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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
etzlich bis euer (Bd. 3, Sp. 1189 bis 1191)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) etzlich, s. etslich.
 
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etzt, f. feuerstätte, esse oder trog? der kupferschlag, so in der etzt oder auf dem ambosz gesammlet wird, soll wider die faulung dienlich sein. Otho krankentrost 612. vgl das t in erzt, obst u. a. m.
 
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etzung, f. pastus.
 
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etzwas, s. DWB etswas.
 
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etzwer, s. DWB etswer.
 
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etzwerk, n. email:

was, Caesar hat doch seine macht
mit solchem etzwerk und buchstaben
auf seiner feind haut eingegraben,
als du gethan.
Weckherlin 365.


 
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etzwie, s. etswie.
 
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etzwiese, f. pascuum: auch weist man zu recht eine etzwiesen, die zu verreidelen. weisth. 3, 416. bei Büdingen führt noch eine wiese diesen namen.
 
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eu , ein diphthong, dessen ursprung, beschaffenheit, aussprache und unterschied von ie, äu, ei zu prüfen ist.
1) nhd. eu entspringt wesentlich aus mhd. ahd. goth. iu und seine natur ist in der fünften ablautsreihe zu erkennen. seitdem aber brechung eintrat und i zu ë, u zu o wurde, wandelte sich in gleicher lage iu in io, mhd. in ie, neben welchem wir iu nur im imperativ sg., so wie in der 2 und 3 person praes. ind. geschützt finden. dem verhalt des ahd. io : iu, mhd. ie : iu entspricht also nhd. ie : eu, um hier beispiele nach dem imp. zu geben, in scheub steub schleuf treuf beug leug schmeug kreuch reuch fleuch zeuch beut seud fleusz geusz neusz scheusz schleusz verdreusz keus verleus. allein schon lange klingen diese eu alterthümlich, verschollen, höchstens dichterisch und lassen sich nun ebenfalls brechung in schieb stieb schlief u. s. w. gefallen, da die sprache doch gib nimm wirf u. s. w. behält. daraus erwächst uns offenbarer nachtheil.
2) wo sich auszerdem ie und eu zur seite stehen, wie in dieb deube, tief teufe, siech seuche, schiech scheuche, liecht leuchten, darf man auf verloren gegangne starke verba schlieszen; schwerer fällt der schlusz, wo das eu allein steht und die herleitung dunkel wird, wie in neu, treu, spreu, reue, euch, feucht, feuer, geheuer, scheuer, steuer, beule, eule, neun, freund, beunde, reuse, deuten, reuten.
3) die goth. flexion zeigt iu, zwar schon zu ju geworden, in den nom. pl. jus, sunjus, fôtjus, handjus, wovon ahd. keine spur, hingegen gewährt der dat. sg. suniu, fuoziu statt des goth. sunau, fôtau. gröszeren umfang hat der ahd. mhd. ausgang des nom. sg. f. und nom. acc. pl. n. einzelner pronomina und aller adjective diu, blindiu, guotiu, in merkwürdigem abstand von dem goth. blinda, gôda. reste davon laufen noch nhd. ins 14. 15 jh., Megenberg schreibt allerwärts sichareu 5, 7. edleu glider 9, 11. ein holeu ader 9, 18. siecheu augen 9, 30. kalteu ding 10, 11. grœʒereu herz 26, 29 u. s. w.

habt dank, junkfrau seligeu,
das mich got mit euch erfreu! fastn. 615, 26;

ganz wie mhd.

ër ist mein hërre und ich sein diu,
doch bin ich vil unwirdigiu. anegenge 30, 66;

entriwen, ich lieʒe ûf ein rat
binden mich, ich sündigiu,
erbe mich, vrouwe, ich bin dîn diu.
Haupt 8, 300;

die mhd. unterscheidung drî tres, driu tria wahren oberdeutsche volksmundarten bis auf heute, drei und dreu. in heuer und heute waltet das alte instrumentale hiu.
4) da aus goth. iu der ablaut au flieszt, im pl. aber wieder kurzes u vortritt, wie auch in der flexion sunus, sunaus, sunjus die drei laute wechseln, so ergibt sich die nahe verwandtschaft des au in vielen wörtern. ahd. mhd. wird dieses au bald zu ou, bald verdichtet zu ô. nhd. überall zu ô oder gar gekürztem o, nur in taugt haftete das au und in einer menge von ableitungen wie staub, erlaucht und den dunkeln laub, glaube, raub, taub, auch, kaufen, raufen, taufen, auge, pauke, baum, traum u. s. w., welche im umlaut äu annehmen: stäubchen, läublein, gläubig, käuflich, äugen, äuglein, bäume, träume, dies äu

[Bd. 3, Sp. 1190]


aber tritt der aussprache von eu ganz nahe, das auch in einzelnen, wie heu, freuen, streuen, leugnen, mhd. höuwe, fröuwen, ströuwen haftet. wenn Megenberg neben leute auch läute schreibt, so gleicht dieses dem goth. laudeis, jenes dem ahd. liutî.
5) endlich gab es ein ahd. mhd. û, dem wiederum der umlaut iu zu theil wurde, das aber nhd. in au mit dem umlaut äu übertrat: bau sau, faul gaul maul, kaum raum schaum daume, braun zaun laune, bauer dauer mauer sauer trauer, haube traube, auf hauf saufe, sauge, bauch schlauch strauche tauche, rauh, braut haut kraut traut laut, aus braus daus haus knauser laus maus saus, kauz. umgelautet gebäu säue fäule — mäuse käuze. man zieht äu dem eu (wie ä dem e) vor, um den umlaut sichtbarer zu machen. nur ausnahmsweise dauert eu daneben: seule, säule, eugen, äugen.
6) tadelhaft, zum theil aber schon alt sind verwechselungen des eu mit ei: heurat und heirat, eugen und ereignen, zeugen und zeigen, reuter und reiter, steusz und steisz; Garg. 68b steht leuchteret für leichteret, 190b feurt für feirt. aus dem bekannten namen Steinhöuwel, Steinhöwel wurde Steinheil.
7) goth. iu hatte die aussprache íu, mit dem ton auf i, nicht iú, und zu goth. biudan bildet schw. bjuda, dän. byde den gegensatz; wie hätte aus þius der gen. þivis, aus qius qivis, aus ganiujan ganivida hervorgehen können, wenn i nicht betont gewesen wäre? nur in der tonlosen flexion wandelte sich sunius in sunjus und doch bekommt der gen. wieder sunivê. gleich unzweifelhaft ist ahd. mhd. íu, aus welchen keine brechung ío, íe hätte entspringen können, wenn die aussprachewar; nicht anders zeugt das nhd. éu, das mit äu reimt, für den vollen diphthong. es ist darum falsch dem mhd. iu die ausspracheoder gar ü beizumessen, woraus gar kein übergang in nhd. eu möglich geworden wäre und selbst in der flexion sahen wir sündigiu : diu, seligeu : erfreu reimen. wenigstens scheint für die gothische und bairische mundart solch reines iu, eu gerecht und gedämpftes, gedrücktes ü verwerflich, wie die reuchlinische aussprache für den altgriechischen vocalismus. ob der alamannische dialect schon frühe, wie der heutige schweizerische, davon abgewichen sei, kann hier nicht untersucht werden. übrigens reimen nhd. alle arten des eu und äu aufeinander, heu : neu, läublein : träublein, da doch mhd. höuwe : niuwe, löubelîn : triubelîn unstatthaft wären.
 
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euch , vobis, vos, wie uns nobis, nos zusammenfallend, während ahd. uns und unsih, iu und iuwih, mhd. iu und iuch geschieden sind, uns und unsich nur in frühster zeit. zwar im sg. mir und mich, dir und dich halten wir den uralten unterschied des goth. mis, mik, þus, þuk fest; in sich und sich verrinnen uns sis und sik. dagegen warf schon der Gothe die dat. und acc. dl. wie pl. zueinander: ugkis ugkis, igqis igqis, unsis unsis (neben uns), izvis izvis. das heutige mich, dich einiger volksmundarten für beide casus und die syntactische verwirrung hat also entschuldigungen. schweizerische mundarten setzen üch für beide casus, hessische uch, nnl. gilt u. übrigens begegnet der richtige mhd. dat. eu zuweilen noch späterhin, so bei Püterich:

versigelt und verpunden
sei diser brief mit eu,
also das ich hab funden
eur werde güet mit stäter treuer treu.
Haupt 6, 59,

und oberdeutsche urkunden des 15. 16 jh. werden manches beispiel darbieten, vgl. aus Chmels Maximilian folgende: daʒ wir mit gnaden gen ew erkennen wollen. s. 17 (a. 1493); so solt ir ine die mandat, so wir ew hiemit geben, durch unsern herolt uberantworten. s. 33 (a. 1494); empfehlen wir ew mit ernst. s. 56 (a. 1494); und wann ir aber freiheit zu haben vermainet, das niemands andern enden, dan bei ew traid heben und anschütten sulle. s. 125 (a. 1496); nachdem wir ew jungstlich bevolhen haben, ew all auf das höchst und sterkist. s. 296 (a. 1508). allein es steht auch für den acc. oft dasselbe ew und entscheidende, tonangebende schriftsteller setzen im dat. wie acc. euch.
Es soll hier nicht in die urverwandtschaft des pronomens zweiter person, noch in die herleitung des euch aus ihr eingegangen werden, was passender erst unter ihr geschieht. ahd. iu, iuwih, mhd. iu, iuch, ags. eov, eovic stimmen, bedeutsam weicht von ihnen das goth. izvis ab, dessen ähnlichkeit mit dem gr. σφίσι überrascht, welches in der regel freilich für die dritte person gilt, bei Homer aber auch von der zweiten gebraucht ist (μετὰ σφίσιν, unter euch, Il. 10, 398). denn auch sonst scheinen pronominalbildungen aus einer in die andere person über zu laufen: wenn izvis in unvordenklicher zeit vielleicht der dritten person heim fiel,

[Bd. 3, Sp. 1191]


so würde der acc. pl. erster person vollkommen zum nom. der zweiten treffen (jus, uns wie sunjus, sununs), wogegen goth. veis, ahd. wir = nos gerade den anlaut der lat. zweiten person vos zeigen.
1) in höflicher anrede vertritt euch, wie ihr, den sg. zweiter person, wofür es keiner beispiele bedarf, vgl. 2, 1476.
2) da in keiner leicht die vorstellung der mehrheit liegt, lassen sich euch und uns dazu apponieren: ich mag uns keinen dahin senden, euch keinem zumuten statt unser keinen, euer keinem oder keinen von uns, keinem von euch;

ich mag euch keinen hören.
Stephanie des jüngern sämtliche singspiele. Líegnitz 1792 s. 300.


3) euch wird, gleich dir, als dat. commodi vel incommodi, in die rede traulich eingeschaltet, besonders gern nach haben (gramm. 4, 363): mhd.

daʒ habe du dir ze botschefte. Nib. 1900, 4;

daʒ habe dir dës von Riuwental.
Neidhart 25, 11;

nu habt iu ze râten. Wigal. 176, 36;

nhd. 'des habt euch hie meine trew zu eim pfand', damit sie im ir schneeweiszes händlin bieten thet. buch der liebe 241, 4;

er ist aufs geben euch so eifersüchtig,
so neidisch!
Lessing 2, 240;

wir jagten zusammen,
fiengen ein kalb! ihr liebt euch die speise.
Göthe 40, 183;

kommt mit mir nach hause. ihr werdet da meine Marthe finden, es ist euch noch ein flinkes weib. Weisze kom. opern 3, 87; zu pferde sasz euch der bursch als eine puppe. saht ihr ihn tanzen, so stahl er euch vollends das herz aus dem leibe. Siegfr. von Lindenberg 1, 53.
 
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euer , vestri, goth. izvara, ahd. iuwar, mhd. iuwer, iwer. diese pronominalen gen. pl. haben eine sonst in der sprache unerhörte form, kein goth. gen. pl. dl. auszer unsara, izvara, ugkara, igqara (und seina) geht auf a, kein ahd. auszer unsar, iuwar, unchar, inchar (und sîn) geht consonantisch aus. da O. in den possessiven unsar, iuwar das ar häufig abschneidet und blosz uns, iu setzt, den gen. sg. unses, iuwes für unsares, iuwares u. s. w. bildet; liesze sich denken, dasz ihm auch im gen. pl. des persönl. pron. uns und iu für unsar, iuwar genügte, wozu sich doch keine belege darbieten. umgekehrt pflegte man nhd. den gen. pl. unser, euer ein unorganisches er anzuhängen: unsrer, eurer, unserer, euerer; wahrscheinlich hatte darauf das gleichschlechte meiner, deiner, seiner für mein, dein, sein und ihrer für ihr, derer für der einflusz. das erste beispiel dieses fehlers bietet mir Opitz dar: die ganze zeit uber, als ich ewerer in Mauritanien gewartet habe. Argenis 2, 323; im 18 jh. erscheint er aber bei den besten schriftstellern: wenn eurer viel sich durcharbeiten. Klopstock Hermannsschl. 1, 89; der verlust eurer. Kleist 2, 106; denn es ist ein löblicher stolz eurer werth zu sein. Göthe 22, 211.
nach dieser erörterung der form sei für die syntax bemerkt,
1) in der apposition 'euer aller' stehn beide genitive nicht auf gleicher linie, wie die goth. form izvara allaizê, ahd. iuwar allêrô lehrt: gairnjands vas allaizê izvara, ἐπιποθῶν ἦν πάντας ὑμᾶς, bei Luther: er nach euch allen verlangen hatte. Philipp. 2, 28; iuwar allêrô hêrro; nhd. euer aller herr; ich gedenke euer aller. ewer blutsauger klag in Fischarts flohatz, Scheible 886 = euer der bl. kl. gleicht dem mhd.

mîn sündæres kraft. Servat. 44,

dem gr. ἐμεῖο κυνός. Il. 6, 344.
2) der absolute ausdruck 'gegenwärtig euer' sollte, wenn er den wahren pl. vobis praesentibus enthält, lauten euer gegenwärtiger, wenn er höflich für te praesente gesetzt ist, euer gegenwärtiges. ich finde aber nur den abgestumpften casus des adjectivs: vor ich mit euerm urlaub etliche wort mit euer frawen reden müge gegenwürtig euer. Steinhöwel dec. 190, 10, ausg. 1580. 1, 157a gegenwertig ewer. in gegenwart euer wäre unanstöszig und so könnte auch der gen. von gegenwärtig abhängen.
3) doch von jeher liebt unsre sprache das possessivum und nicht den gen. des persönlichen pron. neben substantiven (gramm. 4, 339). jenes in gegenwart euer heiszt deutscher: in eurer gegenwart. euer majestät, euer durchlaucht ist vestra majestas, celsitudo. nur im unmittelbaren geleit eines subst. mag der gen. stehn, z. b. in mein des schreibers, in euer des richters gegenwart.
4) die interrogativa wer, welcher, wie auch jemand, niemand, jeder, jeglicher haben den gen. euer bei sich, später die praep. von, unter: welcher euer mag gedenken zuzelegen zu seiner gewechst einen elenbogen? bibel 1483, 472b = Matth. 6, 27,

[Bd. 3, Sp. 1192]


vulg. quis vestrum, goth. hvas izvara, ahd. welih iuwar, Luther wer unter euch; euer jeglich, jeglicher von euch, jemand, niemand unter euch. ebenso wie viel euer und bei zahlen: euer zwanzig, euer sind hundert.
5) am häufigsten steht euer neben verben: gnadherr, wir haben ietzunt euwer gedacht. Keisersb. s. d. m. 29a; wol erinnerten wir uns euer;

es lachen euer die wesen.
E. von Kleist 2, 131.

 

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