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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
euringsstrasze bis euterbock (Bd. 3, Sp. 1196 bis 1198)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) euringsstrasze, f. via lactea, nach dem held Euring, der gewöhnlich Iring oder Eiring, einmal aber schon in einer ahd. glosse Iuwaring heiszt (mythol. 332), so dasz hier wieder ein frühes beispiel für den wechsel zwischen ei und eu vorliegt. bei dem namen ist doch auch Eburdring, Eburdrung für Orion (myth. 689. 690) zu erwägen und vielleicht aufzulösen in Epurduring. Aventin 102b macht aus diesem Euring einen künstler und gestirnkundigen zu Schirmburg, was jetzt Sinching heisze, da wo die Drau in die Donau fällt, und Stieler 2196 sogar einen rex in Simhingen, qui astrologus excellens fuit. gemeint wird das alte Sirmium (Aventin 83b).
 
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europa, n. gen. Europas, bei Brant, Frank u. a. m. aber mit dem lat. gebildeten gen. Europe = Europae, acc. Europam: als die Sclavini 'alles Europam' überfielen. weltb. 29a. noch neuere gewähren den gen. Europens: das feste land des gesammten Europens. Kant 9, 38 (1756), den dat. Europen:

Asien risz sie von Europen.
Schiller 59a.


Zwar sind, nach dem plan des wörterbuchs, eigennamen der leute und örter davon ausgeschlossen, ausgenommen wo sie appellativisch werden oder andere hierher gehörige bezüge bieten, z. b. Deutschland 2, 1052. Engelland 3, 474. 481. Böheim 2, 222. an gegenwärtiger stelle mag die behandlung, meistens mishandlung aller ländernamen in unsrer sprache einmal kurz erwogen werden.
1) wo zusammensetzung eintritt, ist die gestalt schleppend, doch an sich untadelhaft.
a) mit dem gen. pl. des volknamens: ahd. Walhôlant, Lancpartôlant, Peigirôlant, Franchonôlant, Sahsonôlant, Suâbôrîchi. heute Baierland, Frankenland, Griechenland, Schwabenland, Ungerland, und gekürzt England, Friesland, Finnland, Irland, Lappland, Ruszland, Schottland; Frankreich (statt Frankenreich).
b) mit einem adj. Deutschland, Welschland, Österreich.
c) mit einem subst. Holland für Holtland, Holzland, Holstein für Holtseten, Holzsaszen.
2) wie eine menge ortsnamen im dativ stehn, der allmälich zum nom. geworden ist, haben auch ländernamen sich mit dem dat. pl. der völkernamen gebildet (Haupt 8, 409). aus ahd. in Walahum,

[Bd. 3, Sp. 1197]


in Suâpum, zi Lancpartum, zi Peigirum, mhd. in Walhen, Swâben, ze Lancbarten, Beiern entsprang ein nhd. Schwaben, Baiern. man hatte sich erst gedacht: im lande ze Swâben, Beiern, wie es mit dem gen. hiesz Swâben lant, Beier lant, und diese gewohnheit zog endlich den gedanken von dem ursprünglichen dat. und gen. pl. ab und führte einen neutralen sg. für alle casus ein. so also Engern, Franken, Hessen, Preuszen, Sachsen, Thüringen, Westfalen.
3) ein andres en, zu welcher endung bei uns alles drängt, entnahm man aus dem acc. lat. ländernamen auf ia, so dasz sich das volle iam erst in iân, ian, zuletzt in ien verdünnte und den von natur weiblichen namen neutrales geschlecht mit dem gen. iens zugetheilt wurde. wir sagen heute Allemannien, Asien, Assyrien, Australien, Bosnien, Britannien, Dalmatien, Gallizien, Germanien, Indien, Ionien, Italien, Lydien, Macedonien, Moesien, Pannonien, Pensylvanien, Persien, Sardinien, Scythien, Serbien, Sicilien, Spanien, Syrien, während mhd. dichter zwischen iam, ian, ien schwanken, wie ich bei Haupt 8, 409. 410 belegt habe und noch vielfach bestätigen könnte. Luther schreibt im nom. Asia, Assyria u. s. w., im acc. Asien, Assyrien, aber dem schon angeführten 'alles Europam' aus Franks weltbuch läszt sich aus seiner chronik 228 'der alles Italiam aufrürig fand' an die seite stellen. mhd. dichter behandelten solche namen noch gern weiblich: Asia diu wîte, diu obere, diu nidere Germanie.
4) anders und richtiger verfuhr man mit einzelnen lat. ia, die schon mhd. îe behalten hatten und nhd. ei erhielten, aber ihr weibliches geschlecht nicht einbüszten: Barbarei, Bulgarei, Lombardei, Romanei, Türkei, Walachei, früher auch Sirfei für Serbien (Aventin 46b). doch sagen wir die Normandie, nicht Normandei.
5) das seltnere a der ländernamen haftet in Europa, Afrika, Amerika, Corsica, Toscana. vgl. Parz. 496, 3. für Europa der nom. Europe tr. kr. 23966, und von Europe 23977.
 
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europäisch, europaeus. früher, als Europe, Europen galt, europisch: hatten viele andere europische fürsten neben sich. Micrälius 2, 273, wie wir auch asisch für asiatisch sagen sollten, da indisch, persisch allgemein gelten.
 
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europamüde, quem tenet Europae satietas.
 
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eusel, f. haustrum, schöpfrad, eimer, schaufel, das wasser aus dem schif zu schöpfen, von dem alten ausen, ösen, haurire, altn. ausa, vgl. DWB erösen sp. 935, ein seltnes wort: in denen dingen ist diser waidling (nache) gleich dem schif, aber nit in der eusel oder schauflen der beicht. Keisersberg schif der pen. 54d. schwäb. öse, schöpfeimer. wem fällt nicht das goth. iusila ἄνεσις ein?
 
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euser, noster, üser, unser, in Stalders dial. 104 euser, üser:

es ist doch nicht mein fräuelein,
es ist doch nummen euser liebstes kind,
wo wir so lang verloren hei ghan.
Uhland 276.


 
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euszere, s. DWB äuszere 1, 1032.
 
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euszern, s. DWB äuszern 1, 1036.
 
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euszerst, s.äuszerst 1, 1033.
 
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euter, m. n. uber, ein fast alle urverwandten sprachen durchlaufendes, sicher uraltes wort, skr. ûdhar, ûdhan, späterhin ûdhas (Böhtling 1, 1018), gr. οὖθαρ, goth. zu vermuten udr, ahd. ûtar (Graff 1, 158), welche unumlautende form schon 1, 1044 unter auter besprochen ist, doch erscheint auch mit umlaut ûtir, mhd. wahrscheinlich iuter (wb. 3, 195b), bei Megenberg 25, 18 äuter, nhd. euter, ags. ûder, engl. udder, nnl. uider, uir, uijer, daneben jadder, jaar; gal. uth, ugh, ir. uit, uitch; lit. udra zu folgern aus udroti eutern und aus priudrojusi kiaule, euternde, milchende sau; finn. utar, utara, est. uddar, uddaras. andere hauptform, aeol. οὖφαρ (wie φήρ, φηρίον, lat. fera für θήρ, θηρίον), lat. uber (wie ruber, rufus = ἐρυθρός), altn. jufr, jugr, schw. jufver, jur, dän. yver.
die wurzel verborgen, doch musz sie die vorstellung des nährenden, fruchtbaren enthalten haben, wie aus dem gr. οὖθαρ ἀρούρης, vorzüglich aus dem lat. adj. uber folgt. das skr. wort gilt auch vom euter des himmels, d. i. der wolke und vom nährenden busen, ûdhanja, ûdhasja ist milch. die übrigen sprachen setzen es von der zitze der hausthiere, der stuten, esel, kühe, ziegen, schafe, hunde, auch der hasen. du scholt auch wiʒʒen, daʒ der unvernünftigen tier milchwäppel aigenleichen äuter haiʒent, aber an der frawen haiʒent si prüstel oder tütel. Megenberg 25, 17—19. euter oder prustlein, mamma, tudt, uber. voc. 1482 h 4a; sumen, ein schweinüter. Dasyp. 291c; uter, mamma, mammula, mammilla, uber. 450a; H. Sachs I, 156a hat den pleonasmus brusteuter von der frauenbrust. man sagt volle, straffe,

[Bd. 3, Sp. 1198]


angespannte, strotzende euter; ahd. drozinta ûtir, distenta ubera. Haupt 5, 329, schwed. stinnt jufver. im norwegischen märchen kommt zu dem guten mädchen eine kuh mit dem melkefasz zwischen den hörnern, und ihr euter war so volt und rund: 'melke mich, die milch sprengt mich, trink so viel du willst und schütte den rest auf meine klauen, so will ich dir wieder helfen'. Asbjörnsen s. 78. nach dem schwedischen weidet die kuh im grünen gras, trägt den melkkübel auf den hörnern und man sieht ihrem strotzenden euter an, dasz es lange nicht gemolken ist: 'melke mich und trink so viel du willst, lasz aber nichts auf den boden fallen, giesz das übrige auf meine klauen und hänge den kübel wieder auf die hörner'. Cavallius s. 431. wie lieblich sind diese züge. die gewöhnliche melkformel lautet:

stripp strapp stroll,
so war der eimer voll.

es heiszt, die kälber ans euter lassen, legen; am euter hangen, ubere haerere. nnl.

tgras verquickt het vee en spant den uier aan;
tgezwollen uier wort met volslagen hant gemolken;
nhd. wie sein satt vieh dem stall zueil
und heim trägt (l. trag) volle utern schwär,
welchs bald wolt dasz man sie entlär (distenta siccet ubera).
Fischart landlust 306;

mir bringt das zahme rind den saft aus gras und kräutern,
verwandelt um zu milch in ausgespannten eutern.
Dusch poet. werke 1, 156;

und ist der süsze schaum der euter ausgedrücket,
so sitzt das müde paar zu schlechten speisen hin.
Haller 38;

wir treiben tag für tag die magern schafe weiter,
des abends kommen sie doch wol mit schlaffem euter
und ohne milch zurück.
Rost schäferg. 61;

setzte sich dann und melkte die schaf und meckernden ziegen,
alles der ordnung gemäsz, und die säuglinge legt er ans euter. Od. 9, 342;

knaben, die schaf ins kühle! verfängt die hitze, wie neulich,
wieder die milch, dann klopft man umsonst mit den händen die euter. Virgils idyllen 3, 99;

und wie sogar zehn äpfel verführerisch werden dem mägdlein,
oder ein böckchen vom milchströmenden euter gesandt. Properz II. 34, 70;

da kommt mit vollem euter
die alte geisz gesprungen.
Rückert 110 (413).

schädlich wird euter mit eiter, venenum, pus verwechselt.
 
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euterbock, m. ziege die nicht trächtig wird, nd. üterbock. Schambach 251a.

 

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