in die wëlt gân,
den êwangeljen, den ich hân
gelêrt und gehört hânt von mir,
den sô predjent ouch ir. 226a, 18.

so auch ahd. euangêlio m., gen. euangelien; goth. aber aivaggêljô f.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 1 bis 1 von 1
1) erwandern
 ... erwandern , invenire, experiri, wie erfahren sp. 789. 790: